Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 45 (12.11.1936)
- Date
- 1936-11-12
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 Nr. 45 D e I a e 1 i i 12. November 1936 „Es^sfc," so fügt der „Times"-Korrespondent hinzu, „wohlgetan, die Bevölkerung daran zu erinnern, daß dieses Land nicht bloß ein Glutoien miteinander ringender Nationalismen oder ein Objekt imperialistischer Politik ist, sondern historsch und in erster Reihe das HeiligeLanu, in einer einzigartigen Position in der ganzen Welt" . * * ' - * Weiter wird aus Jerusalem gemeldet; Eine Konferenz aller großen jüdischen Verbände und Institutionen Palästinas ist am Dienstag zusammengetreten, um über ein gemeinsames Vorgehen in den Fragen, die die Kgl. Kommission beschäftigen werden, zu beraten und entsprechende Beschlüsse zu fassen. Außer den Mitgliedern der Exekutive nehmen an ihr auch die des Waad Leumi, diejA g u d a t J i s r a e I, die jüdischen Mitglieder der Städtyertretüngen, das Oberrabbinat, ferner Vertreter der großen jüdischen Witsohafts- und Berufsverbände wie des Verbandes der jüdischen (Landwirte, des Industriellenverbandes und des allgemeinen jüdischen Arbeiterverbandes sowie eine Reihe hervorragender Persönlichkeiten teil. Insgesamt waren etwa 150 Delegierte zu der Konferenz erschienen. Der Vorsitzende der Exekutive der ^Jewish Agency, David Ben Gurion, eröffnete die Tagung mit einer umfassenden Darlegung der politischen Lage. In diesem Zusammenhang erörterte er die wichtigsten Forderungen, die von den jüdischen Vertretern der Kgl. Kommission unterbreitet werden sollen. An die Ausführungen Ben Gurions schloß sich eine eingehende Debatte an. Im Irak herrscht Ruhe. Jerusalem, 10. November. Die Exekutive der Jewish Agency teilte der ITA. mit, daß die vom Sender in Kairo und von > verschiedenen Zeitungen gebrachten alarmierenden Meldungen über einen Judenpogrom in Bagdad nach dem jüngsten Umsturz den Tatsachen nicht entsprechen. Der Vorsitzende des Waad Leumi, Jizchak Ben Zwi, habe sich telefonisch mit den jüdischen Führern in Bagdad in Verbindung gesetzt, und diese haben ihm versichert, daß die Juden im Zusammenhang mit dem Umsturz nicht zu leiden gehabt haben. Auch die Meldungen über einen antijüdischen Boykott im Irak seien nicht richtig. Man glaube sogar, daß sich die Lage der Juden im Irak nach dem Umsturz verbessern werde. Im englischen Unterhause erklärte Außenminister Eden in Beantwortung einer Anfrage, im Irak herrsche nach den jüngsten Beri c h t e n Ruhe und es gebe zur Zeit kein Anzeichen dafür, daß die Sicherheit der Juden des Irak, der Assyrier oder einer sonstigen Minderheit im Irak gefährdet sei. Der Minister gab weiter bekannt, daß er den englischen Gesandten in Bagdad beauftragt habe, den neuen Ministerpräsidenten darauf aufmerksam zu machen, daß weitere Gewalttaten bedauerliche Folgen haben würde, sowie zu betonen, daß eines der Hauptkriterien für die Beurteilung der'neuen Regierung im Auslande die Art der Behandlung der Minderheiten sein würde. Die endgültige Zusammensetzung der Reichsvertretung. Berlin, 10. November. Die Presseabteilung der Reichs Vertretung der Juden in Deutschland teilt mit, daß im Rahmen der kürzlich erfolgten Ausgestaltung der Organisation der Reichsvertretaing der Präsidialausschuß der Reichsvertretung durch den Hinzutritt einiger neuen Mitglieder erweitert wurde. Die neueingetretenen Mitglieder sind: Rabb. Dr. Max Grünewald-Mannheim, R.-A. A. Horovitz-Frankfurt a. M., Dr. Georg Josephthal-Berlin, R.-A. Dr. Alfred Klee-Berlin, und Adolf Michaelis- Berlin. Eine weitere Aenderung in der Zusammensetzung des Präsidialausschusses ist dadurch eingetreten, daß R.-A. Dr. Rudolf C a 11 m a n n , Köln ausgetreten ist. An seiner Stelle ist R.-A. Dr, Kurt AI exander, Krefeld, in den Präsidialausschuß berufen worden. Iii den Kreis der Sachbearbeiter der Reiohsvertretung ist am 1. November R.-A. Bruno Kl eyff, Berlin, eingetreten. R.