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Der Israelit · 1936-12-03 · Heft 48 (3.12.1936) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 48 (3.12.1936)
Date
1936-12-03
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
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Seite 10 Nr. 48 Der Israelit 3. Dezember 1936 denheit Polens schilderte die Aktion nicht allein als Rettungswerk für Erez Israel, sondern, auch als eine Ehrenaufgabe für die gesamte polnische Judenheit und eine Willenskundgebung, Erez Israel im Geiste der Thora aufzubauen. England. Wieder Pälastinafragen im englischen Parlament, London, 30. Nov. Auf verschiedene Anfragen im Parlament erklärte Minister Ormsby Gore, es sei von der Regierung kein Plan zur Regelung einer jüdischen Auswanderung nach Palästina nach bestimmten amerikanischen Anregungen der Königl. Kommission vorgelegt worden, Ueberhaupt arbeite die Königl. Kommission völlig unabhängig von der Regierung. Die Regierung sei darauf bedacht, vorläufig keinerlei Meinung über die künftige Palästinapolitik zu äußern. Die Be Stimmung des Zeitpunktes, für die Abschaffung der zur Zeit noch bestehenden Notverordnua gen in Palästina obliege dem High Commissioner, der allein kompetent sei, die Lage in Palästina zu beurteilen. Ein gleiches gelte auch für die Frage der Entwaffnung von Arabern sowohl wie von Juden. Auf eine Frage des Colonel Wedgewood verweist der Minister bezüglich der Haltung der » arabischen Staaten zu den Palästinaunruhen auf seine Erklärung vom 3. November, wonach die Geldquellen für den Aufstand noch nicht aufgedeckt seien. Es treffe zu, daß der Irak nach seinem Vertrage mit England nichts unternehmen dürfe, was England Schwierigkeiten mache, es liege aber kein Grund vor zu der Annahme, daß .diese Verpflichtung von der Irakregierung verletzt wurde, obwohl von Einzelpersonen im Irak ganz gewiß den Aufständischen in Palästina Hilfe und Beistand geworden sei. •Daß Vertreter des Irak sich zur Zeit in Jerusalem befinden, um den Arabern bei der Vertretung ihrer Sache vor der Kommission zu helfen und einen Zwang auf die britische Regierung auszuüben, ist dem Kolonienminister nicht bekannt. Ein Verband orthodoxer Jugendorganisationen in England. London, 2. Dez. In einer vorberatenden Konferenz wurde beschlossen, einen Verband aller religiösen Jugendorganisationen in England ins Leben zu rufen, mit der einzigen Aufgabe, alle religiösen Angestellten und Arbeiter, .die Sabbat halten, zusammenzufassen. Politische Ziele verfolgt der Verband nicht. Seine Resolutionen können nur im Einvernehmen mit den Vertretern der anderen orthodoxen Organisation gefaßt werden. An der Spitze des Verbandes stehen die Rabbiner Dr. Münk und Dr. Schönefeld, sowie .die Herren Dr. Epstein, Dr. M. Ascher und Harry A. Goodman. (JPB.} Ein Brief ohne Antwort. London, 1. Dez. „The Jewish Weekly" (Die Wochenzeitung} schreibt: Auf einem Meeting der Londoner Agudas Jisroel hat der politische Sekretär der Organisation, Harry A. Goodman, eine Erklärung abgegeben, daß der Präsident der Agudas Jisroel-Weltorganisation, Jacob Rosenheim, zusammen mit dem Oberrabbiner von Tel A w i w und bekannten Misrachiführer Rabbi Amiel einen Brief an Dr. Weizmann gerichtet hätten, mit dem Ersuchen, eine gemeinsame Basis für die Hilfsaktion für die Opfer der Palästinaunruhen zu finden. Das Schreiben blieb aber von Dr. Weizmann unbeantwortet. Das Blatt bemerkt dazu: „Wäre die Mitteilung nicht von so zuständiger und verantwortlicher Stelle gemacht worden, so hätte man es kaum glauben mögen, daß das Oberhaupt der zionistischen Organisation, die immer von Einheit und Einigkeit spricht, einen Vorschlag, der zur Einigkeit ruft, so .einfach ignorieren sollte. Das Verhalten Weizmaims erregt in London in weitesten Kreisen größtes Befremden." Palästina. Die Untersuchungskommission