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Der Israelit · 1936-12-10 · Heft 49 (10.12.1936) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 49 (10.12.1936)
Date
1936-12-10
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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10. Dezember 1936 Der Israelit Nr. 49 Seite 5 leicht auch die Milderung der Einrwanderungsbeschränkungen in anderen überseeischen Ländern bezwecken wollte, so wollen wir ihm dafür, einerlei aus welchen Motiven seine Aktion kommt, dankbar sein. Aber wir wissen, daß in Von B. Cohen, Die irrige Idee, das Judentum habe eine religiöse Pflicht oder ein Interesse an der Bekehrung nichtjüdischer Menschen zur Thorabefolgung jemals gekannt, muß für die Unsrigen nicht erst widerlegt werden und wird auch in nichtjüdischen Kreisen wohl kaum jemals mit objektiver Ueberzeugung vorgebracht. Wohl gibt es eine aus dem ersten vorchristlichen Jahrhundert stammende ganze Literatur bekehrender Tendenz. Man kann aber nicht gut behaupten, daß dieses Schrifttum vom Geiste dessen erfüllt ist, was'die Tannaim und ihre Jünger in jener Zeit lehrten. Teils leuchtet aus diesen Schriften direkt das Irrlicht des damaligen sadduzäischen und sonstigen Sektiererwesens hervor, teils ist darin bei vielem guten Willen eine nur sehr unvollständige Kenntnis des Gesetzeslebens zu bemerken; letzteres trifft insbesondere auf die Schriften Philos zu, die aber stellenweise einen mehr belehrenden als bekehrenden Charakter aufweisen. Allgemein bekannt ist auch die Vorschrift, jeden Menschen, der sich um Aufnahme in die jüdische Gemeinschaft bemüht, aufs Gewissenhafteste auf die Motive seiner Absicht zu prüfen und auch im günstigsten Falle ihn zuerst dreimal abzuweisen. Einem Menschen, der allen den strengen Anforderungen unter sichtlicher Aufopferung eigener Interessen bei der Aufnahme entspricht, kann die Aufnahme nicht versagt werden; er gilt nach Vollzug des Eintrittes in jedweder Hinsicht als unser Bruder und ist, "wie Maimonides und Andere in ausdrücklicher Widerlegung einer dem entgegenstehenden Mischna in Bikkurim entscheiden, sogar dazu berechtigt, in den Gebeten G'tt als den ,,G'tt unserer Väter" anzurufen. Wir müssen also jedem Menschen, der alle diese Vorbedingung erfüllt, mit allen Kräften und in brüderlicher Liebe dazu verhelfen, daß er sich weder im irdischen Leben als GER — fremd angesehen vorkommt noch aus Mangel an Gesetzeskunde zu einem Uebertreter der Pflichten wird, die er feierlich auf sich genommen hat. Er ——«■II IMMMMMttMBBBMMMMMMBMMWMW——I Kap. 41. V. 3. urn p in'-in* mW rvnn« nno yiv tarn •i»vi nsm bv tmon bin nrröMn UM nlpH n«U3 J117T „Und siehe: sieben andere Kühe steigen nach ihnen aus dem Flusse, schlecht von Ansehen und mager von Fleisch, und sie stellten sich neben die Kühe an das Ufer des Flusses." Die mageren Kühe stellen sich in nächster Nähe der fetten Kühe. Durch dieses Bild wird Pharao angedeutet, daß die Jahre des Hungers unmittelbar auf diejenigen des Ueberflusses folgen werden. * * * Kap. 41. V. 7. a">b$va yiv m mpnn wbzvn my^am ■mbn nam nsns?p«i wintern nwnn „Da bedeckten die dünnen Aehren die sieben gesunden und vollen Aehren. Pharao erwachte, und siehe, es war ein Traum." Gibt man o'tewn ruy^am mit „die Aehren verschlangen" wieder, so ist in Erwägung zu ziehen, daß der Mensch im Traume auch Unmögliches sieht. Einleuchtender dürfte folgende Deutung sein: Das Zeitwort yba bedeutet etwas dem Anblick entziehen, verhüllen. So heißt r-iwinb wa» xbi inm unpn m y^aa „Sie sollen nicht hineinkommen zu sehen, wenn man das* Heiligtum einhüllt; sie würden sonst sterben" (Bemidbar 4, 20)'. Der Sinn unserer Stelle wäre mithin: Die dürren Aehren waren weitaus größer als die vollen Aehren, so daß diese dem Blicke entzogen wurden mpnn Q'baarn inr^a/n da be s deckten die