Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 49 (10.12.1936)
- Date
- 1936-12-10
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Nr. 49 Der Israelit 10. Dezember 1936 KEREN HATORAH ist der Treuhänder des jüdischen Volkes für die Erhaltung seines nationalen Gutes vom Sinai. Helfet dem KEREN HATORAH! ■':-?/<""■'^«"-V'-r^vV"'-1 -.-.Vi!: ,tV{-L.o ■,>.,-. .; . . Keren Hatorah, Hamburg,Heinri c h B a r t h s t r a ß e 2 1, P o stich e ck'kont o: H a m b u rg 24753 Irakesen!" als Absage an den Großarabismus gedacht ist. Wohl wollte man mit der übernommenen Tradition, sich für „die Brüder in Palästina" einzusetzen, noch nicht ganz brechen, aber die Männer, die an der Spitze der panarabischen Bewegung in Bagdad standen, sind verstummt. Der frühere Kriegsminister und eigentliche Drahtzieher der großarabischen Bewegung, Dschaafar Pascha, ist tot. Nuri Pascha ist in der Versenkung verschwunden, B e k r S i d k y, der neue Mann, ist aber ein Kurde, der mehr zu den Türken als zu den Arabern neigt und ein Irak für die Irakesen ausbauen will, ohne sich für die Großmannssucht in den arabischen Ländern zu exponieren. All diese Wahrnehmungen haben nunmehr einen festen Boden durch ein Interview erhalten, das der Vertreter der größten arabischen Tageszeitung ,,A1 Ahram" in Kairo mit B e k r Sidky hatte. Der General erklärte: „Im Irak gibt es fortan nur Irakesen! Wir erkennen keine Unterschiede zwischen Moslims, Juden und Christen, zwischen Türken und Arabern und anderen an . . . Ich sympathisiere auch sehr mit der arabischen Frage. Aber zunächst muß der Irak gut fundiert werden. Und dann: wie sollen wir daran denken, ein arabisches Reich zu schaffen, so lange keine einzige dieser Bewegungen über eine in jeder Hinsicht geeignete, starke und unabhängige Regierung verfügt?" Damit scheidet der Irak als Sorgenmoment des jüdischen Lebens fürs erste aus. Der Palästina-Notfonds 1929. Während der letzten Unruhen in Palästina waren dringende Stimmen laut geworden, die Gelder der im Jahre 1929 von zionistischer Seite geleiteten großen Sammel- und Hilfsaktion, vorausgesetzt, daß noch was davon übrig sei, für die neuen Opfer nutzbar zu machen. Jetzt, nach einem halben Jahr, nachdem die Rufe aus allen Schichten des Jischuw nach Rechenschaftsablage schon so gut wie verhallt waren, wird eine Art von Bericht veröffentlicht, der weit davon entfernt ist, die Interessenten zu befriedigen. Der ganze Notfonds betrug, nach dem Berichte, bis zum 30. Juni 1936 Lst. 710.505, wovon Lst. 589.768 durch die Sammlungen im Jahre 1929 und 1930 aufgebracht wurden. Davon wurden für Hilfszwecke Lst. 317.488 und für Wiederaufbauzwecke Lst. 322.748 verausgabt. Die Verwaltungskosten betrugen Lst. 16.490. Schon bei diesen Angaben muß bemerkt werden, daß die Sammlungen im Jahre 1929 samt und sonders für sofortige Unterstützungen der Opfer bestimmt waren und nicht für Kapitalanlagen oder Investierungen, Wenn man aber hier erfährt, daß der größere Teil der gesamten Summe für „Wiederaufbauzwecke" verwandt wurde, so daß für die Opfer der gesteigerten Katastrophe im Sommer 1936 nichts übrig blieb, so bleibt nach wie vor die Frage offen, wie der „Palästina - Notfonds" darauf Anspruch machen kann, diesen Namen zu tragen. Es wird im Berichte darauf hingewiesen, daß damals im Laufe von drei Monaten etwa Lst. 600.000 zusammengeströmt sind, die von Juden aus den entferntesten Winkeln der Diaspora aufgebracht wurden, in der Hoffnung und Voraussetzung, zugefügtes Unrecht und angerichteten Schaden nach Menschenmöglichkeit sofort wieder gutzumachen. Um so weniger begreift man es, daß die größere Hälfte der Beträge für Projekte des