Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 47 (26.11.1936)
- Date
- 1936-11-26
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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26. November 1936 Der Israelit Nr. 47 Seite 9 werden, sei eine der Ursachen des arabischen Streikes gewesen. Diejüdische Einwanderung sei nicht nur ein wirtschaftliches, sondern auch ein politisches Problem. Die illegale Einwanderung von Arabern komme durch die wirtschaftliche Not in den Nachbarländern. Die Behauptung, daß unter den Arabern Palästinas Arbeitslosigkeit herrsche, sei «in Märchen, das durch das Einströmen von Einwanderern aus Hauranien und Transijordanien widerlegt werde. Angesichts v der wirtschaftlichen Entwicklung brauche man über die Zukunft Palästinas nicht besorgt zu sein. Der Einwände» rungskommisisar bestätigt, daß während die jüdische Einwanderung aus Polen und Deutschland anhält, diejenige aus Rußland gänzlich aufgehört habe. Die sogenannten Kapitalisten siedeln sich selten auf dem Lande an, so sei die jüdische Bevölkerung in den Städten größer als in den Kolonien. Die Vernehmung des Einwanderungskommissars hatte zwei volle Stunden gedauert. Wesentlich kürzer und einfacher gestaltete «ich die Vernehmung des Leiters .des Gesundheitsamtes, Oberst George W. Hero n. Der Vorsitzende, Lord Peel, bemerkte launig, die Aussagen Hebrons würden wohl nicht sehr schwer ins Gewicht fallen, da Krankheiten keine Unterschiede zwischen Rassen und Nationalitäten machen. Heron berichtete, daß die Gesundheitsverhältnisse in beiden Teilen der Bevölkerung gleich befriedigend seien. Die Juden seien besser daran, weil sie Hilfe auch aus dem Ausland bekommen, während die Araber lediglich auf die Hilfe der Regierung angewies-en sind. Am Donnerstag Vormittag wurde eine geschlossene Sitzung abgehalten, bei der die Vernehmung des Kommissars für Einwanderung und Statistik, Eric Mills, fortgesetzt wurde. Am Nachmittag trat die Kommission eine fünftägige Reise durch das Land an. In ihrem Programm sind Besuche in N a b 1 u s , A f u 1 e h und in der Kaduri Ackerbauschule auf dem Berge Taibor vorgesehen. In Ti b e ri a s übernachtet 'die Kommissdon bis zum Freitag. Dr. Chaim Weizmann, der am 19. November in Palästina eingetroffen ist, und die wichtigsten jüdischen Zeugen sollen von der Kgl. .Kommission am Mittwoch vernommen werden. Die Vernehmung soll in geschlossener Sitzung erfolgen. Die arabischen Zeitungen wissen zu melden, daß in B a g d a d eine Konferenz von Vertretern der Herrscher aller arabischen Staaten, des Irak, Saudi Arabiens und des Jemen zusammengetreten sei, um eine Kommission zur Unterstützung der palästinensischen Araber einzusetzen. Diese Kommission soll insbesondere bei der Vertretung der arabischen Interessen vor der Kgl. Kommission mitwirken. (Siehe auch Seite 1.) Brief aus Palästina. Keine jüdische Einheitsfront vor der Kgl. Kommission. — Der anglikanische Bischof bei Oberrabbiner Duschinski. — Schedule und Araberboykott. — Nachwehen. — Im Tel Awiwer Haien. Jerusalem, 24. Nov. Ueber die Arbeiten der Königl. Untersuchungskommission sind Ihre Leser genügend orientiert. Es ist wenig erfreulich, daß auch bei diesem Anlaß, der •doch gewiß eine lückenlos geeinte jüdische Front ers fordert hätte, diese Einheit von jenen Kreisen zerhrochen wurde> die immer im Namen der /Jüdischen Einigkeit" sprechen. Gerade die Jewish Agency faßte den Entschluß, daß der jüdische Jischuw nicht geeint vor der Kommission erscheine. Alle Vorberatungen mit den Vertretern der Agudas Jisroel konnten die offizielle Instanz der zionistischen Organisation nicht von der Notwendigkeit des Zusammengehens überzeugen. Die Aöuda, .die wohl alle Trennungsmomente kennt, hat den Willen und den Wunsch gezeigt, die Belange wenigstens, die allen