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Der Israelit · 1936-11-26 · Heft 47 (26.11.1936) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 47 (26.11.1936)
Date
1936-11-26
Page
– (sequence 3)
Language
German
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26." November' 1936 Der Israelit Nr. 47 Seite 3 Von der geistigen Herbsternte. (Fortsetzung von Seite 1.) gehen. Weil nicht eigentlich der böse Trieb, als vielmehr die fast ebenso mächtige Gewohnheit hindernd spricht: „Was, in Deinem Alter nochmals anders werden?" Und es. wird gewiß nicht schnell gehen. Ein Schrittchen nur, vielleicht auch zwei. Etwa dies: Ein paar Pfennige mehr dem Armen, der an der Türe wartet. Dem täglichen „Lernen" nur zehn'Minuten zugelegt. * Schneller und einmal öfter dem Nachbarn gefällig sein. Ein wenig mehr und echt empfundene Ehrerbietung denen, die sich für die Allgemeinheit täglich einsetzen. Ueber eine erlittene Beleidigung hinwegsehen. Mit etwas weniger Gleichgültigkeit das Tischgebet sprechen. Also ein Schrittchen nur. Ein Weniges nur versuche deinem bisherigen Tun zuzulegen. Dann wird die Teschuwah nicht nur das demütigende Gefühl deiner Unzulänglichkeit hin terlassen, sondern auch die beseligende Gewiß heit aufwärtsführenden Strebens. Br. Wochenrundschau, Koschertische auf den Palästinaschiifen. Zu unserem an dieser Stelle vorige' Woche veröffentlichten Artikel „Sabbat und Kaschruth" wird uns geschrieben: Etwas, was sehr zu denken gibt: Nach einem Schreiben der Jewish Agency an das Tel Awiwer Oberrabbinat ' vom 9. Tamus ds. Js. zeigt die von ihr aufgenommene-Statistik über die Frequenz des Kbschertisches auf den Schiffen folgendes Bild. Unter den Reisenden von der G o 1 a h n a c h; E r e z Jisrael befinden sich 65,47 Proz., die auf Koscher reflektieren, 34,53 Proz. legen keinen Wert auf rituelle Kost. Unter den R ü c k r e i.s e n den aus Ere z Ji s - roel nach der Golah aber beträgt der Prozentsatz am Koschertisch nur 31,41 Proz,, während der /große Rest von 68,69 Proz. sich trefa verpflegen läßt. Wollen diese- Zahlen besagen, daß 1 die Luft von Erez Jisrael nicht allein „weise", sondern auch t r e f a mächt und daß darum es viele gibt, die auf dem Wege nach Erez Jisrael noch zu den Speisegesetzen hielten, aber im Lände diese Vorschrift über Bord werfen? Diese Frage verneint Rabbi A m i e I im gleichen Aufsatze, der der Gegenstand unserer vorwöchigen Betrachtung war. Die Luft von Erez Jisrael tut dem Koscheressen keinen Abtrag; nicht die Luft, sondern wir sind schuld,;Wir bauen uns ein Nationalheim, ein •>ai8'? H,3 und verwüsten zugleich das jüdische Heim, das Iva "VnHP''' Und spüren dabei nicht, daß es ohne jüdisches Heim kein Nationalheim geben kann. — Die letztere Unterscheidung des verehrten Qberrabbiner ist nicht ganz verständlich. Wenn wir unter ^«W» pm KYW nicht gerade die Luft im kosmischen Sinne verstehen, sondern die geistige A t m o s p h ä r e , so sind es eben die Menschen, die diese schaffen. Darum läßt sich auch kein Unterschied zwischen den Menschen und der Atmosphäre machen. Wir haben die Luft von all den geistigen Bazillen zu reinigen, dann werden Sabbat wie Kaschrut