Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 44 (5.11.1936)
- Date
- 1936-11-05
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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5 ~ ""-i - * J" / ' v, 5r;^Npy eml^r^l^Sö^^ -c r s r-a.e Ii t Nr; 44 Seite 11 Wegen der-Unruhen im Irak werden die Truppen zunächst noch in "Palästina bleiben, nur werden, wie aus London gemeldet wird,, die - Reservisten wieder .beurlaubt werden. Im übrigen merkt man so etwas wie eine Abrüstung in allen Ecken. Mit Freude wurde vernommen, daß der A u & n ahm e z u s t a n d in Jerusalem aufgehoben, wurde. Viel Polizeiwachen im Lande wurden aufgelöst. Ganze .Araberbanden kehren nun nach, der syrischen Heimat zurück. In einer längeren Rundfunk anspräche warnte der H i gh C o mm i ssi on er auch vor nationalistischen Boykott.bestrebun gen, die jetzt vielerorts den Streik abgelöst haben, Ueber die Gesamtverluste während der Unruhen bis zum 15. Oktober werden hier, nach einer Bekanntgabe des Kolonienministers im Londoner Unterhause, folgende iSchlußzahlen veröffentlicht! 1. Zivilisten; Mohammedaner 955, darunter 187 Tote; Juden 388, darunter 80 Tote; Christen 65, da runter 10 Tote; 2. Englische Flotte und Luftflotte; 125, darunter .21 Tote; 3. Palästina-Polizei und transjordanische Grenz korps: Englische Mannschaften 47, darunter 7 Tote, Palästinenser: 49 Mohammedaner, darunter 8 Tote; 13 Christen (verwandet) und 9 Juden, darunter ein Toter. Im Anschluß daran gab der Minister bekannt, daß -die Bevölkerung Palästinas einschließlich der engJi sehen Besatzung am 13. Juni d. J. 1,335.000 Seelen geschätzt wurde; davon waren 848.000 Mohammedaner, 370.000 Juden, 106.000 Christen und 11.009 Sonstige. Ein Besuch des Oberkommandderenden Dill und Vieler hoher Offiziere^ vor der heiligen, Mauer wird an der hebräischen Presse * lebhaft besprochen. Viel .gesehen haben die Herren nicht, denn noch ist der Weg zu dieser heiligen Stätte für die Juden nicht freigegeben, oder, was das gleiche bedeutet, nicht genügend geschützt. Etwas weiter, in der Omar Moschee, hätten sie zu gleicher Zeit flammende Reden der Muftis hören können, die die Menge zum geschäftlichen Boykott der Juden aufforderten. Es macht guten Eindruck, daß der High Commissioner bei der Eröffnung des neuen Krankenhauses „Kupath Cholim" bei Petach Tikwah, das mit einem Aufwand yoa 40 000 Pfund errichtet wurde, persönlich dabei war und auch eine Ansprache hielt, in der er eine Beihilfe der englischen Regierung ankündigte. Bei einer Kundgebung am Mittwoch nachmittag in Tel Awiw für „Tozereth Haares" kam es zu einigen Zusammenstößen, die am Ende zu Verhaftungen von Dmonstranten führten. Die Verhafteten befinden •sich noch im Gefängnis zu Jaffa. Vor den Gerichten gehen nun die Nachspiele der Terrorakte vor sich. Das Kriegsgericht im Haifa und in Jerusalem hat am Montag wegen schwerer Angriffe auf englische Truppen vier Todesurteile gefällt. Der Richter bemerkte bei der Urteilsverkündung, daß Terroristen, die Angriffe auf englische Truppen unternahmen, weder auf Amnestie noch auf Begnadigung rechnen können. (Und die Mörder der 80 Juden?) In einer Versammlung jüdischer Kaufleute in Jerusalem wurde der Beschluß gefaßt, für Waren-Ver- und Ausladungen künftighin nur noch den Hafen "V 0 11 Tel -Awiw zu benutzen. Es soll dahin gearbeitet werden, daß demnächst auch die Landung von Einwanderern und Touristen in Tel Awiw ermöglicht wird. Inzwischen haben auch jüdische Einwanderer, die sich an Bord des Dampfers „Polonia" auf der Ueberfahrt nach Palästina befinden, an High Commissioner Sir Arthur Wauchope ein Telegramm gesandt, dn dem sie um die Erlaubnis bitten, in Tel Awiw an Land gehen zu dürfen. Demgegenüber haben