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Der Israelit · 1936-11-05 · Heft 44 (5.11.1936) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 44 (5.11.1936)
Date
1936-11-05
Page
– (sequence 5)
Language
German
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5. November 1936 U e t Israelit Nr. 44 Seite 5 den als- 2"T\V ]2 erkannte, der es sich zur Lebensaufgabe stellte, Menschen aufzuheitern, '.st der ns;j gewiß berufen, im py p für seine Gemeinde und Kol Jisroel Fürsprech zu sein. Fast ein halbes Jahrhundert hat er mit seiner gleichgesinnten Gattin n"5?' an deren Jahrzeitstag ihn ein ernstes Unwohlsein überfiel, das ihn leider nach wenigen Tagen uns entriß, ein vorbildliches Heim geführt und seine Kinder, Enkel und bereits Urenkel in seinem Sinne heranwachsen sehen. Leider war ihm nicht vergönnt, einen erwachsenen Sohn zu hinterlassen. Doch „wer n'Ti ehrt, der wird für seine Töchter tl"D fin den." So durfte auch er auf zwei Schwiegersöhne als rrn stolz sein, Raibb. Dr. Löwenthal ]mm?'"\" Berlin und Rabb. Dr. Selig Bamberger Hamburg, den Sohn des Sennheimer Raw *>"T, Enkel seines großen Rebben, dem Würzburger VST. Ks war ein besonderes Gnadengeschenk G'ttes, daß dieser kraftvolle, bei aller Güte und Milde auch zur Strenge fähige Kämpfer uns, seiner Kehilloh, seiner Familie, seinen Schülern, so lange erhalten blieb, bis er in einer unerwartet raschen Zeit von drei Tagen sanft und friedlich, np'WJ nfpa!' in das Reich des wahren Friedens einging. W7V nSTtt nipa> Wie ein treuer Hirte nicht vor seiner Herde hergeht, sondern besorgt ist, daß ihm auch vom Nachtrupp kein Schäfchen verloren geht, so möchte es fast erscheinen, als ob der treue Hirte seiner Gemeinde besorgt 'und ängstlich wachen wollte, bis die ältere Generation seiner Schüler fast vollzählig durch die Pforte des Todes — getreu bis zum letzten Tage — geschritten, dann erst -wollte er s e 1 b s t in das 'in tTp'HX 'TÖ ISWil ilT .schreiten. Hatte er ja auch das Glück, noch 11 Jahre des wohlverdienten Riuhestandes unter seinem Nachfolger Alles in seinem Sinne forterhalten zu sehen. In alle Welt zerstreut sind wohl heute seine Schüler, seine Verehrer, alle, die sich an seinen Worten jemals kräftigten. In allen Teilen des Reiches, unter der heißen Sonne des Südens, wo er so gerne Erholung und neue Schaffenskraft suchte, wo heute auch eine seiner Töchter mit ihrer Familie ein echt jüdisches Haus in seinem Geiste — in Mailand — aufschlug, in den jüdischen Zentren am Nijemen und der Düna, wo sein Name noch von vergangenen Zeiten her klingt, auf dem heiligen Boden unserer Väter, wo auch bereits Enkel und Urenkel versprechen, sein Erbe fortzuerhalten; alle wollen wir dieses Gedenken an sein segensreiches Leben zum Ansporn nehmen, in seinem Geist zu leben und auf unsere Umgebung einzuwirken. wbs ]V W13T A. Die Trauerfeier in der Synagoge und die Bestattung. In der hellerleuchteten und stimmungsvoll hergerichteten Synagoge Friedrichstraße füllte Freitag vormittag schon lange vor Beginn eine große Trauergemeinde den Männerraum, wie die Frauengalerie, die noch einmal eine Stunde mit ihrem Rabbi und Führer beisammen sein wollte.. Unter den auswärtigen Gästen sah man sämtliche orthodoxe und gesetzestreue Rabbiner aus Frankfurt, wie der preußischen Umgebungen, Gemeindevorstände, ebenso Delegationen vieler religiöser Körperschaften, so des 0 r t h odoxen Rabbiner verband es, der Frankfurter Jeschiwah, der Freien Vereinigung u. v. a. Es wurden hier nur zwei Reden gehalten und das tbr durch den Kantor der Gemeinde gesungen, und gerade durch diese Beschränkung erhielt die Trauerfeier eine stilgerechte Geschlossenheit, die großen Eindruck hinterließ. Herr Rabbiner Dr. Ansbacher, der Nachfolger eds Heimgegangenen, fand überaus warme Töne der Klage und Verehrung für den älteren Freund und Kollegen. Er zeichnete in prägnanten Worten kurz die Geschichte der Gemeinde, mit der die Persönlichkeit des heimgegangenen Rabbi eng verknüpft war, sein Wirken, seine große Beliebtheit in allen Kreisen, seinen