bei der Arbeit/ Weizmann sagt weiter aus. Jerusalem, 30. Nov. Am Mittwoch nachmittag setzte Dr. Chajim Weidmann seine Ausführungen vor der Königl. Kommis Hon fort. Der arabische Nationalismus habe in den letzten Jahren, nicht zuletzt infolge der Orient politik, eine gewaltige Steigerung erfahren, doch bezweifelt Weizmann, ob die arabischen Führer das Recht hätten, im Namen de® arabischen Volkes i'u sprechen. Weizmann schildert dann eingehend sein Verhältnis zu dem berufenen Führer des arabischen Volkes, dem verstorbenen König F e i s a 1 und den Abschluß des bekannten arabisch-jüdischen Freund Schafts ab kommen«, bei dem auch Colonel Lawrence mitgeholfen habe. Die jüdische Hand sei allezeit ausgestreckt zu Frieden und Freundschaft mit den Arabern und die Juden wünschten nichts so sehnlich, als daß es der Kommission gelinge, das Freundschaftsverhältnis herzustellen. Weizmann besprach dann die Probleme der Kolonisation und der Einwanderung u. a. Das Prinzip der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit werde von den Juden anerkannt,, aber es müsse gerecht angewandt werden. Kein Jude dürfe das Tor im Heimatland Palästina geschlossen finden, so wenig wie ein Belgier in Belgien und ein Engländer in England. Es sei noch viel Land in Palästina für eine jüdische Kolonisation verfügbar, so beispielsweise das Huleh=Gebiet. Mit dem Grundsatz der Selbstarbcit wollten die Juden die Araber nicht boykottieren, sondern den Vorwurf von sich abwälzen, Parasiten zu sein, Für die Araber habe der Weltkrieg sehr günstig geendet, nämlich mit fünf eigenen Staaten, sie könnten zufrieden sein und auch einem anderen heimatlosen Volke etwas gönnen. Friedliche Zusammenarbeit zwischen Juden und Arabern habe die Kuls tur des alten Spanien bauen helfen, so müßten auch jetzt noch neue Wege zu dieser Zusammenarbeit gesucht und gefunden werden. Weizmann teilte ferner mit, daß ursprünglich Transjordanien in der Balf ourdeklaration mit inbegriffen war, erst 1922 sei aus Gründen, die Sir Herbert Samuel allein kenne, Transjordanien von Palästina abgetrennt worden. Die Königl. Kommission müsse die vorhandenen Möglichkeiten für die weitere Entwicklung Transjordaniens erwägen. Die Bedeutung der Balfourdeklaration für das jüdische Volk Hege darin, daß das jüdische Volk endlich irgendwo ein Heim finde, Wenn er, Weizmann, einmal geäußert habe, Palästina müsse so jüdisch sein wie England englisch, so bedeutet es nicht, daß die Juden in irgend einer Hinsicht die Rechte der Nichtjuden Palästinas schädigen oder schmälern wollten. Vor G'tt und vor der ganzen Welt könne er bekennen, daß die Juden in Palästina keinem einzigen ein Unrecht getan haben. Im Gegenteil hätten die Juden indirekt viel für andere getan, insbesondere für die arabischen Bewohner des Landes, obwohl sie nicht gerade zu diesem Zwecke ins Land gekommen seien. Während die reichen Juden abseits blieben, hätten die Aermsten der armen Juden mit ihren letzten Pfennigen das wüste Land aufgebaut, aufgebaut auch mit für die anderen. Aber es könne damit nicht sein Bewenden haben. Der ganze Boden, den der Nationalfonds besitze, erreiche noch nicht die Größe eines einzigen Landgutes in 'Kanada. Wenn man sage, die Juden besäßen den fruchtbansten Boden im Lande, so sei demgegenüber festgestellt, daß .die Juden den früher öden Boden erst so fruchtbar gemacht, hätten. Im Jähre 1919 behaupteten Experten der. Palästina-Regierung, es komme kein Boden mehr für . Ansiedlung in Betracht und inzwischen sei Tel Aw.iw: auf dem Sandboden entstanden. Im Femeren fordert Weizmann eine aufbauende Politik der> Mandatsregierung und lehnt den Legislative C o u n.c i 1' entschieden ab, ''h'. Am Donnerstag setzte Dr. Weizmann. .seine Darlegungen in einer nicbtörfentlichffJiSitzung -fort. Vor der Vernehmung Weizmann« wurde in öffentlieber Sitzung