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Der Israelit · 1936-10-29 · Heft 43 (29.10.1936) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 43 (29.10.1936)
Date
1936-10-29
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
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Seite 10 Nr. 43 Der Israelit 29. Oktober 1936 Eine stumme Demonstration gegen Verletzung der Sabbatruhe. — Gebete an der Heiligen Mauer verboten. Jerusalem, 23, Okt. Die ITA. berichtet: Mitglieder des Verbandes „Schomre Schabbat" haben vor einem Cafehaus in dem Jerusalemer jüdischen Stadtviertel R e c h a w i a, das am Samstag offen hält, eine stille Demonstration veranstaltet. Ein langer Zug von Rabbinern, Akademikern und Studenten, an ihrer Spitze Rabbi Teitelbaum, Rabbi Spector, Dr. S chleainger, Dr. I. Breuer und andere führende Persönlichkeiten, zog dreimal stumm an dem Cafehaus vorüber. Beim dritten Vorbeimarsch wurden die Demonstranten von einer Polizistenkette aufgehalten, die sie aufforderte, sich zu zerstreuen. Der Aufforderung wurde in voller Ruhe Folge geleistet. Am Roschchodesch Cheschwan begaben sich einige Juden aus der Chorba=Synagoge zur Westmauer, um dort gemeinsam das Mussaf-Gebet zu verrichten. Es wurde ihnen jedoch, als sie auf dem Platz vor der Mauer eintrafen, von zwei arabischen Polizisten mitgeteilt, daß das Beten an der Klagemauer verboten sei. Tags zuvor hatte ein einzelner Jude sein Gebet an der Westmauer verrichten wollen. Er -wurde von Arabern m i t Steinen beworfen. Auf seine Hilferufe erschien ein englischer Polizist, der ihn bis in das iüdische Viertel begleitete. Die arabischen Angreifer konnten entkommen. Nach diesen beiden Vorfällen wurden die Wachen in der Umgebung der Westmauer verstärkt. Personalien. Trauerfeiern für Rabbiner Dr. Ephraim Carlebach s, A. Leipzig, 20. Okt. Die Weihe der Jomim Nauroim herrschte im ' Räume der Ez-Chajim-Synagogengemeinde unserer Stadt, als sich am Sonntage 's die Gemeinde in großer Zahl versammelte, den heim gegangenen Leipziger Raw, Dr. Ephraim Carlebach ^"XT, zu ehren. Nach dem ergreifenden T? 'mai sprach Herr Gemeinderabbiner Dr. Ochs Worte der Klage über den schweren Schlag, den die Gemeinde durch den Heimgang ihres langjährigen Rabbiners -erlitten hat. Wenn er auch seit einiger Zeit außerhalb unserer Kehiloh weilte, war er doch so mit ihr verbunden, daß alle das unsagbare Gefühl ergriff, seiner Nähe plötzlich beraubt zu sein; denn die Kehiloh trug und trägt die Zeichen seiner Persönlichkeit, die Zeugnisse eines dreieinhalb Jahrzehnte dauernden Wirkens, Stätten zur G'ttesverehrung und das Werk der Schule für jüdische Lehre und Bildung der Umwelt, Stätten der Wohlfahrt und Menschenliebe. Aber noch mehr, in den Herzen aller, geeint in der Wertschätzung dieses . Mannes, die Begeisterung für jüdische Lebensgestaltung und wahres Menschentum, die er vorgelebt als Raw. Das Amt war ihm nicht Beruf, sondern innerste Berufung. Erhöht wird unser Schmerz durch die Tragik, daß ihm auch im heiligen Lande nicht die Ruhe beschieden war, nach der er sich sehnte. Aber seine Seele hat das Land gesucht, und er hat zu ihm heimgefunden wie so viele Große unseres Volkes. Nun fehlt auch dort die Kraft seiner Tat und seines Wortes. Redner schloß mit dem Gelöbnis, dem langjährigen Führer der Gemeinde die Treue zu wahren, seinen Geist und sein Werk rein, unverfälscht bis ins Kleinste weiterzuführen und denen zu überliefern, die nach uns kommen. Nach Psalmgesängen ergriff Herr Rabbiner Dr. D. Carlebach, Köln, das Wort. Seine Klage galt vor allem dem Menschen Ephraim Carlebach, und in die Bangigkeit der Herzen aller, die den heiligen Raum füllten, strahlte das Bild des Verklärten, als