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Der Israelit · 1936-11-12 · Heft 45 (12.11.1936) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 45 (12.11.1936)
Date
1936-11-12
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 Nr. 45 Der Israelit 12. -November 1936 hunderten errichtet haben, uns genommen wird; in einer Zeit, da es um unser primitives bürgerliches Recht geht, da wir uns zur Abwehr schwerster Angriffe auf Leben und Eigentum zusammentun, just zu einer solchen Zeit erscheint Jabotinsky mit seinen Unterführern vor dem polnischen Leser, dem polnischen Politiker, dem polnischen Publizisten, den polnischen Regierungsvertretern und sagt: „Die Juden müssen raus. Der Antisemitismus sei eine Na turerscheinung, gegen die der Kampf im Lande vergebens sei. Nicht die Antisemiten, sondern das Leben sei uns feindlich, und darum müssen die Juden dem Feinde, d, h. dem polnischen Volke aus dem Wege gehen." Wir alle, die wir uns nicht in Abstraktionen ergehen, die nicht in politischen Träumereien be fangen sind, sondern mit beiden Füßen mitten im realen Leben stehen, wissen und erfahren es tag täglich von Neuem, daß die Kämpfe, die die Welt jetzt erschüttern, nur eine Folge der schweren sozialen und moralischen Probleme sind und daß die Judenfrage im Vergleich zu den welterschüt ternden Fragen nur ein kleines Pünktchen auf dem aus dem Gleichgewicht geratenen Erdballe ist. Wir alle sind Zeugen, wie der Antisemitismus in Polen als politisches Instrument künstlich gezüchtet und organisiert wird, wie man mittels des Judenhasses politische Gegner, ganz weit weg von der Judengasse, schlägt. Nun kommt Jabotinsky zu den Polen und sagt; „Eure Juden feinde haben Recht. Die Judenfrage ist die zentrale Weltfrage, nicht allein in Polen, sondern auch in Frankreich, in Amerika, in England". Als einziges Hilfsmittel empfiehlt er die blutige Operation, Evakuierung. Emigration ist ihm zu wenig, das geht viel zu langsam. Er geht aufs Ganze; eine mehr oder weniger zwangsweise Abwanderung müsse einsetzen. ,,In zehn Jahren wird die polnische Juden heit mit Sack und Pack außer Land gebracht." Unter solchen und ähnlichen Ueberschriften wer den die revisionistischen Artikel in den Tageszeitungen dem polnischen Leserpublikum aufge tischt. Bald gewinnt schon der Pole den Eindruck, daß es nur noch eines zweiten „Przytyk" bedarf, um die Juden samt und sonders in noch viel früherem Zeitraum loszuwerden. Und Jabotinsky gibt den polnischen Journa listen zu verstehen, daß von der Evakuierung Juden im Alter von 23 bis etwa 35 Jahren erfaßt werden, d. h. der Nachwuchs. Die Alten werden ja ohnehin früher oder später die pol nische Erde verlassen . . . Also wird man in höchstens zehn-' Jahren Polen alseinj u d, e n reines Land ansprechen können. bringen würde. Sie stellen4ihm vor, daß, wenn auch er heute noch als Gesegneter G'ttes ein von ihnen völlig unabhängiger Souverän ist, noch Tage kommen können, da er des Schutzes -der phflistischen Staats» männer bedürfen wird, 'n fna nny n/iK. Du bist nun ein Gesegneter G'ttes. * * * Kap. -27. V. 40. *wK>">ni "*i»n nxi ">nn nann bv .•psw byn iby npiDi „VoA' deinem Schwerte wirst .du leben und deinem Brüder wirst du dienen; erst wenn du dich.demütigest, wirst du sein Joch von deinem Nacken werfen." "nn "pnn bv)bedeutet: Du wirst dir deinen Lebensunterhalt durch das Jagen der Tiere verdienen.. WochenkalendeK Vom 14.—27, November 1936 / Vom 29. .Chescfrwan bis 1. Kislew 5691 •>nv sp D'nat Samstag 14 29 K» ' Sonntag 15 1 an- Montag Dienstag Nov. 16 17 ■ftos 2 3 ja T» Mittwoch 18 4 na Donnerstag 19 5; ia Freitag 1 20 6 18 Samstag 21 7 na vihn i'anaa nibv\ Neumond: fiyp vorm. . 