dünnen Aehren. * * * Kap, 41. V. 21. naaip Vk "»«a '3 y-na naanp t>« jijksivi Tpw ntena iwna vwnm „Sie kamen in ihr Inneres, aber es war nicht zu «erkennen, daß sie, in ihr Inneres gekommen waren, Polen noch andere Kräfte am Werke sind, und daß man. dort unter den Juden den jüdischen Politikern, die diese ausgelöst haben, nicht gerade denkbar ist. wird Teilhaber des Volkslebens, vor allem aber Jünger der Lehre Israels. Um nun etwa .zu entscheiden, ob ein zum Judentum neigender Stamm wie die Falaschas zu den Unsrigen gehören, hat es seinerzeit erstens keiner altertumskundlichen Untersuchungen bedurft, ob diese. Menschen etwa wirklich, rein rassisch gesprochen, Nachkommen der „zehn Stämme" oder der später eingewanderten Juden jenes Landes sind oder nicht; ebenso war es zweitens damals unerheblich, ob sie ihre Thoravorschriften wirklich alle in einem der Lehre unserer Weisen völlig entsprechenden Sinne erfüllt haben; es genügt die hundertfach bezeugte Tatsache, daß sie im vorigen Menschenalter sich unter großen persönlichen Opfern den kirchlichen Beikehrungsversuchen dortiger Gegend widersetzt und dabei sogar stellenweise ihr Leben hingegeben haben. Infolgedessen sind sie uns, nach Entscheidung damaliger Großer, Gegenstand der Achtung und der Bruderliebe, und die neuere Entwicklung der Geschicke des Landis ruft uns diese Pflicht ins Gedächtnis. Die Idee, man solle den Lauf der dortigen Ereignisse deshalb nicht beeinflussen wollen, weil einseitige italienische Machtinteressen dahinterstehen könnten, denen man nicht das Geschick der Judenheit aussetzen darf, ist nur insoweit eine gesunde Idee, als sie der Mitarbeit außeritalienischer Juden eine gewisse Grenze setzt, die der Takt gebietet; aber dieselbe Vorsicht sollte man manchmal auch in der Mitarbeit am britischen Palästinaexperiment anwenden. Ebenso hat man wohl auch im Jahre 1929 bei der Entscheidung, daß auch den Marranen der Wiedereintritt ins Judentum mit allen Mitteln zu erleichtern sei, keine geschichtliche und rassische Voraussetzung, sondern nur die eine Vorbedingung gefordert, daß diese Leute es mit der Opferwilligkeit für ihr lobenswertes Vorhaben völlig ernst nehmen müssen. Aber wozu in die Ferne schweifen? Wir müssen nicht nach Afrika, noch nicht einmal nach Portugal reisen, um Juden anzutreffen, deren ganzes Judentum und sogar deren ganzer Jichusbrief in dem guten Willen besteht, wieder echte und ihr Ansehen blieb schlecht wie zuvor." Pharao Wird gezeigt, daß der Ueberfluß in den Jahren der Hungersnot vergessen wird. Das Fehlen eines Zusatzes analogen Inhalts in Zusammenhang mit Pharaos Bericht über die A eh r e n spricht für die Wiedergabe der Worte mptn D'^ai^n naybam durch '„da bedeckten die dünnen Aehren" (V. 7). * * / * Kap. 41. V. 39. im* D^pb* v*m 'in» tjov b* nsna iö«'»'i Hiaa Dam jiaa ]->x nun te n« „Und Pharao sprach zu Josef: Nachdem G'tt dich alles dieses hat wissen lassen, ist keiner so einsichtig und weise wie du." Die Worte xikt bz m dürften die Deutungen der Träume des Obermundschenks und des Oberbäckers einschließen. * * * Kap. 41. V. 53—54. p«a "n tvs nvn ">iv mv ru'Vani ^aa ayi t\ov ins *iw«a siaV ajnn ->m yatt ns^nni -onsa *anb "n b»ix» p->« teai jvrai«n „Es gingen die sieben Jahreder Sättigung, welche im Lande Aegypten war, zu Ende. Und es begannen die sieben Jahre des Hungers zu kommen, wie 'es Joseph gesagt hatte. Hungersnot war in allen Ländern; - im ganzen Lande Aegypten aber war Brot." Def ^'Ueberfluß war auf Aegypten begrenzt, so heißt es',,die sieben Jahre der Sättigung, welche im Lande Aegypten war." Von de/ Hungersnot wurden jedoch auch die Nachbarländer Aegyptens heimgesucht, msiNn baa am wi- Nach Ansicht der Weisen erstreckte sich die Hungersnot auf Phönizien, Arabien und Palästina, (Fortsetzung folgt.) Juden in Lehre und Leben zu werden. Die