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Der Israelit · 1936-12-10 · Heft 49 (10.12.1936) · page 22

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 49 (10.12.1936)
Date
1936-12-10
Page
– (sequence 22)
Language
German
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Seite 2 Nr. 49 D 1 s r a e 1 i t 10. Dezember 1936 dingt, :s(^dcrn.^'d;as/;Ein-gfeifien--. des Spielers und die Wahr, seines. Zuges notwendig mächt. Mit dieser groben Analogie1 mag der Driesch'sche Versuch .verständlich gemacht Sein. Sie soll sageil daß „die Lebenskraft", eine eigengesetzliche Er scheinung ist, die den physikalisch-chemischen Gesetzen übergeordnet ist. Und wie steht es denn nun mit der Alleinherrschaft und Ausschließ lichkeit der genannten Gesetze von der Erhal tung der Materie und der Kraft in dem physikalisch-chemischen Weltgeschehen überhaupt? Es ist wahr, der Naturforscher wird in allem derartigen Geschehen diese Naturgesetze erfüllt sehen, Die Gleichung „Ursache ■== ,;_Wirkung" wird immer absolut stimmen,- dieX. Verbren nung einer . bestimmten Menge Kohle wird z. B. immer eine genau berechnete Menge an Wärme erzeugen. .Unser Forscher wird also behaupten: Was nicht in dieser Gleichung „Ursache Wirkung" ausgedrückt ist, existiert, auch nicht, ,,es ist nichts Anderes im Spiel." Läßt sich tatsächlich diese Existenz von etwas Anderem absolut verneinen? Nun, sie läßt sich nicht, verneinen! Wir wollen die Analogie aus einem physikalischen Prozeß heranziehe!^ Stellen wir uns einen Elektromotor bestimmter elektromotorischer Lei stung vor. An ihn sind drei Stromkreise angeschlossen, einer für Erzeugung von Wärme, einer für Licht und einer für Betrieb einer Maschine. Auf dem Elektromotor befindet sich eine Schalttafel zum Einschalten der drei Stromkreise. Der Ingenieur an der Schalttafel schaltet wechselweise den und jenen der drei Stromkreise ein. Ein höchstbegabter Physiker wird die Gleichung aufstellen und berechnen, daß Ursache absolut genau der Wirkung entspricht,. d. h., daß die elektromotorische Kraft mathematisch genau die ihr entsprechende Menge von Wärme, Licht und Bewegung erzeugt hat und er wird sagen, die mathematische Gleichung enthält alles, was vorgegangen ist, ,,es ist sonst nichts geschehen". Und doch wissen wir, daß der Ingenieur die drei verschiedenen Stromkreise willkürlich ein- und ausgeschaltet hat. - Von dieser Tätigkeit weist aber die genannte Gleichung nichts aus. Wenn also der Untersucher behaupten wollte; außer der Verwirklichung des Gesetzes von der Erhaltung des Stoffes und der Erhaltung der Kra£t ist keine Wirklichkeit („Wirklichkeit" von „Wirken") vorhanden gewesen, so würde er zu viel behaupten. Wir sehen also, daß alle Fortschritte der Naturwissenschaft die Alten Welträtsel ihrer Lösung nicht nähergebracht haben und daß diese Lösung über die Kraft unsres Erkennens hinausgeht. -pmwria ipay tkö 7n -p^a iV*tt-n» Bücherbesprechungen. „Jüdisches Fest, jüdischer Brauch". Ein Sammelwerk unter Mitwirkung von Else Rabin. Herausgegeben von Friedrich T hi e b e r g e r. J ü - discher Verlag, Berlin. . Es läge nahe, beim Erscheinen eines solchen Buches, melancholisch trübe Betrachtungen darüber anzustellen; wie es da'zu' kommen konnte, daß Generationen. Jüdischer