die Bootsleute von Jaffa einen Proteststreik gegen das Bestehen eines Hafens in Tel Awiw angekündigt. Dem Nachbeben in Palästina fiel auch der arabische Polizeiinspektor Mahmud Hab bah zum Opfer, Er -Würde auf einer Fährt im Auto dn der Nähe van D^cn'eniri von einem Araber erschossen. Sein Chauffeur wurde schwer verwundet. Der zweite November wird von den Arabern als Träu er ig•£> geh'aitesii, da er der Jahrestag der Balfour«De kl a r ä t i ö n ist. Auch «Reises Jähr waren Viele arabisch© Häuster, besonders - in; kleine» ren Ortschaften, an diesem Tage schwarz beflaggt- Es fanden auch hie und da Trauerversammlungen auf politischem Hintergrunde statt. Auf eine der Vorstädte von Tel Awiw wurden am I. November von arabischen Terroristen mehrere Schüsse abgegeben, die zum Glück ihr Ziel verfehl ten. Vier arabische Wächter wurden verhaftet. Im Hafen zu Jaffa wurde ein arabischer Geheimpolizist, der eine Durchsuchung nach Waffen vornehmen sollte, von arabischen Arbeitern niedergestochen, Ein jüdischer Polizist, der dem arabischen Kollegen zu Hilfe kommen wollte, wurde schwer verwundet Arabische Zeitungen melden, daß Max N u r o k , der jüdische Stellvertreter des Chefsekretärs der Pa lästinaregierung, demnächst von seinem Posten zu rücktreten werde. Nurok befindet sich zur Zeit in London und ward, nach der arabischen Presse, bei der vielleicht der Wunsch der Vater des Gedankens ist, von seinem Urlaube nicht zurückkehren. Bei Lydda wird der größte Flughalen des nahen Ostens erbaut. Jerusalem, 28. Okt. Die Palästinaregierung begann mit dem Bau eines Flughafens bei Lydda, der der größte im Nahen Osten sein wird. Die Baukosten betragen 250.000 Pfund. Automatisch sich öffnende Hangars aus Stahl von solcher Größe, daß sie die größten Flugzeuge aufneh* men können, sollen errichtet werden. Ferner wird der Flughafen mit einer eigenen Funkstation, einem großen Hotel, Wohngebäuden für die Beamten und Arbeiter, Tennis= und Cricket-Spielplätzen sowie einem großen Schwimmbassin ausgestattet. Amerika. Die Judenfrage in Polen und die Regierung. — Erklärung des polnischen Gesandten in Washington, Washington, 30. Okt. Der polnische Gesandte in Washington, Graf Joseph Potocki, hat der ITA. erklärt, die Judenfrage in Polen sei brennend, die Politik der Regierung aber gehe dahin, antijüdischen Boykott und Ausschreitungen gegen Juden zu unterdrücken. „Schon die große Zahl der Juden," erklärte der Gesandte, „erfordert ernste Aufmerksamkeit und Regelung. Es besteht keine betonte Feindschaft gegen sie, wenn auch in manchen chauvinistischen Kreisen die Tendenz besteht, die Erlasse der Regierung nicht zu beachten." „Jüdisches Geschenk für alle Einwohner Palästinas, Araber und Juden". New York, 21. Okt. Die Jahreskonferenz der Frauenorganisation Hadassa in Philadelphia hat eine Entschließung gefaßt, in der die Errichtung des medizinischen Zentrums' auf dem Skopus-Berg als Symbol einer jüdischen Gabe für Palästina und alle seine Einwohner, Araber sowohl als Juden, gekennzeichnet wird. In der Resolution wird weiter erklärt, daß die Hadassa sich verpflich* tet, im Laufe eines Jahres 150.000 Dollar für dite Vollendung des medizinischen Zentrums, das gleichzeitig als Universitätsklinik dienen soll, aufzubringen. Die Jahreskonferenz bewilligte außerdem einen Betrag von 5000 Dollar, der Miß Szpld für die Arbeit der Jugendali ja und insbesondere für die berufliche Eingliederung jüdischer Jugendlicher in Palästina zur Verfügung gestellt werden soll. Weiter wurde beschlössen, eine Aktion einzuleiten, durch die die Pflanzung neuer Bäume an Stelle der während der Unruhen vernichteten 40.000 Bäume ermöglicht werden soll. Wochenkalender. Vom 7.—14. November 1936 / Vom 22.