Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 48 (3.12.1936)
- Date
- 1936-12-03
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8 Nr. 48 Der -Israelit 3. Dezember .1936 Preisausschreiben die jüdischen Künstler auf, Entwürfe für die Wohlfahrtsmarken der „Blauen Beitragskarte" einzureichen. Die Sammlung für die ,,Blaue Beitragskarte" wird im Auftrage der Zentralwohlfahrtsstelle in allen Gemeinden Deutschlands durchgeführt. Ihre Erträgnisse finden für alle Gebiete der sozialen Arbeit Verwendung. Sie sieht monatliche Beiträge von RM. —.25 bis RM. 5.— vor, die durch Marken quittiert werden, Diese Marken haben im ersten Jahre die verschie denen Gebiete der sozialen Arbeit, im zweiten Jahre die jüdischen Feiertage und im dritten Jahre die jüdischen Stämme dargestellt. Die Künstler werden aufgefordert, für das vierte Jahr Entwürfe für die neuen Marken einzureichen. Jeder jüdische Künstler, der Mitglied des. Reichsverbandes der jüdischen Kulturbünde ist, darf sich an diesem Preisausschreiben beteiligen. Für jeden Mo nat des Jahres ist ein Entwurf einzureichen. Das Jahr der „Blauen Beitragskarte" beginnt mit dem 1. April 1937. Der Entwurf muß Angaben über das v vorgesehene Druckverfahren enthalten. "Jede Marke muß außer der gewählten Darstellung die Bezeich nung des Monats deutlich sichtbar tragen und Raum für den Eindruck des Wertes vorsehen. Die Marken haben im einzelnen eine Größe von 30X40 mm. Die Anschrift für alle Einsendungen zu diesem Preisausschreiben: Reichsvertretung der Juden in Deutschland, Abteilung Zentralwohlfahrtsstelle, Charlottenburg 2, Kantstr. 158. Die Entwürfe sind nur mit einem Kennwort zu versehen, der Name und die Adresse de® Urhebers sind mit dem Kennwort zusammen in einem besonderen, verschlossenen Briefumschlag einzuenden. Letzter Termin für die Einsendungen ist der 16. Dezember 1936. Es sind drei Preise von;RM. 300—, RM. 200.— und RM. 100.— ausgesetzt. Die Prüfung der Entwürfe und die Entscheidung über .die Zuteilung der Preise erfolgt unter Ausschluß des Rechtsweges durch die Reichsvertretung der Juden in Deutschland, Abteilung Zentralwohlfahrtsstelle, in Gemeinschaft mit künstlerischen Sachverständigen. Neue Ausweiskarte für Künstler im Reichsverband der Jüdischen Kulturbünde. Berlin, 29. Nov. Um Mißverständnissen vorzubeugen, teilt der Reichsverband der Jüdischen Kulturbünde in Deutschland hiermit nochmals als öffentliche Ankündigung mit: Alle beim Reichsverband gemeldeten ausübenden Künstler und Vortragenden, die sich im Besitze der gültigen Ausweiskarte des Reichsverbandes befinden, müssen bis spätestens 1. Januar 1937 .die neue Aus* » weiskarte erlangen, da die alte Ausweiskarte mit Jahresende ihre Gültigkeit verliert. Der Reichsverband macht ausdrücklich darauf aufmerksam, daß gemäß behördlicher Anordnung kein Künstler das Auf* trittsrecht hat, der nicht im Besitze der gültigen Mitgliedskarte ist, so daß die Nichterneuerung, bezw. die nicht rechtzßitige Erneuerung der aktiven Kart« automatisch bis zur Erledigung den Verlust des Auftrittsrechtes nach sich zieht. Bei der Fülle der Anträge ist sofortige Einreichung des Antrages (Fragebogen, Lichtbild, Gebühr von RM. 2.— für das Jahr 1937) dringend geboten. Ausnahmezulassungen können prinzipiell nicht stattfinden. Die Stellung des Beamten zum Judentum. Berlin, 25. Nov. Auf der dritten Reichsitagung der Reichssteuerbeamten in Königswinter sprach laut „Berliner Tage8 blatt" der stellvertretende Stellenleiter Stubenrauch. Er machte Ausführungen über die Frage, nach welchen Gesichtspunkten Gutachten über die politische Haltung eines Beamten erstattet werden müßten. Sehr wichtig für die politische Beurteilung eines Beamten sei' dessen Stellung zum Judentum. Dabei müsse selbstverständlich auch die Stellung der