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Der Israelit · 1936-12-10 · Heft 49 (10.12.1936) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 49 (10.12.1936)
Date
1936-12-10
Page
– (sequence 3)
Language
German
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I^^S^^^^ps^^g^^^^^pF^^^^f^^^^^ s f~>\ - ' "*> }0.. Dezember^ 1936 'CA ~\-( W»- D e r I s r.a e Ii t Nr.. 49 Seite 3!i I "Ml'is- ILLES HELDENTU (Fortsetzung iilpn Seite 1.) ■\ So darfr es denn nicht wünderaenmen, wenn die Makkabäergeschichte, von den D'ppina, den Verwaltern des G'ttesgriffels, im Talmud erzählt, ke-ine Kriegs-, Sieges- und Ruhmesgeschichte ist, söhdern in der Hauptsache eine Geschichte des stallen Heldenturas, eine Geschichte von Männern, die in der Höhle ihr Leben dem Sabbat opfern, von Müttern, die, so G'tt ruft, mit einem ->2in samt ihren Lieblingen Abrahams Weg zur Morijah betreten. Wenn aber schon stilles Heldentum, dann darf unsere Zeit ein Wort mitsprechen. Im heldischen Tragen bleiben wir kaum hinter einer anderen Zeit unserer Geschichte zurück. Was 'Jljra mWfl riX a^pa heißt, erfährt heute jeder Hausvater und jede Hausmutter zur Genüge, im alten von früherem Glänze noch zeugenden Familienheime sowohl, wie als Gast, auf fremdem schwankem Boden. Es wird uns vielleicht diese Aufgabe leichter, wenn wir mit der talmudisohen Agada lernen, im Chanuckahlicht nicht eine Gloriole um das Haupt sieggekrönter Helden zu sehen, sondern das heilige Feuer, andern kleine lautlose Heldentaten Tag für Tag gedeihen. Man hatte unmittelbar nach dem Makkabäersieg, berichtet Talmud, in Zeiten trübster Armut, im heiligen Tempel in einer Menorah aus Holz die Lichter angezündet. Es kam in besseren Zeiten Eisen statt Holz, das in noch besseren von edleren Metallen abgelöst wurde, IHd am Ende blinkten doch die hellen Lichter wieder aus dem reinen Golde der Menorah wie ehedem. Holz, Eisen oder Gold das Licht erlosch nicht, behielt seinen alten Glanz, wie auch der äußere Behälter geartet war. Das scheint uns heute die wichtigste Lehre des Chanuckahfestes/ Zu bedenken wäre vielleicht im Scheine des Chanükahlichtes, daß man auch beim Halten der vrtiTJtymw leicht einem gewissen Egoismus verfallen kann, wenn man sich nur auf sich konzentriert und nicht darauf sieht, daß auch der Na.chbar, „Bruder Mensch und Jude", — wie sich die Mussarlehrer ausdrücken — in die Lage gesetzt wird, bei aller Not und Armut in Tun und Lebenshaltung im L i c h t - kreise-der Thora bleiben kann. Heil uns, wenn wir zum Sabbat halten, aber doppelt . heil, wenn wir auch dem Bruder zum Sabbathalten verhelfen. Muß man heute, in einer Zeit, da der Jude wie nie zuvor seit Jahrhunderten, auf sich gestellt ist, erst noch deutlicher auf die Thorapflicht hinweisen "ptf-l'riK "MTV „Laß Deinen Bruder neben Dir leben"? Auf die Straße leuchtet das Chanukahlicht hinaus. Die Straße sieht es nicht, es ertrinkt, das winzige Lichtlein, | dort im hellen, grellen Lichte der großen Bogen^ lampen. Zum Fenster des jüdischen B r u - d e'r s aber leuchten Deine Lichter hinüber, und er, erwartet von Dir, daß Du auch s ein Licht siehst, daß von jüdischem Hause zu jüdischem Hausse Lichtgrüße wechseln, die an unsere j ü - d i s c h e Solidarität gemahnen.;Die Chanukahgeschichte läuft, was nicht allein ein kalendarischer Zufall sein kann, stets mit der Josephsges c h i c h t e im Thoraabschnitt zusammen. Wollen,. wir darum an das schöne^. sinnige und ewig bündige. Wort deiE Midraschweisen zu