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Der Israelit · 1936-12-10 · Heft 49 (10.12.1936) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 49 (10.12.1936)
Date
1936-12-10
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 12 Nr. 49 ,Df e r, I-.s. t. a e 1, i. jt 10: i DezembefJ 1936 hat allgemeine Empörung hervorgerufen. Uebrigehs ist seit einiger Zeit diese ungarische Stadt als Zentrum des schärfsten Antisemitismus bekannt. Wie ,,Egyenlöseg" meldet — und das Blatt muß es gut wissen — liefert die Pester neologe Gemeinde den überwiegenden Teil der Neiiehrislen, und manche schreiten sogar vom Vorsteher-Sessel zum Taufbecken. In den frischgetauften Judenfamilien herrscht große Aufregung, denn der Genealoge Bela von K e m p e 1 e n will in kurzem ein Almanach der berühmten jüdischen und mit Juden versippten Familien in Ungarn herausgeben. Herr von Kempelen, dem jeder Antisemitismus fern ist, erzählt, daß sich aufregende Szenen in seinem Studierzimmer abspielen, seit seine Absicht bekanntgeworden ist. Herren und Damen bittn, ihre Familie unbedingt aus dem Buche zu entfernen. - Eine ungarische antisemitische Organisation for* dert in Flugschriften, daß die Juden auf gesetzlichem Wege gezwungen werden sollen, den Sabbat und die jüdischen Feiertage zu feiern. Holland. Allerlei aus Holland. ' <*> Amsterdam, 4. I}&z. In dem jüdischen Werkdorf im Wieringer Meerpolder, in dem Jugendliche aus Deutschland landwirtschaftlich und handwerklich für ihre spätere Niederlassung in Palästina oder Uebersee geschult werden, ist in dieser Woche ein großer Brand ausgebrochen. Das Verwaltungsgebäude wurde vollständig vernichtet. Dank dem raschen Eingreifen der Feuerwehr konnte es verhütet werdin, daß der Brand auch die übrigen hölzernen Gebäude erfaßte. Der erhebliche Schaden ist durch Versicherung gedeckt. Der bekannte Amsterdamer jüdische Sozialarbei= ,ter Dr. S. Parser wurde von Königin Wilhelmine durch Ernennung zum Offizier des Ordens Oranien- Nässau ausgezeichnet. Dr. Parser ist seit fünfundzwanzig Jahren Friedensrichter in Amsterdam und Präsident des großen jüdischen Heims für Geiste s k ranke in Apeldoorn. ■ : Der Generaldirektor der Außenhandels-Abteilung im holländischen Handelsministerium, Dr. H. M. Hirschfeld, ist vom polnischen Staatspräsidenten zum .Großoffizier des Ordens Polonia Resiituta ernannt worden. Die Auszeichnung wurde Dr. Hirschfeld von dem polnischen Gesandten im Haag, Dr. B ab in s k i , persönlich überreicht.. Polen. Zwei jüdische Tageszeitung6* in Warschau erscheinen am Sabbat. > W a r-s c h a u ,' 1.-Dez. Die jüdische Tageszeitung „Das neue Wort", Organ der rechten Poale Ziony daisi bisher : sechsmal wöchentlich erschienen ist, wird von nun an siebenmal, di-h. auch am Sabbat, erscheinen. Nach der bundistischen „Volkfczeitung" ' ist das „Das neue Wort" nunmehr die zweite jüdische Tageszeitung Warschaus, die auch am Sabbat erscheint. Und was sagt die Lesergemeinde dazu? Und dennoch Arierparagrapk in einer Advokatenkammer, Lublin, 1. Dez. Nach den General-Versammlungen der Advokatenkammern von Warschau und Krakau hat nunmehr auch die L u b 1 i n e r Advokatenkammer eine solche Versammlung abgehalten. Im Gegensatz zu Warschau und Krakau ist es hier den Nationaldemokraten gelungen, den Ari.erparagrph eh durch zuset- Z e n. Von den 160 Teilnehmern an .der Versammlung haben 104 für den nationaldemokratischen Antrag, in Zukunft Juden nicht mehr als Mitglieder aufzunehmen, gestimmt. Die jüdischen Mitglieder der Ady.okatenkammef haben gegen den! Beschluß Pro* test eingelegt und den Saal demonstrativ verlassen. Zum ersten Male ist hier in einer öffentlichen Kör* perschaft Polens eine eins ehr änkeiide Bestimmung' afrf Grund .des Rassenprinzips angenommen worden.: :; Juden-Not