in schmerzerfüllter Rede aufgezeigt wurde, welche Eigenschaften Ephraim Carlebach vor allem auszeichneten. Auch hier klang das Gedenken aus in eine wehmutvolle Mahnung an die Gemeinde, ihren Raw immer unter sich zu wissen, so, wie er jetzt wohl vor dem Thron des Allmächtigen stehend Rechenschaft ablegt für sein Werk 'und den Segen erbittet für seine von ihm bis zum letzten Atemzuge geliebte Gemeinde. Das "Tök -Gebet vor geöffneter Thoralade beschloß die feierliche Gedenkstunde. hn. * * . * Ueber eine Gedenkfeier der jüdischen Schulen wird uns ferner berichtet: Am Donnerstag, den 15. Oktober, fanden sich Schüler, Lehrer, Elternschaft und ein Kreis geladener Gäste zu einer Gedenkfeier für Dr, Carlebach s. A. in der Aula unserer Schule zusammen. Es sollte eine Kundgebung sein mit dem Grundgedanken, den Heimgegangenen als Gründer, Lehrer und Leiter des Schulwerkes zu ehren. Die Stätte, an der er gewirkt, an der er so viel der Mühe und der Sorge um sein Werk erlebt hatte, sollte Zeuge sein für all die Ehre und Verehrung, die ihm in letzter Stunde gezollt wurde. Den künstlerischen Rahmen für die Feier gaben die von religiöser Wehmut durchfluteten Gesänge und Chöre. In sinnvoller Weise brachte der vom Gesang- und Musiklehrer der Schule, Herrn Paul Niederland, mit straffer Disziplin geleitete Synagogen-Chor den Lewandowski'schen Haben jakir Ii Ephraim ergreifend zum Vortrag, in seiner künstlerischen Wirkung noch verstärkt durch das mit pakkender Stimmgewalt gesungene Solo des Herrn Ober: kantor W i 1 k o m i r s k i. Nun betrat Direktor Dr. Weikersheimer das Podium, um seinen verewigten Vorgänger Dr. Carlebach, den Gründer und Erhalter, den Leiter, Lehrer und Freund der Schule zu würdigen. Sein Schulwerk, dem er ja seine besten Kräfte gewidmet, hat er im wahren Geiste des alten traditionellen Judentums erstehen lassen, er hat es aufgefaßt als «ine Institution, in der religiöses Wissen und allgemeine Bildung in harmonischer Einigung sich finden sollen. Den Schülern, denen er in inniger Liebs zugetan war, obliegt die heilige Pflicht, dieses Erbe, das Erbe ihres Lehrers, auch in religiöser Reinheit zu erhalten, uns allen aber, die wir mitbestimmen am geistigen Schicksal der Schule, wird es eine Selbstverständlichkeit bleiben, in diesem Geiste an der Schule weiterzubauen. In seiner persönlichen Struktur, was er als Mensch, als Gestalter, als künstlerisch Schaffender war, schilderte Prof. Dr. Menzel in bewegter, formvollendeter Rede. Er war eine Persönlichkeit, das war der Tenor dessen, was er zu sagen hatte, «ine Persönlichkeit, die unvergeßlich bleiben wird, Herr Jaffe sprach für die Volksschule; auch ihr hat das Wirken Carlebachs gegolten, auch ihr Gedeihen war ihm am Herzen gelegen. In ihr erkannte er eine unentbehr= Jiche Grundlage jüdischer Jugenderziehung. Im Namen der Vereinigung der Direktoren der höheren jüdischen Schulen in Deutschland ergriff als letzter Redner Direktor Dr. Elias, Frankfurt, ein ehemaliger Lehrer unserer Schule, das Wort zu einem Nachruf, der eine warme persönliche Note trug. Er schilderte den allzufrüh Dahingegangenen in seinen Kämpfen mit den Ideen und Menschen, die seinem werdenden Werke sich entgegenstellten. Er zeichnete in bewegten Linien den ruhelosen Kämpfer, den ein tragisches Schicksal fern von seiner einstigen Wirkungsstätte, von der Bühne des Lebens so jäh abgerufen. Die Feier klang in den erschütternden Versen des aus, von Herrn Oberkantor W ilkomirski angestimmt, und verhallte in den ernsten, wehmutsvollen Tönen des Ado-schem mo odom, dessen ans Herz greifende Wirkung Herr Paul Niederland durch seinen Solovortrag künstlerisch vertiefte. Es war eine Feier, die in ihrer ernsten Schlichtheit