Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 48 (3.12.1936)
- Date
- 1936-12-03
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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3. Dezember 1936 U e r Israelit Nr. 48 Seite 5 Anlaß nehmen, um unsere Verbundenheit mit diesen unseren Chawerdm in der vordersten Linie Ausdruck zu geben. Jeder" Polizist soll von jüdischen Organisationen zu Ohanukkäh ein Geschenkpaket erhalten. Die ZVFD hat gern die Gelegenheit ergriffen, um sich an dieser Sympathie-Kundgebung für die Polizisten zu beteiligen und hat sich gegenüber der Hitacbduth Olej Germania verpflichtet, .600 Geschenks pakete für die Polizisten zur Verfügung zu «teilen." Wie man weiteraus dem Rundschreiben erfährt, hat die Z. V. f. D. die Aufbringung der Chanuckahgeschenkpakete für die einzelnen Ortsgruppen kontingentiert. Es fallen danach auf die Frankfurter Ortsgruppe 30 Pakete, für die folgende Gegenstände gewünscht sind; 1 ärmellosen Pullover, 1 Unterhemd, 1 Knieunterhose, 1 Paar lange Strümpfe, 2 Paar Socken (mittlere Größen), 3 Taschentücher, 1 Stück Seife, 1 Tafel Schokolade und 1 Paket K a s i e r k 1 i n g e n. Wir gönnen den jüdischen Polizisten in Palästina, die in den letzten Monaten wirklich Großes im Dienste für Israels Land geleistet hahen, die Geschenke von Herzen. Allein, was die Rasierklingen betrifft, so sollen sie wohl dazu dienen, jede jüdische Note von diesem jüdisch gedachten Chanuckahliebeswerk restlos weg'zarasieren, *73tf)3 m^'ä TIp'K gehört zu den Thoraverboten, die genau so streng zu nehmen sind, wie das der Sabbatentweihung, des Götzendienstes und des Genusses von Tffl *W2* Wer daz;u beiträgt, daß sein jüdischer Bruder das Verbot übertritt, macht sich mitschuldig im Sinne des Tiy *>3Q^ bW3n )T\T\ X1?' Damit ist unsere Meinung, d. h. die Meinung 'des thoratreuen Judentums über eine Beteiligung an dieser Aktion, so weit die Frankfurter Kollektion in Betracht kommt, eindeutig in aller Klarheit ausgesprochen. Für die Mentalität und die jüdische Einstellung der Initiatoren und Propagatoren der Aktion in der deutschen und Frankfurter Zionistischen Vereinigung spricht der Frankfurter Wunschzettel Bände. - Der Aufruf schließt mit einem „ S c h a - lom"! ... Von der Kolonisationsarbeit der J. C. A, Auf .der in London abgehaltenen Generalversammlung der Je wis h Colonisation Association (JCA) erstattete der Präsident der Gesellschaft, Sir Osmond Elim d'Avigdor G o 1 dsmid, einen umfassenden Bericht über die im Jahre 1935 geleistete Arbeit. Ausgehend von der bedrohten Lage der jüdischen Bevölkerung in vielen Ländern, schilderte Sir Osmond die vielverzweigte Hilfs- und Aufbautätigkeit der JCA auf landwirtschaftlich-kolonisatorischem, wanderfürsorgerischem und kreditgenossenschaftlichem Gebiet. Die in Deutschland und mit Auswanderern aus Deutschland gemachten Erfahrungen wurden hierbei besonders hervorgehoben. Eine der hauptsächlichsten Bemühungen im Jahre 1935, heißt es im Berichte, galt der Organisierung des Hilfswerkes, das wir gemeinsam mit anderen internationalen jüdischen Organisationen zugunsten der Juden in Deutschland unternommen haben. Diese Arbeit hat verschiedene Formen; zunächst gibt es da die konstruktive Arbeit in Deutschland selbst. Die American Joint Reconstruction Foundation, mit der wir zusammenarbeiten, hat sich bemüht, in Deutschland ein Netz von Darlehenskassen zu schaffen und bei der Organisierung dieser „Selbsthilfe" bemerkenswerte Erfolge erzielt. Die HICBM versucht gemeinsam mit jüdischen Organisationen in Deutschland die jüdische Auswanderung aus Deutschland zu organisieren und zu leiten. Schließlich ist unsere Vereinigung auch als Kolonisationsgesellschaft nicht untätig gewesen. Sie hat einen Plan, jüdische Familien aus Deutschland in ihren argentinischen Kolonien und in einer in Brasilien neuerrichteten Kolonie anzusiedeln, entworfen und verwirklicht. Diese Aufgabe ist besonders heikel, denn unsere Glaubensgenossen aus Deutschland sind kaum jemals landwirtschaftlich