in Polen. ■ Wärscha'uv/3; De£ In der allgemeinen Aussprache, die auf die1 Erklärungen des Ministerpräsidenten S k 1 a d k o w s k i und des Vizepremiers* K wd a t k o-ws k i im polni sehen Sejm folgten;1 «ergriffen auch die jüdischen Ab geordneten L. Minzberg und Rabbiner R u b £ h - stein das Wort,; um die Not der jüdischen Bevölke rung Polens zu schildern. Rabbiner Rubdnstein kam hierbei, insbesondere auf die jüngsten judenfeindlichen Ausschreitungen in-Wilma zu sprechen. Abg. Minzberg führte u. a.; aus: „Verschiedene Blättchen vernebeln1 die Gehirne und schaffen Kadres von Mördern. Dieselben Kreise, die zur Ermordung des ersten Präsidenten gehetzt und die Mörder verherrlicht haben, reizen jetzt ge gen die Juden auf," Der Redner, zitierte verschiedene Presseäußerungen, u. a. eine Mitteilung, wonach ein Priester in der ReUgiönss<tunde erklärte^ man müsse •mit den Juden dn Polen so verfahren wie einst Pharao in Aegypten: die Erwachsenen müsse man zu schwe* rer Fronarbeit heranziehen, die Kinder töten. Abg. Minzberg schilderte die Mordhetze der Nationaldemokraten und erklärte, in einem Rechtsstaate erachte man Handlungen, wie sie von den Nationaldemokratsn verübt werden, als gegen den Staat gerichtet. Selbst die nationaldemokratischen Wirtschaftler geben zu, daß die Wirtschaftsfrage nicht dadurch gelöst wird, daß man die Marktstände beherrscht und auch nicht durch Judenauswanderung aus Polen. Die Juden seien loyale Bürger und wollen solche sein. Man könne die Juden nicht zwingen, das Land zu verlassen. Bei der Wahl in die Kommissäonen wurden der agudistische Abgeordnete Minzberg in die Budget- und in die Handelskommission, Abg. Dr. Emil Sommer steinin die Verwaltung*- und in die Juristische Kommission, Rabbiner Rubinstein in die Bildungs- und in die Gesiradheitskommsson, Dr. Jehoschua Gottleb in die Finanzkommission gewählt. WÜnaer Stadträt lehnt HÜfs-Aktion für die Opfer der Unruhen ab. Warschau, 3. Dez. Der Stadtrat von Wilna hat einen Antrag der jüdischen Stadtverordneten, eine Süihme von 6000 Zloty zur Unterstützung'der Opfer der letzten judenfeindlichen Ausschreitungen zu gewähren, abgelehnt. Eine Sitzung der Warschauer Repräsentanten- Versammlung aufgelöst. W ä r s c h a u , 3. . Dez. Eine Sitzung der Repräsentanten-Versammlung der Warschauer Jüdischen Gemeinde ist von dem Vertreter der Behörde wiederum aufgelöst worden; die Vertreter der Bundisten und der .linken Poale Zion hatten sich vorher in scharfen Reden gegen die Einmengung der Behörden in die inneren Angelegenheiten der Jüdischen Gemeinde ausgesprochen. Fünfzehn Galeriebesucher wurden verhaftet.. Wieder Ausschreitungen an ,der Lemb«rger Universität. Warschau, 6. Dez. In. Lemberg ist es am letzten Freitag abermals zu judenfeindlichen Ausschreitungen nationalistischer Studenten gekommen. An der medizinischen Fakultät, an. der . Handelshochschule'und im Anatomischen Institut wurden die jüdsichen Hörer aus den Vor* tragssälen hinausgeworfen. Im Anatomischen Institut wurden fünfzehn jüdische Studenten erheblich ver* letzt; einer wurde in besorgniserregendein Zustand ins Krankenhaus gebracht. ' An der Universität Wilna wurden die Vorlesungen wieder aufgenommen. lÖagegen "werden sämtliche Warschauer Hochschulen.! vor den Weihnächtsferien nicht „mehr geöffnet; Exzesse in Wika jmit Hilfe d>r Polizei, i. -•.;•„; Warschau, 2.'Dez., . Der Abgeordnete Rabbiner RubÄn/pt ei n aus Wilna hat- >ini ediaer Ihterpiellatipn imppjiiiseb.en. Sejm schwelte. Beschüldigunge&j gegen die. :E'.Q.Ii zei y p n Wilin a/ erhobeniv:.Er stellte,-f esty daß. «bei den. juden-' feindlichen -.-Ausschreitungen;. die sich: in Wilna..'am •23fr>Noy.emb«r.. -ereigneten,- 46 Juden1 von.Sder. - Polizei mißhandelt .und; .verletzt .worden seien.,: Zahlreiche jüdische Geschäfte wurden von; den. natiömaldempkrätischen.