nicht mehr als Kohgreßbeschluß betrachtet, sondern als Sinai gesetz gehalten. Kriminalität in Palästina. Im Rechenschaftsbericht der Palästina-Regierung von 1935 befindet sich auf Seite 82 im Rahmen des Berichts der Polizei- und Gerichtsorgane folgende interessante Tabelle: Verurteilt und verhaftet wurden in diesem Jahre: wegen verschiedener Zusammenstöße 105 Nichtjuden, 15 Juden, wegen Körperverletzungen 53 Nichtjuden, 4 Juden, wegen Mordtaten 25 Nichtjuden, keine Juden, wegen' Unsittlichkeit und Nötigung 16 Nichtjuden, keine Juden, wegen■'■ Steinwerfens 62 Nichtjuden, 1 Jude, wegen Betrugs 19 Nichtjuden, 3 Juden, wegen Einschüchterung und Erpressung!'" 1 25 Nichtjuden, 4 Juden, wegen Sachbeschädigung 58 Nichtjuden, 9 Juden« Wegen sinnloser Betrunkenheit wurden in diesen* "Jahre auf den Straßen von Jaffa und Tel Awiw 658 Nichtjuden und 55 Juden verhaftet. Zu1 letzterer Angabe ist noch zu bemerken, daß der Genuß berauschender Getränke den Arabern religiös verboten ist. Eine Statistik also, die ein Ehrenzeugnis für; die jüdische Bevölkerung in Palästina ausstellt. An Mordtaten und Unsittlichkeit waren Juden überhaupt nicht beteiligt. An anderen Verbrechen und Vergehen mit durchschnittlich kaum 10 Proz., obwohl sie heute über ein Dritt e 1 der Bevölkerung ausmachen.. Rabbi Mosche Blau in Jerusalem nimmt im „Kö>l; Israel" diese Zahlen als Grundlage für eine Erwiderung an arabische Nationalisten, die der jtilngen jüdischen Generation in Palästina Sittenverderbnis und eine Demoralisierung der Bevölkerung vorwerfen. Alle Welt weiß, daß wir in r e i'ijg i ö s e r Beziehung viel gegen unsere jungen; Pioniere in Palästina zu klagen haben. Daß sie aber in Sachen von Moral und Sitte den Vergleich mit den arabischen Altersgenossen aushalten, dafür sprechen die obengenannten Zahlen eine lebendige Sprache. ~~T- IW3 und „K-Mixel! 99 99' (Einige Bemerkungen zu dem Buch D^plQ*?)* 1. Rabbiher Dr. J. J. Weinberg, der Rektor des Rabbiners eminars, hat jüngst die jüdische Welt mit einem Werk beschenkt— D'plS'? -—. das eine Auswahl Von Predigten, Reden bei freudigen und traurigen . Anläss en gehalten, Deutungen schwieriger Agadastellen und von Aufsätzen, teils jüdisch-p'hilospphischen,;: teils geschichtlichen Inhalts enthält. Das Buch ist ein „hohes Lied" der Agada — und wenn man bei seiner Lektüre an den Verfasser denkt, eine Thoragröße litauischer Prägung und litauischen Ausmaßes, dann fällt einem unwillkürlich ein: imVn'st mm *?xk rma "jxk na Unsere. Zeit ist daran gewöhnt, 'die. Predigt, die Agada den: Talmudgelehrten dritter und vierter Größe' überlassen zu sehen — seltene Ausnahmen, wobei ich an die Werke 10*101 nöDn und T\bm WS Hann denke, bestätigen diese Regel. Wenn hier also ein Mann, der auf dem Gebiet der Halacha führend ist und der überdies durch sein Amt,. seine Aufgabe, ein neues Geschlecht von Rabbonim heranzubilden, sich verpflichtet weiß, Männer und Kenner der Halacha zu erziehen, dennoch bei der Herausgabe seines geistigen Lebenswerkes mit der Agada beginnt, dann muß dies seine besondere Ursache, seine tiefe Bedeutung haben. Der Verfasser mag dies selber empfunden haben; und darum schickt er dem Werk