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Der Israelit · 1936-11-05 · Heft 44 (5.11.1936) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 44 (5.11.1936)
Date
1936-11-05
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Nr. 44 D e r «ltSTr a e 1 l tr - 5. November 1936r weiter kommen. Heute, wo die Elternhäuser im Kampf um ihre materielle Grundlage sich aufreiben, ist die Schule noch viel unentbehrlicher und auch für die Jugendbewegung noch viel wichtiger. Jahrelange Arbeitsgemeinschaft ist allein in der Schule zu finden. Herr Rabb. Wolf hatte also zunächst über die große Rolle der Schule bei der Aufrichtung und Pflege echter, jüdischer Gemeinschaft sprechen müssen. An einer Stelle spricht er von der jüdischen Schule, aber negativ; ,,So wie Hirsch die jüdische Schule ursprünglich nicht als Schule mit jüdischem Beiwerk gedacht hat, sondern ganz und gar eigenen Aufbaus, so müssen auch die heutigen Institutionen jahrelanger Lebensgemeinschaft von Grund aus jüdisch sein." Hirsch hat die Schule ursprünglich nicht anders gesehen als später, auf jeden Fall niemals als Schule „mit jüdischem Beiwerk". Was der Verfasser des angezogenen Artikels über den Sinn der Gemeinschaft und über den Wert des Geistigen für den beruflich tätigen Menschen sagt, ist selbstverständlich und bedarf keiner Erwähnung mehr. Aber wichtiger ist heute, den Weg zu finden, der zu dieser neuen Gemeinschaft und zum neuen Juden führt. Genügt der Bund - dazu? Die Arbeit des fr. und es, soweit er sich mit 11—17Jährigen beschäftigt, ist heute problematischer als je. Sie ist in den verschiedenen Orten und Gruppen von ungleichem Wert. Der Mangel an Führern macht sich überall immer drückender bemerkbar. Der Bund ist nicht nur „auf Jüngere eingestellt", er besteht auch in der Hauptsache nur aus Jüngeren, die auch nicht entfernt die geistige und psychische Reife und Lebenserfahrung besitzen, um den Prozeß des Reifens übernehmen zu können. Tflö EH3n px D'TION rP2Ö "iöXy nx« Wenn der Verfasser beklagt, daß der zu fundierter Stellung Unfähige nicht etwa schweigt, sondern oberflächlich Stellung nimmt, so ist für diese Erscheinung niemand mehr verantwortlich, als die Jugendbewegung, und die jüdische Jugendbewegung ist aus Gründen, die hier nicht auseinandergesetzt werden müssen, nicht weniger, sondern mehr als die allgemeine dieser Gefahr ausgesetzt. Der Bund ist überdies durch ■di.®' Konkurrenz der anderen Bünde und durch; den-, Mangel an Bewegungs freiheit von innen und von außen, bedroht. Der Mangel an-.Führern und. der Mangel -an Bewegungsfreiheit wirken sich—+ und dieses Moment ist von dem (Verfasser merkwürdigerr weise ganz übersehen fv^Orden — geistig und see lisch um so bedenklicher aus, als durch die weitgehende Politisierung und durch die Hinwendung zu konkreten Aufgaben und zur Sachwelt die geistige Durchbildung nicht. zu ihrem Rechte kommen kann. . ' Ich bin von jeher Anhänger der Jugendbe wegung und des Bundes gewesen und auch heute noch. Was sie gefühlsmäßig für die Pflege der sogenannten Vitalitätswerte, soziologisch für die Bildung neuer Gemeinschaft und für die Betätigung sozialen Geistes, und endlich ideologisch für die Freimachung der Idee von Bindungen des Zwanges und starrer Gewohnheit geleistet haben, ist genug, um ihr auch beute noch Recht und Raum und Unterstützung zur Arbeit an und in unserer Jugend zu sichern. Wäs sie auch heute noch geben kann an Eigenwilligkeit, Freiwilligkeit und Opferwillig keit, an Unmittelbarkeit des gelebten Lebens und an Gemütswerten, wird von Eltern und Erziehern dankbar anerkannt werden. Aber um den in der Jugendbewegung — überhaupt und in unserer besonders — gegebenen Mängeln und Gefahren für eine geisterfüllte und disziplinierte Gemeinschaft entgegenzuwirken, erweist sich vor ihr als notwendig: eine feste Anlehnung an eine jüdische Schule, die ihr von der Völksschule und Mittelschule bis zur Jeschiwah