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Der Israelit · 1936-12-03 · Heft 48 (3.12.1936) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 48 (3.12.1936)
Date
1936-12-03
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Nr. 48 D, e r Israel i t 3. Dezember 1936 Wenn jeder, der die Keren Hatorah-Ziele begreift/in die Kören HatOTah -SammeldoSe täglich wenige Pfennige legt, dann können wir allen unseren Aufgaben gerecht werden. Dos en anfordern be i: K er e n H ator a h; Horn b u r g 1 3; , He in r ich Barthstraße 21 feCÖ> Wochenrundschau. Und wieder Neukoscher____ Es kann bei keinem wahrhaften Jehudi je ein Zweifel darüber aufkommen, daß das Wort „Neukoscher" im jüdischen Vokabularium nicht gibt und nicht geben kann, daß Neukoscher in allen Fällen A 111 r e f a ist. Daß aber selbst die Voraussetzungen, die manche Kreise, um ihr religiöses Gewissen einzulullen, an das sog. „Neukoscher" knüpfen, in den allermeisten Fällen nicht erfüllt sind, darüber wird uns in einer Zuschrift von geschätzter und eingeweihter Seite berichtet, die wir hier im Auszuge wiedergeben: „Da eine große Anzahl von Privatleuten der An* sieht sind, daß man sich beute über die Schächtung mit vorhergehender Betäubung wegen der Not der Zeit abfinden könne und eine große Anzahl von jüdisch sein wollenden Krankenhäusern daruf drängen, ihre Betriebe aus gleichen Gründen auf „Neukoscher" umzustellen, halte ich es für dringend notwendig, daß nachstehende Punkte mal der Oeffentlichkeit mit aller Deutlichkeit klar gemacht werden. Abgesehen davon, daß die halachische Frage, ob Schächtung mit vorhergehender Betäubung gestattet sei, von allen maßgebenden rabbinischen Instanzen negativ entschieden wurde, seien folgende rein praktische Punkte hervorgehoben. 1. Es ist eine Tatsache, daß Neukoscher-Fleisch bisher nur von solchen Metzgern verkauft wird, die von jedem zuverlässigen Rabbinate bisher als religiös nicht zuverlässig bezeichnet wurden. 2. Es ist eine Tatsache, daß die „Schichtungen" des vorher betäubten Viehes nur von Schochtim vorgenommen werden, die nicht nur jetzt, sondern auch schon früher von keinem orthodoxen Rabbiner als zuverlässig bezeichnet wurden. 3. Es steht somit fest, daß das von den unzuverlässigen Metzgern als „neukoscher" verkaufte Fleisch in den allermeisten Fällen nicht einmal neukoscher in dem Sinne einer großen Anzahl der gutgläubigen Bezieher ist. Denn wird die Schechitah — nach der Betäubung — nach religionsgesetzlichen Vorschriften vorgenommen? Wird die Untersuchung der Lunge nach Vorschrift vorgenommen? Ist schon mal ein neukoscher geschlachtete® Rind nach der Schechitah vom Schochet als trefa bezeichnet worden? Und wer garantiert dafür, daß von den Metzgern nicht einfach glatt geschossenes Vieh als neukoscher verkauft wird? Gerade Vorkommnisse der letzten Zeit geben zu diesen Annahmen sehr begründeten Anlaß." So weit der Einsender. Wir wollen nochmals betonen, daß es weder ihnv noch uns je eingefallen wäre, -auch nach Abstellung der hier geschilderten Uebel „Neukoscher" als koscher zu betrachten. Es zeigt aber diese Darstellung, daß diejenigen, die ihr religiöses Gewissen mit dem willkürlich geprägten Worte „Neukoscher" zu beschwichtigen suchen, eine krasse Religionsverletzung mit einem Selbstbetrug decken. Spielereien auf tragischem Hintergrunde. Die ITA. meldet aus Warschau: Ein Unternehmen, das in letzter Zeit in Polen viel von sich reden machte, nämlich ein von dem Warschauer jüdischen Rechtsanwalt W. R y p p e 1 organisierter „Erlösungsmarsch" junger Leute aus Polen nach Palästina, an dem ursprünglich tausend Mann in militärischer Disziplin teilnehmen sollten, hat am 16. November 40 km vor Warschau sein kläglichesEnde gefunden. Trotz der Warnungen aller berufenen Instanzen und der gesamten jüdischen Presse hatten am Montag Morgen 150 Mann