der Vizedirektor des. Landdeparte5ments., Morris Bennett, verhört, der über den j üdischen . Bodenbesitz Auskunft geben sollte. Der Leiter des Bewässerungsdepartements, Douglas Andrews, gibt Auskunft über die Hilfe der Regierung bei der jüdischen Kolonisation. Die Regierungshilfe erstrecke sich auf die gesamte Bevölkerung und es stimme keinesfalls, daß sie Unterschiede mache zwischen Arabern und Juden. Forschungen nach, Wasser seien in arabischen Dörfern sowohl wie in jüdischen Siedlungen und Städten vorgenommen worden. Zum Problem der „enteigneten Araber" teilt Mr. Andrews mit, daß 664 Araber wieder angesiedelt und weitere 347 Fälle untersucht w-^rden. Von dem Reste legten Viele keinen Wert mehr darauf, auf dem Lande zu arbeiten. Anderen gefalle wiederum der ihnen zugeteilte Boden nicht und sie wünschten unbedingt den Boden, der jetzt in jüdischem Besitz ist, obwohl ausgezeichneter Boden in der Nähe blühender jüdischer Kolonien zur Verfügung g&stellt worden sei. Offenbar seien diese Weigerungen nicht in sachlichen, sondern nationalen Erwägungen begründet. Nach der öffentlichen Sitzung am Freitag ließ sich die Königl. Kommission von den zuständigen Beamten über Fragen der Landwirtschaft und Erziehung berichten, wobei festgestellt werden konnte, daß der Beitrag der Regierung für das jüdische Erziehungswesen sehr minimal sei. Berichter* statter über .diesen Punkt war Direktor Humphr^y E. B o w m a n , Leiter des Erziehungsdepartements der Palästinaregierung. Die Hebräische Universität in Jerusalem, sagte er u. a., gebe 600—700 Studenten die Möglichkeit, im Lande zu studieren, während etwa 800 jüdische junge Leute im Auslande, hauptsächlich in England studieren. Die jüdischen Kinder besuchen zu vollen 100 Proz. die Schule, von den arabischen Kindern nur 28 Proz. Die Aussagen Mosche Shertoks. Am Montag, den 30. November, vormittag, begann die Kommission mit der Vernehmung des Leiters des politischen Departements der Jewish Agency, Mosche Shertok. Shertok kritisiert die teilweise Beschränkung der Einwanderung und die Methoden bei der Festsetzung der Einwanderangssehedulen. Eine direkte Folge dieser Beschränkungen sei die „i 11 e - gale Einwanderung". Diese „Illegalen" halten sich selbst und seien auf öffentliche Hilfe nicht angewiesen, schweben aber immer in Gefahr, ausgewiesen zu werden und können daher ihre Angehörigen nicht nachkommen lassen. Auf die Frage des Vorsitzenden, ob sich Shertok und die von ihm vertretene Körperschaft mit der illegalen Einwanderung identifiziere, weist der Zeuge darauf hin, daß die Agency wiederholt gegen illegale Einwanderung gewarnt habe, sie werden aber niemals von den E:n= Wanderern gefragt. Freilich könne ihr nicht zugemutet werden, daß sie die Palästinaregierung in der Bekämpfung der illegalen Einwanderung unterstütze und dazu beitrage, daß jüdische Existenzen vernichtet werden. Lord Peel sagte, er sei von dieser Antwort nicht befriedigt, er verlange eine klare, unmittelbare Antwort, ob die Jewish Agency die Politik ein?r „illegalen Einwanderung" gutheiße. Darauf Mosche Shertok: „Ja!" Ueber die Verwendung jüdischer Arbeitskräfte äußert sich Shertok dahin, daß die jüdischen Einwanderer in neu geschaffene Wirtschaftspositionen einrücken und somit die arabischen Arbeiter von ihren Arbeitsplätzen nicht verdrängen. * * * Nach Berichten der hebräischen Zeitung habe das Arabische Komitee die passive Resistenz . gegenüber der Kommission aufgegeben und beabsich5 tige nun, seine Ansprüche' anzumelden. Der Wortführer der Araber vor der öffentlichen Kommission soll Emir A b d ii 11 a von TransJordanien sein. Die Königl. Untersuchungskommission und da« Orthodoxie, | Jerusalem," 1. Dez. Die Arbeiten der Untersuchimgskommissioh nehmen ihren Fortgang. Die Vernehmungen finden zum

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