wirtschaftlichen Wiederaufbaus, für Aufbauarbeiten in Stadt und Land und neue Kolonisation verwendet wurde, so daß man bei der neuen furchtbaren Notwelle gezwungen war, neue Sammelaktionen einzuleiten (Die erste Hilfeleistung überließ man, wie unseren Lesern bekannt, einzig und allein der Jerusalemer Agudas Jisroel). Nach dieser Rechenschaftsablage wird die Frage nach der Verwaltung der Gelder von 1929 von neuem erhoben werden müssen. Rohstoff-Import und Juden-Export in Polen. Polen schreit nach Kolonien — um sich Rohstoffe zu sichern und einen großen Teil seiner Juden los zu werden. Das ist der Gesamteindruck einer Rede, die der ehemalige Sejm-Marschall Domski auf einer Kundgebung der Polnischen Meeres- und Kolonialliga in Warschau gehalten hat. Polen besitze nicht die notwendigen eigenen Rohstoffe, so ungefähr sagte der Redner, dagegen einen großen „Bevölkerungsüberschuß", was eng mit der Judeafrage zusammenhänge. Alles Weitere, was Domski zu diesem I Thema ausführte, ergibt sich als Konsequenz dieser Gedankengänge von selbst. Das Stichwort zu dieser „billigen Lösung" der Judenfrage kommt, wie unseren Lesern genugsam bekannt, von jüdischer Seite. Jabot i n s k y und Genossen setzten den polnischen Machthabern den Plan, eine Million Juden, möglicherweise unter Anwendung sanften Druckes auf England und den .Völkerbund, nach Palästina zu verfrachten, in den Kopf, und seitdem kommt man in Polen von dieser Losung und „Lösung'1 nicht mehr los. Von, der Regierung und dem Außenminister Beck wird kluger- und dankenswerterweise an die Sehnsucht des jüdischen Volkes angeknüpft und daher nur von Palästina gesprochen. Domski gehört aber zu denen, die deutlich aussprechen, was sie meinen. Inzwischen kam die Frage am 2. Dezember auch im polnischen Sejm zur Aussprache. Ein Abgeordneter aus dem Kreise Posen sprach dem Außenminister Beck Anerkennung und Vertrauen aus für den Versuch, . eine „humane Lösung" der Judenfrage durch Auswanderung herbeizuführen, andere Abgeordnete schlössen sich ihrem Kollegen an. Der Ministerpräsident Skladkowski fordert Gerechtigkeit für alle Teile der B e völkerung und will dafür sorgen, daß keine judenfeindlichen Ausschreitungen den Fr iedenPolens stören, aber es sei doch wichtig, meinte er ferner, daß die jungen Bauern, die in den Dörfern nicht existieren können, in die Städte kommen —: itm sich neue Positionen, in Handel und Handwerk zu erobern. Im englischen Unterhause hat unterdessen Außenminister Eden bestätigt, daß Palästina einen Gegenstand seiner Aussprache mit Beck bildete, und zwar „mit Hinblick auf die große jährliche Zunahme der Bevölkerung in Polen und auf die Verschärfung der Judenfrage, die sich aus der Einwanderungsbeschränkung in den meisten Ländern ergebe." Wenn Beck damit, was wir gerne glauben, nur eine erhöhte jüdische Einwanderung in Palästina, viell& •> täjt^Mi Chanuckah 5697. Von Rabbiner Dr. M. Lewin in Hamburg. Josephs des Patriarchensohnes Leben mit seinem wechselvollen Auf und Nieder ist und bleibt ein Quell des Trostes und der Zuversicht für alle, die im Dunkel der Sorge und Last alle® Licht aus ihrem Dasein gewichen wähnen. Sein wunderbarer Aufstieg zu nie geahnter Höhe, der seine Jugendträume in Erfüllung zeigt, deutet uns einen jeden Lebenstraum mit der Weisung: "]vnb cdv pp „Der Herr ist es, der jeder Nacht ein Ziel gesetzt", wie in der Natur draußen, so auch im Dasein des Menschen, dieser Welt im Kleinen. Sein Leiden und Dulden., sein Ringen und Kämpfen weist aber auch die Bedingungen für sein Bestehen und Siegen auf. Das Leid wird ihm zur Schule der Bewährung. Je schwerer der Druck und je herber die Enttäuschung, die den Weg zur