rabbinisehen Behörden mancher deutschen Gegend haben in den Hochblüte jähren der Reform mf diesem Gebiete viel an Vernachlässigung geleistet, mindestens soviel wie die Debteras der Falaschas in vergangenen Jahrhunderten. Und es ist ein Zeichen unbesiegbarer jüdischer Geisteskräfte, daß es in unseren Tagen soviele Gelegenheit gibt, das Versäumte gutzumachen. Ja, über das Fehlen des im Opferwillen bestehenden Jichusbriefes sehen wir hier oft gern hinweg und sehen vielfach in ernsten Entschlüssen einen guten Ersatz dafür. Wir sehen also, daß ganz wohl auch für uns in gewissen Kreisen eine gewisse Pflicht zur Mission abliegt; und wir können noch nicht einmal überall sagen, daß es sich da um eine innere Mission handelt. Es sind schon weit nach außen geratene Kreise der Judenheit, die da erfaßt und heimgeführt werden wollen. Und wenn nicht die Gegenwart schon überreich an schmerzvollsten äußerlichen und geistigen Sorgen wäre, so würden wir vielleicht uns auch die Frage vorlegen, wie es denn dereinst mit den Kindern derer aussehen wird, Ute zur Zeit vor unseren Augen in glaubensfeindlichen Staaten oder in ebenso religionslosen Siedlungen des Heiligen Landes ohne die G'tteslehre unserer Väter aufwachsen. Auch wenn der Tag ihrer tränenreichen Reue und Rückkehr gekommen sein wird,' muß Israel eine nicht mehr „innerlich" benennbare Mission ausüben. Werden wir einem solchen G'ttesrufe gewachsen sein? Haben wir die dazu nötigen Menschen und die dazu nötigen Erfahrungen? Die Menschenart, an die schwerer als an Falaschas, gewesene Marranen und heimstrebende gewesene Atheisten mit dem Gedanken des Ueberirdischen überhaupt und des G'ttesgesetzes insbesondere heranzukommen ist, dürfte die sein, zu der bis in die allerjüngste Gegenwart hinein ein überwiegender Teil der Judenheit Europas gehört, die der ganz Gleichgültigen. Haben wir ihnen gegenüber, die vielfach ganz unzweifelhaft dem Jichus nach zu uns gehören und die uns geistig ferner stehen als alle vorher genannten Gruppen, eine Missionspflicht? Und haben wir Menschen und Mittel, um dieser Pflicht zu genügen? Hat ganz allein das schwere Geschick unserer Tage die Aufgabe, sie durch seine brutale Wucht vom Unwerte dessen zu überzeugen, wofür allein noch ihr von Idealen barer Sinn etwas wie Eifer und Interesse aufbringt, vom Unwerte der irdischen Sicherung des Daseins? Ein jüdischer Kalender zum bürgerlichen Jahre. Pünktlich, wie alljährlich im Dezember, meldet sich der Jüdische Wandkalender 1937 der Jüdischen Taubstummen Anstalt in Deutschland, Berlin=Weißensee (Verein der Freunde der Taubstummen Jedidej Ilmim). Der Kalender ist dieses Mal ganz besonders schön und künstlerisch ausgestattet. Jedes Blatt einer Woche in diesem Abreißkalender ist ein Kunstblatt für sich, das wohl abgerissen, aber nicht fortgeworfen werden wird. Es sind die ersten Künstler mit Reproduktionen neuer und älterer Kunstwerke vertreten. Der Verein der Freunde der T a üb s t um m e n erfüllt eine Aufgabe, die nur derjenige zu schätzen weiß, der einmal einen Zögling der Anstalt bei voller Ausübung seines Berufes gesehen und zu bewundern Gelegenheit hat, was die Schule aus diesem körperlich behinderten Menschen alles herausgeholt hat. Der Mindestbetrag für die Mitglieder ist dieses Jahr auf RM. 2.65 herabgesetzt, so daß jedem die Möglich» keit gegeben ist, sich an diesem grandiosen Werke der jüdischen Liebe zu beteiligen. Spenden werden unter der Postschecknummer 160 089, 'Berlin, entgegengenommen. Briefkasten. M. K. Uns sind die Daten nicht bekannt, sie können sie aber in chassidischen Kreisen erfahren, A. R. F. Tatsachen lassen sich nicht verschweigen; auch die anderen jüdischen Blätter ver= •schweigen isie nicht, am wenigsten die in Polen erschienenen. JUDISCHE MISSION.

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