gemeinsam sind, zusammen vor der Kommission zu vertreten. Die Gegenseite aber wollte nicht, und so wird jetzt keine Jüdische Vertretung" vor dem Forum der Kommission erscheinen, sondern V e r t r es t u n g e n jüdischer Parteien und Organisationen. Wie man hört, werden auch Misrachi;ünd die Allgemeinen Zionisten separat vernommen Verden.' Ist dieses der Fall, so muß man sich fragen, in wessen Namen eigentlich die Jewish Agency sp: chen will. Für das orthodoxe Judentum gewiß nicht. Von Revisionisten, Misrachisten und Allgemeinen Zionisten hat sie ebenfalls keine Legitimation, auch die jüdischen Bauern werden selbständig; auftreten. So bliebe der Agency höchstens noch die Histadruth übrig, 'die doch iganz gewiß nicht als die jüdische Gemeinschaft schlechthin angesehen werden kann Von den sorgsamen Vorbereitungen im gesetzestreuen Lager haben wir bereits mitgeteilt. Es ist den Lesern auch bekannt, daß der anglikanische Bischof einen Besuch bei Oberrabbiner Duschinsky Die Woche. Berlin. Die Leitung des Keren Tora Wa'Awoda für Deutschland veranstaltete am 16. November gemeinsam mit der Unabhängigen Misrachi=Landesorganisation und dem Brit Chaluzim Datiim im Bach=SaaI die Berliner Erstaufführung des im Auftrag des Keren Tora Wa'Awoda hergestellten F a 1 ä s t i'n a - T o n f i 1 m s „Weg in die Wirklichkeit", der als stummer Film in Berlin bereits gezeigt wurde und nunmehr nach der Hamburger Uraufführung und der Vorführung in Berlin in allen größeren Städten Deutschlands aufgeführt werden soll. Leipzig. Das in Leipzig vor dem Gewandhaus stehende Denkmal des ehemaligen Dirigenten des Gewandhauses und Komponisten, Felix Mendelssohn-Barth o 1 d y, ist kürzlich entfernt worden. Wien, Ein Wiener jüdischer Bildhauer, Egon Wein er, schuf mit Unterstützung der italienischen Regierung eine Kolossal' statue Mussolinis, die anläßlich des 14. Jahrestages des Marsches nach Rom. bei einer Feier in Wien enthüllt wurde. Gräfin Ciano, die Tochter Mussolinis, die bei dieser Feier zugegen war, drückte dem jüdischen Bildhauer ihre besondere Anerkennung aus und lud 'ihn im Namen Mussolinis ein, als Gast des Duce einige Tage in Rom zu verweilen. — In der Wiener Hauptsynagoge fand anläßlich des 24. Geburtstages des Thronerben Otto v. Habsburg ein von dem „Reicbsverband jüdischer Legitimisten Oesterreichs" veranstalteter Festg'ttesdienst statt. Als Vertreter des Kaiserhauses waren Erzherzog Anton und Erzherzogin Ileana, die Schwester des Königs von Rumänien, erschienesi. Lissabon. Die portugiesische Regierung hat dem Professor an der Pariser juridischen Fakultät und Vizepräsidenten der Alliance Israelit« Universelle, William O u a 1 i d, den Orden Sao Tiago da Espada, die höchste wissenschaftliche Auszeichnung Portugals, verliehen. Jerusalem. Der Klub der ehemaligen jüdischen Legionäre ,.Menora" in Jerusalem veranstaltete anläßlich des Waffenstillstandstages einen Kamer adschäftsabend, an dem der Oberkommandant der englischen Truppen in Palästina, Generalleutnant J. G. Dill, mit seinem Adjutanten teilnahmen. — Im Alter von 76 Jahren ist in Ramat Gan der hebräische und jiddische Schriftsteller und Journalist Salman Epstein gestorben. Tel Awiw. Dieser Tage starb der Redakteur der Tageszeitung „Dawar", Mosche Beilinsen. Sämtliche Mitglieder der Stadtverwaltung von Tel Awiw mit Bürgermeister Israel ^okach an der Spitze und Vertreter aller öffentlichen Institutionen der Stadt nahmen an. der Beisetzung teil. abstattete und ihn zu der bereits mitgeteilten gemeinsamen schriftlichen Begrüßung der Kommission veranlaßte. Der Bischof blieb bei dieser Gelegenheit zwei volle Stunden beim Oberrabbiner und unterhielt sich mit ihm in freundschaftlicher und erschöpfender Weise über alle Fragen Palästinas. Der G r oßmu f t i , der ebenfalls vom Bischof aufgesucht