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Der Israelit · 1936-12-03 · Heft 48 (3.12.1936) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 48 (3.12.1936)
Date
1936-12-03
Page
– (sequence 9)
Language
German
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3. Dezember 1936 Der Israelit Nr. 48 Seite 9 Beschlüsse der Wiener NZO-Konierenz. Wien, 22. Nov. Wie die Leitung der NZO mitteilt, wurde bei ihrer in Wien abgehaltenen Beratung folgende allgemein politische Resolution gefaßt: Die Beratung stellt fest: 1. Seit Jahren führt die Mandatarmacht in Pa lästina eine antizionistische und mandatswidrige Politik. 2. Sowohl für die Entstehung als auch für die Dauer und den Umfang der letzten Unruhen in Palästina ist die Mandatarmacht direkt verantwortlich 3. Die Verwaltungspraxis der Mandatarmacht trägt immer stärkere Anzeichen der Tendenz, Palästina als eine interne britische Kolonialangelegenheit zu betrachten. 4. Dasi Vertrauen des jüdischen Volkes zur Mandatarmacht ist aufs schwerste erschüttert, 5. Bei den jüdischen Volksmassen, für die Palästina die einzige Rettungsmöglichkeit darstellt, ruft diese Palästina-Politik der Mandatarmacht eine immer tiefergreifende Verzweiflung hervor, beraubt die konstruktiven Kräfte des Judentums ihrer letzten Hoffnung und steigert künstlich die Anziehungskraft, die destruktive Tendenzen und Gruppen auf die jüdische Jugend ausüben. Gleichzeitig ist die Mitwirkung der Mächte anzustreben, die geographische und wirtschaftspolitische Interessen im Nahen Osten und besonders' im Mittelmeer besitzen. Zu gleicher Zeit wird die Nessiut aufgefordert, eine systematische politische Arbeit im Rahmen des Völkerbundes fortzuführen und auszubauen. Ungarn. Sitzung des Zentral-Komiteesi der ungarländischen Orthodoxie. Budapest, 23. Nov. Unter dem Vorsitz des Präsidenten Samuel K a - han-Frankl fand in Budapest eine Sitzung des Zentral-Komitees der ungarländischen Orthodoxie statt. Vor Eintritt in 'die Tagesordnung gedachte der Präsident seines vor kurzem verstorbenen Vorgänger©, Oberbausmitglied Adolf Frankl, Die Mitgiieder des Komitees beschlossen, zum Gedächtnis an den Dahingegangenen eine Adolf Frankl-Stiftung ins Leben zu rufen. Das Zentralkomitee beschloß weiterhin, im Hinblick auf die Aktualität der Besetzung des Postens der Landesvertretung der Orthodoxie im Oberhaus, die Wahl in der Zeit zwischen Purim und Pessach vorzunehmen. Unter dem Vorsitz des Präsidenten der Orthodoxen Kultusgeäneinde Budapest, Oberregierungsrat Abraham Freudiger v. Obuda, hielt der Finanz-Ausschuß eine Sitzung ab, auf der die Schlußrechnungen und der Bericht des Präsidenten vorgelegt wurden. Polen. Sitzung der Warschauer Repräsentanz aufgelöst. — Stellungnahme zum LubÜner Urteil und d?n Unruhen in Wilna nicht zugelassen. Warschau, 25. Nov. Eine Sitzung der Repräsentantenversammlung der Warschauer Jüdischen Gemeinde, die einberufen worden war, um das Präsidium der Versammlung zu wühlen, ist von dem anwesenden Aufsichtsbeamten der Regierung aufgelöst worden. Zum Vorsitzenden der Versammlung würde der Agudist Trockenheim gewählt. Nach Vornahme dieser Wahl wollte die Versammlung entsprechend vorliegenden Anträgen zu dem Urteil des Lubliner Gerichts und zu den Unruhen in Wilna Stellung nehmen. Dies wurde von dem Aufsichtsbeämten mit der Begründung nicht zugelassen, daß die entsprechenden Anträge nicht auf der Tagesordnung stehen. Er erklärte" die Versamm= Wg für aufgelöst. Die Vorsitzenden der Fraktionen der Repräsentanten-Versammlung sind zu einer Sit1 2ung einberufen worden/um zu den Vorgängen. Stel= Hing zu nehmen. Advckatenkammern in Warschau und Krakau lehnen judenfeindliche Anträge ab. * Warsch au, 29. Nov. Die