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Der Israelit · 1936-12-03 · Heft 48 (3.12.1936) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 48 (3.12.1936)
Date
1936-12-03
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
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3. Dezember 1936 Der Israelit Nr. 48 Seite 11 Teile in öffentlicher, zum Teile in geheimer Sitzung statt. Von Reportern dürfen den öffentlichen Sitzungen* nur Vertreter von Tageszeitungen beiwohnen. Eine Ausnahme wurde gemacht gegen das orthodoxe Wochenblatt „Kol Israel" und je eine englisch-ara* bische und englisch-jüdische Wochenzeitung. Die große englische Presse hat eigene Vertreter zu den Verhandlungen geschickt. Ueber das bereits mitgeteilte, der Kommission eingereichte Memorandum der Agudas Jisroel kann nur in großen Zügen und andeutungsweise berichtet werden. Die Denkschrift zerfällt in zwei Hauptteile, und behandelt 1. die allgemeinen Fragen Erez Israels und 2. die speziellen Forderungen des gesetzestreuen Judentums. Neben den Wünschen auf Anerkennung der Kehilloth und der Rabbinate derAgudas Jisroel erörtert der zweite Teil noch andere lebenswichtige Fragen des thoratreuen Judentums in Erez Israel, wie das Budget für das orthodoxe Erziehung swerk, die Frage der Sabbatheiligung, die Arbeitszuteilung an gesetzestreue Arbeiter, In die Sabbatrubrik gehört auch die Beschwerde gegen die Polizei, die 'die Mitglieder der „Mashire Schabbat", deren Aufgabe es ist, Freitag abend durch die Straßen zu gehen und in ruhiger Weise die Ladeninhaber zu rechtzeitiger Schließung der Geschäfte zu mahnen, oft sehr ungerecht und unglimpflich behandelt. Ferner gehen die Forderungen des thoratreuen J udentums dahin, die gesetzestreue A I i j a h und die Zahl der Rabbinerzertifikate zu steigern. Mn. G. P. (Wir werden nach Beendigung der bereits angekündigten Vernehmung der Vertreter der A. J., Oberrabbiner Duschinsky, Rabbi Mosch e Blau und Dr. Isaac Breuer, auf diese Punkte noch im Einzelnen zurückkommen. Die Redaktion,) Der Araberterror lebt wieder aui. Jerusalem, 1. Dez. Die Terrorakte, die ganz beendet schienen, lebten in diesen Tagen hie und da wieder auf. In der Altstadt von Jerusalem wurde der 45jährige Milchhändler Josef Hamburger unweit der Westmauer von einem Araber angeschossen und ernstlich verwundet, so daß er in schwer verletztem Zustand in das Hadasisah-Krankenhaus verbracht werden mußte. Fast zur gleichen Zeit wurden in der Altstadt Schüsse, auf zwei ältere sephardische Juden abgegeben, die zum Glück ihr Ziel verfehlten. Kleine Angriffe auf Poiizeitrupperi werden aus verschiedenen Gegenden gemeldet. Am Montag, den 30. November, wurde in Haifa der aus Polen stammende 60jährige Beer Bern - hard angegriffen und durch Schüsse schwer verletzt. Auch sind an diesem Tage bei Tulkerem zehn Autos, die mit Juden und Arabern besetzt waren, von einer bewaffneten Bande angegriffen worden. Die Passagiere wurden ausgeplündert. Auch U eberfälle auf MiEtärwagen gab es in der Nähe von Tul- Iterem. Man darf hoffen, daß diese U eberfälle vereinzelte Untaten sind und nicht den Anbeginn einer neuen Unruhewelle bedeuten. * * * Jerusalem, 29. Nov. Das gegen drei Araber wegen Beschießens englischer Truppen und Tötung eines englischen Serge* anten und eines Polizisten gefällte Todesurteil, ist am 19. November vom Berufungsgericht bestätigt worden. Ein Amnestie-Gesuch wurde zurückgewiesen. Darauf haben, nach einem Berichte des „El Dschamea el Islamia", die arabischen Gefangenen zum Protest den Hungerstreik erklärt. Der 22jährige Angehörige des Brit Trumpeldor, Benzion Katzenellenbogen, der in Jerusalem im Zusammenhang mit dem in Tel Awiw auf zwei Araber verübten Anschlag verhaftet war, ist wieder freigelassen worden. ' In Nablus sind zwei Araber von Terroristen er - schössen worden, weil sie sich geweigert hatten, ^hre Arbeit im Dienste des englischen Militärs einzustellen. Sie. hatten Drohbriefe erhalten, in