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Der Israelit · 1936-12-10 · Heft 49 (10.12.1936) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 49 (10.12.1936)
Date
1936-12-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
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^!^p^^^^- f^gCflg^T.'EjL^C'Ä^ U OEZ Frankfurt a. ML 10. Dezember 1936 26. Kislew 5697 Nummer 49 Ein Chanuckah-Appell des Verbandes orthodoxer Rabbiner Deutschlands. Der Verband orthodoxer Rabbiner Deutschland s richtet folgenden Aufruf ah die Judenheit Deutschlands: T)er Kampf der Makkabäer war nach der historischen Wahrheit ein Kampf üm die Erhaltung des jüdischen Volkes als G'ttesvolk. Nicht um das jüdische Volk um seiner selbst willen, sondern um es als Träger des G'ttesgesetzes zu retten, erhoben sich die Hasmonäer. Aus Opferbereitisohaft für die Thora gingen viele in den Tod. Die Chanukah-Tage geben uns Anlaß, die jüdische Oeffentlichkeit auf die Grundsätze unse- Tes religiösen Denkens, und Lebens hinzuweisen, die durch modernen Atheismus und areligiösen Nationalismus aufs Schwerste gefährdet und durch die Sorge um materielle Not zu Unrecht in den Hintergrund, gedrängt sind. Unsere Gegenwart hat erfreulicherweise Viele in immer steigendem Maße an ihre Pflicht erinnert: de r j üd is c h e n' G emeirnschaft m i t F r e u d e z u d i e n e n , a 1 s J u d e n v e ran t w o r t ü.n g s b e w u ß t zu hand e 1 n , Wissen vom Judentum sich anzue i g n e n. In der jüdischen Presse und sonstigen Kundgebungen werden diese Pflichten immer wieder der jüdischen Oeffentlichkeit ans Herz gelegt. So berechtigt diese Forderungen sind, sie sind nur Teile unserer jüdischen Lebenspflicht. Die Wahrheitdes. Judentums fordert Höheres. Das Judentum :gebietet: G;'tt, dem Schöpfer ünH Lenker 4 er Welt; in d e s seh Hand un s e r 5 ch i c k s al r üh t"mi t F r e u d e z u dienen ■' - ^rtH!/n /k/n VKlC?,sröiy war "durch die Jahrtausende das heiligste Bekenntnisi uns;eres Volkes. Daß es eineneinzigen, -;heilige%3 imd gütigen lebendigen G'tt gibt, r der .unser" ganzeSs Leben in Seinen Dienst ruft h~ das ist |üdiscl]^ jüdische LebenslordGrung. Morgens und abends sollen wir sie': ausspredben, damit sie niemals aus unserem Bewußtsein schwinde, damit sie unser :gahzes Denken und Wollen gestalte. Es geht nicht an, daß eine sogenannte Neutralität jüdischer Parteien immer mehr zu einer Neutralität gegenüber der Wahrheit G'ttes und. der Wahrheit der jüdischen Pflicht führt. Das Judentum fordert: als . Jude verantwortungsbewußt z u han d e 1 n , im Bewuß.t - \s e i n , d aß G'tt von Jedem einst- Rechens c h a f t über se in Leben for d e r n w ifd. Die Verantwortung vor dem eigenen Gewissen enttäuscht 'garoft. Stärken^ und stählen kann nur' die: felsenfeste Qeber£eügung, daß öS höchste jüdische Tat ist, für eine 'kommende Weif vzu, wirfcenrslcfi^n^hn^f?1!^ Wj?' pj? 'Xbr schaffen/- Dann wird der Jude sich der verantwortungsschweren Aufgabe bewußt sein, sein Leben der Heiligung des G'ttesnamens zu widmen und alles ängstlich zu vermeiden, was diesen entweiht. Das Judentum verlangt; W i s s e n v o n d e r a m S i n a i v o n G ' 11 offenbarten zur Erfüllung verpflichtenden Lehre der Wahrheit sich anzuei gne n. Diese Thora ist G'ttes Wort. Die Erhabenheit ihrer Lehre, die erschütternde Bewahrheitung ihrer Verkündungen und vor allem die ununterbrochene Ueberlieferung unserer Geschichte verbürgt uns ihre G'ttlichkeit. Lebendig ist im Munde unseres Volkes der stolze Segensspruch: minn:jlHJ 'rt nnK fim« In allen G'tteshäusern auf der ganzen Erde ruft man, daß