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Der Israelit · 1936-11-12 · Heft 45 (12.11.1936) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 45 (12.11.1936)
Date
1936-11-12
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 Nr. 45 Der Israelit 12. November 1936 G'tt will, und diesen Weg kann man nicht abkürzen, er muß gegangen werden. Betrachten wir dies am Beispiel der Juden in Deutschland und der Juden in Erez Israel. Wir jüdischen Menschen haben und führen doch ein anormales Dasein. Seit 2000 Jahren landlos, staatenlos, haben wir nichts als in uns das Bewußtsein; wir müssen uns erhalten, Wir sind nicht getragen von der Liebe der andern Menschen, Wo wir auftreten, werden wir zum Problem. Fast alle Völker beschäftigen sich immer mehr mit der Frage: Wie kann man seine Juden loswerden? Bei der ersten Sintflut hatte die Menschheit 120 Jahre Zeit, sich in die Arche zu retten. Sie hat es nicht getan. Von der Zeit der Emanzipation bis in die jüngste Gegenwart, wiederum 120 Jahre lang, hatten die Juden Zeit, sich in das Haus ihres Judentums zu retten. Sie haben es nicht getan. Sie waren nur so weit Juden, als man nach außen hin nicht allzuviel davon merkte. Unsre Weisen sagen: Erst muß der Moschiach ben Joseph kommen; der falsche Moschiach, der Moschiach des trügerischen Traums, ehe der Moschiach ben Dowid kommt. Moschiach ben Joseph ist ein Weg, Moschiach ben Dowid ist Ziel, Nun, es hat nichts genützt, sein Judentum zu verstecken. Es hat auch nichts genützt, sein Judentum zurechtzustutzen, es in ein Prokrustesbett zu zwängen. Wir hatten mit G'tt einen Vergleich gemacht anstatt zu erkennen, daß man mit G'tt keinen Vergleich, schließen kann. Daß wir unsere eigenste Kultur vergessen haben, während unsre Jugend in der allgemeinen überall bestens Bescheid wußte, das war das Schlimmste, Uns hat der große Welten-Regisseur eine Rolle übergeben, und es wird nur darauf ankommen, daß wir die Rolle ganz ausifüllen . . . Tefillo heißt nicht nur: Gebet, Tefillo heißt: sich richten, den Unterschied zwischen Weg und Ziel finden, heißt: Gerichtstag über sich selbst abhalten, sich klar werden über das, was ist und das, was eigentlich sein sollte . . , Blicken wir nach Erez Israel und denken dabei, hier steht die jüdische Gemeinschaft und sie soll kämpfen gegen Araber, Mißverständnisse, Vorurteile, so sind wir auf dem Irrweg. Nein, wir wollen Tefillo tun im wahrsten Sinne des Wortes, wir wollen darauf achten, daß wir Weg und Ziel nicht verwechseln. Denn den Weg nach Erez, der gepflastert ist mit der Sehnsucht, mit dem Wunsch nach Arbeit und gesichertem Leben, den kennen alle. Er hat mit der Liebe zum Judentum wenig zu tun, er entspringt meist nur der Liebe zum Ich. Was soll uns Erez Israel in Wirklichkeit sein? Zionü Was der Jaum Kippur in der Zeit ist, das soll E. J. im Räume werden. Nach den Worten des Hohen Rabbi Low soll, wenn überall in der Welt das Unreine und der Materialismus herrscht, in Zion eine Stätte der Reinheit gefunden werden. So sind Jaum Kippur und Erez Israel beide nur Mittel, um unser Judentum zu vertiefen, sind nicht Ziel, nur Weg, und deshalb ist Erez Israel nur eine Note im Akkord der jüdischen Lebens=Sinfonie. Wir hoffen auf die Stunde, in der Erez Israel seine gewaltige Kraft zeigen wird. Es soll ein Land werden, in dem wir zeigen können, daß wir in allen Dingen uns dem G'tt und Gesetz vom Sinai unterstellen. Dort soll für das jüdische Volk und die Menschheit eine Stätte geschaffen werden, in dem wir G'ttes Wollen sehen, in dem G'ttes Wort wieder seine Stätte finden wird. Und G'ttes Schutz wird über Erez Israel walten, wenn es das Land wird, das G'ttes Wollen vorgezeichnet hat. Deshalb mÜ®Sen wir alle dafür sorgen, daß die Kinder, •die nach Erez Israel kommen, ein religiöses Land vorfinden, daß es den „Baum des