-. Exzedenten demoliert. Abg» / Rubinstein. legte eidesstattliche , Erklärungen -- der 46 von" der- Polizei mißhandelten. Juden sowie ebensolche/Erklärungen der 'Ladenbesitzer vor>:.: deren" Geschäfte ^verwüstet worden sind. Insgesamt seien an jenem -Tlägvin''.Wilna 96 Juden verletzt worden: . Zum Schluß;'forderte, der Abgeordnete , von der Regierung Schutz;-für fdieijü-. dische Bevölkerung und Bestrafung -•derjenigen;- die an den Ausschreitungen teilgenommen haben/ ..■>■- Die jüdischen Zeitungen, die den Wortlaut der Interpellation des Abgeordneten Rubinstein über die Ausschreitungen in: Wilna_.: veröffentlicht haben, sind beschlagnahmt worden,; -? Die natipnaldemokratischen Studenten in Wibiä haben vor den jüdischen Geschäften _P o s t e naufgestellt, die nichtjüdisiche., Käufer am Betreten der Geschäfte hindern. Die Posten wunden vielfach von der Polizei vertrieben, kehrten jedoch immer wieder zurück und behinderten empfindlich den Geschäftsgang. Mehrere Studenten wurden verhaftet. Der Kor p s;= K o mm a n d ä nt von L ember gr General Tokarzewski, hat Vertreter des- Ver« b a n d e s polnischer Stud&nte n; zur Verteidigung der Ehre Polens zu sich berufen Und ihnen seine Anerkennung für den Kampf, ausgesprochen,, den sie gegen die Erregung judenfeindlicher Exzesse führen. Diese Geste des Generals hat bei der jüdischen Bevölkerung tiefe Genugtuung hervorgerufen. TschechoslovakeL Gegen die Gefährdung des friedlichen Zusammenlebens von Juden und Nichtjuden in d«r Tschechoslovakei. Prag, 4. Dez. Im Budget-Ausschuß des Abgeordnetenhauses befaßte sich der Abgeordnete der Jüdischen Partei, Dr. Chaim Kugel, mit der allgemeinen Lage und bestimmten Forderungen der jüdischen Bevölkerung, ins^ besondere in den östlichen Teilen der Republik. Er erklärte, die Juden seien Verbündete aller derjenigen, die, gestützt auf die Lehre Masaryks, den Sieg der Menschlichkeit auf allen Gebieten anstreben." Die Tschechoslovakei sei einer der wenigen Staaten, die •die Gleichberechtigung der jüdischen Bürger nicht, angetastet haben. Leider würden in letzter Zeit die- Gedanken des Staatsgründers vielfach' verletzt lind". Losungen ausgegeben, die das Zusammenleben der jüdischen Minderheiteh mit'dem Staätsvölk vergiften^ Abg. Kugel verlangte die- Verstaatlichung der. bestehenden und die Gründung neuer jüdischer Schulen, sowie die; Demokratisierung ~ des Wählrechts;iin deä. Kultusgemeinden. Er wandte sich gegen die Z'W an g;ss o n n t a & s r u h e im Osten der' Republik, Schließlich dankte er für die Erkläruiigeö, die Gesandter Dr. Osusky in der Mandats-Kommissiön des .Völkerbundes abgegeben hat.! ... .; . Sir Neill Malcolm bei Präsident B^nesct und Minister Krofta. : Prag, 3. Dez. Der Oberkommissar des Völkerbundes für Aus- Wandererfürsorge, General Sir Neill M alco l.m, der in Begleitung seines Sekretärs, Viscount Duncannoh, am 2. Dezember in Prag eintraf, ist .vom Präsiden1 ten der Republik, Dr. Eduard Benesch, und im Anschluß daran vom Außenminister Dr. Kamil Krofta empfangen worden. Vertretern der Presse «rklärte der Oberkommissar, er glaube, daß auch die Tsche* chosloyakei und die Schweiz, «die^ Besfinimüngen des Genfer Abkommens über die Rechtslage de^ Ausgewanderten in Kraft setzen werden.' Der'Beitritt dieser beiden Länder. erscheineihm sehr wichtig, und er sei bezüglich «der Tschecihoslbvakei ^.durchaus'hoffr nungsyoli. . Außenminister ^offä habe'Unterstützung; zugesagt. TOi^^^'ko/filaiy' da]3 auf der jachsten Internätionaleh KoniereQZ daf prövisoriiSche Abkommen zu , e^er Ä^nd^ge^ werden, wird. Auf dieser Konferenz^söfl aiicih die" <---f-:i- 'n -■■;?:< 'sex .?i.'..-j-t: i-w« ii :;.<*.-y^i"^/:^ rx<t* ..

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