Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 45 (12.11.1936)
- Date
- 1936-11-12
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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a^|g^P^^^^P^ Tf^s^^sm^^^gm^i Frankiert a. M- 12. November 1936 27. Marcheschwan 5697 Nummer 45 DIE TORE BLEIBEN GEÖFFNET, London, 8. November. Die am Donnerstag Abend abgegebene Unterhauserklärung des Kolonienministers Ormsby- Gore über Palästina enthielt neben anderem die Mitteilung, daß die englische Regierung beschlossen habe, von einer zeitweiligen Sperre der Einwanderung nach Palästina während der U n ter s u c h u tt - gen der K g 1. Kommission abzusehen, da eine solche Sperre nicht gerechtfertigt sei. Der Minister kündigte weiter an,- daß die Einwanderungsschedule für die Monate Oktober 1 936 bis April 1 937 1800 Zertifikate betragen werde. Im weiteren erklärte der Kolonienminister Ormsby-Gore auf Anfragen zu dieser Bewelligung: „Die Regierung hat die Frage geprüft, ob die jüdische Einwanderung nach Palästina während der Zeit, in der die Kgl. Kommission ihre Untersuchung durchführt, eingestellt werden soll. Die Regierung ist zu dem Ergebnis gekommen, daß eine zeitweilige Einstellung der Einwanderung aus wirtschaftlichen oder anderen Gründen nicht gerechtfertigt wäre. Die Regierung ist der Ansicht, daß im Falle einer drastischen Aenderung der Einwanderungspolitik eine Veränderung der Lage im Lande eintreten und die Arbeit der Kgl. Kommission präjudiziert werden würde, da diese Kommission auch die Frage der Einwanderung zu prüfen haben wird. Die Regierung glaubt jedoch, daß unter den jetzigen Verhältnissen der High Commissioner ersucht werden muß, die wirtschaftlichen Möglichkeiten des Landes zurückhaltend zu beurteilen. Dementsprechend ist die Arbeitereinwanderungs-Schedule für dieses Halbjahr, die im vergangenen Monat hätte ausgegeben werden sollen, mit 1800 Zertifikaten festgesetzt worden." Gleich nach Bekanntgabe der neuen Schedule gaben Sir Herbert Samuel und Dr. Ghajim Weizmann öffentliche Erklärungen ab, die in ihrem Grundtone besagen: Die Tore P a- 1 äs t i n a s b 1 e i b e n geöffnet! Die Erklärungen verfolgen den Zweck, einer Depression, die durch die geringe Zahl der bewilligten Zertifikate platzgreifen könnte, vorzubeugen. Die KönigL Untersuchungskommission in Palästina. London 11. November. Die Mitglieder der Königl. Kommission sind mit ihrem Vorsitzenden Lord Peel am Donnerstag mittag von hier abgereist. Der Kolonienminister. Ormsby-Gore in Begleitung vieler hoher Staatsbeamten waren zum Abschied am Bahnhof erschienen. . Die „Times" meldet unter dem 10. November aus Jerusalem: „Die Royal Commission erreichte heute Port Said und wird morgen rechtzeitig zum G'ttesdienst anläßlich des Waffenstillstandtages in Jerusalem eintreffen. Sie wird ihre Sitzungen am Montag beginnen. Der anglikanische /Bischof in Jerusalem für seine eigene Gemeinde und der Oberrabbiner D uschiriski, das Oberhaupt der Agudas Israel, der orthodoxen nicht-zionistischen jüdischen Gemeinde, sandten heute ähnlich lautende Botschaften an die Presse, worin sowohl das Volk als die Royal Commission aufgefordert werden, daran zu denken, daß Palästina d a s H e i 1 i g e L a n d ist. , Der Mufti von Jerusalem wurde aufgefordert, einen ähnlichen Aufruf an die Moslems zu richten, aber der Boykott der Commission ließ ihm dies