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Der Israelit · 1936-11-05 · Heft 44 (5.11.1936) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 44 (5.11.1936)
Date
1936-11-05
Page
– (sequence 7)
Language
German
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5/ November .1936 De I s rsa* e I i-1 Nr. 44 Seite 7 dem heute; die Bildung' eines ■ toratreuen Milieus möglich ist, und in irgend einer Form leben dort die religiösen Gemeinden Deutschlands fort- Im Westen sehen wir nur Zerstreuung und Atomisierung der Kräfte, die bisher das religiöse Gemeindeleben Deutschlands getragen haben. Es ist bis'her : nicht gelungen, in Amerika oder Afrika irgend etwas zu schaffen, das den" orthodoxen Gemeinden Deutschlands an die Seite gestellt werden könnte. Die Schwierigkeiten sind dort riesengroß. Demgegenüber erscheint der pälästiiie';?sche reii^ ose Kibbuz als der geeignete Ansatzpunkt für eine toratreue Grüppenbildung} wenn nur unsere seelisch? und praktische Kraft nicht erlahmt. Wir wollen die uns anvertraute Jugend vor dem Schicksal der religiösen Atomisierung bewahren, soweit es in unserer Kraft liegt. Im Süden und Westen droht eine fürchtbare religiöse Zersplitterung und der Untergang und der Verlust dessen, was unsere Väter in jahrzehntelanger Arbeit an religiösen Werten in Deutschland geschaffen haben. Im Osten, in Erez Jisrael, glauben wir, daß es gelingen wird, unsere Jugend gesammelt zu erhalten. „Kibbuz" wird so zum Symbol gegen „Pirud", Sammlung und' Erhaltung der religiösen Kräfte in der religiösen Gemeinde gegen Zersplitterung und religiösen Untergang. Das Moment der Verantwortung für die uns anvertraute Jugend, die in den Bäte Chinuch, Jeschiwot k'tanot, in unserer Mittlerenhachsohara und an den Ausbildungsstätten. unseres Bundes für die weibliche Jugend lernt und arbeitet und wirklich in Freude lebt, in Frankfurt, Berlin, Fulda, Darmstadt und Hamburg — dieses Moment wurde ebenso wie das ersterwähnte der Anerkenntnis der ewigen Bedeutung von Erez Jisrael aus der Tora heraus und nur aus der Tora heraus, von allen iSeiten und von allen Chawerim an der Moeza, wenn auch mit kleinen Unterschieden der Betonung, anerkannt. Auch hier erkannte man einen grundlegenden Unterschied des Noar Agudati gegenüber anderen Chaluzbünden. Auf Erziehung kommt es uns an. Wir wollen nicht bei unseren eigenen Anhängern nur populär seiri;'v Wir verzichten auf Schlagworte und "billige Mittel der Gefühlswirkung unserer eigenen Jugend gegenüber. Wir scheuen uns nicht, das Schwere und das Wahre von unseren Mensehen zu'"verlangen, weil wir sie nicht von heute auf niorgen begeistern, sondern sie in jahrelanger Bemühung zur Klarheit und zur festen Ueberzeugung erziehen wollen. Vielleicht liegt darin mit der Grund, warum die Leitung des Noar Agudati die Schlagworte der meisten Chaluzbünde und: die Methode ihrer inneren Propaganda nicht übernommen hat. Wir hoffen, unsere Jungen und Mädchen auf ihrem Wege vor Enttäuschungen zu bewahren. So hat letzten Endes die Moeza des Noar Agudati praktische Ergebnisse größeren Umfanges nicht gezeitigt, wohl aber vermehrte Klarheit. Die Stellung Erez Jisrael gegenüber wurde erneut dargelegt* Die Verantwortung gegen unsere Jugend unddie Methode der wahrhaftigen Erziehung ist von allen Seiten erneut ausgesprochen worden. Nur in der Bedeutung des Kibbuz ergaben sich theoretische Differenzierungen. Die einen ersehen in den religiösen Kibbuzim .schon die geeigneten Mittel zur Geltendmachung der Tora in Erez Jisrael. Die anderen glauben eine solche Aenderung nur von einem großen und umfassenden charedischen Jischuw erwarten zu können. Deshalb sei eine erneute Aufklärungsarbeit über seine Bedeutung innerhalb der Orthodoxie notwendig. Von diesen Chawerim wurde aber der palästinensische Kibbuz angesehen als die