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Der Israelit · 1936-12-10 · Heft 49 (10.12.1936) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 49 (10.12.1936)
Date
1936-12-10
Page
– (sequence 11)
Language
German
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10. Dezember 1936 Der 1 s r a e f,i i Nr. 49 Seite 11 Deutsches Reich. Jüdische Kunstlehrstätte. B e r Ii n , 1, Dez, Die. Presseabteilung der Reichsvertretung •der Juden in Deutschland teilt mit: Neben den mannigfachen Einrichtungen ider jüdischen Gemeinden und Organisationen in Deutschland, die dazu bestimmt sind, -der jüdischen Jugend eine sachgemäße Berufsausbildung für künftige Betätigung im Ausland zu geben, fehlt es bisher an einer umfassenden und zentralen Lehrstätte für die verschiedenen Gebiete der angewandten Kunst und des Kunsthandwerks. Diesem Uebel wird nun m't der Gründung der Kunstlehrstätte abgeholfen. Vorerst sind die folgenden Abteilungen vorgesehen: I. Werbekunst: Schrift-, Gebrauchsgraphik-, Plakat=, Schaufenstergestaltung — angegliedert eine Lehrwerkstätte für praktisch© Schaufenster. Dekoration (Gebrauchswerbung). — II. Mode- und 'Konfektionszeichnen: angegliedert praktische Lehrwerkstatt ten für Schneiderei, Putz, Wäsche, Handarbeiten. Es soll Tages-Vollunterric h t erteilt werden, außerdem sollen rieben der geschlossenen Fachausbildung Umschulüngs= und Ergänzungskurse, auch Abendunterricht für die im Beruf Stehenden geboten -werden. Als Ergänzung sind schließlich allgemeine Kurse in Werbelehre, Stoffkunde, Stil- und Kunstgeschichte, Kostümkunde, Farbenlehre, Perspektive in Aussicht genommen. Da es sich um spätere Auswanderer handelt, sollen 'die Schüler verpflichtet werdn, an Sprachkursen anderer Organisationen (u. a. Hilfsverein der Juden in Deutschland) teilzunehmen. Die Ausbildungsdauer ist für die Fachausbildung auf zwei Jahre angesetzt, für die Umschulungsbezw. Fortbildungskurse sollen semesterweise Lehrgänge eingerichtet werden. Um die tatsächliche Nachfrage schon jetzt feststellen zu können, werden von Anwärtern und Anwärterinnan für die geplante Ausbildungsanstalt, die mindestens 16 Jahre alt sein müssen, nur schriftliche Bewerbungen sofort — bis spätestens 31, Dezem= Tser 1936 — erbeten, und zwar von den in Berlin ^wohnhaften Bewerbern an die Adresse der Jüdischen "Gemeinde, Berlin C 2, Rosenstr, 2-4, Zimmer 7, von den außerhalb Berlins Ansässigen an die Adresse der Reichsvertretung der Juden in Deutschland, Abtlg. Berufsausbildung, Berlin-Charlottenburg 2, Kantstr. 158. Das Bewerbungsschreiben muß enthalten: Lebenslauf mit Angabe des Namen®, Alter®, der Schulbildung und gegebenenfalls der beruflichen Vorbildung, außerdem genaue Angaben über Beruf und -wirtschaftliche Lage (bei Jugendlichen der Eltern öder Erziehungsberechtigten.) Nach Möglichkeit sind Lichtbild und einige Arbeitsproben 'beizufügen, {Zeichnungen nicht .gerollt, mit Namen versehen,) Die Konzentration der jüdischen Landesverbands- Arbeit. Berlin, 1. Dez. Die Israelitische Gemeinde Bremen hat nunmehr . ihren Anschluß an den Preußischen Landesverban,d vollzogen. Mit dem Anschluß Bremens, der unmittelbar nach dem Anschluß Annalls erfolgte, sind alle Gemeinden dn Norddeutschland, mit Ausnähme der der Hansestadt Hamburg, in dem Preußischen Landesverband vereinigt. Aüs den Gemeinden. Hamburg, 2. Dez. Dä die Wahlperiode des Repräsentanten- Kol l'e g iu in s der Deutsch-Israelitischen Gemeinde in Hamburg ihr Ende erreicht, sind Verhandlungen eingeleitet Worden, um düreh Aufstellung einer Einheitsliste eine Neuwahl zu vermeiden,. Diese Ver« Handlungen bezwecken* die Zahl der Repräsentanten zu erhöhen', um den vermehrten Ansprüchen einzelner Parteien gerecht zu ' werden. Die Woche. Berlin, Der