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Der Israelit · 1936-12-03 · Heft 48 (3.12.1936) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 48 (3.12.1936)
Date
1936-12-03
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Nr. 48 Der lsraelit 3. Dezember 1936 deren Institutionen stark gestützt wird, trotz zahlloser Schwierigkeiten ihre Tätigkeit aufrecht; erhalten. Die „Emica", die jüngste Institution, in der unsere Zusammenarbeit mit unseren amerikanischen Freunden zum Ausdruck kommt, hat in der neuen Kolonie Beer Tuwia kolonisatorische Arbeit entfaltet. Wir dürften in naher Zukunft in Palästina die Verwirklichung einer großen Arbeit erleben, bei der unsere Vereinigung treulich mithelfen wird, Die ICA„ schloß Sir Osmond, bleibt eine feste Burg. für. .unsere Glaubensgenossen!, die Hilfe und Trost benötigen. Wir können mit. unseren Leistungen zufrieden sein. Die großherzigen Pläne unseres Gründers haben wir soweit wie möglich verwirklicht. Einführung in die jüdische Geschichte. Von Dr. Ph. Biberfeld. IV. Die religiösen Zustände im alten Israel. Weit verbreitet ist die Auffassung, daß zur Zeit des ersten Tempels nur eine verhältnismäßig kleine Schicht des jüdischen Volkes die Gebote der Thora beobachtete, der weit überwiegende Teil hingegen fremder Sitte und Kultur huldigte. Erst im babylonischen Exil, so nimmt man dann an, sei ein grundlegender Wandel eingetreten. Anlaß zu dieser Anschauus^ bieten die Reden der Propheten, welche ja in der Tat die Vergehen des Volkes ständig mit den schärfsten Ausdrücken geißeln. Indessen kann man ihren Schilderungen nicht ohne weiteres ein objektives Bild der damaligen Zustände entnehmen. Es ist grundsätzlich zu berücksichtigen, daß sie das Volk ihrer Sendung entsprechend stets mit absoluten Maßstäben gemessen haben. Ueber Jakob heißt es (is*"*i J^tn): daß die Engel, welche ihm im Traum erschienen, die Leiter hinanstiegen und sein Idealbild erblickten, dann herab- , Stiegen und seine Wirklichkeit sahen und ihn gefährden wollten. Genau so ist es mit den Propheten gewesen. Sie waren die Sendboten G'ttes, deren Aufgabe es war, die tatsächlichen Verhältnisse an dem Idealbilde zu messen, zu dem das Volk erzogen werden sollte. Für die Erkenntnis der wirklichen Verhältnisse ist indessen schon die Tatsache von grundlegender Bedeutung, daß es überhaupt möglich war, das Volk ständig in der schonungslosen Weise zurechtzuweisen und zu ermahnen, wie es die Propheten ständig getan haben. Das setzt unbedingt eine hohe Stufe der geistigen und sittlichen Kultur voraus. Nur so ist auch die Existenz der Propheten selbst erklärlich. In diesem Zusammenhang gewinnt die Frage nach der Zahl der Propheten, die in Israel gewirkt haben, eine besondere Bedeutung. Gewöhnlich wird sie dahin beantwortet, daß es drei große und zwölf kleine oder auf Grund der Y"> n^'ÄO Klo*'daß es 48 Propheten und 7 Prophetinnen gegeben habe. Beide Antworten sind indessen grundfalsch. Wie in der NIÜA (a. a. O.) ausgeführt wird, hat es im Laufe der Generationen unzählige Propheten gegeben. Die 48 sind nur dadurch ausgezeichnet, daß ihre Reden für die Nachwelt erhalten worden sind. (Vergl. auch Ü'TW Ttf »na zu den Worten: n:SDD na:) Diese Ueb erlief er ung der läßt sich auch durch eine ganze Reihe von Stellen im belegen. •p So heißt bei Saul (I. Sam. 10, 10), daß er von Samuel nach Gibea kommend auf eine Schar Propheten (D'KDJ ^nn) stieß, welcher er sich anschloß. Als er David verfolgen ließ, heißt es (I. Sam. 19, 20), daß seine Boten einen Schwaam von Propheten um Samuel versammelt antrafen. Als Isebel die Propheten G'ttes töten ließ, gelingt es dem Obadja, 100 Propheten vor dem Untergang, zu retten, indem er sie in zwei Höhlen ernährt. (I. Kön. 18, 4.) Das war in Israel in den ärgsten Zeiten unter Isebel. Wenn aber 100 gerettet werden konnten, so wird die Gesamtzahl mindestens das Zehnfache betragen haben. In dem Bericht über das Hinscheiden des Elijahu {IL Kön, 