ein Ziel, einen planmäßigen Weg, eine geschichtliche Begrün düng, eine gute und allgemeine geistige Fundierung und eine auf Lebenserfahrung und Lebensreife sich gründende' Vorstellung vom Ganzen dessen, was s i e sind und haben, und dessen, was sie sollen, vermitteln kann. Erst an solcher Jugend, die durch eine gute Schule hindurchge gangen ist, kann und wird die Jeschiwah als Krönung der Ausbildung ihre volkserzieherische Mission erfüllen: Reif machen fürs Leben. (Schluß folgt.) Die Moeza des Noar Agudati. Von Fredi Lustig. Vom 13. bis 15. Oktober 1936 fand in Frankfurt eine Beratung der leitenden Chawerim des Noar Agudati und des Esra P. A. J. statt, zu der fast aus allen Hachscharot des. Bundes und allen wichtigen Ortsgruppen Vertreter anwesend waren. Aufgabe der Moeza war es einmal, der Bundesleitung Gelegenheit zu geben, über ihre Arbeit einem größeren Kreis des Bundes Bericht und Rechenschaft abzulegen. Weiterhin hatte sich die Moeza zur Aufgabe gesetzt, die Grundlinie der Bundesarbeit für die nächste Zeit festzulegen. Vor allem galten die Beratungen einer erneuten Klarlegung der Art unserer Beziehungen zu Erez Jisrael und der genauen Umgrenzung der Ziele, die der Noar Agudati in Erez Jisrael erstrebt. Die Teilnehmer der Moeza nahmen auch Gelegenheit, einige Frankfurter rabbinische Persönlichkeiten zu besuchen und ihnen die Gedankengänge, die die Jugend bewegen/ darzulegen. Der Noar Agudati ist ein Bund von Chaluzim, jungen Menschen, die als Arbeiter in Erez Jisrael etwas für die jüdische Gesamtheit schaffen wollen. Es sollte nicht notwendig sein, die Stellung eines Chaluzimibundes zu Erez Jisrael zu betonen oder zu erwägen. Dennoch wurde von allen Teilnehmern der Moeza festgestellt, daß uns. Erez Jisrael nicht der letzte Wert .und demgemäß nicht der einzige Wert ist, nach dem sich unsere Arbeit ausrichtet; auch picht das jüdische Volk, nach dem das Land seinen Namen trägt, sondern die Tora ist der letzte Wertmesser. So.- weit Erez Jisrael einen Wert in der Tora besitzt, soweit gilt ihm unser Streben und die Art der Stellung des Landes" Im Gesambild, das die Tora uns gibt, bestimmt die Art unserer Arbeit für das Land. Erez Jisrael ist uns mehr als eine Mizwa unter den andern. Aber der Wert Keduschat Haarez, in dem ungefähr das zusammengefaßt ist, was wir an ewiger Bedeutung des Landes erkennen, ordnet sich trotz seiner alle anderen Mizwot beeinflussenden Größe ebenso wie der Wert jüdisches Volk ein in die noch ^höheren Werte: Tora und Noten Hatorah. Darüber waren sich sämtliche Teilnehmer der Moeza einig und man war sich klar, daß dieser wesentliche Gedankengang den Noar Agudati von den meisten anderen Ghaluzimbünden unterscheidet. Niemand kann 'künstlich ein Gefühl schaffen,, das er nicht im Herzen besitzt. Von Chiibat Haarez nur zu red en , ist nicht erstrebenswert>; Wir iyersuchen durch Lernen der vielfachen Aeußerungen über Erez;Jisrael mT,T'nach, Gemaf,a, und Rischonim uns ein immer iklareres jBild rvom Land der Tora zu erarbeiten und durch den Anblick des1 lebendigen, heutigen Erez Jisrael und die aufmerksame Teilnahme an allen palästinensischen Vorgängen in eine innere Beziehung zum Lande zu treten. Ein weiterer Punkt der Besprechungen war die Erwägung der Frage, inwieweit neben der überzeitlichen Bedeutung von Erez Jisrael nach der Tora heute Erez Israel eine Bedeutung besitzt für '-die Geltendmachung der Tora im jüdischen* Volke. Mehr als die orthodoxe Erwachsenenwelt empfindet die Jugend der Orthodoxie die Uriertfäglichkeit des Zustandes, daß so viele und einflußreiche Teile'der Judenheit die Verpflichtung^kräft der Töriä nicht-an erkennen. Derlähmende Einfluß jedes-Chilhil Haschern ist vielleicht der' Jugend am< Schmerzlichsten , spürbar, und die Erkenntnis döfcreligiösen Anarchie und. der fortgesetzten Uebertretuiig der Toragesetze in der jüdischen Welt als tmmittelbare Leugnimg;G'ttes wird .sicherlich