Preußische Landesverband Jüdischer Gemeinden teilt mit, daß die für Ende November vorgesehene, den Fragen des hebräischen Unterrichts gewidmete pädagogische Arbeitstagung in Berlin auf Wunsch der Lehrerschaft erst Anfang Januar, gleich nach Schulbeginn, stattfinden wird, — Zu Ehren von Prof. Dr. Eugen Mittwoch, der am 4. Dezember seinen 60. Geburtstag beging, gab die Gesellschaft zur Förderung der Wisgenschaft des Judentums eine Festschrift heraus, in der eine größere Anzahl von Fachgenossen des Jubilars mit Beiträgen vertreten sind. — Die Schulverwaltung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin hat beschlossen, demnächst Kurse in der arabischen Spraphe einzuführen. Es ist in Aussicht , genommen, diese Kurse der Hebräischen Lehranstalt der Berliner Jüdisehen Gemeinde anzuschließen. Dresden. Bei der Neubildung der Gemeindekörperschaften der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden ist ein Wahlkampf vermieden worden. Es ist nur eine Einheitsliste eingereicht worden, auf der die bisherigen sechs Vorsteher und zehn Gemeindeverordnete wiedergewählt wurden. München. Der Jüdische Frauenbund in München führte eine dreitägige C h a nukah Messe durch. Auf ihr wurden künstlerische und kunstgewerbliche Arbeiten von zwölf Münchener jüdischen Künstlerinnen ausgestellt. Es konnten zahlreiche Verkäufe getätigt werden. Die Schau wurde zu einem starken Erfolg. Amsterdam. Die Kgl. Physikalische Gesellschaft in Lund (Schweden) hat den berühmten holländischjüdischen Physiker Prof. Dr. L. S. O r n - stein in Anerkennung seiner hervorragenden Beiträge zur Entwicklung der Experimentalphysik zum korrespondierenden Mit= I glied ernannt. Rotterdam. Wie aus dem Jahresbericht der Jüdischen Gemeinde Rotterdam hervorgeht, betrug die Zahl der Gemeindemitglieder am Ende des Berichtsjahres 12.902 gegenüber 12.680 zu Beginn das Jahres. Die Zahl der Geburten ist wieder zurückgegangen, Sie beträgt 101 (59 Knaben und 42 Mädchen); die Zahl der Eheschließungen betrug 49, die der Todesfälle ' 105. Jerusalem. In Haifa ist der hebräische Schriftsteller Mordechad Ben Hillel H a k o h e n, 80jährig, gestorben, Hakohen hat im modernen hebräischen Schrifttum eine hervorragende Rolle gespielt. Er hat, noch zur Aufklärungs-Bewegung der Haskalah gehörend, an fast sämtlichen hebräischen Zeitschriften, die im vergangenen halben Jahrhundert herausgegeben wurden, mitgearbeitet. — Nach längeren Verhandlungen, die die Stadtverwaltung von Tel Awiw und die Jewish Agency mit der Regierung geführt haben, hat sich diese bereit erklärt, die Hilfspolizisten in Tel Awiw vollständig aus Regierungsmitteln zu besolden, Tel Awiw. Zu Ehren der aus Amerika zurückgekehrten Fußballmannschaft des Makkabi Tel Awiw fand ein Empfang statt, bei dem Bürgermeister Rokach die amerikanische Flagge entgegennahm, die der Bürgermeister von New York, Fiorello H. La-Guardia, der Fußballmannschaft bei ihrer Abreise als Geschenk für die Stadt Tel Awiw .übergeben hatte. — Nach dem Muster ähnlichsr Gesellschaften in anderen Ländern ist in Tel Awiw eine jüdische „Meeres-Liga" gegründet worden, die es sich zur Aufgäbe macht, Propaganda für den Seeinannsberuf unter den Juden zu treiben, New York. Die Union of American Hebrew Congrega* tions erläßt einen Aufruf an 30.000 Besucher der jüdischen Sonntags-Schulen in Amerika, durch Erwerb eines Bausteins im Wert von wenigen Cents einen Fonds zu ■schaffen/ der es dem Archäaologen Prof. Nelson Glueck ermöglichen soll, Ausgrabungen an der Stätte vorzunehmen, wo seiner Ueberzeugüng nach das biblische Kadesch Barnea, die Lagerstätte der Israeliten auf dem Zug durch die WÜste, Hegt. H^HMtaMH - h' Mannheim, 2. Dez. Für die bevorstehende Wahl des Synagogenrates und der