unter Führung des Rechtsanwalts Ryppel, der einer österreichischen Offiziersfamilie entstammt und selbst als Leutnant am Weltkriege teilnahm, den Marsch angetreten. Sie trugen einheitliche Khakikleidung und führten einen .Proviantwagen mit sich. Der Plan war, ohne Ausweispapiere zunächst an die. Grenze Polens zu ziehen und von den einzelnen Ländern, die auf dem Wege nach Palästina zu passieren sind, unter Berufung auf die jüdische Not in Polen freien Durchzug zu verlangen. Eine Polizeiabteilung hielt jedoch 40 km von Warschau entfernt den Zug auf und befahl den Teilnehmern, sich zu zerstreuen. Als diese trotz dreimaliger Aufforderung sich weigerten, dem Befehl Folge zu leisten, machte die Polizei vom Gummiknüppel Gebrauch. Advokat Ryppel und mehrere seiner Anhänger erlitten Verletzungen und wurden festgenommen. Die Anhänger Ryppels hoffen, bis zum Frühjahr eine halbe Million Jugendlicher für ihre Pläne gewinnen zu können. Sie wollen, wie sie erklären, > durch ihr Unternehmen die jüdischen Finanzletite des Auslandes von der schweren Not der jüdischen Jugend in Polen und von der Notwendigkeit überzeugen, ihr eine Existenzmöglichkeit zu verschaffen. — Man mag diese Mittel und Wege, um Verständnis für die Lage der Juden^ in Polen zu werben, kindisch nennen, der dahinter stekkenden Tragik wird sich keiner verschließen. Eine Tragik im doppelten Sinne. Tragisch die Verzweiflung als Hintergrund solcher Demonstrationen, tragisch auch die Sinnesverwirrung, die in ,,Erlösungsmärschen" die Erlösung sucht. fpn m ipn*p tfrm naina ibv> k^b> - •Daß wir nicht im Sturm das „Ende" herbeizwingen, gehört zu den Verpflichtungen, die wir in Galuth hineinnahmen. Möglicherweise werden aber die Gummiknüppel der Warschauer Polizei noch nicht das letzte Ende des „Erlösungsmarsches" bedeuten. Nicht daß wir wünschten, daß er sich wiederhole; was wir wünschen, wäre, daß durch diese Verzweiflungstat der Welt und ihren Beherrschern die Augen über die wahre Lage der jüdischen Millionenbevölkerung in Polen aufgehe, daß man jenseits des Ozeans einen Augenblick aufschrecke über so viel Brudernot, daß man in Genf und London einen Moment aufhorche. Dann hätten die „Erlösungs"-P'ilger von Warschau auch schon vor den Toren der Heimatstadt zu einem kleinen Teile ihr Ziel erreicht. Rasierklingen und Schalom.... Die Frankfurter Zionistische Vereinigung wirb't in einem Rundschreiben vom 24. November, auf Weisung der Zionistischen Vereinigung für "Deutschland, bei ihren Mitgliedern um rege Beteiligung an einer Chanukkahliebesgabenaktion für die jüdischen Polizisten in Palästina. Es heißt im Rundschreiben u. a.: „Auf Anregung der Hitachduth Olej Germania wollen wir das bevorstehende Chanukka-Fest zum Eine Perle und ihre Fassung. Von A. Mannheimer in Dettelbach. Im Talmud Traktat Bezah 16, wird, uns Folgendes erzählt: Der Heilige, gelobt sei Er, sagte einst zu Mose: „In Meinen Schatzkammern habe ich ein kostbares Geschenk, Sabbat ist sein Name; das möchte ich Israel geben. Gehe hin und tue dies ihnen kund." — In der Tat, der rav ist ein kostbares Geschenk, eine himmlische Perle. Israel und die Gesamtmenschheit sollte damit beglückt werden. Die ersten Christen, die sogenannten Judenchristen, feierten noch den Sabbat mit uns gemeinsam. Erst durch das Konzil zu Nicäa d. J. 325 verlegte man ihn auf Sonntag, um eine schärfere Trennung vom Judentum zu erzielen. Die heute noch existierende Sekte der Sabbatianer hat bis zur Gegenwart an unserem Ruhetag festgehalten. Die Sabbatidee ist nicht mehr aus der Welt geschwunden. Sie ist so alt als die Menschheit selbst und war schon vor der Offenbarung da. Daher brauchte sie G'tt am Sinai nur in Erinnerung zu bringen: wipb Tuen dt m *vdt, Gedenke des Säbbattages, ihn zu heiligen. Am Freitag wurde Adam geschaffen und gleich am andern Tage mußte er ruhen. Wohl habe