Menschen im Laufe der letzten 100; Jahre -die Kenntnis jüdischer Gesetze und Bräuche verloren, daß sie das sinnvolle Erleben unsrer Feste verlernten, und daß ihnen dieses kostbare Gut heute wieder nähegebracht werden muß. Aber da Geschehenes nicht mehr ungeschehen zu machen ist, Versäumtes aber durch Umkehr und Einkehr nachgeho't werden kann, so wollen wir auch diesem Buch dankbar sein für seinen Versuch, einzuführen in das Wesen der jüdischen Fest= und Träuertage und daniit in jüdische Geschichte und Geistesgeschichte,. Das Buch macht bekannt mit einer ganzen Anzahl jüdischer Menschen und spricht zu uns mit. den Worten von Menschen verschiedenster Richtungen; verschiedenster Zeiten und Herkunftsländer. Es' kommen Stimmen zu uns aus der Zeit des Talmud, des deutschen Mittelalters, ausder Zeit der, spanischen Blüte des Judentums, aus unserer, Zeit, aus .Deutschland, England, Frankreich und aus dein Osten. Einem das Wesen und den Sinn des jeweiligen Festes erklärenden Artikel folgen stets geschichtliche und religions-' philosophische Abhandlungen verschiedener Autoren und Teile aus. erzählenden Werken jüdischer Schrift? steller,;* in denen der geradeVtehandeite -Gegenstand den Mittelpunkt der'Erzählung, bildet.. In einer , solchen Vielheit kann natürlich, nicht.alles ■ gleichwertig - sein, aber es löst sich schließ lieh das heraus, was man un-, ter „jüdischem Geist" versteht: das.'ist die Anerkennung G/ttes als Schöpfer und Erhalter und als Leiter und Lenker der Menschheitsgeschicke im Einzelnen wie im großen Verlauf der Weltgeschichte, und als I ■IN UNSEREM VERLAG ERSCHIEN: TALMUDSTUDIUM NAPHTALI COH N ERS T E S HEFT ZU i . TRAKTAT SABBAT ABSCHNITT I Das Werk umfaßt 52 Seiten einschließlich einer hebräischen Anmerkung von Rabb. Wolf S. Jacobson, Kopenhagen Diese grundwissenschaftliche und trotzdem populäre Einführung in das Talmudsiudium wird gerade heute, da der Talmud so vielfach verkannt wird, jedem Lernenden von größtem Nutzen sein. > Zu beziehen zum Preise von RM. 1.50 VERLAG DES ISRAELIT u. HERMON GmbH. Abteilung Hermon-Verlag ' H Frankfurt a. M., Schützenstraße 12 Postscheckkonto: Frankfurtmain Nr. 39592 Verpflichter im sittlichen und sozialen Leben. Es geht u. a. .auch daraus hervor, wie sehr-im Judentum die Familie geschätzt wirdals Bürgin für die Unsterblichkeit eines Volkes> eines Volkes,; das durch Tradition geformt, sein Bestes vererbt von Geschlecht zu Geschlecht. — Das ' Buch ist dazu geeignet, gutwillige Sucher gedanklich und gemütlich dem jüdischen Brauchtum, zuzuführen, um vielleicht von da aus wieder den Weg zurückweisen zu einem tieferen und umfassenderen Verständnis des Judentums. Auch 4em .*m jüdischen Brauchtum erzogenen und daran gehöhnten Menschen wird es vielfach sein religiöses Tun vergeistigen und verschönern. Der religiös Gefestigte wird vom Ganzen diesfes schönen Buches Nutzen und Freude haben, ohne sich jede einzelne Deutung und Darstellung der zahlreichen Mitarbeiter aus verschiedenen Lagern zu eigen zu machen. ■ Die äußere Form des Werkes, das auch ein schÖnes Material an Bildern und Noten enthält, ist mustergültig. Susi Oppenheimer. Die Prophetie. Von Abraham Heschel. Krakau. Poln. Akademie der Wissenschaften. Berlin, 1 93 6. Erich Reiß, Verlag. Das