Familienmitglieder zum Judentum genau geprüft werden^ insbesondere auch, ob die Ehefrau des Beamten bei Juden kaufe. Die Woche. Frankfurt a. M. Wie .die „Frankf. Ztg." meldet, hat der Schriftsteller Hermann Burte auf Anregung der NS-Kuiturgemeinde zur Musik des Händel'schen Oratoriums Judas M a k k a b ä u s einen neuen Text geschrieben. Er ist den Gefallenen des Weltkrieges gewidmet und trägt den Titel „Held und Friedens werk", Berlin. Die J ü d i s c he Winterhilfe in Berlin hat in Gemeinschaft mit dem Jüdischen Wohlfahrtsamt elf „Warme Stuben" in den verschiedensten Stadtteilen eröffnet. Es fanden Eröffnungsfeiern statt, für die sich eine Reihe von Künstlern zur Verfügung gestellt hatten. — Der „Enz-Bote" meldet, daß V a i h i n g e n judenfrei geworden ist. Kein. In einer Zuschrift an den „Westdeutschen Beobachter" wird, beanstandet, daß bei einer Wiedersehensfeier der ehemaligen Schüler einer Schule auch Juden anwesend gewesen seien. Wenn diese den Drang in sich verspüren, sich ebenfalls nach Jahren wiederzusehen, so sollten sie das ruhig unter sich ausmachen. Wien, Der ehemalige Direktor der Wiener Universitätsbibliothek, Bundeskulturrat Hofrat Prof, Dr, Salomon F r ank f ur t e r, ist mit dem Komturkreuz des österreichischen Verdienstordens ausgezeichnet worden. Amsterdam. Wie in .dem Bericht des holländischen Komitees für Jugend-Alija festgestellt wird, sind in diesem Jahre für Zwecke der Jugend-Alija in Holland etwa 63.000 und in Holländischen dien etwa 4300 Gulden gesammelt worden. 1936 wurden 112 Kinder nach Palästina gesandt. Dem Zentralbüro für die Ansiedlung von Juden aus Deutschland ist zu diesem Zweck ein Betrag von 4032 Pfund übergeben worden. Stockholm. Die neugeschaffene Lehrkanzel für Psychologie an der Universität Stockholm ist Prof. David K a t z verliehen worden, der früher am psychologischen Institut der Universität Göttingen und an der Universität Rostock tätig war. Lodz. Das Lodzer Gericht verurteilte den Reserveoffizier Wladislaw T r e n i s , der den jüdischen Sejm-Deputierten Minzberg auf der Straße überfiel und ihn blutig mißhandelte, zu 80 Zloty Geldstrafe oder sieben Tagen Arrest. Höher schätzt das Lodzer Gericht die Ehre eines jüdischen Deputierten nicht ein, Paris, In Paris starb der Gründer der Warschauer jüdischen Tageszeitung „Hajnt", der bekannte Journalist Schmuel Jacob J a t z k a n. Im Jahre 1925 gründete er .die Pariser Ausgabe des „Hajnt". Jatzkan ist 62 Jahre alt ge= -worden. London. Ein englisches Verkehrsflugzeug der Linie Haifa—Port Said wird vermißt. Der ägyptische Rundfunk hat die britischen Zerstörer ersucht, die Suche nach dem Flugzeug aufzunehmen. Jerusalem. Einer Meldung aus Kairo zufolge, hatte die englische Regierung dem früheren Kediven von Aegypten, Abbas Hilmi Pascha, die Einreise nach Palästina mit Rücksicht auf die Lage im Lande nicht gestattet. — Nach offiziellen Mitteilungen sind im Verlaufe desi Oktober 1254 Juden nach Palästina eingewandert. Unter ihnen befanden sich 106 Kapitalisten mit einem Mindesteigentum von 1000 Pfund und 105 Verwandte von im Lande Ansässigen. Jaffa. . Die Regierung hat das einzige in Jaffa bestehende Lichtspieltheater gekauft, um an seiner Stelle eine große K a== s e r n e zu errichten. Die Baukosten betragen 32.000 Pfund. Jaffa soll eine ständige Garnison erhalten. Tel Awiw. Die Stadtgemeinde Tel Awiw hat vor einigen Tagen die letzte Rückzahlung auf .die ihr 1929 von der Barclay's Bank gewährte Anleihe von 41.500 Pfund geleistet. New York. Der Verlag der Yale-Universität hat in der Reihe der orientalistischen Werke zum Andenken an Alexander Kohut den ersten Band eines hebräischarabischen Wörters b u c h e s der Bibel von dem Professor , für Arabisch am Dropsie College, Solomon L. Skoss, herausgebracht. Dasi