General-Versammlung der Warschauer Advo katenkammer hat mit 1000 gegen 400 Stimmen den von den Nationaldemokraten eingebrachten Antrag auf Einführung des A ri e rp a r a g r a p h e n a b g e lehnt. Dem nationaldemokratischen Antrag zufolge sollten in Zukunft nur noch Advokaten zur Berufsausübung zugelassen werden, die drei Generationen hinauf nichtjüdische Abstammung nachweisen. Ein ähnlicher Antrag wurde auch auf der General- Versammlung der Advokatenkammer von Krakau abgelehnt. Nachdem 40 Nationaldemokraten den Saal verlassen hatten, wurde eine von Dr. Feldblum be=- anfragte Resolution einstimmig angenommen, die sich dagegen wendet, daß Konflikte in die Advokatenkammer hineingetragen werden. Die Judenbänke. — Erklärungen im Erziehungsbeirat des Unterrichtsministeriums. Warschau, 25. Nov. Auf einer Sitzung des Beirates für Erziehungswesen beim Unterrichtsministerium, die unter dem Vorsitz des Unterrichtsministers Szwientoslawski stattfand, verlas Senator Oberrabbiner Prof. Schorr, der Mitglied des Beirates ist, eine Erklärung, in der die Hochschulunruhen verurteilt werden. Der Unterriehtsminister wird aufgefordert, alle notwendigen Schritte zu unternehmen, um einen normalen Verlauf des Studiensemesters zu sichern und 'die Autonomie der Universitäten mit ihrer Freiheit des Unterrichts und des Studiums zu erhalten. Eine Abstimmung über diese Erklärung fand im Rate nicht statt. Sie ist aber in das Protokoll aufgenommen worden. In einer offiziellen Erklärung wird dementiert, daß den Forderungen der Studenten in Wilna nachgegeben worden ist. Es heißt in der Erklärung, daß Nachrichten von der Presse, die über einen „Sieg" der Studenten zu berichten wissen, verbreitet worden seien. Es sei dem Unterrichtsministerium nichts von einem Abbruch der Blockade der Universitätsgebäude in Wilna bekannt und auch nichts von einer Erklärung de® Rektors, daß er die Abhaltung von Vorlesungen nicht zulassen wolle, bis es zu einer Verständigung über die Platzverteiking gekommen sei. Der polnische Landwirtschaftsminister P o n i a - to wski hat die jüdischen Abgeordneten des Sejm, Dr. Sommerstein und Minzberg empfangen, und mit ihnen eine Unterredung über die Durchführungsverordnungen zum Schächtgesetz gehabt. 150 jüdische Akademiker aus Polen gehen nach Palästina. Warschau, 24. Nov. Aus Warschau ist ein Transport von 150 Palästina- Auswanderern abgegangen. Unter ihnen befinden sich größtenteils Studenten und Studentinnen, -die an der Hebräischen Universität in Jerusalem und auf dem Technikum in Haifa ihre Studien aufnehmen wollen. Der Transport geht über Triest, Jüdische Wohlfahrts=Einrichtungen haben dem polnischen Komitee für die Winterhilfe ein Memorandum unterbreitet, das feststellt, daß in den staatlichen Schulen 14.000 jüdische Kinder Not leiden. Es wird gefordert, daß ein Teil der polnischen Winterhilfe zur Linderung der Not unter der jüdischen Bevölkerung verwendet wird, zumal polnische Juden bei der Aufbringung der Winterhilfegelder sich sehr aktiv beteiligen. Forderung nach Kolonien für Polen und die jüdische Auswanderung. Warschau, 23. Nov. In Warschau fand eine Kundgebung der „Polnischen Meeres* und Kolonial-Liga" statt. Der ehemalige Sejm=Märsehall D omski hielt ein großes Referat, in dem er den Zusammenhang zwischen dem für Polen notwendigen Rohstoff-Import und* der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit erörterte. Der Zustand ^^piWhf^i^^^Si^&^M^'^it^i'?einen M & n »<$ h. e n- Export erforderlich, was eine Schande sei. Denn dieser Menschen-Export sei erforderlich, weil Polen nicht-die notwendigen eigenen Rohstoffe besitze. Der Redner sagte, Polen müsse auch einen weiten Teil seines Bevölkerungs=Ueberschusses