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Der Israelit · 1936-12-10 · Heft 49 (10.12.1936) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 49 (10.12.1936)
Date
1936-12-10
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 Nr. 49 D e Israelit 10. Dezember 1936 Nicht als „klassisches Werk jüdischer Literatur", sondern als Offenbarung g'ttlichen Willens sollen wir die Thora lernen, um sie im Leben zu erfüllen. Deshalb fordert das Judentum, daß jeder Jude es als höchste Pflicht erkenne, in G'ttes heiliger Thora und den sie erläuternden heiligen Religionsquellen zu forschen. Denn nur dies führt zu einem G'tt dienenden Leben. Wenn die Chanukahlichter in jüdischen Häusern entzündet werden, sollen sie uns an unsere jüdische Pflicht mahnen: mit unserem Leben G'tt zu dienen, unserer wahren jüdischen Bestimmung . verantwortungsbewußt zusein, das Licht de r Thora G'ttes zu erforschen und zu mehren, Denn ein Lichtträger ist das Gebot G'ttes und seine Lehre, sie ist das wahre Licht. >™ mwi mao" u "o Der Aufruf ist unterzeichnet für den Verband orthodoxer Rabbiner Deutschlands i. A. von Rabb. Josef J. Horovitz, Frankfurt a, M.. Rabb. Dr. A. Klein, Nürnberg und Rabb. Dr. J. Merzbach, Darmstadt. Die letzten Aussagen vor der Untersuchungskommission Jerusalem, 10. Dezember. Am Dienstag, den 8. Dezember, wurde mit der Vernehmung des Beamten des politischen Departements der Jewish Agency, Elijahu Epstein, über die illegale Einwanderung von Arabern fortgesetzt. Die illegale Einwanderung, sagte Epstein, drücke auf die Löhne und sei stets ein Element der Beunruhigung, Auch bei den letzten Ausschreitungen habe die illegale arabische Einwanderung eine große Rolle gespielt. Mosche S h e r t o k bittet darauf, die Regierung möge Maßnahmen zur Einstellung der illegalen Einwanderung von Arabern treffen, dagegen aber jüdischen Einwanderern ermöglichen, von der Wirtschaft des Landes absorbiert zu werden. Die Aufnahmefähigkeit des Landes werde nur darum zu niedrig eingeschätzt, weil es von illegalen arabischen Einwanderern überflutet sei. Auf die Frage Lord Peels, ob Shertok meine, daß die Einwanderung ein Monopol der Juden sei und es den Arabern nicht erlaubt werden soll, in das Land zu kommen, antwortete Shertok, daß nur jüdische Einwanderung zur Erschließung des Landes beitrage und Raum für neue Menschen schaffe. Durch die Einwanderung von Juden werden andere Juden nicht verdrängt, Juden schaffen gerne Platz für andere Juden, Die gesamte jüdische Wirtschaft sei auf der Einwanderung aufgebaut, von ihr hänge die Erweiterung der jüdischen Industrie und der Bautätigkeit ab. Seine konkreten Forderungen lauten: Vergrößerung der Zahl von Zertifikaten der Schedule und Erweiterung der Kategorie vo» Einwanderern, die Angehörige in Palästina haben, sowie der Einwanderung der sogenannten „Kapitalisten" mit 500 bezw. 250 Lst. Aus der Vernehmung Arthur Ruppins, über die bereits im Korrespondenzenteil mitgeteilt ist, ist noch folgendes nachzutragen: Der Erfolg der jüdischen Kolonisation, führte Ruppin u. a. aus, sei dem Idealismus eines ausgewählten Menschenmaterials zu verdanken, das vom Bewußtsein getrieben war, <das jüdische Nationalheim aufzubauen. Ruppin schildert alle Widerstände, Naturereignisse und Krankheiten, gegen die die ersten Pioniere anzukämpfen hatten. Er unterscheidet in der Geschichte der Palästinakolonisation drei Perioden: Die Rothschild'sehe Kolonisation, die PICA Kolonisation und die Kolonisation der Nachkriegsperiade unter Leitung der Jewish Agency. Die Araber hätten dabei profitiert, sowohl als Arbeiter wie als Grundbesitzer, schon wegen der zehnfachen Erhöhung der Bodenpreise. Ob das nicht Spekulation sei, fragte ein Mitglied der Kommission. ,,Mag sein," sagte Ruppin, ,,aber in jedem Lande mit starker Einwanderung mußten naturgemäß die Bodenpreise steigen." Ruppin weist im ferneren auf die von den Juden geschaffenen neuen Bewäss erungsmöglichkeiten hin. Es sei durchaus im Bereiche der Möglichkeit, daß statt 7 Mil-. lionen kulturfähigen Bodens, 14 Millionen bereit gestellt werden. Am Mittwoch mittag soll die Vernehmung Ruppins fortgesetzt werden. (Siehe auch Korrespondenz auf Seite 13.) Gesetz zum Schutz der öffentlichen Ordnung vom Unterhaus in dritter Lesung angenommen. London, 8. Dezember. Das Unterhaus hat am 7. Dezember das Gesetz zum Schutz der öffentlichen Ordnung (Public Order Bill) mit einigen kleinen Abänderungen in dritter Lesung angenommen. Der Gesetzentwurf wird nunmehr dem Oberhaus