der Mahnung Jehudas ttXa HIU Wrifl DK Mini "O denken.;tj?23. Gewinn? Nein, so tief gesunken waren Jakobs Söhne nicht, daß sie etwa nur des kleinen^ materiellen Gewinnes halber ihren Bruder ausjjfder (Grube holen und nach Aegypten verschleißen wollten, ysn heißt im Hebräischtalmutlischen das Mahl a b s eh. ließen,- den Segön über die Speise, sprechen. Der Bericht beginnt damit, daß sichidie Brüder z u m M a h 1 e s e ,tj^ t e n. Und .nun, so lehren die Weisen, als sie [ das Mahl beendet i hatten, und sich anschicke ten, das Gebet gemeinschaftlich, zu sprechen, re^te sich das Brudergefühl in Jehuda und er hub an: "Dl yS2 »"7» Wie sollten' wir es wagen, im Gebete ,G'tt Dank für Speis und Trank auszusprechen, ginge unser Bruder zur gleichen Zeit zu Grunde und wir sein Blut durch unsere Lieblosigkeit zudeckten?!. Mehr als für die Sätze der Josephsgeschichte trifft diese Mahnung für das Leb e n von heute zu, in erster Reihe für uns im gesetzestreuen Kreise, die wir uns nicht ohne Gebet an den Tisch setzen und ihn nicht ohne Gebet verlassen. yXl nö» Wie könnten wir die Augen erheben zu Ihm, der „die ganze Welt speist und ernährt in Seiner Güte, mit Liebe und Gnade und Barmherzigkeit, allem Fleische Brot gibt," wie zu Ihm aufblicken und aufschreien, daß Er „uns ernähre, auf daß wir nicht der Gabe, eines Menschen aus Fleisch und Blut bedürfen sind nicht ihres Darlehens", wie all dieses mit dankbarem Herzen und ruhigem Gewissen aussprechen, UTTK iiK wenn zur gleichen Zeit unser jüdischer Bruder in seinem Laden oder in seiner Werkstätte vergebens auf uns wartete und wir ihn all dem Elende auslieferten, vor dem üin s G'tt, nach den Worten des Tischgebetes, verschonen möchte? Und noch eines, ,'das sich aus jener Metamorphose von Holz zu Gold ergibt: Daß die Armut, die wirtschaftliche Not, uns zu Konzessionen im religiösen Leben, Konzessionen auf Kosten des Sabbat und der Speisegesetze abnötigen sollten, wünschen viele. Man klagt die Rabbinen an, daß sie nicht genügend auf Ausweg und Ausgleich bedacht wären. Eine Antwort mit Deutungen alter Texte wirkt gewiß nicht erschöpfend und überzeugend. Aber jener Aufweg von niederem zum edelsten Material besagt doch, daß das Holz der Armut und das Eisen der harten Not uns so wenig jenseits des Thoralichtes stellen, wie uns etwa das Gold des Glückes über dieses Licht erheben könnte. In welchen Rahmen unser jüdisches Leben auch gestellt ist, der Raum für stilles Heldentum ist uns stets gegeben. Wochenrundschau. Oberrabbinerwahl in Palästina. Wie bereits mitgeteilt, hat der Rabbinische Rat in Jerusalem, der aus 42 Rabbinern und 28 vom Waad Leumi ernannten Laien besteht, am Dienstag mit einer Mehrheit von nur 6 Stimmen (37 gegen 31) Rabbi Isaac Herzog, den bisherigen Rabbiner von Dublin, zum Oberrabbiner der Waad Lemi-Gemeindenvon Palästina gewählt. Damit ist ein Streit, der seit dem Ableben von Oberrabbiner Kuk ^>"XT in Jerusalem und in Palästina zeitweise die heftigsten Formen annahm und nur durch die jüngsten Unruhen in eine Stagnation geriet, beendet. Oder auch nicht? Das Stimmenverhältnis bei der Wahl zeigt nichts weniger als ein Bild der Einmütigkeit. Von 68 abgegebenen Stimmen (zwei Wahlmänner haben sich scheinbar der Stimme enthalten) fielen 31 nicht für den Gewählten in die Urne. Es beweist dies, daß die Unstimmigkeiten _ und die widerstreitenden Meinungen und Interessen nach wie vor anhalten, was aber nicht ausschließt, daß es Rabbi Herzog, dem ein guter Ruf vorausgeht