Wörterbuch trägt den Titel „KÜdab Jami al-Alfaz" und beruht auf Manuskripten der öffentlichen Staatebibliothek in Leningrad und der ,ßoßl&iana" in Oxford. Dr Sulzberger in den Vorstand der Berliner Jüdischen Gemeinde gewählt.; , " Berlin, 27. Nov. Nachdem das bisherige Mitglied des Vorstandes der Berliner Jüdischen Gemeinde, Amtsgerichtsrat 'i. R. Kurt Tuchler, nach Palästina ausgewandert ist, hat die Reprä^emtantenversamiiilung der Berliner Jüdischen Gemeinde an seiner Stelle Rechtsanwalt Dr. Paul Sulzberger zum Mitglied des Berliner Gemeindevorstande» gewählt. Dr. Sulzberger ist Vertreter der Konservativen und de® Misrachi. Die Leistungen der Jüdischen Winterhilfe. Berlin, 20. Nov. Die Jüdische Winterhilfe der Jüdischen Gemeinde zu Berlin hat im Monat November an die Bedürfe tigen u. a. Kartoffel ausgegeben. Für .die Heranschaffung dieser Kartoffeln waren sechzig Eisenbahnwaggons erforderlich. Es wurden 12.000 JFamilien belie* fert, 'die je nach Kopfzahl x/% bis 4 Zentner erhielten. Zwanzig Wagen wurden für die Belieferung in die Häuser der Bedürftigen benötigt. Es wurden vierzig ehrenamtliche Helfer beschäftigt. Bei der Belieferung war die Ausfertigung von 12,000 Lieferscheinen in dreifacher Form erforderlich. Die Jüdische Winterhilfe in Köln hat in der vergangenen Woche 1000 Zentner Kartoffeln und 1000 Zentner Briketts verteilt. Außerdem wurde eine große Anzahl von allerlei Lebensmittelpaketen ausgegeben. 8BiS|^ >>W4* ■ «Mfcj«,!*!^!* Aus der Gemeinde Breslau, Breslau, .28. Nov. Im Rahmen eines Aufsatzes der „Schlesischen Tageszeitung" wird mitgeteilt, daß im Jahre 1934 1036 Juden nach Breslau neu hinzukamen; 1935 waren es 1078, 1934 waren 1906 Juden fort und im Jahre 1935 1341. Bei der letzten Volkszählung im Jahre 1933 wurden in Breslau 20.202 Glaubensjuden gezählt. Aus einem Bericht des Jüdischen Wohlfahrtsamts in Breslau für da® Jahr 1935/36 ist zu entnehmen, daß in der Volksküche 17.974 Portionen Essen ausgegeben worden sind. Durch Sonderbeihilfen haben kinderreiche Familien Betten und Wäsche bekommen. Aus Stiftungen und Vermächtnissen, konnten 241 Personen bedacht werden. Vierundzwanzig Bräute erhielten Aussteuer=Beihilfen. In der Tuberkulosen-Fürsorge wurden 11 Kuren für erwachsene Tuberkulöse durchgeführt und 24 Kinder und Jugendliche betreut bezw, verschickt. Wichtige Arbeit leistete der Hilfsausschuß für jüdische Kranke, der soziale Kranken» hausfürsorge für 110 Fälle bearbeitete, und die Jugendfürsorge in Fragen der Berufsumschichtung, Berufsausbildung, Hachsohara -und Jugend-Alija. Für bedürftige Kinder an den jüdischen Schulen wurde eine Frühstücks-Speisung durchgeführt. Aus dem Kreise der weiblichen Hilfsbedürftigen wurden die5 jenigen erfaßt, die noch für Hausarbeit und Bedienungsstellen verwendbar waren. Der Versuch, männliehe Personen in Haushaltsarbeit einzugliedern, hat nur geringe Erfolge gehabt. Die Jüdische Winterhilfe in Breslau 'betreute Ende November 4039 Personen. Es liegen 2000 Anträge auf Zuteilung von Bekleidung vor. Oesterreich. Vor der Schaffung einer Gesämtvertretung dcr österreichischen Juden. Wien, 24. Nov. Der Bundjüdischer Frontsoldaten Oesterreichs, der die Initiative zur Schaffung einer Gesamtvertretung der Juden Oesterreichs, ergriffen, hat, hat nunmehr ein Memorandum herausgegeben, in dem die Parteien aufgefordert werden, den, Vollzugs-Ausschuß, der als Gesamtvertretung zu fungieren hat, zu bilden. In dem Memorandum wird betont, daß unbeschadet der Tatsache, daß weltanschauliche Verschiedenheiten bei den einzelnen Organisationen bestehen undl sie sich auf den verschiedensten Gebiete» selbständig) betätigen, sie in Fragen, die die politischen Interessen der österreichischen Juden berühren, unbedingt einig sein!und einheitlich vorgehen müssen.