untunlich erscheinen. (Fortsetzung siehe Seite 2.) Aus dem Inhalt: Gesetze zur Aufrechterhaltung der Ordnung in England...........Seite 2 Der neue Marschall in Polen und die Juden.........Seite 2 Der altneue Präsident in der amerikanischen Union . . Seite 4 Am Jordan und am Euphrat .... Seite 4 Juden in der antibolschewistischen Front Seite 5 Ein Zehnjahresplan zur Evakuierung von Juden aus Polen......Seite 5 Einführung in die jüdische Geschichte. Von Dr. Ph. Biberfeld.....Seite 7 Aus der Agudas Jisroel-Bewegung . Seite 7 Babel-Irak.............Seite 10 Die antisemitischen Unruhen in Polen Seite 12 Gedenkfeier für die jüdischen Gefallenen in London...........Seite 12 Palästina-Briefe ..........Seite 12 DAS ARABISCH-JÜDISCHE PROBLEM. Wir erhalten von geschätzter Seite folgende Zuschrift: Man kann nicht behaupten, daß die „Königliche Kommission", die sich, während wir diese Zeilen niederschreiben, auf dem Wege nach Palästina befindet, ihre Arbeiten unter einem besonders günstigen Stern beginnt. Zwar hat die britische 'Regierung ihre durch die arabische Rebellion stark in Frage gestellte Autorität halbwegs zu wahren verstanden, indem sie mit Hilfe ^eines starken Truppenaufgebots den Rebellen in der Primitivität ihres Denkens die Ueberlegenheit der englischen Macht über die Handvoll palästinensischer Freischärler vordemonstrierl und zugleich, allen Forderungen und Drohungen zum Trotz, die Tore des heiligen Landes der jüdischen Einwanderurig offen gehalten hat. Aber das Echo dieser letzteren Maßnahme im arabischen Lager — die Verweigerung jeder Zusammenarbeit mit der Königlichen Kommission — zeigt, daß man dort weder geneigt ist, sich dem guten Willen der Mandatarmacht anzuvertrauen, noch in Erkenntnis der eigenen politischen iiund militärischen Schwäche den offenen Widerstand aufzugeben. Daß England — nebenbei bemerkt — es trotzdem für richtig gehalten hat, mit dem Rücktransport der Reservisten zu beginnen und damit unter der urteilslosen arabischen Volksmasse den Anschein zu erwecken, als sei nun Tür und Tor für die Methode des bewaffneten Aufruhrs wieder geöffnet, gehört zu den Unbegreiflichkeiten, an denen die Geschichte der letzten sieben Monate nicht gerade arm war. Wir stehen jedenfalls, soweit eine wirkliche Besserung der politischen Lage in Frage kommt, genau auf demselben Fleck wie vor Beginn der Unruhen und man sollte sich auf jüdischer Seite über die Grundbedingungen klar werden, die bei allen Lösungsversuchen als unabänderliche Fakten in die Berechnung eingestellt werden müssen. Es bleiben dann immer noch genügend variable Faktoren übrig, die einen gewissen Bewegungsspielraum gestatten. Unabänderlich aber scheinen uns — für die nächsten Jahre jedenfalls — folgende Voraussetzungen: 1. England wird sich, so unentbehrlich ihm aus strategischen Gründen der effektive Besitz Palästinas ist, unter keinen Umständen um des jüdischen Nationalheims willen in einen heiligen Krieg mit der ganzen islamischen Welt, insbesondere Indiens und Aegyptens, verwickeln lassen. Wie nahe diese Gefahr läge, wenn die palästinensischen Araber unter Führung ihrer geistlichen Autoritäten im offenen Widerstand verharren, ist allerdings Sache der politischen Erwägung. Auf alle Fälle aber liegt hierin für die arabischen Gegner der Balfour-Erklärung eine gar nicht hoch genug einzuschätzende Waffe. [Fortsetzung siehe Seite 3.)