aus dem Lande schicken. Dies sei mit der Judenfrage verbunden. Die Judenfrage müsse vor einem internationalen Forum erörtert werden und dabei die polnischen Forderungen nach Kolonien berücksichtigt werden. Nur so würde die Judenfrage in Polen am leichtesten gelöst werden. Der Redner wandte sich dagegen, daß ein so großer Prozentsatz der Zertifikate für die Einwanderung nach Palästina für Juden aus Deutschland zur Verfügung gestellt werden. Die auf Polen entfallenden Zertifikate stünden in keinem Verhältnis zu der Zahl der Juden in Polen. Der Przytyker Prozeß in zweiter Auflage« L u b 1 i n, 26. Nov. Das Gericht hat, wie schon kurz berichtet, das Radomer Schreckens urteil gegen die übers fallenen und sich wehrenden Juden bestätigt und zum Teil noch ausgeweitet. Danach bleibt die achtjährige Gefängnisstrafe des jüdischen Hauptangeklag* ten Schalom Jechiel L e s k o bestehen, ebenso die über Elieser Kerschenzweig verhängte Gefängnisstrafe von sechs Jahren. 'Die Strafe für Jizchak Friedman, der in erster Instanz zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt worden war, ist auf fünfeinhalb Jahre erhöht worden. Es wurden weiter erhöht die Strafe für Abraham H a b © r b e r g von zehn Monaten auf anderthalb Jahre, für Elieser Feldberg von zehn Monate auf anderthalb Jahre, für Isaak Banda von acht Monate auf zwei Jahre, für Leib L e n g a von acht Monaten auf anderthalb Jahre. Saul Krengel, der vom Kreisgericht in Radom sechs Monate Ges fängnis erhalten hatte, wurde zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Die weiteren jüdischen Angeklagten Moses F e r s z t, Raphael Honig und Leib Z e i d e , >die in Radom sechs Monate Gefängnis erhalten hat* ten, bekamen jetzt zehn Monate Gefängnis. Die des Mordes an dem jüdischen Ehepaar Minkowski beschuldigten vier nichtjüdischen Angeklagten Antony Fronczkiewitz, Stanislav Fronczk i e w i c z , Gustav I w o n s k i und Franciszek Kwietaie wski, in Radom freigesprochen, wur-i den zu je eineinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Das Gericht stellte in seiner Urteilsbegründung fest, daß die vier an der Stätte des Mordes waren, es konnte .ihnen aber nicht nachgewiesen werden, daß sie den Mord tatsächlich verübt haben. In der gesamten jüdischen Bevölkerung Polens ist das Urteil mit Spannung erwartet worden. Maa hatte nach den eindrucksvollen Plädoyers der Verteidiger der jüdischen Angeklagten gehofft, daß der Urteilsspruch des Radomer Gerichts gemildert wer-- den würde. Der Gerichtsvorsitzende hatte die nationaldemokratischen Verteidiger wegen ihrer judeufeindlichen Bemerkungen in ihren Plädoyers wiederholt zur Ordnung gerufen. Auch der Staatsanwalt hatte ihre Ausführungen dahin gekennzeichnet, daß sie mit ihren Ausführungen versuchten, an die niedrigen Instinkte des Mobs zu appellieren, während sie angeblich für brüderliche Liebe eintreten. Das von dem Gericht in Lublin um 5 Uhr nachmittags verkündete Urteil hat auf die jüdische Bevölkerung der Stadt, die das Gerichtsgebäude lange Zeit vor Verkündung des Urteils umlagert hatte, einen niederschmetternden Eindruck gemacht. Auch in Warschau ist die Erregung unter den Juden über dieses Urteil .groß. (ITA.) Ein Rettungswerk für Palästina in Polen. Warschau, 2. Dez. Auf einer Sitzung, an der sich die Führer des orthodoxen Judentums in Polen, auch die bekannten Chassidimrabbis, beteiligten und unter der Leitung von J. M. Lewin und E. Masur stand, wurde ein „ M i f a 1 H a z a 1 a h ", ein iRettungswerk für die- Opfer der letzten Palästinaunruhen proklamiert. Eine Sammlung an Ort und Stelle ergab den Betrag von 40 000 Zloty. Ein Rundschreiben an die gesamte Ju-

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