Gemeindevertretung in Mannheim haben die Liberalen, Zionisten, Konservativen und die Gemeindevereinigung eine Einheitsliste aufgestellt. Es wurde gleichzeitig beschlossen, daß in Zukunft der Synagogenrat nur noch aus neun (früher 11) Mitgliedern und 'die Gemeindevertretung aus 36 gegenüber 44 bestehen soll. Der Synagogenrat soll sich aus 3 Zionisten, 3 Liberalen, einem Konservativen, einem Vertreter der Gemeindevereinigung und einem Mit* glied zusammensetzen, das keiner Gruppe angehört. Die Gemeinde-Vertretung soll aus 14 Liberalen, 10 Zionisten, 5 Konservativen und Angehörigen der Gemeinde-Vereinigung sich zusammensetzen, wobei zwei Mitglieder der Gemeinde-Vereinigung und drei Konservative der zionistischen Richtung nahestehen sollen. * * * D a n z i g , 2. Dez. Bei der Repräsentantenwahl der Synagogen-Gemeinde D a n z i g ist es zu einer Verständigung gekommen. Es ist eine Einheitsliste aufgestellt worden, die das bisherige Stärkeverhältnis der einzelnen Richtungen mit der Maßgabe beibehält, daß die Zionisten einen ihrer Sitze den Revisionisten einräumen, Di© Repräsentanten-Versammlung wird aus 3 Liberalen, 3 Zionisten, darunter einem Revisionisten und einem Vertreter der Orthodoxie bestehen. Oesterreich. Von der Adas Jisroel-Gemeinde in Wien. Wien, 4. Dez, Am 6, Dezember fand die Generalversammlung der Adas Jisroel statt. Aus diesem Anlaß verschickt der Vorstand •aen Seriem üofer Alts V«riiiLStätigkeit der letzten Jahre. Derselbe umfaßt alle Teile des jüdisch-rituellen Lebens ebenso wie die verschiedenen Gebiete sozialer Fürsorge und religiöser Bildung. Es ist ein sehr beträchtliches Stück Arbeit einer jüdischen Gemeinschaft, die nicht so sehr durch die Zahl ihrer Mitglieder als durch die unerschütterliche Treue, mit der 6ie zu ihren Grundsätzen steht, sich Achtung verschafft und zur Geltung bringt. Es muß hervorgehoben werden, daß die Adas Jisroel ungeachtet aller Nörgeleien, alle Institutionen und Anstalten grundsätzlich nicht nur ihren Mitgliedern, sondern allen, die auf streng religiöse Führung reflektieren, ohne jeden Unterschied frei zur Verfügung hält. Eine Reihe charitativer und kultureller Vereine, die grundsätzlich der Adas Jisroel angeschlossen sind, leisten ganz hervorragende soziale und kulturelle Arbeit im Interesse aller, wofür ihnen die Gesamtheit der Wiener Judenheit Dank schuldet. Auch die Zif* fem, von denen der Bericht spricht, sind recht ansehnlich. Das Jahresbudget beläuft sich auf ungefähr eine Viertelmillion Schilling. Die Summe, die die angeschlossenen Vereine für ihre Tätigkeit nebenbei in Anspruch nimmt, ist kaum wesentlich geringer. Die einzelnen Ziffern haben in den letzten Jahren eine Herabsetzung erfahren; der Betrag für Fürsorge Ist nicht heruntergegangen, S. Ungarn. Brief ans Ungarn. Budapest, 1. Dez. An der Budapester Universität kam es vorige und diese Woche zu Studenten-Unruhen und Kravailen. Antisemitische Hörer stürmten die Lehrsäle, brachen die geschlossenen Türen ein und forderten die jüdischen Studienten unter Drohung auf, die Hochschule zu verlassen. Später zogen die Studenten durch die Väci-Gasse, die Hauptgeschäftsstraße des vornehmen vierten Bezirkes, und sangen antisemitische Lieder, erklärten jeden Juden für ehrlos, verteilten antis>emitische Hetzschriften und attackierten sogar den bekannten jüdischen Abgeordineten und Frontkämpfer Bela Fabian, Interessant ist, daß die Presse, sogar die antisemitische, diese Kravalle im Interesse Ungarns, das soeben wichtige politische Verhandlungen führt, scharf verurteilt. In Debrezin haben, antisemitische Demonstranten die Fenster der Status qup-Synagpgfe mit Steinen eingeworfen. Dieser Angriff gegen das G'tteshaus

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