Freiheit ihm verlegen, ist, desto stärker erweist sich sein G'ttvertrauen und seine sittliche Kraft, daß, wohin er auch gestellt wird, er sich immer wieder zeigt als rn^xn ff'K als Mann, der alles zum Ziele führt und sich von keiner Gewalt niederringen läßt. Darum kann Joseph auch vor Königsthronen bestehen. Gerufen, dem Pharao die Träume, zu deuten, beruft er sich auf Ihn in der Höhe, der ihm die Kraft verleiht und das rechte Wort in den Mund ihm legt, um dem Könige den Weg in die Zukunft weisen zu können. Und Joseph .deutet und berät mit solcher Ueberzeugungskraft und Würde, daß in diesem Augenblick er dem Pharao zu einem Künder G'ttes wird. s~»s xxttin 13 'j?Vx nn -hpk w»8 „Werden wir wohl wie diesen einen Mann finden, in dem der Geist G'ttes ist?" so ruft der König aus. nta D'ssin ux f s isio *ryi abivn tpo» ■»» a^bm as „Wenn wir von einem Ende der Welt bis. zu ihrem andern Ende gehen wollten, wir würden keinen seinesgleichen finden." Das ist die höchste Anerkennung, die Joseph gezollt wird. Vor ihr erblaßt jeder Glanz, mit dem ihn nun Pharao umgibt. Du hast wahrlich, Joseph, nicht umsonst gelitten, wo jetzt bei der Wendung deines Lebens du förmlich £dvt\ ns tPTpn bist, du den Namen und die Ehre G'ttes zur Anerkennung gebracht hast. Das ist die herrlichste n:ian# die erhabenste Weihe deines Lebens, die uns den späten Nachfahren das Licht der Freude und Hoffnung im Dunkel der Nacht zeigt und auch den Weg weist zum rechten Verständnis der Makkabäersiege nin pta ann in jenen Tagen um diese Zeit. Sie werden bestimmt nicht richtig und nicht hinreichend gewertet, wenn man nur das Heldentum der Kraft in den Makkabäern rühmt. Sie waren ganz gewiß Muster der Tapferkeit, die mit geringem Häuflein die gewaltigen feindlichen Massen zu Boden geschlagen. Mut und Kraft werden aber nur erzeugt durch die Idee, für die man sich einsetzt, und durch die Begeisterung, die das Bewußtsein, dem Heiligen und Erhabenen zu dienen, erzeugt. Das erklärt das Wunder des Sieges, die nixVBli ö'DJ die Wunderzeichen und die Wundertäten, die damals der Herr für sein Volk durch die, deren Geist und Mut .-er. geweckt, vollbracht hat. Als Juda und seine Mannen den Sieg an ihre Fahnen geheftet und unvergänglichen Ruhm sich errungen, da weihten sie ihren Triumph und heiligten von neuem den Tempel, den der Feind mit frevelhafter Gewalt entweiht hatte. Ihr Chanuckah» flammen, ihr seid und bleibt heilige weihevolle Künde.r von G'ttes erhabener Größe, die am Ende über alle feindlichen Mächte triumphiert. Leuchtet hinein in jüdischer Menschen Herzen und Seelen, daß sie nicht verzagen und von heiligem Glaubensmut erfüllt der Makkabäer Ruhm durch alle Zeiten verkünden und siegesgewiß über alle Nöte und Kümmernisse hinweg zur Chanukah ihres eigenen Lebens sich erheben und so erfahren^mia B« »5 nsa s^i ^na «V „Nicht durch Macht und nicht durch Kraft, sondern mit meinem Geiste." Schriftdeutungen zum Wochenabschnitt, Mitgeteilt von S. Speier. Kap. 41. V. 1 u. 2. abn njnsi o»»» tyrnv?pa 'nn nxna nw rrns yns? t-by ix'n .ia rum :-ikti bv nny runi •insa na^sinn -iwn r-wm „Es war nach Beendigung zweier voller Jahre, da träumt« Pharao, und Siehe: er steht an dem Flu&s e. Und siehe; aus dem Flusse steigen sieben Kühe, schön von Ansehen und gesund an Fleisch; und sie weideten im Grase." Die Fruchtbarkeit Aegyptens ist von dem über seine Ufer tretenden Nil bedingt. Das Emporsteigen aus dem Flusse weist auf die Sättigung und Hungersnot hin. Die das Pflügen darstellenden Kühe sowie ■die Aehren als Symbol der Ernte vervollständigen das Traumbild. Vergl. 45, 6 „und noch fünf Jahre werden kommen, in denen weder Pflügen und Ernten sein wird".