-29. Marcheschwan 5697 Samstag Sonntag Montag Dienstag Mittwoch Donnerstag Freitag Samstag Nov. 7 8 9 10 i 12 ii & 14 22 23 24 iwma [25 26 21 28 29 *|t Dinar nV n* •b A Tb ä KD .'frW ">yo n»»n jtsp TIM DV '„■■ ^W.. rinn pSTiao Neumönefs T)^V vormittags 9 Ubr 13 »/<. Mio. Personalien. Rabbi Jesaja Fürst, Oberrabbiner der Adas Jisroel, 80 Jahre alt. Wien, 27. Okt. Am 7. Cheschwan 5617 wurde Oberrabbiner Fürst in Maros Vasarhely geboren. Er entstammt einer hochberühmten, jüdischen Gelehrtenfamilie, in deren Stammbaum die berühmtesten Namen vorkommen, der hohe Rabbi Low in Prag, der Landesrabbiner Menachem Krochmal, Zemech Zedek, Josua Hersehl b. Jakob aus Krakau, Amram Chassida b Mosche, der vor mehr als 100 Jahren in. einer Abhandlung die halachischen Grundlagen der Besiedlung Palästinas erörtert; sein Vater war der berühmte Rabbi Moscheh Fürst ^"ST in Maros Vasarhely. Schon als Knabe zeigte Rabbi Jesaja glänzende Begabung. Nach dem frühzeitigen Tode seines Vaters kam er an die berühmte Rabbinerschule in Preßburg, die damals unter der Leitung des Rabbi Samuel Schreiber und nach dessen Tode unter der Leitung dessen Sohnes, Akiba, in höchster Blüte stand. ,Der junge Fürst zählte bald zu den hervorragendsten Schülern der Akademie und galt bald als hervorragender Talmudgelehrter, so daß er in ganz jungen Jahren zum Rabbiner der neugegründeten orthodoxen Gemeinde in Tyrnaü gewählt wurde. Nach mehreren Jahren wurde er auf den Rabbinatssitz in Eperjesz berufen. Im Jahre 1897 wurde er zum Nachfolger des Rabbi Salomon Spitzer ^"sf zum Oberrabbiner derjjSchiffschul gewählt. Unter seiner Leitung wuchs «las Ansehen dieser Gemeinde SO, daß sie heute zu den führenden ortho* doxen Gemeinden Europas zählt. Rabbi Jesaja Fürst ist eine anerkannte talmudische Autorität von bedeutendem Ruf, und aus allen Teilen der Erde wer* den Gutachten iii halachischen Fragen von ihm ver- Oberrabbiner Rabbi Jesaja Fürst langt. Er wurde zu wiederholten Malen schon aufgefordert, seine Entscheidungen zu sammeln und als wertvolle Bereicherung der Responsenliteratur zu veröffentlichen. Vor einigen Jahren hat er das Buch „Mareh Moscheh" herausgegeben, eine Sammlung halachischer Abhandlungen seines Vaters, Er ist von einem eisernen Fleiße und geizt mit jeder Minute, die er dem Studium widmen kann. Dieser gelehrte Mann ist von einem grundgütigen Wesen und einer wohlwollenden Leutseligkeit und Bescheidenheit. Er erfreut sich des allgemeinsten Ansehens und der weitestgehenden Verehrung. Sein Haus ist der Treffpunkt der talmudischen Gelehrten aller Welt und er wird in seiner Gastfreundschaft durch das liebenswürdige Wesen seiner Gemahlin tatkräftigst unterstützt. Rabbi Jesaja Fürst ist Mitglied des Großen Rabbinischeh Rates der Agudas JisroeI=Weltorganisation, Vorsitzender des Rabbinischen Rates der Agudas Jisroel in Oesterreich. Er wurde als Mitglied in die Kalenderreform-Kommission des Völkerbundes berufen. Er hält an dem Grundsatze kompromißlos fest, daß eine gedeihliche Entwicklung einer wahrhaft religiösen Gemeinde nur bei vollständiger Unabhängigkeit und Selbständigkeit möglich ist. Seine Ueberzeugungstreue und seine Frömmigkeit verbindet er mit einer Milde, daß er selbst bei Andersdenkenden nur Freunde und Verehrer hat. Von einer offiziellen Feier des Tages mußte, dem Wunsche des Jubilars entsprechend, Abstand genommen werden. NicbisdestÖweniger kamen ihm .aus allen Kreisen von Nah und Fern Beweisender Liebe .und! Verehrung" zu. AÄ Freitag Abend war. der Vorstand der Adas Jisroel (Schiffschul} bei dem verehrien Räw ^erwhaenen, lim dem* geliebten Führer Glückwünsche zu über* bringen. Im Verlaufe, der folgenden Tage Kamen urfgezählte Deputationen und BesucEe der verschiebe1-