Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 49 (10.12.1936)
- Date
- 1936-12-10
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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10. Dezember 4936 P e r: ,1 s r 9. e. 1 i t Nr. 49 Seite 3 Religion of Reason. H e r rn a n'n Co h e n' s S y's t e in o f ,R e Ii g i o u s Philosoph y. By T r u d e" W e is.s Ro sm änn. iNew York. 1 936. Bloch Publishing Company. Der Verfasserin ist es vorzüglich gelungen, auch dem wissenschaftlich nicht geschulten Leser der angelsächsischen Welt ein abgerundetes Bild der religionsphilosophischen Gedankenwelt Herrmann Cohens zu geben, wobei der Wandel der Anschauungen Cohens während seines' langen Lebens gewissenhaft berücksichtigt und klargestellt wird. Um den Reich* tum des. Inhalts zu kennzeichnen, seien einige KapitelrUeberschriften wiedergegeben: Religion und Mythologie, Religion und Philosophie, Monotheismus und Pantheismus, Judentum, und Kantische - Philosophie; die G'ttesidee; , G'tt, Mensch und Weltall; der Nebenmensch; die religiöse Liebe; das religiöse Individuum; Messdasidee; Gesetz; Gebet; die Tugend* lehre; das politische Problem; Deutschtum und Judentum. Religious Parties in Israel. By Abraham ,B u r s t e i n. . New Yo r, k. 1 9 3 6. B 1 o c h P u b 1 i s hing . Company. . „ , Ein von der Union orthodoxer Gemeinden bezw. deren Frauenverband herausgegebenes populäres Büchlein/ das'-über Samaritaner, Hellenisten, Sadduzäef, :Essäer, Käräer, Chassidismus, Haskala, NationalismuSj Reform, Konservativismus belehrt und' dabei eine bewußt orthodoxe Tendenz verfolgt. Leider schützt diese . Tendenz den Verfasser nicht ganz* vor Oberflächlichkeit,, ja schweren Irrtümern. So sollten 25 Jahre nach Erscheinen des >,Doroth harischonim" die Fabel von der Identität der Sadduzäer mit der Priesterschaft wirklich nicht mehr weitererzählt werden. Auch die ganze Darstellung von Hillel und dem Verhältnis der mündlichen Lehre zur schriftlichen entspricht nicht der religiösen Tradition und gehört nicht in ein Büch, das die Orthodoxie , sogar im Gegensatz zu den (amerikanischen). ,,Konservativen" Breslauer Richtung vertreten . will. Anerkennen niüß inän" die Volkstümlichkeit und ' Uebersichtlichkeit der Darstellung. T~m- Die währe Einheit der europäischen Kultur. Von Christopher D a w s o n.. Aus dem Englischen übertragen von Karlheinz Schmidthüs. Re gensburg. Verlag von Friedrich Pustet. Das im englischen Original unter dem, wie uns scheint, angemesseneren Titel „Progress and Religion" (Fortschritt und Religion) erschienene. Werk des katholischen Kulturphilosöphen ist für jeden religiös empfindenden und nach einer abgerundeten religiösen Weltanschauung strebenden Menschen eine Fund1 grübe anregender und auf gründlicher, wissenschaftlicher Geschichtsbetrachtung ruhender Gedanken. Der Verfasser zeigt, wie die Säkularisierung der Kultur im Abendland zu ihrer völligen Zersetzung, zur Zerstörung' aller gesellschaftlichen Ordnung, zur wirtschaftlichen und politischen Anarchie führen muß und4 geführt hat. „Die moderne Kultur hat die1 Religion und die geistigen Elemente aus dem Hauptstrom ihrer Entwicklung herausgedrängt, so daß sie die Berührung mit dem sozialen Leben verloren haben, —- — Damit ist aber auch unsre1 ganze Kultur verarmt. Die Frucht davon war jenes Plebejertum des europäischen Geistes, das Nietzsche als notwendige Folge des Verschwindens der Macht des Geistes betrachtet." Dem