heutige einzige Möglichkeit zur Schaffung eines neuen religiösen Milieus und der Erhaltung der. in den orthodoxen Gemeinden Deutschlands vorhandenen Werte. „Ehr waelu modim", daß die bestehenden religiösen Kibbuzim mit allen Mitteln gestärkt werden und daß neue religiöse Kibbuzim an ihre Seite treten müssen. Die* Arbeit des Noar Agudati muß mit der bisherigen Methode, jedoch verstärkter Intensität fortgesetzt werden. Die neue Bundesleitung besteht aus: Ch. B. Horowitz und Josef Vogel in Frankfurt, Jakob Posen in Berlin, sowie Dr. Kaiman Kahan in Fulda. Einführung in die jüdische Geschichte. Von Dr. Ph. Biberfeld. III. Das Zeitalter der Patriarchen. Das Zeitalter der Patriarchen ist durch die Ausgrabungen der letzten Jahrzehnte in ein helleres Licht gerückt worden. Viele Einzelheiten, die man, solange sie isoliert standen, nicht richtig einordnen konnte; lassen sich jetzt zu einem plastischen Gesamtbilde zusammenfassen. Wir sind dadurch in der Lage, den großen geschichtlichen Rahmen zu zeichnen, in welchen die Patriarchengesohichte fällt. Bemerkenswert ist, daß die moderne Wissenschaft, die sogar die Geschichtlichkeit der Personen der Patriarchen geleugnet hat, durch!'die Wucht der Tatsachen, mehr." und mehr: genötigt war; den Rückzug anzutreten '(vergl. Kittel § 26, Sellin S. 29ff.) Unter der Urbevölkerung Palästinas ragten insbesondere die. Chöri hervor;' LMese Bevölkerung hätte sich ursprünglich weiter über das Land ausgebreitet, 'so daß beispielsweise in" Aegypten des neuen Reiches" „Charu" die BeJ Zeichnung für die Bewohner Palästinas war. (Kittel S. 31.) Offenbar sind sie dann durch andere Völkerschaften immer mehr zurückgedrängt worden, so daß wir sie in der Thora auf das Gebiet Sei'r beschränkt finden, vön wo Esau sie endgültig, vertrieben v hat. (Vergl.: 5. B. - M. 2, -22.) Zur Urbevölkerung gehören sodann snoch; die t Refaim, die Susim (vielleicht^identisch, mit den Samsumim 5. B. M.; 2, 20). und Emim. Diese Völkerschaften: werden von den: babylonischen Königen geschlagen1. .[I; B. M. 14$r.&) -Sie waren in den Gebieten von Animon und Moab ansässig. Zur Zeit der Einwanderung■■•der Israeliten in das Land leben: sie nui noch fin der Erinnerung/fort (vergl. 5/B. Mi 2; l€tf£.)-Die; Awiwf welche die Philisterebene bewohnten, wurden von den Philistern vernichtet (5. B. M. 2, 23). Reste dieser Urbevölkerung von riesigem Wuchs waren die Anoquim, welche bei der Einwanderung Israels in das Land noch existierten (5. B. M. 9, 2). Die neu eindringenden Völkerschaften sind im wesentlichen die Amoriter und Kenaaniter. Wahrscheinlich sind erstere vom Norden und die Kenaanäer vom Süden in das Land gekommen. Bereits um das Jahr 2750 v. bestand ein großes Reich der Amuru im Libanongebiet, von wo sich diese nach dem Süden ausgebreitet haben. (Sellin S. 9.) Unter Amoriterland ('"löSn p-)K) wird in den ägyptischen Nachrichten und in :den Teil el Amarna-Briefeil' das Gebiet am Libanon, teilweise -äüoh' das südliche Syrien bis nach Palästina herein verstanden. (Kittel S: 49.) Es ist anzunehmen, daß der Kenaaniter später als der Amoriter eingewandert ist. Die Wendungen (J. B. M. 12,'6; 13, 7) 'JJund der Kenaani war damals im Lande" ,,und der Kenaan'i und der P'rfei wohnten damals im'1 Lande" lassen daräuf schließen, daß die Kenaaniter sich zur Zeit der Einwanderung Abrahams in das Land dort ausbreiteten. Hinzu kommen dann die mehr örtlich begrenzten Gruppen der Keni,,Knisi, Kadmoni, Gjirgoschi, Jebusi und, Hiwi. Zur gleichen Zeit dringen von Norden her die. Hetiter ein^jwelche dorthin großes Reich begründeten und auch,,in Palästina, festen Fuß fassen;; (vergl. ..Sellin S. 14; Kittel S. 69.) . ... . '■>: Als natürliche Veribindujng der beiden Weltteile, Asien und Afrika, war; Palästina, von jeher das Ziel der, Eroberungszüge der jQroßmäohte. Schon