wurde, gab zunächst sein Versprechen, sich an der Begrüßung zu beteiligen, wollte oder konnte aber, nachdem da® Arabische Komitee die „ Boykottierung der Kommission proklamiert hatte, sein Versprechen nicht mehr. einhalten. Die Boykottierung der Kommission durch die Araber war. die direkte Folge der Schedule, die die« sesmal bezeichnenderweise nicht wie sonst von der Palästiharegierung, sondern vom Kolonienmini* sterium von London verkündet wurde. Man schloß daraus, daß über die Festsetzung der diesmaligen Schedule keine absolute Einstimmigkeit zwischen London und Jerusalem geherrscht hat. Praktisch kann die Zahl der Zertifikate keineswegs befriedigen, politisch und grundsätzlich ist sie aber von größter Bedeutung, wenn auch nur als eine Geste, die den Arabern zeigt, daß an eine Schließung des Landes vor den Juden nicht gedacht wird. Freilich muß bedauert werden, daß mit dieser empfindlichen Beschneidung der Einwanderung, der Untersuchung vorgegriffen und ein Präzedenzfall geschaffen wird. Wie sich nun die Regierung zu dem Beschluß der Araber verhalten wird, ist noch nicht bekannt. Die Untersuchungskommission ist mit der Befugnis ausgestattet, jeden der seiner Zeugnispflicht vor ihr nicht nachkommt, der Einladung nicht folgt oder seine Aussagen verweigert, mit empfindlichen Strafen zu belegen, und es ist anzunehmen, daß sie von ihrem Rechte auch Araberführern gegenüber Gebrauch macht. In der arabischen Presse herrscht neuerdings ein verschärfter Ton gegen Juden und gegen England. Die Nachwehen der Streikunruhen werden noch lange anhalten. Sie habe dem arabischen Volke den Ruin gebracht, aber aüch die geistigen Schäden sind gar nicht abzuschätzen, denn die feiernde Masse wurde politisiert, und jeder Fellache weiß heute von der „jüdischen Gefahr" allerlei Lieder zu singen. Noch besitzen die Araber eine straffe Organisation und die Gefahr neuer Unruhen ist noch lange nicht gänzlieh beseitigt. Einer der Lichtstrahlen im Dunkel der Ereignisse war die Errichtung des allerdings noch im Werden begriffenen Tel Awiwer Hafens. Uebermenschliche Energie wurde angewandt, um aus dem Nichts diese Landungsbrücke zu zaubern, und es sind noch mancherlei Schwierigkeiten zu überwinden. Aber immerhin: der Hafen ist da und es herrscht in ihm Leben, während der Jaffaer Hafen nach wie vor verödet daliegt und die Hafenarbeiter dort vergeblich auf Beschäftigung warten. Daß die Hetze gegen den Hafen auf der Straße und in der arabischen Presse hochgeht, versteht sich von selbst. So ist jetzt in dieser Presse ein neuer Plan aufgetaucht, zwischen Jaffa und Tel Awiw einen neue'n großen Hafen auszubauen, so daß die Juden nicht mehr den Weg zum und vom Hafen über Jaffa nehmen müßten. Möglich, daß all diese Gerüchte aus der geladenen arabischen Luft gegriffen sind, möglich aber auch, daß man in Regierungskreisen diesen Plan wirklich hegt. Hoffen wir, daß eine weitere Entwicklung des Tel Awiwer Hafens alle diese Experimente überflüssig macht. Leider gab es auch schon im jungen Hafen von Tel Awiw unerfreuliche Zwischenfälle, infolge des Beschlusses der Histadruth, keine Arbeiter zuzulassen, die nicht in der Histadruth organisiert sind. Es wäre unerhört, wenn in einem Hafen, der von der Liebe der jüdischen Gesamtheit getragen ist, wiederum eine Organisation ein Monopol ausüben könnte. Alle jüdischen Arbeiter und alle Arbeiterorganisationen haben gleiches Anrecht auf Arbeit in diesem jüdischen Hafen. Man darf hoffen, daß das Hafenkomite"e gegen solche Bestrebungen auf der Hut bleibt. Mn. G. P. Wochenkalender. Vom 28. Novemb. bis 5. Dezember 1936 / Vom 14.-21. Kislew 5697 nri» sp D'nat Samstag 28 14 na Sonntag 29 15 13 Montag 30 . "fcoa 16 T3 Dienstag Dez. 1 17 ni Mittwoch 2 18 03 Donnerstag 3 19 0 Freitag 4 20 KD Samstag 5 21 30 nVp'i rb&vn a«n