Judentum läßt der Verfasser als Weltreligion Gerechtigkeit widerfahren, indem i er die Einzigkeit seiner Geschichtsauffassung in schöner Darstellung kennzeichnet. —m. J n unferem Berlage erfüllen: Ein jiidiseh-gescfiichtlfGher Wegweiser uon Rabbiner Dr. £. Breslauer Steif brofchiert 10 3 Seiten, Preis RM. 2.50 Das Buch ift /Hnzurifdien uon allen maßgebenden 3nftanzen als ein Rrbeitsbudi für die reifere jüdifme Jugend und für denkende Juden überhaupt beftens empfohlen worden. Es hilft den Suchenden die jüdifdie ßeföiidrte mit jüdifthen Rügen m U(en und fie als fittliche Rufgabe zu erfahren. Es bringt fruchtbare Befinnung über das Golus. Es zeigt den Weg zur echten jüdifthea ßemein- fchäft und Kulturarbeit Zu beziehen durch alle befTeren Buchhandlungen foioie direht durch den Uerlag Verlag des Israelit u. Hermon G.m.b.H. ■Frankfurt a. 1*1. - Sdiütjenftrafje 12 Poftfchechhonto Pranhfurtmain flr. 1 9 8 0 2 Bei Abnähme einer größeren Anzahl uon Exemplaren durch üereine wird ein größerer Rabatt v gewährt. G'ttesglaube und Naturerkenntnis, Von Prof. Dr. Bruno V K i iS c h. Frankfurt a.' M. Verlag 'S. N e uj mann. 175 S. Ein* "edles Wollen diktierte dieses Buch, ein Wort zur rechten Zeit. Wenn man all die Folgen, welche seinerzeit durch die Popularisierung der Haeckel'schen Welträtsel hervorgerufen wurden, miterlebt hat, wird man für dieses Buch doppelt dankbar sein. Die klare Grenzlinie ist deutlich gezogen.. Eine geschickt ausgewählte Reihe von Zitaten zeigt, daß auch die NaturforSchung begonnen hat, diese Grenzlinie zu respektieren. Im Einzelnen möchten wir bemerken, daß der Versuch, ^is-Bewegung, rhythmische Bewegung zu setzen, vielleicht ein Analogen hat in dem alten Versuch "Iis und Tis zu vergleichen, *n« als durch •Wellenbewegung leuchtend gewordene Luft zu erklären. Daß der Verfasser die Lichtschöpfung als den Beginn des. Schöpfungsaktes annimmt, entspricht wohl nicht ganz dem biblischen Bericht, der übrigens vom Verfasser selbst bei seiner Erklärung von tnai mn akzeptiert wird. Besonders wohltuend wirkt die ehrliche Wärmef die durch jede Seite dieses Buches ziehet. Suchender Jugend und gewissenhaften Erziehern sei das Werk wärmstens empfohlen. P. K. . Abraham. - Von Ernst Fürstenthal. Berlin. 193 6. Jüdische Buchvereinigung. Noch weniger als über die Jugendzeit Mosis' erfahren wir in der Thora über die Abrahams, welche von schweren inneren und äußeren Kämpfen erfüllt gewesen ist. In der Agada sind uns zahlreiche Einzelzüge seines Lebens überliefert. Dankenswert ist daher der Versuch des Verfassers, diese Einzelzüge zu einem lebensvollen Bilde zusammenzufassen, um uns so die Gestalt Abrahams menschlich näher zu bringen. Unter sorgfältiger Berücksichtigung der agadischen Quellen gelingt es dem Verfasser, die religiösen und politischen Verhältnisse der Zeit Nimrods plastisch'vor unserem Auge erstehen zu lassen. Er zeigt, wie sie durch das Wirken Abrahams zutiefst erschüttert werden. Nicht ganz einverstanden wird man sich mit der Gestalt Terachs erklären können, welcher als ein gewissenloser, ehrgeiziger Streber gezeichnet ist, der schließlich zum hemmungslosen Trunkenbold herabsinkt. So hat die Agada den Vater Abrahams nicht vorgezeichnet. Es ist auch wenig wahrscheinlich, daß er so wenig Format gehabt hat. Wenig begründet ist es auch, wenn der Verfasser Abraham in einer Mysterienstätte am Sinai seine religiöse Erleuchtung finden läßt. Er. folgt darin einem Werk von