Lebens" in sich trage. Und so wollen wir nicht traurig sein auf dem Wege, sondern zuversichtlich in dem Bewußtsein: Mögen andre nur Weg-Geher sein. Wir wollen mit G'ttes Hilfe sein: Ziel-Erreicher! Die Gedanken Dr. Ehrmanns, die mit starkem Beifall entgegengenommen wurden, hätten einen zahlenmäßig stärkeren Hörerkreis verdient. Von den Erschienenen ging.' jedenfalls keiner leer aus. S. B. Vortrag Dr. Ehrmann itn Paris. Bis zur Stunde gehörte Frankreich zu den Ländem, in denen trotz wiederholter Versuche einiger wenigen Agudisten, an ihrer Spitze Maitre Müller, der Keren Hajischuw noch keinen festen Fuß fassen konnte. Zwar lieferte die kleine agudistische Ortsgruppe regelmäßige Beiträge zur Stützung unserer Arbeiter- und Schulinstitutionen, die aber in keinem Verhältins zu dem Leistungsvermögen der französischen Judenheit standen, die den verschiedenen Aktionen ein sehr mangelhaftes Verständnis entgegenbrachte. Der Reorganisation dieser Arbeit und der Schaffung einer tragfähigen Basis für eine großzügige Propaganda- und Sammeltätigkeit für den K. H. diente ein fünftägiger Besuch des Leiters der Frankfurter Palästinazentrale, Herrn Dr. Ehrmann, der in der Woche des 25, Oktober stattfand. In vier Versammlungen in den vier jüdischen Zentren der französischen Hauptstadt entwickelte Herr Dr. Ehrmann in großen Zügen Ziele und Arbeits* methoden de® K. H. Ueberall gelang es ihm, für die historische Bedeutung unseres palästinensischen Wer* kes und für die ungeheure Verpflichtung, die den bis jetzt von tiefeingreifenden Schicksalsschlägen verschont gebliebenen Teilen des jüdischen Volkes obliegt, weitgehendes Verständnis und den Willen zur tätigen Mithilfe zu wecken. Jede Versammlung bestimmte ein Bezirkskomitee. das die Verpflichtung übernahm, sich in geeigneter "Weise der Werbung unter den diversen jüdischen Kreisen des Bezirkes anzunehmen. Alle Bezirkskomitees traten am letzten Abend der Anwesenheit Herrn DrvEhrmanns zu einer gemeinsamen Sitzung zusammen, in der sie sich zu •einem Aktions-Komitee für den K. H. in Paris konstituierten. An seiner Spitze steht ein ,,Comite d'honneur" unter der Führung des Grand-Rabbin de .Paris, Julien Weil. Dem A. K., dem Maitre Müller präsidiert, gehören u. a. an: M, Henri Levy, M. Eli Merkin, R.-A. N. Schlesinger, M. Philippe Feist, M. Samuel Kohn, M. Charles Ullmann, Dr. Eudlitz, M. Jacques Weill, M. I. Grylak, M. Henrik Felber, M. Dr. Paul Walter usw. Durch die Gründung dieses Komitees, dem Repräsentanten aller Teile der jüdischen Bevölkerung Paris angehören, und durch die Zusammenarbeit der lokalen und zentralen agudistischen Instanzen mit den maßgebenden Persönlichkeiten des Pariser Judentums ist die Hoffnung begrün* det, daß der K. H. von nun an einen neuen kräftigen Stützpunkt in Westeuropa gefunden hat. Die Benoth Agudas Jisroel in Polen. Aus einem Bulletin der Zentrale der B. A. J. in Polen ist ein neues Aufleben dieser orthodoxen Frauenbewegung zu ersehen. Es wird berichtet über die straffe Ordnung und Disziplin in der Organisation, wie ihre kulturelle und soziale Arbeit. In Zetteln von wirksamer Aufmachung werden alle Mitglieder zu einer Konferenz der B. A. J. in Lodz aufgefordert und zur Entrichtung der Beisteuer, die zur Teilnahme an dem Kongreß berechtigt. In einem dieser Aufrufe heißt es: „Im Namen der thoragemäß sozialen Gerechtigkeit, des g'ttlichen Jaschronuth, wird von der Kongreßbühne herab das Recht auf Arbeit und Verdienst für die jüdische Tochter gefordert. Nach der Moral der Thora und des Talmud müssen alle sozialen Ungerechtigkeiten im religiösen Judentum verschwinden. Die jüdische Frau wird aufgeweckt und aufgefordert, mit ihren traditionell humanitären Gefühlen sich an die Spitze der Kampagne zu stellen, die bezweckt, die Beziehung von Mensch zu Mensch im Lager der thoratreuen Massen