2) finden wir dann schon wieder ganze Prophetenschulen in den Städten Bethel und Jericho, Von wo 50 der Prophetenschüler dem Elija und Elischa folgen. Diese Prophetenschüler (ö'N'an '22) sind keineswegs nur junge Menschen gewesen. Wie sich aus II. Kön. 4, 1 ergibt, gehören zu ihnen Familienväter. Der Ausdruck entspricht der Bezeichnung C33ri Tö^ri womit auch nicht gerade junge Menschen gemeint sind. Bedeutsam ist, daß sogar Bethel Sitz einer solchenProphetenschule ist. Bekanntlich war BetheLder Ort, an dem Jerobeam eines der goldenen Kälber aufgestellt hat, mithin Mittelpunkt des Götzendienstes in Israel. Weitere Prophetenschulen finden sich sodann in Gilgöl (IL Kön. 5, 22). Am Jordan wird ein neues Heim errichtet, da das bisherige (in Gilgol?) zu klein geworden' ist. (II. Kön. 6, 1.) Wenn man in Betracht zieht, daß alle diese Prophetehschulen nur beiläufig im Zusammenhang mit am den betreffenden Orten sich abspielenden Ereignissen erwähnt werden, so erscheint. der Schluß gerechtfertigt, , daß derartige?"! Prophetenschulen über das ganze Land verteilt waren. Hierbei ist von besonderer Bedeutung, daß. es sich um das Königreich . Israel handelt .1;.und zwar in der schlimmsten Zeit, in der .von Achab ■ und Isebel. Somit ist die Auffassung, daß die Propheten einzelne i überragende Erscheinungen gewesen seien, abzulehnen. Man muß sich vielänehr mit dem Gedanken vertraut machen', daß die Propheten als Mass eherscheinuiig auftreten. Damit'fällt auch Lieht auf die Mischna (:Hl*iN). wo es heißt: „Moses empfing die Thora am Sinai und überlieferte sie dem Josua, Josua den Sekenim, die Sekenim den Propheten und diese den Ansehe Kneses Hagdola." Es sind mithin die~Propheten die Träger der Tradition gewesen von der Einnahme , des Landes bis zur Rückkehr unter Esra in genau derselben Weise, wie dieses später die ä^Slö «ad fia»#5rt 'T'JöVfl gewesen sind. Das aber setzt die Propheten als Massenerscheinung sowie eine entsprechende Lehrtätigkeit voraus. Diese für das ganze Volksleben außerordentlich bedeutsame Tatsache läßt sich aus einzelnen versteckten beiläufigen Bemerkungen erschließen. So heißt es bei der Sunamiterin (IL Kön. 4, 23), die den Elisa aufsuchen will, um ihn wegen ihres toten Kindes zu befragen: „Warum gehst Du heute zu ihm, es ist doch weder Neumondstag noch Sabbat." Daraus folgt, daß es am Neumond und am Sabbat allgemein üblich war, daß das Volk sich ohne besonderen Anlaß bei den Propheten zusammenfand, um von ihnen belehrt und ermahnt zu werden. Ebenso heißt es auch bei Jesaja (1, 13): „Unterlasset Eure Versammlungen am Neumond und Sabbat, denn ich -ertrage nicht Schuld und Versammlung." In beiden Stellen wird der Neumondstag dem Sabbat vorangestellt, weil die Versammlungen am Neumondstag größer zu sein pflegten. Könnten an ihnen doch auch die Bewohner der kleinen Orte und Städte der Umgebung teilnehmen. (Vergl. hierzu: Doroth Horischonim Ic S. 325ff„ Anm. 90.) Diese Sitte hat sich bis in die spätere Zeit hinein erhalten. So heißt es im Makkabäerbuch (I. 1, 55): „Und an den Türen der Häuser und auf den Straßen räucherten sie, und die Gesetzbücher, die sie fanden, verbrannten sie mit Feuer, nachdem sie sie'zerrissen hatten; und wo ein Bundesbuch bei einem gefunden ward, und er ihm zustimmte, den beförderte des Königs Richtspruch zum Tode. Nach ihrer Macht taten sie also an Israel, an allen, die sich in den Kap. 37. V. 7. mm rrivn -fina u->t>bx D'öi>!