hier vorliegende Werk ist ein höchst bedeutsamer Beitrag zur wissenschaftlichen Erkenntnis der absoluten Einzigartigkeit der jüdischen Prophetie in dem ganzen Bereich der Religionsgeschichte. Es verleiht Ueberzeugungen Ausdruck,, die den* gläubigen, von tieferem Verständnisder biblischen Quellen . erfüllten Juden von je Selbstverständlichkeiten waren, die aber durch die Anfechtungen und selbstbewußten Konstruktionen der glaubensfeindlichen assimilatorischen „Wissenschaft des Judentums" vielfach verschüttet, oder doch getrübt worden sind. Heschel ist mit dem, ganzen Rüstzeug der modernen theologischen und bibelkritischen Wissenschaft ausgestattet und versteht - es meisterhaft, den Gegner mit seinen eigenen Waffen zu schlagen. Er grenzt' zunächst das reale Eingebungsbewußtsein des Propheten gegen die nur scheinbar verwandten Erscheinungen der Ekstase und der dichterischen Konzeption ab und; erweist schlagend, wie der Prophet den Akt der g'ttlichen Offenbarung als bewußtseinstranszedentes wirkliches Ereignis erlebt. . . ' . j. Der Hauptgegenstand des Werkes ist die. Erkenntnis dessen, was Heschel das g'ttliche „Pathos" nennt, die Weise' des Verhaltens,' die. den''GHtesbegriff des Propheten über alles» - hinaushebt, Wasi "heidnische Mythologie oder religionsphilosophis.che- Spekulation als Wesenheit ihrer Götter. ersonnen haben. Es Ist die Bezbgenheit '..G'ttes auf den Menschen, die Weltzugewandtheit des Schöpfers> seihe/bei^aller Trans- zedenz personale. Anieünahme: an ^lem;inerischlichen: Seih und Werden, dein, »auf. der andern Seite die „Sympathie" des Propheten-mit Gattes Wollen und Nicht/wollen, mit G'ttes Leid und Freude.'.entspricht. Aus diesen Prämissen heraus weiß ' der Autor vieles Rätselhafte, so z. ©. die Ehe-Erlebnisse Hoseas, Jirmejahus Erlebnis mit dem Gürtel u. a. m. zu' erklären. Glänzend ist die Auseinandersetzung: mit allen den Einwendungen, die von jüdischer und nicht jüdischer Seite gegen - den angeblichen „Anthfopopathismus" der prophetischen Religion;v erhoben uhd mit den; Umdeutungsversuchen, die daraufhin aus. .einem angeblich, aber nicht wirklich „geläuterten", ethisierten G'ttesbewußtsein heraus an dem religiösen Traditionsgut übernommen worden sind. „Das Pathos," sagt Heschel, „hat für die Geschichtslehre dieselbe Bedeutung, die der Gedanke der .G'ttesebenbildlichkeit des Menschen für die Schöp» fungslehre besitzt. Der Umstand, daß die Gesinnungen der Menschen G'tt affizieren könhen;. ^daß'G'tt in einer emotionalen Verbundenheit mit der Welt steht, bedeutet die Gleichstimmigkelt von- Schöpfer und Geschöpf." ■ /Die Anstößigkeit des Begriffes ,',der Zorn: G'ttes" verschwindet, sobald man gründlich erfaßt, wie die- >ser Zorn durch den Willen G'ttes gebunden, durch ■ die Sünde des Menschen verursacht, durch" seine instrumentale Bedeutung und letzte Tendenz im seiner Intensität relativiert, durch die sehnlich er= -wünschte Möglichkeit der Umkehr de®*; Volkesi aijfhebbar ist. Heschel weiß zu zeigen, wiesich;v Mystik ■ und rationales Denken, feinster religiöser Individua* lisinus und intensivstes nationales Fühlen: ini Prqipheten in einer Weise begegnen und verschmelzen,; daß alle Schlagworte einer Wissenschaft, die mit von außen hergeholten schematischen