anstelle einer Vorrede eine Betrachtung über die na1! voraus, die historische Stätte der öffentlichen Ansprache, eine Betrachtung, die aufschlußreich ist, nicht nur für die Tendenzen des Verfassers, sondern, wenn auch vielleicht ungewollt, für seine ^mw*1 fnilK! Der Verfasser sieht — hat es schon vor Jahrzehnten gesehen und ausgesprochen —, daß den berufenen Führern des jüdischen Volkes, seinen Rabbonim, seinen geistlichen Führern aller Einfluß auf die jüdischen Massen verloren geht, wenn sie es nicht verstehen werden, das Recht auf die na'3' den Mittelpunkt von Beth Hamidrosch und Beth Haknes e s , sich zu erhalten; daß die jüdische Masse mehr und mehr der verantwortlichen Führung entgleitet, sich selbst überlassen bleibt oder, noch schlimmer, durch Demagogen für Zwecke ge- und mißbraucht wird, die weitab von wahrem Judentum liegen, wenn unsere Gedaulim sich darauf beschränken, Führer der Bne Tauro ihres Kreises zu sein, nicht aber bereit sind, den Hamaun Om zu führen und zu formen, wenn sie die wenigen Aus erwählten teilhaben lassen an ihrer Halacha, nicht aber den weiten Kreis ihrer Gemeinde an ihrer Agada, in einer Weise, . die diesem Kreis entspricht und zum Herzen spricht! Der Verfasser verlangt, daß, wenn die Gemeinde nicht hinaufsteigen kann zum Hirn ihres Rabbiners, der Rabbiner hinabsteige zum Herzen der seiner Führung Anvertrauten! Das Erheben einer solchen Forderung erheischt Mut in einer Zeit, wo die lomdischen Kreise messen an der Schärfe des Pdlpul, an der Tiefe der Hawono! Darum bedeutet die Herausr gäbe dieses Bandes, auch wenn der Verfasser sich nur als Förtsetzer der besten Traditionen, vom Chassam Saufer angefangen, betrachtet, ein Bekenntnis: das Bekenntnis des Talmid Chochom zur jüdischen Masse! 2. Von der na*»3 spricht der Verfasser in dem einleitenden Aufsatz, nicht von der „Kanzel"! Ich weiß zwar, daß Kanzel auf hebräisch na'a heißt, glaube aber doch — und auch dies ist aus diesem Aufsatz herauszulesen —, daß der Verfasser diese beiden Begriffe auseinanderhält und unterscheidet! Die t\W2 steht inmitten der Gemeinde: das, was die Gemeinde fühlt und ahnt, aus ihrem Inneren herauszuholen und ihr durch die Kraft der; Agada „ans Herz zu binden", dies ist das, was Dr., Weinberg will und durch dieses Buch verwirklicht! Von der erhöhten Kanzel sieht der Prediger auf die Gemeinde herab, nicht um ihr Erlebnis, um die Deutung: i h r e r Gefühle ist es ihm zu tun, sondern darum, seine Weisheit, seiner. Geistesreichtum an das Publikum zu bringen. Dr. Weinberg will nicht ein Fürsprecher dieser „Predigten" sein, was er will — und wofür er durch diesen Band Zeugnis ablegt — das ist die reine, edle, in ihrem inneren Reichtum auf alle Phrase und Aufmachung verzichtende Agada; was er will, das sind die herzgewinnenden und gemütaufflackernden Ansprachen im Sinne und nach Art der alten 10ia mrTW' wie sie in den großen; Lehrstätten des Ostens mit so unvergleichlicher Wirkung gepflegt werden, angepaßt selbstverständlich dem Empfinden und dem Verständnis der jeweiligen Hörer! Er will keine .Predigt", „die ihre Kraft auf äußerlichen Glanz

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