um das. Jahr 2750 y. ■ wird S$rgon I. von Akkad, gerühmt, daß,,er dasj Land ^jde3 Westens Ämuru, erobert und seine Bjldsäulerfdprt;rerrichtet habe. Später taucht Amurru ständig in den Königs- und Beamtentiteln Babyloniens auf. Naturgemäß geht damit eine kulturelle Beeinflussung Hand in Hand. Im zweiten Jahrtausend ist die babylonische Keilschrift in Palästina an den Stadtfürstenhöfen allgemein verbreitet (Sellin S. 13). Auch das im Hammurapi Kodex zusammengefaßte babylonische Recht findet wahrscheinlich Eingang. Noch begehrlicher streckt Aegypten die Hand nach Palästina aus. Die Pharaonen betrachten sich seit etwa 2000 v. als die Oberherren von Palästina. Die zunächst losen Beziehungen verdichten sich, nachdem die von Norden her eindringenden Hyksos Aegypten unter ihre Herrschaft gebracht hatten. Nach deren Vertreibung setzen Kriegszüge der ägyptischen Könige gegen Palästina ein mit dem Ziele, die Hyksos auszurotten. Tutmosis III. (1501—1447) hat dann in 17 Feldzügen die vollständige Unterwerfung Palästinas erreicht. Die Entscheidungsschlacht fand 1479 bei Megiddo statt. Ueber diese Feldzüge unterrichtet die Tempelinschrift von Karnak, die auch für 'die jüdische Geschichte von großer Bedeutung ist und uns weiterhin beschäftigen wird. Für ein Jahrhundert etwa blieb alsdann Palästina und Syrien ägyptische Provinz. In den Städten waren ägyptische Garnisonen. Es wurde regelmäßig Tribut nach Aegypten bezahlt. Doch die Pharaonen der Folgezeit konnten sich nicht mehr viel um das Land kümmern, so daß es ihnen allmählich entglitt. Ueber diese Periode sind wir durch die berühmten Teil el Amarna-Funde besonders gut unterrichtet. Im Jahre 1887 wurden in Teil. el Amarna (300 km südlich von Kairo) etwa 360 Tontafeln gefunden, welche zu den Archiven der Könige Ämenophis III. und Amenophis IV. gehörten (1410—1358). Es sind Keilschriftbriefe, welche vorwiegend an die Pharaonen gerichtet sind. Zu den Schreibern gehören auch die syrischen und palästinensischen Vasallen. Dadurch gewähren die Briefe einen Einblick in die damals in Palästina herrschenden Verhältnisse. Auf diese Briefe wird noch einzugehen sein. Aus all diesem ergibt sich ohne Weiteres, daß die Kultur des Landes eine Mischkultur war. In religiöser Hinsicht herrscht Vielgötterei. Neben dem Baalsdienst findet sich die Verehrung der Astarte, die mit dem babylonischen Istarkult wohl wesensgleich ist. (Kittel S. 179.) Daneben hat sich aber die Vorstellung eines höchsten G'ttes erhalten, welcher in einem Brief von Taanak als ,,Herr der Götter" bezeichnet wird. (Vergl. Kittel S. 171, Sellin ,S. 38). In der Thora findet sich diese Erscheinung bei Malkizedek, dem Priester des „höchsten G'ttes". (Vergl. I. B. M. 14, 18, S. R. Hirsch z. St.: „Somit war selbst unter den polytheistischen Völkern unverloren die Ahnung von dem allerhöchsten Gtt, G'tt der Götter, wie es die Weisen bezeichnen.") Auch die allgemeinen Lebensverhältnisse jener Zeit lassen sich einigermaßen übersehen. Die Bevölkerung lebte in verhältnismäßig geordneten politischen Zuständen ohne einheitliche Zentrallgewalt -unter einzelnen Dynasten. (Kittel S. 130.) Im wesentlichen hat wohl das Stadtkönigtum der Amarnazeit bereits zu Anfang dieser Epoche ,bestanden. Die Städte waren vielfach stark befestigt. Man darf sich freilich diese Städte nicht zu groß vorstellen., Der Umfang von Jericho z. B. hat ungefähr 600 m betragen. (Kittel S. 106.) Dementsprechend waren auch die Häuser sehr kleine Der Durchmesser war höchstens 4 m. (Kittel S. 133.) (Fortsetzung folgt.) 1 Briefkasten« * ' ' \ D'awtnn bv -Öer Ratschlag kam nicht von vm&\ son- - dem vom Board of Deputies in London, der am besten wissen muß, was'sich in dieser Situation für i'die. englische Judenheit-' geziemt.

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