Edouard Schure: „Die großen Eingeweihten", dem er selbst attestiert, daß größte Vorsicht geboten ist. (S. 229.) Warum folgt er hier nicht der Agada, welche den Abraham aus dem Weisheitsborn eines Noach und Schern altes Ueberlieferungsgut schöpfen läßt? Auch das Gügameschepos läßt seinen Helden zu Ut=napistim (Noach) pilgern, um die Mysterien des Lebens zu ergründen. Gleichwohl wäre das Buch vorbehaltlos zu empfehlen, wenn nicht der Verfasser wissenschaftliche Auffassungen über die Urgeschichte der Ebräer hinein verwoben hätte, die mit der Thora nicht" in Uebereinstimmung sind. Jahrhunderte und Aberjahrhunderte vor Abraham soll dem in Kanaan ansässigen Volk der Ebräer die Lehre des Rechts, der Sittlichkeit und der Wahrheit durch g'ttliche Offenbarung zuteil geworden sein, die st© nach ihrer Vertreibung von dort den anderen Völkern brachten. (S. 119ff„ S. 229.) Unter ihnen soll es einen Priesterstamm der Schemiten gegeben haben. fS. 121.) Wenn man so wie der Verf. davon durchdrungen ist, daß wir nichts wären ohne die Thora (S. 215), dann muß man davor zurückscheuen, solche Ergebnisse wissenschaftlicher Forschung zu übernehmen, welche der Offenbarung der Thora widerspre* chen. Das liebevolle Verständnis, mit welchem der Verf. sich in die Midrasch- und Agadaliterätur versenkt hat, wird ihm sicherlich den Blick für die Erkenntnis desjenigen schärfen, was mit ihrem Geist nicht vereinbar ist. Bi. Zitate aus Delitzsch ^Lmx Geschichte der jüdischen Poesie", Eime hundertjährige Erinnerung. Von Saly Geis. Der lutherische Theologe. Franz Delitzsch (1813—90) ließ bereits 1836 als Dreiundzwanzigj ähriger seine erste wissenschaftliche Arbeit erscheinen. Dieses 224 Seiten umfassende Werk „Zur Geschieht« der jüdisehen Poesie"*) zeugt von einem Wissen und einer Belesenheit, die bei' einem jungen christlichen Ger lehrten überrascht. D. war ein Schüler des Orientalisten Julius Fürst (eigentlich: Josef Alsari), Sohn des hebräischen Grammatikers usw.. Jakob Alsari, eines sefardischen Juden in dem, posenschen Städtchen Zerkow, in dem auch Heinrich Graetz seine Jugend verlebte. - Die nachstehend wiedergegebenen Stellen aus dem Werke beweisen, daß Delitzsch trotz seiner christlichen Anschauung und trotz seiner späteren starken Missionsneigung einen tiefen Blick in das Wesen und ia die Geschichte des jüdischen, Volkes getan hat. „Das jüdische Volk ' ist das denkwürdigste aller Völker." „Obgleich exiliert vom vaterländischen Bo- ^en, blieb die hebräische Sprache die Sprache einer volkstümlichen Literatur, weil da© Volk nicht, wie ^as griechische und römische, an. moralischer Entr Haftung dahinstarb, sondern im Gegenteil durch den "«biegsamsten Widerstand gegen alle fremdartigen Einflüssessich .behauptete,", „Die heiligen Poesien sind Teile einer Weltliteratur', (deren Zwecke., überi alle Menschliche Kunst erhaben sind; sie sind i n und für dje Zeit, aber nicht durch die Zeit verfaßt, nicht die Produkte menschlicher Vernunft, sondern eine g'tt= |iche Erscheinung im Worte, der befruchtende. Tau o^^*^^ *) Längst vergriffen und sehr selten. Blütenkelch der hebräischen Sprache; das Unendliche ließ sich hernieder, in endliche Form, ein unerreichbares Urbild,, vor dem die jüdische Poesie stets lobpreisend, ihre Fittige gesenkt hat." „Die ganze Sagenwelt der späteren Moslemen, der Araber, Perser und Türken, soweit sie nur die alttestamentliche Geschichte berührt, findet sich ein Jahrtausend früher schön In