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Der Israelit · 1936-12-03 · Heft 48 (3.12.1936) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 48 (3.12.1936)
Date
1936-12-03
Page
– (sequence 2)
Language
German
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n% i'. .j Seite 2 Nr. 48 D e Israelit J^(^|^&^8^^6 .;',:?«-li^f!#^f 3. Dezember 1936 Mangel anArbeitskräftenin Palästina, unter dem die Entwicklung stark leide. Er gab dann Auskunft über das Hachschara- System in Europa. In 24 Ländern gebe es 315 Hachscharastätten, in denen ungefähr 250 000 Menschen für Palästina geschult werden, davon 6500 auf rein landwirtschaftlicher Basis. Die Jewisft Agency steuere zu dem Hachscharawerk Lst. 10 000 bei, außer den Beiträgen von lokalen Organisationen. Nach Shertok kommt der Leiter des Einwanderungsdepartements der Jewish Agency, Dr. Werner Senator, zu Wort. Er schildert die Grundsätze für die Verteilung der Einwanderungszertifikate und hebt insbesondere das jemenitische Einwanderungselement hervor, das sich sehr rasch akklimatisiere. Der Vorsitzende, Lord Peel, fragte ferner, ob 'die Jewish Agency bei der Verteilung der Zertifikate auch die Wünsche der Nichtzionisten, wie der Aguda und der Revisionisten, in gerechter Weise berücksichtige. Darauf erklärte S h e r t o Je etwas ausweichend (nach dem Berichte der ITA, vom 3. Dezember): ,,Das Reservoire der jüdischen Einwanderung nach Palästina besteht aus Zionisten und auch Mitgliedern der A g u d a s J i s r o e 1. Für die Zuteilung der Zertifikate trägt mit Ausnahme weniger Fälle die Jewish Agency die volle Verantwortung. Die Regierung jedoch hat darauf bestanden, daß eine bestimmte Zahl von Zertifikaten für Einwanderer aus Deutschland reserviert bleibe." Dr. Senator hob sodann die Bedeutung der mittelständischen Einwanderung hervor. Die Einwanderer des Mittelstandes hätten sehr viel für Industrie und Handel, aber auch für die Landwirtschaft geleistet. Die Vertreter der A g u d a s Jisroel kommen voraussichtlich in den let2ten Tagen dieser oder ersten Tagen kommender Woche zu Wort. Oberrabbiner von Palästina gewählt. Jerusalem, 1. Dezember. Der Rabbinische Rat, der aus 42 Rabbinern und 28 vom Waad Leumi ernannten Laien besteht, wählte mit 37 gegen 31 Stimmen Rabbi Isaac Herzog zum Oberrabbiner von Palästina. Rabbi Herzog, der im Jahre 1888 in Lomza (Polen) geboren ist, 1899 nach London kam und 1910 sein Rabbinerdiplom erwarb, wurde 1916 Rabbiner in Belfast und 1919 Rabbiner in Dublin, wo er bis jetzt amtiert. Er wird dem verstorbenen Oberrabbiner Kxik, seit dessen Tod im September 1935 das Oberrabbinat der Knesses Israel- Gemeinden in Palästina verwaist ist, nachfolgen. Rabbi Jacob Meir wurde zum Obirrabbiner der sephardischen Gemeinden Palästinas wiedergewählt. Wolkenbrüche in Palästina mit Todesopfern. Jerusalem, 26. November. Die Ueberschwemmungen, die in Palästina infolge der Wolkenbrüche der letzten Tage eingetreten sind, haben mehrere Todesopfer gefordert. Bei Gaza ist eine Araberin ertrunken, bei S a f e d ein Araber mit seinem Esel. Safed ist durch die Ueberschwemmungen von der Verbindung nach außen abgeschnitten. In verschiedenen Teilen Palästinas sind die Straßen durch die Fluten schwer beschädigt worden. Vielen Häusern in Jaffa droht Einsturz. Die Behörden haben darum die Abtragung der gefährdeten Gebäude angeordnet. In Tel A w i w wurde ein j ü d i s c h e r Knabe auf dem Wege von der Schule nach Hause von den Trümmern eines umstürzenden Betonzauns erschlagen. Schächtverbot und Fleischversorgung in Polen. Warschau, 1. Dezember. In Warschau haben sich zahlreiche Rabbinen aus der Provinz zu einer Beratung über das am 1. Januar in Kraft tretende neue Schlachtungsgesetz zusammengefunden. Es wurde berichtet, daß von den örtlichen Behörden ein so kleines Kontingent Schlachtvieh zur rituellen Schäc'htung zugelassen wurde, daß auf den einzelnen Juden nur 150 Gramm Fleisch wöchentlich entfallen würden. Faktisch werde die rituelle Schächtung vollständig verboten. Eine Abordnung von Rabbinern wird sich an das Kultusministerium mit der Bitte um Erhöhung des Koscherfleisch-Kontingents wenden. Wie dem Verband der Schächter mitgeteilt wird, mußten auf Anordnung der Behörden in der Provinz bereits viele Hunderte Schächter entlassen werden. Den erwerbslos gewordenen Schächtern und ihren Familien droht bitterste Not. Inzwischen hat der polnische Handelsminister Roman den jüdischen Abgeordneten Dr. Sommerstein und den jüdischen Senator Trokk e n h e i m empfangen, Er wies darauf hin, daß die Verhandlungen zwischen den einzelnen Ministerien über die endgültige Festsetzung des im Schächtgesetz vorgesehenen Kontingents für koscher geschlachtetes Vieh noch nicht zum Abschluß gekommen seien. Es bestehen gewisse Meinungsverschiedenheiten zwischen den Ministerien über die Größe, die das Kontingent haben