*a nrns mm .viaVt6 pnniwn osvin^K m^aon mm rma dji tibS>k nap „Siehe, wir trugen Garbenhaufen in die Mitte des Feldes zusammen, und siehe, da stellte sich meine Garbe aufrecht und blieb auch stehen, und siehe, da stellten sich eure Garben ringsum und bückten sich vor meiner Garbe." Garben spielen in dem späteren Leben Joszofs eine große Rolle. Der Mangel an Getreide führt die Söhne Jaakows nach Aegypten, wo sie sich vor Joszef bücken. * * * Kap, 37. V. 13 03P3 D'jn ym mbn epv bs. bucw nas'i .»aan iV naK'i on^s -jn^Ki na^> „Da sprach Jisrael zu Joszef: Weiden deine Brüder nicht in Schechem? Gehe, ich will dich zu ihnen schicken: Er sprach zu ihm: Hier bin ich." Jaakow ist von Sorgen über das Wohlergehen seiner Söhne beängstigt, weil diese das für sie gefahrvolle Schechem zum Weideplatze gewählt hatten. War ja die Befürchtung, die Bewohner der dortigen Gegend könnten die von Schimeon und Levi begangene Missetat rächen und seine Söhne überfallen, nur allen sehr berechtigt. (Vgl. 34, 30.) * * * Kap. 37. V. 26. nx anm 'a yxa na vns b& mim nairi .iai rix ii'03T „Da sprach Jehuda zu seinen Brüdern: Was ist« für ein Vorteil, wenn wir unseren Bruder umbringen und sein Blut verhüllen?" Ueberlassen wir Joszef in den Tiefen dieser in der Einöde gelegenen Grube seinem Schicksal, so haben wir damit unseren . Bruder umgebracht und dessen Blut verhüllt. * * Kap. 39. V. 6. naisa ins yr> i6i t]OV va iv& Va aryi ♦VaiK nn ~\vk anbn dk >a „Er überließ alles, was ihm gehörte, in Joszefs Hand und wußte neben ihm von Nichts als von der Speise, die er aß." Joszef genoß das volle Vertrauen Potifars, so daß dieser ihm alles, überließ. Jedoch war es dem hebräischen Mann «strengstens untersagt, mit der Speise, die «ein ägyptischer Herr aß, irgendwie in Berührung zu kommen. Er kümmerte sich neben ihm um;nichtsv als um die Speise,-die er aß,1) In demselben Sinne heißt es später: „Denn es konnten die Aegypter nicht mit den Hebräern zusammen essen, denn es war für die Aegypter ein Greuel." (43, 32.)2| * * * Kap. 40. V. 10. nxa nnby nmsa xim dj'iw nvbv Jba'av •D'33» ">n!?3üs iV'erar. . „Und an dem Weinstocke waren drei Ranken; es war, als ob er aufbrach, dann kam die Blüte hervor, und seine Trauben reiften zu Beeren." Die Worte r-inisa Mim erklärt Raschi: Es kam mir in meinem Traume so* vor, als ob er aufbrach. Andere Deutung; Durch das dem Zeitwort vorangestellte 3 wird zuweilen das gleichzeitige Geschehen zweier Handlun= *) anb .bezeichnet schlechthin jede Speise, vgl. 43, 32, Dewarim 10, 18. ,» 2) Weitere Erklärung:; „Potifar ließ außer dem, was er schlechterdings selbst tun mußte, wie .essen . und trinken, alles den Joszef besorgen." Diese Auslegung ist befremdend. Welche Bedeutung will1 man'' denn den Worten ^»8 KW -i»8 onbn BS '3 : zuschreiben?'EntJ spricht; esin der Tat der DarstellüngJsweise der -Schrift, uns mitzuteilen, daß Potifar persönlich seine. Speise aß und dies nicht von Joszef besorgen ließ? gen bezeichnet. Als Belegstelle diene Bereschit 38, 29 vmc SS' mm n» 3'tcaa »mi „Kaum zog er seine Hand zurück, da war sein Bruder herausgekommen"; ferner Melachim I 1, 21 D->Kt)n rmbv 'aan >2K •>rr»m itos ay -jVan •»ans a3»3 "m „Dann wird es geschehen, sowie mein Herr und König sich zu seinen Vätern niederlegt, so werden ich und mein Sohn Sehelomo Verbrecher sein.". Durch die Formen: des Perfekts frvin ,nnbv. .anstelle von /Sym ' lV'WV wird das rasche Wachstum noch stärker zum Ausdruck gebracht. Demnach ist unser Satz wiederzugeben: Und er, wie er nur aufbrach, kam schon •die Blüte hervor, reiften seine Trauben schon Beeren. In der schnellen Folge der Naturerscheinungen erblickt Joszef ein Vorzeichen dafür, daß seine Traum- Sdeutung sich bereitsi in der allernächsten Zeit verwirklichen' wird. Auf das gleiche Moment weist der Traum des Oberbäckers hin, dem schon zubereitetes Backwerk gezeigt wird. (V. 16 u. 17.) Durch die Zahl drei werden daher die drei kommenden Tage versinnbildlicht, nicht aber drei Monate öder gar dr^i Jahre. Ein weiteres Vorzeichen sieht schließlich Joszef in der Tatsache, daß die beiden Hofbedienten;. zur gleichen Zeit träumen: An ein und demselben Tag wird ihr Schicksal besiegelt werden. Briefkasten. * . S. G, in Berlin. Für die Beurteilung der Dinge und der gesetzestreüen Belange in Palästina muß dip Meinung der dortigen Führer, die von unseren Jerusalemer Berichterstättern wiedergegeben wird, maßgebend sein- Besten Dank*

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