denen ihnen der Tod für den Fall angekündigt worden war, daß sie diese Arbeit nicht aufgeben sollten. Der aus Deutschland eingewanderte Arbeiter Siegfried Oppenheimer ist in einer Orangenpflanzung bei Herzlia tot aufgefunden worden. Ob es sich um einen Mord oder um einen Unglücksfall handelt, steht noch nicht fest. Die Polizei hat eine Untersuchung eingeleitet. Oppenheimer war 25 Jahre alt. Ab Montag, den 23, November, amtiert der bisherige Erste Polizeirichter von Jaffa und Tel Awiw, Commander R. B. B o d i 11 y , ausschließlich in Tel Awiw.1 Zum Ersten Polizeirichter von Jaffa wurde P. J. B o u r k e ernannt. Bisher gab es keinen eigenen Polizeirichter für Tel Awiw. Richter Bodilly amtierte seit dem letzten Frühjahr abwechselnd in Jaffa und in Tel Awiw, früher nur in Jaffa. Von den Juden aus Hebron, die zu Beginn der Unruhen nach Jerusalem geflüchtet sind, haben einige Hebron jetzt besucht und sich bei bekannten Arabern erkundigt, ob die Rückkehr der Juden nach Hebron möglich sei. Es wurde ihnen der „freundschaftliche Rat" erteilt, sich mit dem Gedanken einer Rückkehr nach Hebron überhaupt nicht m e hr zu befassen. Die Juden würden dort nicht nur keine Existenz* möglichkeit finden, sondern auch ihres Lebens nicht sicher sein, In Tiberias, wo die Juden während der Unruhen Schreckenstage erlebt haben, herrschen wieder völlig normale Verhältnisse. Alle Werkstätten und Geschäfte sind wieder geöffnet, in den Straßen sieht man wieder ganz wie vor den Unruhen arabische Obst-, Gemüse-, Geflügel- und Eierhändler. Oefientliche Arbeiten für Mitglieder der Poale Agudas Jisroel. Petach Tikwah, 2. Dez. Als Resultat der Intervention der palästinensischen Agudaführer bei der Regierung, hat die Regierung bewilligt, daß ein Teil der öffentlichen Arbeiten auf der .Chaussee Petach Ti k w ah - S a r o n a;n Höhe von Lst. 1200 an die Poale Agudas Jisr o e 1 übertragen werden. Jüdische Arbeit in der jüdischen Landwirtschaft Palästinas. Tel Awiw, 20. Nov. Auf einer Konferenz der Landarbeiter-Gewerk* schaft wurde ein Bericht über jüdische Arbeit in den landwirtschaftlichen Siedlungen erstattet. Es gibt heute in 79 ländlichen Siedlungen 18.500 jüdische Arbeiter, wobei die noch nicht angesiedelten Arbeiter- Kibbuzim, deren Mitglieder als Tagelöhner arbeiten, nicht miteingerechnet sind. Die Landarbeiter-Gewerkschaft strebt nach restloser Verwirklichung des Prinzips jüdischer Arbeit in der Landwirtschaft. Zu diesem Zweck werden jetzt Verhandlungen mit den Kolonisiten geführt. Diese behaupten jedoch, daß es ihnen nicht möglich sei, mehr als 80 Proz. jüdischer Arbeiter in ihren Betrieben zu beschäftigen. Auf Grund von Zertifikaten aus der früheren Schedule treffen in dieser Woche in Palästina 300 Flüchtlinge aus Rußland und Buchara ein, die sich bisher in Afghanistan aufgehalten haben. Während der ersten acht Monate haben 6176 Juden in Palästina die L a n d e s b ü r g e r s c h a f t erworben. Den größten Prozentsatz der Eingebürgerten stellen Juden aus Polen, Deutschland und Rumänien. Ein halbes Jahr Haien Tel Awiw. T e 1 A w i w, 26. Nov. Der Hafen von Tel Awiw besteht nunmehr bereits ein halbes Jahr. Ein jugoslavisches Schiff hat als erstes am 19. Mai seine Ladung im Hafen von Tel Awiw gelöscht. Damals verfügten die jüdischen Bootsleute nur über einen Leichter und ein kleines Motorboot, das sie entliehen hatten. Im Laufe dieses ersten halben Jahres ankerten vor der Reede von Tel Awiw 69 Fracht- und Personendampfer und 20 Segelboote. 