ausgebildet worden; unsere Vereinigung mußte um ihretwillen von den Grundsätzen abgehen, auf denen ihre Tätigkeit aufgebaut war. Sie war genötigt, Bedingungen zu schaffen, die den Erfordernissen dieses neuen Einwanderertyps speziell angepaßt sind, indem sie eine sehr strenge Auslese der Familien in Deutschland traf, ihre schnelle, aber wirksame landwirtschaftliche Ausbildung vornahm und den Einwanderern aus Deutschland bei ihrem Eintreffen in den Kolonien intensive landwirtschaftliche Unterstützung gewährte. Ich bin sicher, daß all dies dazu mithelfen wird, eine neue Art jüdischer Bauern zu schaffen, schwerarbeitende an ihrem Boden hängende Menschen und wertvolle Bürger ihrer neuen Heimat. Die Erfahrungen, die wir in dem ersten Jahre mit der ersten Gruppe von zwanzig jüdischen Familien aus Deutschland gemacht haben, die in der neuen Kolonie d'Avigdor in der Provinz Entre Rios gemacht wurden, sind außerordentlich befriedigend und wecken optimistische Hoffnung. In diesem Jahre wird bereits ein bedeutend erweiterter Plan für dieses Tätigkeitsgebiet verwirklicht. Der allgemeinen Lage in den landwirtschaftlichen Siedlungen der JCA sich zuwendend, erklärte Sir Osmond, daß die Verhältnisse in Argentinien und in den dortigen ICA-Kolonien sich im abgelaufenen Jahre hauptsächlich dank den Maßnahmen der Regierung in gewisser Hinsicht verbessert haben. Die Preise der landwirtschaftlichen Produkte sind erheblich gestiegen. Die Lage der Kolonisten hat sich daher gebessert und damit auch ihre Fähigkeit, Rückzahlungen zu leisten, nl unseren Kolonien, sagte Sir Osmond, wird die Milchindustrie ununterbrochen entwickelt, die Erweiterung des Gemüsebaus hat die Lage unserer Siedlungen wesentlich konsolidiert und sie kann heute im großen ganzen als gesichert angesehen werden. Außerdem beabsichtigen wir, die Zahl unserer Siedlungen zu vergrößern und die Erschließung der großen Bodenreserven, die wir in diesem Lande noch besitzen, zu beschleunigen. In Kanada hat es leider wieder eine Mißernte gegeben und viele unserer Kolonisten befinden sich in schwieriger Lage; sie werden jedoch von Einser er Vereinigung und von Institutionen der Regierung unterstützt. In Osteuropa hat die JCA. im Jahre 1935 ihre Tätigkeit in bisherigem Ausmaß fortgesetzt. In Beßarabien allein erhalten über 3000 jüdische Farmen mit einem Bodenbesitz von etwa 20.000 Hektar durch uns landwirtschaftliche Hilfe. Mit Vergnügen kann ich feststellen, daß unsere Arbeit in Karpathorußland besonders zufriedenstellend war. Diese erst vor verhältnismäßig kurzer Zeit begonnene Arbeit hat bereits vielen hunderten schwerarbeitender armer Familien Hilfe gebracht. Sie wird ermutigt durch die wohlwollende Haltung der tschechoslovakischen Behörden. Die Unterstützung von Handwerkerschulen und unserer eigenen Erziehungseinrichtungen wurde fortgesetzt. Die Foundation hat 1935 58 Darlehenskassen in Deutschland (gegenüber 45 i. J. 1934) unterstützt, ihr jetzt 17 Länder umfassendes Netz von Darlehenskassen aufrecht erhalten und neue Institutionen in London und Paris geschaffen. Gegenwärtig helfen wir bei der Errichtung von Darlehenskassen in 7 südamerikanischen Ländern mit. Diese Kassen können unseren Glaubensgenossen aus Deutschland zugutekommen, die vor kurzem eingewandert sind. Neben' der finanziellen Seite der Arbeit im Zusammenhang mit der Auswanderung unserer Glaubensgenossen aus Deutschland hat die Hias- Jca-Emigration Association (HICEM), die wir weitgehend unterstützen, und die auch von anges Hoffen jüdischer Frauenherzen treibt sie an die Seite der biblischen Hannagestalt, jener überglücklichen Mutter, deren Herz in den höchsten Tönen jauchzte bei der Geburt ihre® Samuel. Kann man die Sabbatlichter in ihrer hehren Weihe und Wärme etwa mit dem kalten Anknipsen eines elektrischen Beleuchtungskörpers vergleichen? Gewiß nicht. In ihrer hohen Wertschätzung war man darum seit alten Tagen darauf bedacht, nur bestes Material für „Licht* benschen" zu verwenden, „Wo man spart an Oel -und Zooche (Docht) is kei Massel un kei Broche." In der Mischna wird Olivenöl empfohlen. Unter den wertvollen Kunstgebilden des jüdischen Kult stehen die Sabbatlampen mit an erster Stelle. Je älter, desto nachdenklicher stimmt uns eine derartige Lampe. Wo hat sie einmal geleuchtet und wem? (Forts>. folgt.) Schriftdeutungen zum Wochenabschnitt« Mitgeteilt von S. Speier. Kap. 37. V. 2. "»n nsv mps> ya» p «jpv apy nnVn nV» twi i»3K ->m hdVt '33 nm nnVa '33 n« im «im jssa vm n« n?