-A. Kleyff hat die Bearbeitung der rechtlichen Angelegenheiten in der Reichsvertretung übernommen. Beteiligung der Judenheit Polens bei der Ernennung des Marschalls. - Petition in Sachen der Schechita. Warschau, 11. November. An den Feierlichkeiten anläßlich der Ernennung des Generalinspektors der polnischen Armee Rydz-Smigly zum Marschall von Polen hat auch die polnische Judemheit durch ihre Vertreter teilgenommen. Alle jüdischen Organisationen und Institutionen des Landes hatten Abordnungen nach Warschau entsandt. In den Synagogen fanden Festg'ttesdienste statt. Die Juden Polens hoffen, daß der neue Marschall ebenso wie sein Vorgänger Marschall Pilsudski Duldsamkeit gegenüber der "jüdischen Bevölkerung an den Tag legen wird; Im allgemeinen glaubt die jüdische Bevölkerung Polens, nach der Ernennung des neuen Marschalls, einem politischen Akt, dem außerordentliche Bedeutung beigemessen wird, etwas zuversichtlicher als bisher in die Zukunft blicken zu dürfen. Am 12. November, einen Tag nachdem dem neuen Marschall von Polen, General Rydz- Smigly, der Marschallstab überreicht werden; wird, wird eine Abordnung des Jüdischen Parlamentsklubs gemeinsam mit Vertretern des Rabbinats dem Marschall eine ausführlich begründete Petition unterbreiten, in der er gebeten wird, das Inkrafttreten des neuen Schlachtungsgesetzes, durch das die Schechita stark eingeschränkt wird, um zwei Jahre, bis zum 1. Januar 1939, hinauszuschieben. Diese Aktion ist in einer Beratung beschlossen worden, die das Rabbinat mit den durch das neue Gesetz in ihrer Existenz bedrohten jüdischen Fleischern abgehalten hat. Es wurde bei dieser Gelegenheit darauf hingewiesen, daß das Land noch in ungenügendem Maße für die Durchführung des Gesetzes vorbereitet sei. Es fehle an Schlachthäusern, die mit Einrichtungen für mechanische Schlachtung ausgestattet sind u. a. m. Ermittlungsverfahren in Oberschlesien. - . Berlin, 11. November.-;. Die ITA. berichtet: Nach einer :jVlelduij:g des deutschen Nachrichtenbüros Lhat der Polizeipräsident des Oberschiesisehen- Industriegebietes" in Gleiwitz gegen eine Reihe von Personen Ermittlungen eingeleitet, die Großvieh und Geflügel zur Lieferung an Juden außerhalb Oberschlesiens geschächtet haben. In Hindenburg wurden rund 300 Stück zum Teil schon geschächtetes Geflügel polizeilich beschlagnahmt. Mehrere Personen . wurden in den letzten Tagen vorläufig festgenommen. Die Ermittlungen dauern zurzeit noch an. Das neue Gesetz zum Schutze der öffentlichen Ordnung in England. - Schwere Strafen vorgesehen. London, 10. November. In dem neuen Gesetz zum Schutze der Öffentlichen Ordnung (Public Order Bill) sind Geldstrafen bis zu 500 Pfund, Gefängnis bis zu zwei Jahren und Vermögenseinziehung für unerlaubtes Tragen politischer Uniformen, für Schulung von Angehörigen politischer Organisationen zum' Zwecke der Anmaßung von Funktionen der Polizei oder des Heeres und für Beschimpfungen durch Rede und Verhalten bei öffentlichen Versammlungen vorgesehen. In dem ersten Paragraph des Gesetzes wird das Tragen von Uniformen, die die Zugehörigkeit zu einer politischen Organisation oder die Förderung politischer Ziele versinnbildlichen, an öffentlichen Orten und in öffentlichen Versammlungen als Vergehen gekennzeichnet. Bei feierlichen Anlässen, bei denen die Erregung öffentlicher Unruhe nicht zu erwarten ist, kann von den Polizeichefs das Tragen einer Uniform gestattet werden, doch muß die Polizei hierzu zuerst die Zustimmung des Innenministers einholen. Paragraph 2 befaßt sich mit dem Verbot der Ausbildung von Angehörigen eines Verbandes zur Uebernahme der Funktionen der Polizei oder der bewaffneten Macht zwecks Anwendung physischer Gewalt zur Förderung politischer Zwecke. Paragraph 3 ermächtigt die Polizei, den Weg von Aufmärschen abzuändern und den Durchzug durch bestimmte Straßen zu verbieten, wenn zu befürchten ist, daß dadurch Unruhen hervorgerufen werden. ' Paragraph 4 stellt das Tragen von Angriffswaffen bei öffentlichen Versammlungen durch Personen, die dies nicht in Erfüllung-dienstlicher Pflicht tun, unter Strafe. Paragraph 5 stellt den Gebrauch drohender oder schmähender Ausdrücke und ein Verhalten, durch das beabsichtigt wird, Ruhestörungen zu. provozieren, unter Strafe. Das Gesetz soll mit bestimmten Modiiizierungen auch in Schottland, nicht jedoch in Nordirland Geltung haben. Am kommenden Montag findet die zweite Lesung statt. Man wird sich bemühen, den Entwurf noch vor Weihnachten in beiden Häusern des Parlaments zu verabschieden, worauf das Gesetz nach Sanktion durch den König sofort in Kraft treten wird. Juden in der amerikanischen Regierung und im Repräsentantenhaus. New York, 4. November;. Außer dem New Yorker Gouverneur Herbert H. Lehman ist bei den Wahlen am 3; November auch der Gouverneur von Illinois, Henry Horner, der ebenfalls Jude ist, wiedergewählt worden. Ins Repräsentantenhaus ziehen zehn Juden ein. Unter den Gästen, die anläßlich des Wählsieges des Präsidenten Roosevelt, yon. diesem bis zum nächsten Tage in seinem Hause in Hydepark eingeladen worden waren, befanden sich der Finanzminaster Henry Morgenthäu und! der Präsident der Jewish Telegraphic Agency, Ge; örge Backer; : Ä j vj Alles für dikDamef stets aktuell und preiswert STEIN WEG 9 J