9 Uhr 13 »/s'Min. . Vüil Aber wohin mit den Juden? Nach Palästina, antwortet Jabotinsky. Und die Engländer, die Araber? Kann man die Rechnung einfach ohne diese Wirte machen? Darauf hat Jabotinsky die Antwort fertig. Eine Konferenz all der Regierungen, die auch ihrerseits die Juden los sein möchten, wird einberufen, und diese unternehmen eine freundliche Intervention — vielleicht auch sanften Druck — in England, und .alles ist in bester Ordnung. Bis zum Ultimatum und zur Kriegserklärung an England von Seiten der vereinigten Völker Europas hat sich Jabotinsky bis jetzt noch nicht hinreißen lassen. Die polnische Regierung erhält von Jabotinsky den Ehrenvorsitz in diesem Völkerchor. Mit allen journalistischen Kunststückchen weiß Jabotinsky auszumalen, welche Flut von Petitionen auf England einstürmen werde, so daß dem britischen Reich gar nichts anderes übrig bleibe, als dem Drucke nachzugeben und das jüdische Volk nach Palästina zu verbringen. Diese Aspirationen sind schon in früheren Plänen und Petitionen von Jabotinsky enthalten. Es waren damals papierne Kanonaden, die ohne Wirkung verhallten. Der neueste Plan Jabotinskys birgt aber leider eine eminente Gefahr in sich, schon deshalb, weil sich die polnischen Antisemiten mit Begeisterung . seiner bemächtigen. Selbst loyale und halbwegs judenfreundliche Blätter stimmen dem Plan zu. Alle wollen sie uns helfen. Völkerkohf erenz, Intervention in England?' Mit allem einverstanden. Jst England nicht willig ,dann auch gut! Wir hätten^ dann das Unsrige getan und die Juden könnten sehen, ^ohin sie kommen, Wohin ist nicht unsere Sache, ist Sache Jabotinskys. Es versteht sich von selbst, daß die Einzigen, die der Jabotinsky-Plan in Schrecken versetzt* die Juden sind. Sie fühlen sich nach wie vor als Bürger des Landes Polen verpflichtet, werden nach wie vor ihre Pflicht tun, werden mit dem Polenvolke Leid und Freude, Not und Aufschwung teilen. Und es kommt die, Zeit, da märt über den Geist der Verirrung und Verwirrung,, der auch jüdische Köpfe in dem Maße erfassen; konnte, lachen wird. Daß aber für die Stunde Jabotinsky mit seinen Plänen das gerüttelte Maß von jüdischen Leiden in Polen n q c h erheblich vergrößert, unterliegt ganz gewiß, keinem Zweifel. Jabotinsky appelliert an die jüdische Presse,, seine Ideen und Pläne gründlich zu prüfen und: mit Takt zu behandeln. Allein alle Gründlichkeit und alles Taktgefühl führen nur dazu, Herrn Jabotinsky zu sagen, daß er, vielleicht guten Wil-. lens, aber in Ermangelung allen Taktes und aller politischer Klugheit die ohnehin schon schwer genug leidende polnische Judenheit heute in eine gefährliche Lage treibt. Einführung in die jüdische Geschichte. Von Dr. Ph. Biberfeld. K2t>V Dieser allgemeine Rahmen zeigt ein festes Kulturleben, so daß ein mit der Besetzung von Gebieten verbundenes Eindringen Fremder eine gewisse kriegerische Macht zur Voraussetzung hatte. In der Tat ist dieses ein Zug, der in den Berichten der Thora über das Leben der Pa triarchen zwar zurücktritt, jedoch erkennbar bleibt. Die Verbindung, welche durch die baby Ionischen Kriegszüge nach dem Westlande zwi sehen Babylonien und Palästina hergestellt wurde, hatte zur Folge, daß babylonische Bevölkerungselemente nach Palästina ziehen, sei es als Kaufleute oder in der Absicht, sich dort anzusiedeln. In diesen Zusammenhang ist auch der Zug Terachs .einzuordnen, der, wie es in der Thora (Gen. 11, 31) heißt, von Urkasdim auszog, um nach Kenaan zu ziehen. Der Bericht der Thora schließt damit, daß Terach sich in Haran ansiedelte und dort auch starb. Sein Tod erfolgte jedoch erst '60 Jahre nach dem Fortzuge Abraham« aus Haran, da er bis zu dessen 135. Lebensjahre gelebt hat, Nach den neuesten Entdeckungen hat .;es den ^nscKem, daß