ich dich zum Herrn der Erde eingesetzt; doch wisse, über dir gibt» noch einen höheren Herrn. Sabbatruhe bedeutet daher Anerkennung G'ttes als Schöpfer und Herrn der Welt. Negierung des Ruhetages stellt der Talmud mit G'ttesleugnung auf gleiche Stufe. Der jüdische Sabbat ist nicht etwa bloß eine Einstellung äußerer Tätigkeit, eine Arbeitsunterbrechüng. In seiner wahren und vollen Bedeutung stellt er die Verinnerlichung des Sabbatgedankens dar, wie sie kaum zu überbieten ist. In der MinchasSchmono- Esre spricht das der Jude in klarer, ergreifender Form aus: nmtt nanu nnu»/ eine Ruhe der Liebe und Hingebung, eine Ruhe der Wahrheit und des Ver* trauens, eine Ruhe des Friedens und Glückes, der Stille und Zuversicht, eine vollendete Ruhe, an der du Wohlgefallen hast ... Es bringt also der Sahhat eine Umwandlung des inneren Menschen, eine Seelenweihe stärkster Art, Sie entrückt uns der Erde und nimmt den Schwung in höhere Sphären. Weltliche, rauschende Vergnügungen in Sport und Spiel, Ausflügen und Versammlungen sind dem Sabbatjuden innerlich fremd für seinen Ruhetag. Die Perle des Sabbat trägt ihren Wert in sich selbst und bedarf nicht äußerer Dinge, um ihren Glanz und ihre Schönheit zu erhöhen. Sie ist ein Juwel, der Schatzkammer G'ttes entnommen. Unsere Weisen waren darum bedacht, dem Kleinod auch eine würdige Fassung zu geben, die dem hohen Wert entspricht, und das taten sie in der Einsetzung von wnf> undrrjnana) K i d d u s c h. Kiddusch heißt der Weiheakt zur' feierlichen Begrüßung des Ruhetages. Die Sabbatbraut hält ihren Einzug in unsere Wohnung, in die Familie. Sie kommt vom G'tteshause her, wo man ihr bereits eine feierliche Hymne gewidmet hat: Lecho daudi. Zwei Engel, für unser Auge unsichtbar, begleiten die Frras Zessin: der aib' -fttVn und sein Antipode,; der 9*> 1»^»» Da öffnet sich die .Sabbatstube, ein weiß , gedeckter Tisch, der unter einem Deckchen, zwei, Brote trägt und birgt, wird sichtbar, neben.^hen^' eine F|asche Wein nebst Pokal, alles aber im freundlichen Hell der obligaten und eigenen nstr^Lichter. Eigenartige Dinge für den Uneingeweihten, etwa den Nichtjuden. Und doch liegt in all den Emblemen und den damit sich vollziehenden Zeremonien ein tiefer Sinn geborgen. Zunächst das Licht. Es bedeutet Freude, Leben, Lebenslust, wie Dunkel und Düsterheit, das Gegeiteil bewirken: Verstimmung, Niedergeschlagenheit, erlahmende Kraft, ja Traurigkeit. Licht ist die treue Begleiterin gar mancher unserer religiösen Betätigung im Laufe des jüdischen Kalenderjahres. Den Sahbat- und Festabend kann sich aber der Jude kaum vorstellen ohne Lichtgruß. Fromme Frauenhände haben „entzündet", wie das der Volksmund bezeichnet und die Lichter durch einen Segensspruch, den sie mit hocherhobenen, ausgebreiteten Händen. sprechen, eigens geweiht. Warum gerade die Frau? Gar mancher wird es nicht recht zu beantworten wissen. Ein tief ethischer, doch etwas «betrübender Gedanke liegt zu Grunde. Die erste Sünde auf Erden wurde von der Frau begangen, durch Eva im Paradies. Sie hat gleichsam — so drücken die Weisen es aus — das Licht der Welt ausgelöscht. So mögen Evas Nach* fahren es von neuem entzünden. Ein herrlicher Gedanke! Aus dem Dunkel des ersten Sündenfalls erhebt sich tausendfach das Licht in jüdischen Häusern und weist dem Sünder freundlich den Ausweg aus Nacht und Irre. Du bist nicht verloren, wenn du nur willst. Mancherlei Vorgebete sind dem jüdischen Frauenmund seit Jahrhunderten geläufig für den heiligen Akt des „Entzündens". Man verrichtet ein Bittgebet, eine ^Tebhina". (nann) Am ergreifenidstte» klingt wohl der" Wunsch: „Beschere mir TCinder, die gleich diesen Lichtern in Israel leuchten durph ihre Thbräk&nntnisse, wie dü einst Mütter Hannäh bedachtest init einem Sohne." Fromme Sehnsucht)- seli-

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