zu pflegen." Personalien. Einführung des neuen Rabbiners. Marburg, 6. Nov. Am Sonntag nach Nt"vn 'B fand in der hiesigen Synagoge unter starker Beteiligung der auswärtigen Bezirksgemeinden die feierliche Amtseinführung des zum Provinzialrabbiner gewählten Herrn Rabbiner P e r i t z , zuletzt in Schönlanke, vorher Königsberg i. Pr., statt. Nach dem im Anschluß an nni 'st vom Chor vorgetragenen xan Tna, bestieg der Vorsitzende des Israelitischen Vorsteheramts und Amtsvorgänger, Herr Provinzialrabbiner i. R. Dr. Cohn die Kanzel, um den Neugewählten und seine Gattin mit herzlichen Worten zu begrüßen. Beginnend mit dem Danke gegen den allgütigen Lenker aller Geschicke, hob er hervor, .daß bei der grundlegenden Aenderuug aller Verhältnisse seit seinem Eintritt in den Ruhestand die Gefahr bestanden hatte, daß der weit ausgedehnte Rabbhiatsbezirk fortan des eigenen geistigen Führers würde entbehren müssen, zu einer Zeit, wo gerade die kleinen Gemeinden und ihre Mitglia* der desselben mehr als je bedürfen. Um so mehr sei man daher dem Preußischen Landesverbände jüdischer Gemeinden zu Dank verpflichtet, daß er es durch seine weitgehende Unterstützung ermöglicht habe, daß Redner nun heute das von ihm früher verwaltete Amtdem auf der Rabbinerschule zu Preßburg mit dem dafür erforderlichen tiefgründigen Wissen ausgestatteten und in den bisherigen Stellungen bewährten Nachfolger übertragen könne. Wenn dieser nun heute zum ersten Male einen großen Bezirk mit kleinen und kleinsten Gemeinden übernehmen solle, so weis« er ihn hin auf das gestern verlesene Thorawort vyo nwa bv* ytn und flehe zu G'tt, daß es auch ihm gelingen möge, einen solchen hier zu oflanzen ,der nach dem Worte des Midrasch entweder ein pUlS' eine Herberge gewesen sei, in welcher Abraham die dort Einkehrenden auf G'tt gewiesen habe, oder ein OTIS' ein Obstgarten, mit dessen Früchten er seine Zeitgenossen erquickt und vor Not bewahrt habe. Es folgte die Begrüßung durch Herrn Rabbiner* Dr. Galliner als Vertreter des Preußischen Landesverbandes, der betonte, daß heute mehr denn je ein Zusammenschluß notwendig wäre. Herr Provinzialrabbiner Dr. C a h n , Fulda, der in der Zeit der Vakanz das Rabbinat verwaltet hatte, entbot Herrn Provinzialrabbiner Peritz den Gruß, den einst das. jeweils abtretende navn dem nachfolgenden ent'= gegenrief: •nww oitoi mnni nanx oa»ra t»ar* nrn n»aa w» n*?■?»» »*» Sodann nahm als Vertreter der Israelitischen Gemeinde Marburg der Leiter des Israelitischen Heilerziehungsheims. Herr Lehrer Höxter, das Wort, um zunächst dem bisherigen Provinzialrabbiner für seine Verdienste um die Gemeinden des Bezirks und deren Mitglieder zu danken und dann den Neugewählten mit herzlichen Worten willkommen zu heißen, Es folgte die Antrittsrede "des Herrn Provinzialrabbiners Peritz, der unter Anlehnung an das Abraham zweimal gesagte ~\)> ~C?. <die Aufgaben des Rabbiners unserer Zeit entwickelte. Mit Chorgesang und dem Maariw schloß die Feier. Am Abend gab eine wohlgelungene Feier in den Sälen des Israelitischen Heilerziehungsheims der gesamten Gemeinde und den Gästen Gelegenheit, mit dem Herrn Provinzialrabbiner und seiner Gattin gemütlich beisammen zu sein. Nach der Begrüßung der Anwesenden durch den stellvertretenden Vorsitzenden des Israelitischen Vorsteheramts, Herrn Sally Haas, widmete Herr J. Roth s c h i 1 d . dem Rabbinerehepaare herzliche Worte. In netten Versen begrüßte sie der Gemeindeälteste Kugelmann namens der Gemeinde. Herr Pfifferling sprach im Namen der Lehrer. Frau Lotte Bachrach begrüßte Frau Rabbiner Peritz namens des Israelitischen Frauenvereins, der sich auf ihre Mitarbeit freue. Herr Bezirksrabbiner Dr. Laupheimer, Bad Ems-Limburg, entbot freundliche Worte Herrn Rabbiner Dr. Cohn, ium dann namens des Nachbarrabbinats den neuen Kollegen zu begrüßen. Herr