er seinen in der Thof a angedeuteten Plan, nach Ke- ■naatt zü ziehen, insofern zu verwirklichen gesucht hat, als er, vielleicht von Haran aus, kriegerische Züge nach Palästina unternommen hat. Ausgrabungen bei Rhas-Schamra an der Nordgrenze Palästinas .haben kürzlich ein phönizisches Gedicht zutage gefördert, welches der Herausgeber Virolleaud „Das Heldengedicht von Keret" betitelt. Darin sendet der Gott El seinen Söhn Keret,; den König der Sidonier, gegen Feinde, deren Führer Terach heißt. Die Schlacht fand in der Gegend von Negreb '(Negeb?), im Süden Palästinas, statt und endigte mit dem Siege Terachs und seiner Verbündeten. Wir erfahren noch, daß die Frauen Terachs Shin und" Nkr heißen. Shin ist der Mondgott der Chaldäer, Nkr — Nikkar oder Ningal ist die. hauptsächlich in Ur verehrte Gemahlin des J^ohd.-;' gottes. .J^Lit größter Wahrscheinlichkeit; weisen diese Namen also darauf hin, daß der Terach des Gedichts aus Ur stammte. Höchst überraschend ist es nun, daß in der ,$nm der 'N^tne derj^utter Abrahams, der Fraü. Terachs, in einer deut-;, lieh anklingenden 'Weise überliefert ist. Diese hieß ryjo na 'KVrräK (vergl. k'X._^hn=«aa)^Disf letzte Wort enthält genau dieselben Konsonanten wie der Name Nkr/ Im allgemeinen vwir»d freilich angenommen, daß dieser Name sich aus 13 und ia: zusammensetzt und die Bedeutung Mächtiger (oder Schwert) des Nebo hat. Im Gegensatz zu Terach folgte Abraham bei seinem Zuge nach Kenaan nicht wirtschaftliche» Erwägungen, sondern einer g'ttlichen Berufung. Aber auch bei ihm tritt die Wehrhaftigkeit deutlich in Erscheinung. Er zieht nicht allein, sondern offensichtlich in Begleitung einer größeren Karawane (Gen. 12, 5 pm WV HPK WSJin rw)* Bald schon findet er Bundesgenossen in Oner, Eschkol und Mamre. (Gen. 14, 13,) Sein Ziel ist der Süden Palästinas (Gen. 12, 9), wo nach dem zuvor Ausgeführten auch die Kämpfe Terachs. stattgefunden haben. Schon bald nach seiner Ankunft im Lande wird Abraham durch Hungersnot gezwungen, nach Aegypten zu ziehen (Gen. 12, 10). Dort wird ihm Sara genommen. ,,Es war, wie Abram nach Mizrajim kam, sahen die Mizrer die Frau, daß sie sehr schön war." Zu diesem Verse (Gen. 12, 14) bemerkt Raschi, daß es ja eigentlich heißen müßte: als sie nach Mizrajim kamen. Abram habe indessen die Sara in einer Sänfte versteckt. Dadurch, daß die Aegypter Zoll forderten, öffneten sie aber die Sänfte und sahen die Sara. Das deutet darauf hin, daß an der ägyptischen Grenze allgemein eine Visitation stattfand. In der Mechilta (vergl. Raschi 2. B. M. 18, 9) heißt es ferner, daß Aegypten mit einer Mauer umgeben. war, so daß noch nicht einmal ein Sklave von dort fliehen konnte. Inder Tat ist: seit der Zeit des Mittleren;.Reiches. (2160-^4700) Aegypten dürch die . sogen. .Fürstenmauer ' auf das' strengste gegen die Smaihalbinsel' abgesperrt geweseiir Eine Truppe mit «inem Pf-(, fizier an der Spitze ist hierrpostierti und.atif der Mauer stehen Spähet,'die jeden, der. die; „Horns-, wege" passiert, anhalten. (Kittel S. 58). In einer Urkunde aus der Zeit des Sesostris' I. wird geschildert, wie Sinuhe, ein- Gefolgsmann des Sesostris', aus Aegypten zu entkommen sucht. Er kommt zur jjFürstenmauer, die errichtet ist, um, die Beduinen: fernzuhalten.'' Er verbirgt sich vor, der Wache auf der. Mauer., und, so gelingt es ihm, die Grenzwächjer zu täuschen.. (Kittel S. 56.) Es ist geradezu erstaunlich,,, mit .welcher Treue die Verhältnisse jener Zeit; in den angeführten agaj dischen Quellen erhalten geblieben sind. i Wie bereits früher ausgeführt (vergl. S.; 19),1 befanden sieh unter den'Tieren ,die Abraham in Aegypten als Geschenk, erhält (Gen; 12,; 16)ü,

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