25.193 to Ladung wurde in diesem Zeitraum gelöscht. Heute arbeiten im Hafen von Tel Awiw 120 Boots* leute, 70 Packer, 110 . Träger, 40 verschiedene Facharbeiter und 80 Chauffeure, außerdem zahlreiche Beamte des Hafens und der Schiffsagentur. Der Gesellschaft, 'die das Verladen und Ausladen im Hafen besorgt, stehen heute 24 große Boote und 3 Motorboote zur Verfügung. Demnächst sollen noch 18 Boote mit 25 to Fassungskraft und drei starke Motorboote in Dienst gestellt werden. Amtlich wird bekannt gegeben, daß der High Commissioner mit Rücksicht auf die Dürre, die im vergangenen Jahre in verschiedenen Landesteilen herrschte, unter den armen Fellachen 34.000 Pfund als Darlehen zum Einkauf von Winter-Saatgut verteilen ließ. Amerika. Palästina-Konferenz der Judenheit Amerikas eröffnet. New York, 29. Nov. Im Astoria-Hotel in New York wurde am Sonntag die große Palästina-Konferenz des amerikanischen Judentums eröffnet, die zu der Untersuchung der Kgl. Kommission in Palästina Stellung nehmen soll. An der Konferenz nehmen hunderte Delegierte sämtlicher Organisationen teil, die dem National Council for Palestine angeschlossen sind. Auf der Konferenz sollen Resolutionen angenommen werden, in denen die Judenheit Amerikas ihren Willen zur Fortführung des Aufbauwerkes bekundet und die Richtlinien für die weitere Arbeit festlegt. Auf der am Sonntag in New York eröffneten Konferenz der jüdischen Gewerkschaften hielt der Büri^ germeister von New York, F;'jrello La Guardia, eine Ansprache, in der er seinen herzlichen Gefühlen für die jüdische Bevölkerung Ausdruck gab. Bürgermeister La Guardia sprach auch mit großer Anerken* nung von den Leistungen der Juden in Palästina. Es entstehe in diesem Lande ein neues Leben, das vielen Juden Niederlassungs- und Arbeitsmöglichkeiten bieten werde. Erzeugnisse von Juden in Polen sollen in Amerika abgesetzt werden. New York, 30. Nov. In einer Versammlung jüdischer Führer unter dem Vorsitz von Samuel Charles Lamport wurde beschlossen, zur Unterstützung der Juden in Polen eine Aktion zur Förderung des Absatzes von Erzeugnissen polnischer Juden in Amerika einzuleiten. In der Versammlung wurde ferner bekanntgegeben, daß der Verband* polnischer Juden in Amerika für die Hilfsarbeit zus gunsten der Juden in Polen bereits 75.000 Dollar aufgebracht habe. 50.000 Dollar wurden bisher für Hilfs* zwecke nach Polen gesandt. Personalien. Schweiniurt, 18. Nov. Im Altersheim zu Würzburg verstarb Frau Marianne Heine mann, die in* nerhalb der Israelitischen Kultusgemeinde Schweinfurt viel Segensreiches gemeinsam mit ihrem vor 31 Jahren verstorbenen Gatten Carl Heinemann geleistet hatte. Carl Heinemanh war der Begründer der Männer-Chewra Schweinfurt und bis zu seinem Tode in seltener Pflichttreue Synagogenvorstand. Viele Stiftungen religiöser und sozialer Art sind dem Ehepaare Heinemann zu verdanken. Frau Heinemann war mehr als 25 Jahre Vorstandsmitglied und Kassiererin des Israelitischen Frauenvereins Schweinfurt. Wegen dieser Verdienste war si© auch zum Ehrenmitglied des Israelitischen Frauenvereins ernannt worden. Bei der Beerdigung auf dem Friedhofe in Gerolzhofen würdigte Bezirksrabbiner Dr. Köhler, Schweinfurt, ihre Verdienste, indem er ihre Leistung zugleich mit der jüdischen Tat ihres Gatten verglich. Er brachte den Dank der Gemeinde und der Institutionen zum Ausdruck, in denen Carl und Marianne Heinemann Hervorragendes gewirkt hatten, zum Besten unserer hei* Ilgen Tauroh. n"3Mn Mainz, 25. Nov. Wieder ist einer unserer ca'Jp», einer der na« ">vix unserer Kehilloh abberufen worden, Leo Moritz ist im 84. Lebensjahr zur ewigen Ruhe eingegangen. Der Heimgegangene war nicht nur einer der Treuesten der Israelitischen Religionsgesellschaft, er gehörte zu den Tatmenschen, zu denen, deren Initiative und Aktivität, wie unser Raw, Herr Rabb. Dr. 'Bamberger, an der Bahre in treffenden und prägnanten Worten ausführte, unser Kreis im besonderen und die jüdische Allgemeinheit unendlich viel zu danken haben. Leo Moritz gehörte viele Jahre.dem Vorstand der Religionsgesellschaft an und widmete sich all ihren Anliegen mit hingebungsvoller Tatkraft, er war im Vorstand des Israelitischen Krankenvereins, er war die Seele des von ihlh begründeten Vereins für o^mi« ntsssa- Im Verein mit seiher gleichgesinnten edlen Gattin Esther Moritz geb. Birnbaum "-n» wußte er sein Haus zu einer

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