Lehrer Stern, Frankenberg, dankte Frau Rabbiner Dr. Cohn für ihre häufigen Besuche der auswärtigen Kranken in den Kliniken, die bei diesen stets dankbare Freude ausgelöst haben und stellte gern fest, daß aus dem, was man heute aus dem Munde des neuen Provinzial* rabbiners gehört habe, diesendas gleiche mt3 aV auszeichne. Es sprachen noch Frau Cilli Bachrach und Herr Samuel Bachrach, während die Herren Lehrer Simon und Hirschkorn die Anwesenden durch Gesangsvorträge erfreuten. Unter großem Beifall erwiderte Frau Rabbiner Peritz auf die Begrüßungsworte von Frau Lotte Bachrach. Nachdem noch Herr Rabbiner Dr. Cohn für das vielfache Gedenken seiner Gattin und seiner eigenen Person gedankt und insbesondere der neuen Rabbinerin freundliche Worte gewidmet hatte, erwiderte Herr Rabbiner Peritz, indem er für alle ihm heute entgegengebrachte Liebe herzlich dankte und unter Anlehnung an schöne Midraschworte auch an dieser Stelle darlegte, wie er sich da® -harmonische Zusammenarbeiten mit sämtlichen Bezirksgememden denke. In vorgerückter Stunde sprach sodann Herr S. Frank allen Erschienenen und insbesondere Herrn Höxter für die Bereitstellung der Säle den Dank aus. Berlin, 10. Nov. Anläßlich des siebzigsten Geburtstages von Herrn Rabbiner Dr. J. Freimann wurde von der Hörerschaft des Rabbinerseminars zu Berlin eine Feier veranstaltet. In der ersten Vorlesung, die Herr Dr. Freimann im neuen Semester hielt, versammelten sich alle Dozenten und Hörer des Semi* nars sowie ein größerer Kreis von Verehrern und Freunden des Jubilars, um auch an dieser Wirkungsstätte seine großen Verdienste um das Judentum und besonders um das< Rabbinerseminar zu würdigen. Als ' Vertreter der Hörerschaft zeichnete Herr Rabb. cand. Frank das Bild des Jubilars, dessen Persönlichkeit als Talmid Chacham, der sich auch den praktischen Fragen de® Lebens nicht verschließt und für alle Schüler des Rabbinerseminars immer ein Vorbild sein wird. Dann wurde Herrn Dr. Freimann von der Hörerschaft eine hebräisch geschriebene Adresse überreicht. In seiner bescheidenen Art sprach Herr Rabb. Dr. Freimann Worte des Dankes und gab seiner Freude Ausdruck, auch in Zukunft in diesem Kreise wirken zu können. Die Feststunde klang in dem Gesang „Omar Rabbi Eleasar" aus, den Rabbiner cand. Kantor Apfel vortrug. Berlin, 8. Nov. Frau Paula Cohn, früher Gnesen, begeht am Mittwoch, den 18. November, im Alters* heim, Altonaerstr. 4, ihren 8 0. Geburtstag. Sie hat an der Seite ihres Gatten, des leider allzufrüh verstorbenen, durch seltenen Wohltätigkeitssinn, strengste, opferwillige Religiosität und großes talmudisches Wissen ausgezeichneten .Herrn Hermann Cohn b'St ein echt jüdisches Haus geführt und hat ihre Interessen vielfach in den Dienst charitativer Arbeit gestellt. Frau Cohn war im Vorstand des dortigen Jüdischen Frauenvereins' und der Chewrah Kadischah. Wir wünschen ihr im Kreise ihrer Kinder und Enkel, der bekannten Kunstgewerblerin Rahel Ruth Sinasohn und des Rektors Max Sinasohn, weitere glückliche Jahre in geistiger Frische und körperlicher Rüstigkeit. , v-ym? Flehingen (Baden), 5. Nov. Am 17. November wird Frau .Sara Greilsheim er 80 Jahre alt. Sie ist die Mutter des verehrten Bezirksrabbiners Greilsheimer in Mosbach und die Witwe des früheren hiesigen Vorstehers, Isak Greilsheimer L7*t« Die Greisin steht heute noch im Mittelpunkt unserer kleinen Gemeinde, der sie in ihrem echtjüdischen Lebenswandel ein würdiges Beispiel gibt. Möge """»n sie erhalten und kräftigen im Kreise ihrer Familie. »»»inj I Berichtigung. Bei der Notiz über eine Gemeindewahl, bei der die Herren Adolf Strauß, Lehrer Wertheimer und Leo Meyer zu Synagogeonräten gewählt wurden, handelt es sich nicht, wie irrtümlich angegeben, um Wertheim, sondern um Buchen in Baden.

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