Analogieen 'arbeitet, daran zu Schanden, werden. Entschieden weist der Verfassen den Versuch von Lazarus zurück, den" G'tt des Judentums zum Ver? Walter und Vollstrecker einer quasi über , ihm stehenden objektiven Sittlichkeit zu machen. Nicht das autonome Gewissen, , sondern das Offenbärungsbewußtsein war,f die Quelle der prophetischen Ethik. Das Büch wird allen religiös Interessierten eine Fülle von Anregungen bieten. -—m. Transactions of the Jewish Historical Society of England. Vol. XIII. 1932—1935. S e 1 bat v e r 1 a g. (Printed by Purriell & Sons Ltd.). L 6 n - don. 1936. Dieser stattliche, mustergültig ausgestattete drei* zehnte Band der Protokolle der Jüdisch-Historischen Gesellschaft in-London ist dem langjährigen Schatzmeister und Vorsitzenden der Gesellschaft, Sir Gustave Tuck, gewidmet, der durch die Erbauung de* herrlichen Gustave Tuck-Theaters in Verbindung mit der Londoner Universität ein würdiges Zentrum für die Gesellschaft und die ihr angeschlossene Mocatta- Bibliothek mit Museum geschaffen hat. In der Periode 1932—1935 hat die Gesellschalt an neuen Einrichtungen eine Preisverteilung für Schüler der Religionsschulen eingerichtet; sowie zum Gedächtnis Lucien Wolfs, die jährliche Lucien-Wolf-Vorlesung. Der Band enthält 8 wissenschaftliche Vorlesun? gen und umfaßt mit Anhängen mehr als 400 Seiten Groß-Okiav. Den Anfang macht eine wissenschaftliche Spezialarbeit von W. S. Samuel über die Geschichte der Juden von Burbados> einer Insel des Westindischen Archipels, auf der . sich seit 1679/ schon 50 Jahre nach der Entdeckung, eineAnzahl portugiesischer Juden, die von Pernambuco kamen, niederließen. Der bekannte Vorsitzende der Gesellschaft, Rev. Michael Adler, schreibt über Aaron von York, jenen typischen Repräsentanten der englischen Judenheit im 13. Jahrhundert, da die Juden von der Krone als „nutzbare Haustiere", von Volk und Adel als „Wölfe" behandelt und nur von der Käufmann* schaft halbwegs respektiert; und' geschätzt wurden. Viel Neues und Interessantes bringt Cecil. Roths Lady Magnus-Gedächtnis=Vprlesung ,über die. «jüdische Gemeinde in Portsm.outii, - der. Geburtsstadt von Lady Magnus, Von aktuellstem Interesse ist die Wiedergabe der den Lesern, dieses Blattes schon aus der Buchausgabe bekannten Vorlesung von Chief-Rabbi Dr. Hertz über den Kampf für den Sabbat in Genf, mit den zahlreichen Urkunden, die den Gang dieses langwierigen Ringens um die Erhaltung des alten Sabbats gegenüber der geplanten Kalenderreform bezeichnen. Aus dem weiteren, reichen Inhalt des, Bandes ver? zeichnen wir: Nathaniel Isaacs und Natal (Südafrika^ von S. A. Rochlin; die Oxforder Judenheit im' dreizehnten Jahrhundert von Sara Cohen; eine originelle Studie von J. Rumney, die aus den Aeußerüngen ausländischer jüdischer und nichtjüdischer Besucher Englands zwischen 1730 und 1830 ein Bild der dama* ligen englisch-jüdischen Gemeinschaft ' zu rekonstruieren versucht. ' " ''- '•' 'Neben den.' zahlreichen ' wertvollen' Publikationen wissenschaftlichen' und .populären Charakters, die, der Gesellschaft .ihre Finanzierung, verdanken^ bedeutet auch der neue Bahd der, Protokolle eine Willkommehe Bereiqherung der Juilaica^Literatur. ";' —in; .

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