jungen Menschen am deutlichsten. Es . kommt hinzu, daß die Beziehungen .zwischen Orthodoxie und Neologie in Erez Jisrael im Gegensatz zur Gola des europäischen Westens auf eine völlig neue. Grundlage-gestellt sind. Sie sind jedenfalls viel enger. Gemeinsame Interessen, das gemeinsame Schicksal, ein sich neubildendes unbestreitbar wertvolles Volksbe- 'wußtsein, schaffen Bindungen und Beeinflussungen nach beiden Seiten, die in der Gola unbekannt sind. Wird es in Erez Jisrael gelingen, die orthodoxe Insel zu erhalten? Gilt dort nicht das harte Entweder Oder: Entweder wird ganz Erez- Jisrael toratreu sein oder ganz tora-untreu? Viele werden sagen, daß es überspitzt sei, die religiöse Frage in Erez Jisrael auf diese einfache Formel zu bringen. Aber es ist gut, daß. der religiöse Ghaluzbund durch den verwirrenden Anblick der heutigen Entwicklungsstufe, hindurch die Linien, der Entwicklung izu erkennenver-; sucht. Die Moeza bemühte sich, sich bewußt zu werden, welche religiösen Gefahren einerseits und welche neue religiösen Aufgaben andererseits unsere Jungen und Mädchen im Lande Jisrael erwarten. An diesem Punkte teilten sich nun zum ersten Mal in entschiedener Weise die Meinungen zweier Gruppen von Chawerim bei der Moeza. Von der einen Seite wurde gesagt, daß der religiöse Kibbuz auch schon in der Form, wie er heute existiert, geeignet sei, eine große Wirkung im Lande hervorzurufen. Bei großer unverminderter Anstrengung unsererseits wird es gelingen, mit der wirtschaftlichen Stärkung der religiösen Kibbuzim ihre geistige und moralische Kraft und damit ihren Einfluß im Lande wesentlich zu erhöhen. Es muß betont werden, daß sich dieser Ansicht die überwiegende Zahl der Chawerim an der Moeza anschlössen. Von der anderen Seite wurde angenommen, daß den Juden in Erez Jisrael trotz .der religiösen Kibbuzim die Tora unbekannt bleibe. Es habe sich gezeigt, daß nur Menschen, die vollkommen in einem toratreuen Familienleben aufgewachsen und erzogen sind und die Tora kennen gelernt haben, auch bereit sind, ihre Gesetze zu beobachten. Es müssn deshalb neue Wege gefunden werden zur Bekanntmachung der jüdischen Welt mit dem wahren Wesen der Tora. Der Anblick der religiösen Menschen allein genügt erfahrungsgemäß nicht, um den der Tora Fernstehenden gewissermaßen die Innenseite der Thora mahezubringea. Hier wurde nun zurückgegriffen auf .die früher ausgesprochene Idee des .großen charedischen Jischuw. Man müßte die Tora darstellen und ■ sichtbar machen durch ein vollkommen toratreues, allseitiges Siedlungswerk. Ueber die nationale Seite der Tora führt heute in Erez Jisrael allein der Weg zur individuellen. Solange aber die Orthodoxie nicht erfüllt ist von dem Willen, den Chillul Haschern zu bekämpfen mit positiver und zeitgemäßer großer Siedlungsarbeit, die wiederum, nur getragen werden kann von r, einer Schicht geistig und zugleich praktisch.(iäs higert junger Menschen — solange die Qrthodoxie nicht erfüllt ist von der Erkenntnis der. Notwendigkeit des Jischuw charedi in, Erez Jisrael -— und solange, nicht, durch diese Erkenntnisse die ■ latenten praktischen, und geistigen -Kräfte <iet ( Orthodoxie erwacht sind — solange seien wir nioht berechtigt, zu glauben, daß unsere Kibbuzim in Erez Jisrael schon der rechte Weg sind, um einen wirklichen und spürbaren Einfluß für die Tora ,hervorzurufen. .', \ Wenn auch: nach; der zuletzt dargestelltenU\ Meinung der religiöse Kibbuz noch nidht als das-.( geeignete Mittel' angesehen wenden-kann, um. die j Anerkennung der Tora in Erez Jisrael durcJizu-t.: setzen, so ist doch der religiöse Kibbuiz in Erez- * Jisrael — besonders wenn die bestehenden Kib-j buzim, ohne in Abhängigkeit zu ^geraten von n zionistischen Fonds, durch ausreichenden -Besitz u' ah Boden wirtschaftliöh gesichert werden können;: vielleicht . der, einzige Punkt auf der Welt, ans

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