und dessen menschliche und rabbinische Qualitäten nicht anzuzweifeln sind, doch gelingt* wenn er einmal in Amt und Würden ist, auch die Herzen derer zu gewinnen, die heute noch , nach anderer Richtung tendieren. Die eindeutig thoratreuen Kreise in Palästina berührt diese Wahl nicht unmittelbar. Die Charedimgemeinde in Jerusalem ist von der Kenesses Israel und ihrem Oberrabbinate unabhängig, un d' m au: hegt die berechtigte Hoffnung, daß nach Befund der zur Zeit tagenden Untersuchungskommission und Beschluß des Völkerbundes diese Selbständigkeit; und Unabhängigkeit der. palästinensischen,^Orthodoxie in noch höherem Maße gesichert und gefestigt wird,.^Indirekt.;-greift d^ese Wahl naturnotwendig ins Leben der gesamten Judenheit Palästinas, auch, der Gesetzestreuen, die die äußere Lage in Palästina öfter denn früher zwingt, mit:anderen Instanzen zu verhandeln und denen;e$; dar|Um gewjß njpht einerlei, sein kann, wer an; der geistigen < [Führung der Gegenseite" steht.; tiv^f '': ni;Vh'"--i" Völlig unklar ist bis jetzt auch das Verhältnis des Waad Leumi und des neugewählten Oberrabbinates zu Rabbi Pessach Frank, der seit dem Tode von Oberrabbiner Kuk sich „Oberrabbiner von Jerusalem" nennt und vor nicht langer Zeit auch von Führern vieler bedeutender Institutionen als solcher ausgerufen wurde. Ueber seinen Konflikt mit dem, Waad Leumi sind unsere Leser orientiert und auch darüber, daß der Grund dieses Konfliktes sehr für den Rabbi spricht- Daß er nicht auf Kommando des Waad Leumi sich als Strohmann für einen sogenannten „Religiösen Rat" hergab und nicht mit seinem Namen ins geistige und religiöse Leben einschneidende Maßnahmen des Waad Leumi decken wollte, wurde ihm vom Waad Leumi nicht mehr vergessen und vergeben, brachte ihn aber um so näher den Herzen der thoratreuen Kreise. Ob er nun unter der Oberhoheit des Rabbi Herzog sich mit der lokalen Stellung des Jerusalemer Raw bescheidet, ob dem Waad Leumi diese Betätigung des Rabbi, der sich „anmaßt", eigenen Willen zu bekunden, genehm ist, oder ob vielleicht Rabbi Frank nun den Schatz seiner reichen Erfahrungen mit dieser Seite ganz abschließt und mitsamt der bedeutsamen Institution und der großen Zahl seiner Anhänger den Weg dahin findet, wohin ihn schon von jeher das Herz treibt, nämlich in die Agudas J i s - roel-Gemeinde? All dieses schwimmt noch im Nebel. Man wird die weitere Entwicklung der Dinge abwarten müssen. Jerusalem und Bagdad. Wir: sprachen nach dem>vPutsch in Bagdad und der Machtergreifung durch B ekr S i d k y die Meinung aus, daß möglicherweise unter der starken Hand der neuen Machthaber sich die Lage der Juden, die kurz vorher der Herrschaft der Straße ausgeliefert waren, bessern könnte. Was uns damals vielleicht nur der Wunsch als Vater der Hoffnung eingab, fand indessen seine volle Bestätigung. Berichte und Klagen über Ausschreitungen gegen Juden oder behördliche Judenverfolgungen im Irak verstummten seitdem ganz. Gerüchte wurden in einer Weise dementiert, die einen Zweifel. nicht zulassen. Das Vertrauen zur neuen Regierung im Irak wächst bei den Juden in dem Maße, wie die Araber Palästinas ihre Enttäuschung und Entrüstung über die neuen Regierungsmethoden in Bagdad zeigen. Es zeigt sich vor allem, ziim unsäglichen Schmerz der Araber, daß die neue i irakische Regierung von der pana.ra-b.i- I s c h an Bewegung immer . mehr und mehr abrückt, daß die Parole der Regierung: „Irak den

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