*i ♦DfpsK bx nsn nrnn m epv „Dies sind die Nachkommen Jaakows: Joszef, im Alter von siebzehn Jahren, war als» Hirte mit seinen Brüdern bei den Schafen, er war ab Jüngling mit den Söhnen Bünas und mit den Söhnen Silpas, der Frauen seines Vaters. Joszef hinterbrachte ihr böses Gerede ihrem Vater." Unter vn«. sind hier dje Söhne Leas ZU verstehen. Mit ihnen ist ■der Siebzehnjährige Hirte bei den Schafen. In seinen Mußestunden aber sondert sich Joszef von seinen „Brüdern" ab und schließt sich den Söhnen Bilhae und Silpas an, um in ihrer Gesellschaft die Freuden der Jugend zu genießen, ns^T '33 nsi nrrta '33 nK ns?3 Kim l) Ueber diese Zurücksetzung im höchsten Maße empört, nehmen die Söhne Leas Joszef gegenüber eine feindschaftliche Haltung ein. Joszef hinterbrachte die bösen Reden der Söhne Leas, die im Gegensatz zu ihm die Söhne der Mägde geringschätzten, ihrem Vater. Andere Auslegung: n?3 ä^im bedeutet, er war schwächlich gleich einem kleinen Kinde. In ähnlichem Sinne heißt es in bezug auf Rechaweam, der im Alter von einundvierzig Jahren zum König gesalbt wurde: oyann Dn'3s^> ptnnn *6i 33^ *pi *iw '»n „Und Rechaweam war schwächlich und zarten Herzens und blieb nicht fest Wider sie." Der Vordersatz j«3» WI« flX fUH ">Tt wird durch das darauffolgende *>w sim näher erläutert. (Diwre ha-jomam II, 13, 7.) Unter vrw, so kommentiert der Nachsatz, sind die Söhne Bilhas und die Söhne Silpas zu verstehen. 2) msi nrtfa '33 ns iy3 Kim ns5"i '33 In Anbetracht seiner schwächlichen Körperbeschaffenheit wurde Joszef von seinem Vater den Söhnen der Mägde zur Obhut anvertraut. Da® Suffix von OIUT bezieht sich auf die unmittelbar vorangehenden Worte ns^T iwi nun nn^araa Joszef hinterbrachte deren böse Reden ihrem Vater. In Vers 4 m« um»'! v»w Van o.tsk an* vi« 'a I'hr ikvi „Als seine Brüder sahen, daß ihn ihr Vater niehjr als alle seine Brüder liebte, da haßten sie ihn," vmt schließt nach beiden Auslegungen alle Brüder Joszefs ein. *) Vgl, Schemuel II 2, 14. wisV ipwi n?nwn «3 wp' 2) Eine analoge Konstruktion stellt BeTesehit 40, 5 darr"^-*** nWa'wfai »'« osror o*n vaVm •b^sfc -]btb %k natnii npwan l'3R 'W In Verbindung mit Rachel und Lea wer* den Bilha und Silpa zur Hervorhebung des Gegen* satzes mit rrnaw bezw. nnns bezeichnet, obwohl sie Jaakow zu Frauen gegeben wurden (S, Kap. 30, V. 4ff u. 31, 33). Aehnlich läßt sich^'s nn^a ns 332m pun -]V'i i'3S (35, 22) erklären. Einer „Frau" seines Vaters gegenüber hätte sich Reuwen keinerlei Vergehens schuldig gemacht. Da in unserem Abschnitte Rachel und Lea nicht erwähnt werden, nennt die Schrift Bilha und Silpa schlechthin vax 'tw „die Frauen seines Vaters". — Weitere Deutung: Die Bezeichnung V3K 'W3 berechtigt vielleicht zur Annahme, daß zur Zeit Unserer Handlung auch Lea nicht mehr am Leben war. Nach dem Tod der Mägde waren Bilha und Silpa •va« '»3 Kap. 37. V. 3. 0'3pT p »3 "P33 S>3» t]DT flK 37IR •D'oa wna npyi kw „Jisrael aber liebte Joszef mehr als alle seine Söhne, denn er war ihm ein Sohn des Alters; und er machte ihm einen bunten Rock." Nach der üblichen Auffassung bedeuten die Worte «w Q»3pt p 'a Joszef ward geboren, als sein Vater bereit® sehr alt war. Jedoch liegt zwischen der Geburt Joszefs und der von Jiszachar und Sewulun nur ein Zeitraum von etwa einem bis zwei Jahren. Diese Schwierigkeit veranlaßt einige Kommentare zu folgender Auslegung: Der Grei® bestimmt einen seiner jüngeren Söhne zu seinem ständigen Gefährten, der die Aufgabe hat, seinen Vater stets zu betreuen. Der mit dieser Würde ausgezeichnete: Sohn trägt den Ehrentitel Q'3pT p-