goldenen liebenswürdigen Humor, und 'dabei seine Unentwegtheit, seinen Feuereifer, wenn es galt, das Thoralernen zu verbreiten und die heiligen Vermächtnisse, die er von seinen großen Lehrern übernommen, zu hüten und zu mehren. Er war, sagte der Redner, ein -|Va->atl» Vater der Gemeinde, wenn auch souverän in seinem Wirken und Utax ~iv Vws/. die Waffe, mit der er kämpfte, war die Kraft der Rede, die energische Mahnung und die gütliche Zurede, das Wirken von Mann zu Mann und von Mund zu Mund. Mit einem Gelöbnis, das heilige Erbe des nun Heimgegangenen weiter in allen Teilen zu wahren, schloß der Redner die Gedenkrede. Ihm schloß sich dann mit ergreifenden Dankes= Worten für die Gemeinde ihr erster Vorsitzender, Herr Sauitätsrat Dr. Kornblum, an. Die schlichten herzlichen Worte offenbarten die tiefe Verbundenheit Rabbiner Dr. Kahns mit seiner Gemeinde und mit jedem Mitglied derselben. Nun bewegte sich der Zug durch die Straßen nach dem Friedhof. Dort brachten noch mehrere Redner den Verlust der gesamten Orthodoxie wirkungsvoll zum Ausdruck. Herr Rabbiner Josef H o r o v i t z , Frankfurt a. M., sprach im Namen der Israelitischen Religionsgesellschaft Frankfurt a. M. und des Orthodoxen Rabbinerverbandes, dessen langjähriges Vorstandsmitglied und Ehrenvorsitzender Rabbiner Dr. Kahn war, Rabb. Dr. Jacob H o r o v i t z. für das Berliner Rabbinerseminar, aus dem er hervorging, Rabb. Dr. Leo C a h n, Fulda, als der Sohn eines seiner treuesten Freunde und Mitarbeiter, Rechtsanwalt Dr. Paul Sulzberger, Berlin, dankte dem väterlichen Freund im Namen der Schüler mit bewegten Worten. Ein Enkel, Dr. E. Löwenthal, würdigte den Großvater durch Wiedergabe eines von ihm stammenden Thorawortes, Dr. Schlesinger, Mainz, sprach die Teilnahme der Nachbargemeinde aus, gleichzeitig im Namen des verreisten Rabbiner Dr. Bambergers, Justizrat Marxheimer zeigte, welche Achtung der würdige Greis auch in Kreisen der Israelitischen Kultusgemeinde und der gesamten Judenheit Wies* badens genoß. Die Reihe de^'Redner beschloß Herr E. Tiefenbrunner für /die Talmud-Thora-Vereinigung. Bei vorgerückter Mittagsstunde gelangte man ans Grab, wo man zur Kopfseite eine Sefer Tauroh untergebracht hatte. Zum p*ix wurde ein Teil seines Betpultes, den er seit Erbauung der Synagoge — 54 Jahre lang — benützte, verwendet. Die jüdische Schule wie sie nicht ist, und wie sie ist. Von Dir. Dr. Elias in Frankfurt a. M. II. Eine andere, aber nicht minder bedenkliche Stellungnahme zum Problem der jüdischen Schule offenbart sich in dem schlecht verhüllten Bestreben, die jüdische Schule totzuschweigen, oder zum mindesten zu bagatellisieren. Daß diese Tendenz Hand in Hand mit einer sehr liebenswerten Begeisterung für das Lernen erscheint, macht sie nicht weniger bedenklich. Wenn z. B. vor einigen Wochen im „Israelit" über „aktuelle Erziehungsfragen" gesprochen wurde, und mit Recht gewarnt wurde vor einer falschen, nicht jüdischen und nicht ethischen Gemeinschafts¬ und Berufsauffassung, die unserer Jugend droht, so suchte ich in dem ganzen Artikel vergebens einen Hinweis auf die große Bedeutung, die der jüdischen Schule vor Haus und Jugendbewegung in der Erziehung zu jüdischer Gemeinschaft und Berufsarbeit zukommt. Noch nicht einmal neben der Jugendbewegung erscheint sie. In ganz ungerechtfertigter Ueberschätzung des Bundes wird erklärt: „Die Sorge um sie hat immer noch vornehmlich der Bund, der die Jugend vom elften Lebensjahre an erfaßt", ja sogar: „der Bund hat den Prozeß des Reifens selber zu beeinflussen." Dabei haben schon vor Jahren die Führer der damals innerlich viel stärkeren Jugendbewegung nachdrücklich betont, daß sie ohne die Mitwirkung der Häuser und der Schule nicht Sein fp> das große Lebensziel aber, eine schöne starke, auf gesunder jüdischer Grundlage aufgebaute Kehillo zu schaffen, hat er erreichen dürien. Auch Sein Heimgang erfolgte, wie der von König David an einem Schabbos, symbolhaft für sein Wirken, das ein in sich gefestigtes Ganzes darstellt und das leuchtende Zeugnis ablegt