vorgelegt. Große Aktion für „Miphal Hazzala" in Polen. Warschau, 4. Dezember. Fünfzig chassidische Führer und zahlreiche Rabbiner, unter ihnen der „Gerer Rebbe" und Rabbi Chaim Oser Grodzenski, haben den Aufruf für den von der A g u d a s J i sr o e 1 geschaffenen Palästina-Notfonds „Miphal Hazzala" unterzeichnet. Zur Änderung der Devisengesetzes. Berlin, 8. Dezember. Die Reichsstelle für Devisenbewirtschaftung gibt in einem Runderlaß Nr. 171/36 vom 5. Dezember Erläuterungen zu dem am 1. Dezember erlassenen Gesetz zur Aenderung des Devisengesetzes und insbesondere zu dem durch dieses Gesetz in das Devisengesetz eingefügten § 37a, der zum Erlaß vorbeugender Verwaltungsmaßnahmen bei Verdacht der Kapitalflucht ermächtigt. In dem Runderlaß heißt es: Voraussetzung für eine Anordnung nach § 37a ist, daß aus bestimmten Tatsachen, zu schließen ist, daß ein Inländer unter Verletzung oder Umgehung der bestehenden Vorschriften Vermögenswerte der Devisenbewirtschaftung zu entziehen beabsichtigt. Derartige Tatsachen können insbesondere im Zusammenhang mit einer beabsichtigten Auswanderung vorliegen. Doch greifen die Vorschriften des § 37a auch in anderen Fällen einer drohenden Vermögens Verschiebung ein'. Andererseits rechtfertigen Erwägungen all-: gemeiner Art, etwa .die, daß bei jedem- Auswanderer die Gefahr einer Vermögensversch'iebung nicht von der Hand zu. weisen sei, Maßnahmen nach § 37a nicht. Der Betroffene muß sich vielmehr durch bestimmte Tatsachen der beabsichtigten Vermögensverschiebung verdächtig gemacht haben. Der Erlaß spricht weiter davon, daß entsprechende Anordnungen oft besonders dann gerechtfertigt sein werden, wenn; ein Inländer unter Verheimlichung seiner Auswanderungsabsi c h t offensichtlich -V o r b e - reitungen für die Auswanderung trifft. In Frage komme z. B. die Liquidierung festliegender Vermögenswerte, ohne den Erlös wieder im Inland anzulegen, die Abhebung größerer Beträge von Bankguthaben ohne wirtschaftliche Notwendigkeit, der ungewöhnliche Ankauf von Wertgegenständen usw. Andererseits genüge die Tatsache, daß ein Inländer die Absicht, auswandern zu wollen, erklärt hat, allein in keinem Fall, um Maßnahmen nach § 37a zu rechtfertigen. Vielmehr werde gerade die Tatsache, daß Transfer-Anträge bei der" Devisenstelle eingereicht werden, häufig darauf schließen lassen,, daß sich der Antragsteller im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen halten will. Nicht erforderlich sei, daß der Betroffene eine nach dem Wortlaut des Devisengesetzes mit Strafe bedrohte Handlung beabsichtigt. Auch Umgehungen der Devisenvorschriften, die unter Ausnutzung etwa noch bestehender Lücken den Kapitaltransfer nach dem Ausland ermöglichen sollen, rechtfertigen das Einschreiten der Devisenstelle. Der Prozeß in Chur. C h u r , 10. Dezember. Der Prozeß gegen David Frankfurter hat am Mittwoch, den 9. Dezember, vormittags begonnen. Die beiden Sitzungen des ersten Verhandlungstages wurden ausgefüllt von der Verlesung der Anklageschrift, der Gutachten der Psychiater und der Vernehmung des Angeklagten. Die Anklageschrift schildert den Hergang des Mordes in allen der Oeffentlichkeit bereits bekannten Einzelheiten. Es wird in der Anklageschrift betont, daß David Frankfurter in all den Vernehmungen der Voruntersuchung erklärt hat, daß er nie einer politischen Partei angehört, keinen Auftrag für seine Mordtat von irgend Jemand erhalten, keine Hintermänner habe und ganz allein für seine Tat verantwortlich sei. Diese Angaben bestätigt der Angeklagte auch in seiner mündlichen Vernehmung. Wie nach dem schweizerischen Gerichtsverfahren üblich, wird in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft gleich der Strafantrag gestellt. Er lautet auf 1 8 Jahre Zuchthaus, In den medizinischen Gutachten wird bei Frankfurter, der wohl ein haltloser Mensch und von Auswirkungen vieler Krankheiten beeinflußt sei, eine Geistesstörung oder verminderte Zurechnungsfähigkeit nicht festgestellt. * * * Das „D. N. B." berichtet, nach der „Frankf, Zeitung" vom 9. ©ezember, aus Zürich: Am Dienstag in den späten Abendstunden ereignete sich an einer Züricher Synagoge eine Explosion, durch die einige Fensterscheiben zertrümmert wurden. Die sofort eingeleiteten polizeilichen Untersuchungen ergäben eindeutig, daß es sich nicht um einen massiven Sprengkörper, sondern um einen in Pappe verpackten sogenannten Kanonenschlag gehandelt hatte,! Praktische niilh-Geschenke! STEINWEG 9

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