sie die Thora ist, die Mosche vor Israel nach G'ttes Mund niedergelegt hat. (Fortsetzung siehe Seite 2.) Aus dem Inhalt: Die letzten Aussagen vor der Untersuchungskommission .... Seite 2 Um die Baliour-Deklaration.....Seite 2 Nach der Oberrabbinerwahl in Palästina Seite 3 Jerusalem und Bagdad.......Seite 3 Jüdische Mission. Von B. Cohen . . . Seite 5 Einführung in die jüdische Geschichte. Von Dr. Ph. Biberfeld ..... Seite 6 Aus der Agudas Jisroel-Bewegung . Seite 8 Beilagen: Literarische Warte. Aus Welt und Leben (illustriert). Der Kleine Israelit. STILLES HELDENTU Daß der Talmud die Heldentaten der Makkabäer so gut wie vollkommen verschweigt, dagegen aber die? H e 1 d enmutter Channah mit ihren sieben Söhnen in den Mittelpunkt des Geschehens und Erleidens beim Zusammenprall griechisch-syrischer Kultur mit dem jüdischen Wesen stellt, besagt mehr als die Geschichtswissenschaft bisher herauszulesen sich die Mühe gab. Es soll hier nicht noch einmal auf den Grund der etwas stiefmütterlichen Behandlung der Kriegs- und Siegesgeschichte der Makkabäerhelden in Mischna und Talmud eingegangen werden. Man kann in einer ausgiebigen wissenschaftlichen und pseudowissenschaftlichen Literatur darüber viel Wahres und Falsches nachlesen, Nicht was verschwiegen wird, interessiert. uns so sehr; ins Auge fällt, was gesagt, erzählt und unterstrichen wird: das stille Heldentum in Hütten und Höhlen, die Geschichte der Heldenmütter und Heldenkinder, die vor dem fremden Geiste lachend und glücklich in den Tod flüchten, Den Grund d a f ü r glauben wir zu kennea. Es wird nämlich dabei auf'die urjüdische Art am Eingang unserer Geschichte zurückgegriffen. Es mag schon so sein, daß auf seinem langen leidvollen Wanderweg '[dem jüdischen Volke auch „Heldentum", wie es die Welt verstand,1 aufgezwungen wurde. In der jüdischen Urzeit "war aber nicht' Abraham, j4er: mit dreihundertachtzehn Mann - fünf; Könijgiejlf schlägtj der Held/ sondern Abrahamy1 der i Vjfftef,diei? den einzigen Sohn zum Mölf|j!j:40füh#:und: ein Held war auch-'der $ohn, de^/dem1 Vater zab Höhe willig folgt. Den Heroismus der Passion kennt somit das Judentum Jahrtausende vor der Zeit, von der die Geschichte der Religion Europas ihren Ausgang nimmt. Vielleicht war es nach dem heldenhaft verlorenen Krieg "vor Jerusalem und nach dem weiteren Zusammenbruch des kurzen nationalen Glückes unter Bar Kochba nötig, daran zu erinnern, daß nicht die aufgepeitschten nationalen Leidenschaften, nicht die Helden, die im offenen Kampfe siegen oder fallen, die Kraft und die ewige Substanz des jüdischen Volkes verbürgen. Das stille Heldentum von Müttern und Kindern, das von keinem Historiker und Chronisten registriert wird, ist es, wodurch unsere ewig haltbare und schließlich siegende Kraft dokumentiert wird. „Alle Leidenschaften haben ihre Sättigungsgrenze, die Ruhmsucht nicht. Diese Ruhmsucht hat nicht nur hier ihren Turm gebaut, nicht nur hier alles gleichgültig niedergebrannt, um, Bausteine für den Bau ihrer Triumphe zu gewinnen, die ganze Weltgeschichte weiß zumeist nur von solchen Turmhauten vermeintlichen Ruhmes zu erzählen. Das R e in menschliche, was n den Hütten geschieht, davon weiß der Griffel der Geschichte wenig zu verzeichnen, das, wie der schöne Ausdruck unserer Weisen lautet, schreibt nur G'tt nieder , und E 1 i j au n d d e r Messias, diese Boten und Vollbringer der einstigen Menschenerlösung, unter z e i c hn e'n e s als Zeug en." (S; R. Hirsch Kommentar zu M. I, Kap, 11.) . . . :~. r' : (Fortsetzung * siehe Seite 3.)

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