für selbstloses "Wirken, bmtv bbs nait& H. A. C. Schriftdeutungen zu mtf "fr Mitgeteilt von S. Speier. Kap. 23. V. 2. jsua p«a pian sin wix n'npa niv nam -nnaa^i m»1? isoV ornas Ka'i „Da starb Sara in Kirjat Arba, das ist Chewron im Lande Kenaan, und Awraham kam, um um Sara zu klagen und sie zu beweinen." Nach Ansicht der Weisen deutet der Name Kirjat Arba auf die vier Paare der Stammeltern, Stammväter und -Mütter hin, die in dieser Stadt begraben sind. Eine andere Erklärung findet in diesem Namen einen Hinweis, auf die vier dort weilenden Riesen Achiman, Scheschai Talmai und ihren Vater. Weitere Deutung: Aus Jehoschua 14, 15 -sin D,>pjs?3 ^nan dikh »ans ir-ip a->sz>b p-ian owi ist zu ersehen, daß Arba der Name des größten Mensehen unter den Riesen war. Wie weiterhin aus Jehoschua 15, 13—14 hervorgeht, trug der Sohn Arbas den Namen Anak, der der Vater von Scheschai, Achiman und Talmai war, In Arba dürfte wohl der Erbauer der Stadt zu erkennen sein, die nach ihm den Namen Kirjat Arba, Stadt des Arba, führte. * * * nnaaVi ntvb nsoV Die Klage geht im allgemeinen dem Weinen voran. -&onb nvapi ca* nvbv Drei Tage beweint man den Toten, dann beklagt man ihn während sieben Tage, lehren die Weisen (Moed Katan 27b). Es wäre folglich rrutfn Trwb T\MJ.i zu erwarten. Vielleicht liegt der Reihenfolge nnnbi mvb isob folgender Gedanke zugrunde: Das Vergießen von Tränen ist eine Linderung des Schmerzes, da man sich infolge des Weinens beruhigt. Nicht alle Menschen können Tränen vergießen. Und am meisten leidet der Mensch, der nicht zu weinen vermag. Im ersten Augenblick war Awraham in solch großem Maße vom Schmerze ergriffen, daß er nicht weinen konnte und seinem Gefühl in lauter Wehklage Ausdruck gibt: isüb- Nach und nach erholt er sich, er weint. Auch dann aber vergießt Awraham nur wenige Tränen; darauf dürfte das klein geschriebene 3 in nmaaVi hinweisen. Awraham ist weiterhin untröstlich über den Tod seiner Gattin. Kap. 23. V. 4. naa? -op nms ->b un Dan? 'am awim -ii .'aaVa 'na rr-npw „Fremd und Einwohner bin ich bei euch, gewähret mir ein Grabeigentum bei euch, damit ich meinen Toten ,der vor mir liegt, begrabe." Es ist nicht anzunehmen, daß die Söhne Chets einer Fremden das Begräbnis verweigert hätten. Wenn es trotzdem der nachdrücklichen Bitte eines Awraham bedurfte, am eine Grabstätte für Sara ZU erhalten, so ist dies :n folgender Weise zu erklären: Jeder Einheimische der Stadt Efrons bestattete seine Angehörigen in dem Familiengrab, in welchem seine Vorfahren ruhten. Für die Fremden hatte die Stadtverwaltung einen besonderen Begräbnisplatz angelegt. Awraham, ein "~t3,i aus einem anderen Lande stammend, möchte seine Gattin nicht auf dem allgemeinen „Fremdenfriedhof" bestatten. Da er beabsichtigt, sich nun in der Stadt Efrons ansässig ,zu machen, bittet er die Söhne Chets, man möge ihm eine Familiengrabstätte überlassen. naay stran *u- Ein Fremder, aber nun ein Ansässiger, bin ich bei euch. * * * Kap. 23. V. 6. maaa uawa nns wpbx wvi ">i~ik nym •*ma -iap>a naa r\bo- &b via? ns uaa Cr ina m nap imap „Höre uns an, mein Herr! Ein Fürst G'ttes bist du in unserer Mitte. In dem erlesensten unserer Gräber begrabe deinen Toten; niemand von uns wird sein Grab dir versagen, deinen Toten zu begraben." Wir können hieraus entnehmen, in welch hohem Ansehen Awraham bei seinen Zeitgenossen stand. Dem Fremd ling wird von den Söhnen Chets der Ehrentitel N'B* a^bx gegeben. Ebenso bezeichnet ihn der Stadtvate- Efron mit *mx (V. 11). Die dem Awraham zuge sicherte Verheißung "law tfmm "p-iaxi. „Ich werde dich segnen und deinen Namen groß werden lassen." (Bereschit 12, 2) hat sich verwirklicht. * * * Kap. 23. V. 19. mva b& lnsw m amas lap p 'ins .•[»la psa plan sin siaa by n^aaan „Danach begrub Awraham seine Frau Sara in dir Höhle des Feldes der Machpelah vor Mamre, das ist Chewron; im Lande Kenaan." Die Worte ]v3a werden durch das trennende Akzentzeichen NnmnK unter ptan hervorgehoben: In Erez Kenaan ruht Stammutter Sara.

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