soll. Das Handelsministerium will den Umfang des Kontingents von dej» Pro2entsat2 der jüdischen Bevölkerung abhängig machen. Das Landwirtschaftsministerium will dagegen die Einführung des Schächtgesetzes benutzen, um den Verbrauch von Geflügel zu vergrößern und auf diese Weise der polnischen Landwirtschaft einen vergrößerten Absatzmarkt zu eröffnen. Es will deshalb das Kontingent möglichst klein halten, um die Juden zu veranlassen, mehr Geflügel zu verbrauchen. Eine Abordnung jüdischer Arbeiter hat den Direktor des polnischen Arbeits-Fonds aufgesucht, um mit ihm die Frage der Betätigung der jüdischen Fleischer nach Einführung des Schächtgesetzes zu besprechen. Die Einführung des Schächtgesetzes wird bekanntlich eine sehr große Zahl jüdischer im Fleischgewerbe tätiger Arbeiter erwerbslos machen. Die Abordnung hat darauf hingewiesen, daß es notwendig sei, der Gefahr einer Massenarbeitslosigkeit dieser jüdischen Fleischer zu begegnen. Sie hat in diesem Zusammenhange gefordert, daß der staatliche Arbeits-Fonds entsprechende Bestrebungen fördern solle. Der Direktor des Arbeits-Fonds hat sich grundsätzlich mit der Forderung der Abordnung einverstanden erklärt und zugesagt, daß er entsprechende Projekte prüfen wolle. Kennzeichnung der arischen Geschäfte. Frankfurt a. M., 29. November. Nach Mitteilung des Frankfurter ,,Volksblattes" wird in Frankfurt a. M. die Kennzeichnung der arischen Geschäfte fortgesetzt. Die Einzelmitglieder der Deutschen Arbeitsfront erhalten ein Schild der DAiF, das sie als solche kenntlich macht und das nur an arische Geschäftsleute ausgegeben wird. Die ,,Allgemeine Rundschau" meldet, daß auch in Stuttgart die Kenntlichmachung der arischen Geschäfte mit Nachdruck fortgesetzt werde. Es solle immer noch deutsche Geschäftsinhaber geben, die sich nicht entschließen können, die Kennzeichnung „Deutsches Geschäft" anzubringen. Der Grund zu solchem Verhalten sei unverständlich und-erwecke Verdacht- Wer sich weigere, sein deutsches Geschäft, schreibt das Blatt, als solches zu bezeichnen, gebe damit zu, daß bei ihm irgendetwas nicht in Ordnung ist. Die deutschen Volksgenossen hätten das höchste Interesse daran, zu wissen, wen sie vor sich haben. Die auf diesem Gebiet so dringend nötige Klärung werde darum energisch weitergefördert. In der „Oberlausitzer Tagespost" in G ö v - 1 i t z erscheint ein Aufruf des Kreisobmanms der Deutschen Arbeitsfront Görlitz, womit alle Betriebe aufgefordert werden, im Rahmen der Aktion „Kenntlichmachung der Gemeinschaft" ihre Mitgliedschaft zur Arbeitsfront zu erwerben. Jedes arische Geschäft erhalte dann das Abziehplakat Mitglied der Deutschen Arbeitsfront". Damit bei der arischen Bevölkerung nicht der Eindruck entstehe, daß es sich bei diesem oder jenem Geschäft, welches sich noch nicht durch das Abziehplakat der Deutschen Arbeitsfront kenntlich machen konnte, um einen niohtarischen Betrieb handelt, werden die noch abseits Stehenden aufgefordert, iher Mitgliedschaft zur DAF zu erwerben. (ITA.) Jüdische Aerzte in Italien. Die Presseabteilung der Reichsvertretung der Juden in Deutschland teilt mit: Die italienische Regierung hat durch königliches Dekret vom 8. Oktober 1936, veröffentlicht in der „Gazetta Ufficiale del Regno d'Italia'^ Nr. 253 vom 31. Oktober 1936, die Prüfung der Anträge derjenigen ausländischen Aerzte zugelassen, die in Italien im Laufe des Jahres 1934 das Staatsexamen erfolgreich abgelegt haben. Nach dieser Bestimmung können also Aerzte, die 1934 in Italien das Staatsexamen bestanden haben, bei rechtzeitiger Meldung die Zulassung" als Arzt in Italien erhalten. Die Meldungsfrist für Anträge läuft drei Monate nach dem 23. 10. 1936, also am 23. Januar 1937 ab. Oberrabbiner Niemirower verteidigt im rumänischen Senat den Talmud. Bukarest, 29. November. Anläßlich der Debatte über die Thronrede,, in der König Carol einen Aufruf zur inneren Einigkeit in Rumänien an das Parlament gerichtet hatte, ergriff im rumänischen Senat auch der 80jährige Führer der National-Christlichen Partei, Prof. Alexander C. Cuza, das Wort zu einer judenfeindlichen Rede, in der er insbesondere gegen den Talmud heftige Angriffe richtete. Er führte eine. Reihe von Zitaten aus dem Talmud an, die er in tendenziöser Weise interpretierte. Der Vertreter der jüdischen Religionsgemeinschaft im rumänischen Senat, Oberrabbiner Dr. I. Niemirower, wies in einer großangelegten Rede die Angriffe Cuaas zurück. Sein Vorredner) so erklärte Dr. Niemirower, sei 80 Jahre, die jüdische Religion aber tau sende Jahre alt. Es habe viele falsche Auslegungen des Talmud gegeben und zu diesen seien auch die Deutungen Prof. Cuzas zu zählen. Niemirower erläuterte dann u. a. den Begriff der „jüdischen Auserwähltheit". | Praktische 1 7\5MT\-Geschenke! STEIN WEG 9 saaaa ■■jM**'iiSlwHri«3ha*ttfig«^

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