den jüdischen Targu* men weit einfacher,,reiner und würdiger geschildert." , „Nach Spanien vererbte sich der wissenschaftliche, mehr universalistische Sinn, der seit der geoneischen Periode im Morgenlande nicht ohne Einfluß persisch-arabischer. Kultur geweckt worden war; , auf Italien .und das mit ihm zusammenhängende fränkische Reich mehr der Geist Palästinas, jener nationale, energische, glühend religiöse, vaterlandsliebende Geist •der Hagadä und der jerusalemischen Gemara. In den spanischen Pijutim redet die Seele mit ihrem Sohöpfer, in den italienischen, deutschen und französischen die israelitische Nation mit ihrem G'tt»" . „Die mittelalterliche jüdische Poesie ist das Dokument von der Freiheit des Volkes in der Sklaverei, diemoderne von der Sklaverei des Volkes in der Freiheit, — die zukünftige möge'sein das lebendige Lebensbild von der Freiheit des Volkes in der Freiheit." „In der hebräischen Sprache spiegelt sich die ent=, hüllte '-Herrlichkeit ■<dek- "Himmels, sie trägt unaustilgbar das Bild des heiligen Lahdes,— nimm ihr beides, .sie . hört nicht auf, .schön zu "sein, aber die heilige Sprache ist isie nicht mehr. Sobald die jüdische Poesie das Zentrum des judentümlichen Glaubens, das Bewußtsein der;nationa-; len, Üni.fers'tqrbarkeit, -der. Gnadehbevorzugung; ".des' Volk-esi,\*üfl.4. , Hoffnung der einstigen Glorie, verliert, — yerlfert sie auch ihre Seele und ihre edelsten Kräfte, sie stirbt ab "und trägt keine natürlichen Früchte mehr." Gegenwart mit nationalem Bande an die Vergangenheit zu knüpfen vermag, — diese Tradition, nicht die olympische Götterlehre, nicht die entmarkten, verbluteten -Begriffe eines schalenDeismus, machte er zum Triebwerk seiner Dichtungen." „Wie die Poesien überhaupt der klarste Spiegel des innersten Lebens sind, so reflektieren sie auch im „Measef"**) samt und sonders die Katastrophe des altnationalen Rabbinismus und die errungene Uebermacht eines leeren, begrifflichen Rationalismus." „Die Jahresschriften „Bikure ha-Itim" (1820—31 Prag) enthalten noch gediegenere Prosa-Aufsätze (vorzüglich von Salomo Juda Rapoport in Lemberg, Samuel David Luzatto in Padua und Isaak Samuel Reggio in Gorizia); die Poesien hingegen charakterisiert der gänzliche Abfall von der Nationalität und das unbedingte Hingeben an die abendländische Poesie, die man nach den modischen Ansichten für mustergültig hielt." „Judäa ist das Mutterland dfer jüdischen Nationalpoesie. Das Reich der Natur und das Reich dar Gnade strahlten hier in ihrer höchsten Glorie. Der Libanon und der Tempel bildeten die beiden Pole des heiligen Landes. Mit jedem Morgen, wenn der Frühdämmer sich bis über Hebron gelichtet hatte, erschloß sich in Jerusalem der Tempel G'ttes mit seinem vorbildlichen idealen Kultus, eine Welt voll' ruhiger und bewegter Schönheit, die Parallele des Himmels auf der Erde, .die tatsächliche Lösung des geheimnisvollen Rätsels der Natur, der Menschheit, des Weltalls. Der Tempel war das Herz der Nation; von da strömte das Blut in ihre Venen, da sammelte es sich wieder, um von dem einigenden Sammelort auf getrennten Wegen von neuem auszuströmen. Der ■ Tempel ist-der Parnaß der jüdischen Poesie." „Ich hoffe, in Zukunft 'wird die Geschichte des Volkes der Völker mit all ihrer versunkenen Herr=:: lichkeit in dem Spiegel einer Poesie, entquollen dem. Buche der Bücher, angeschaut werden können." •*>} Hebräische Monatsschrift 1784-^90 Königsberg und Berlin, 1797 Breslau.