und in ihrer akademisch=künstlerischen Grundhaltung den Hauch einer Lebenstragik erfühlen ließ, die sich vor unseren Augen vollzogen hat. Prof. Dr. Levi. Köln, 25. Okt. Die Synagogengemeinde Adaß Jeschurun hatte am 17. H>i^n durch den Heimgang von Frau Rebekka Weißberg den Verlust einer herrlichen jüdischen Frauengestalt zu beklagen. Frau Weißberg entstammte gleichwie ihr Gatte, mit welchem sie in dreißigjähriger überaus glücklicher Ehe lebte, einer normo nnsvn- Sie war die Tochter von Henich Gewürz, welcher jahrzehntelang in Frankfurt a. M .seinen Wohnsitz hatte und sich Tag und Nacht mit min beschäftigte. Diesem Erbadel blieb s;e stets in Gesinnung und Tat treu. Dazu bot sich ihr eine umfassende Gelegenheit, indem sie nicht nur Gatten- und Mutterpflichten erfüllte, sondern auch von früh bis spät ihrem Lebensgefährten in seinem Geschäfte hilfreich zur Seite stand. Auf beiden wichtigen Gebieten, im Hause und im Getriebe des geschäftlichen Lebens, bewährte sie die gleiche Feinheit und edle Seelenruhe. Ihre Kinder erzog sie im Verein mit ihrem gleichgesinnten Gatten zu guten Menschen und Juden und lebte ihnen den Geist des Judentums mit der Güte einer liebevollen Mutter vor. Ein schönes Zeugnis ihrer vortrefflichen Erziehung ist die uneigennützige Ausübung der heiligen Mizwath Mila seitens ihres jüngsten Sohnes. Die Art, in weieher sie ihr Geschäft führte, war ein fortgesetztes üpn Em1!?- Gelassen und zuvorkommend verharrte sie bei jedem Kunden, selbst im Gewoge der Arbeit, die ihr die Saison auflud. Wer sie persönlich kannte, empfand unwillkürlich die Einheitlichkeit der Würde, die sie daheim und im Geschäfte auszeichnete. Dazu kam die Weihe, die sie ihrer Tätigkeit durch ihre seltengeartete Ehrlichkeit verlieh. Der Rat, den sie dem Kunden gab, war in erster Reihe seinem Interesse gewidmet; niemals pries sie eine Ware an, wenn dieselbe das Lob nicht in vollem Maße verdiente; lieber hätte sie selbst Schaden gelitten. Diese Genauigkeit in der Pflichterfüllung beobachtete sie auch iii ihrer Häuslichkeit. Die Heimgegangene erlebte noch die Freude, ihre beiden Töchter mit ebenbürtigen, frommen Männern vermählt zu wissen und aus. beiden Häusern Enkelkinder als Hoffnung der Zukunft aufblühen zu sehen. Der Rabbiner der Synagogengemeinde Adaß Jeschurun, Herr Dr. Carlebach, schilderte bei ihrer Bestattung in treffenden Worten die hervorragenden Eigenschaften der Heimgegangenen. Ihr maT wird ihrem Gatten, ihren Kindern und Enkeln zuteil werden. n"3S3n Fürth, 26. Okt. Am pwn 'a verschied im gesegneten Alter von über 86 Jahren Moritz Peiser, der vor ca. 15 Jahren seinen Wohnsitz von Koschmin (Prov. Posen) hierher, wo Sohn und Tochter ihre Häuser begründet hatten, verlegte. Unsere nVnj? betrauert den Heimgang eine® frommen Mannes, der e:s so meisterhaft versteht, trotz bescheidenster und aller Aufdringlichkeit abholden Lebensführung, Menschen heranzuziehen und sie für mia»l fnin zu gewinnen. In seiner alten Heimat, wo er zu Füßen der Thorakundigen seiner Zeit aufwuchs und in' der es ihm bald v ergönnt war, als hochangesehener Bürger seiner Vaterstadt und Vorsteher der jüdischen Gemeinde viel Segen zu stiften, wußte er Menschen in liebevollster Zuneigung an' sein Haus zu fesseln. In seiner neuen Wahlheimat, wo man ihm, der für jedermann ein freundliches Wort ' bereit hatte, dem nieein Wort der Bösrede über die Lippen kam, nicht nur schätzte und achtete, sondern geradezu liebgewann, hatte sich der Heimgegangene rasch einen großen Freundeskreis erobert. Nichts konnte ihn noch bis in sein hohes Alter hinein daran hindern, täglich in der Synagoge des Waisenhauses', wo er im Kreise Gleichgesinnter seinen <i^sn Dip» aufgeschlagen hatte, zu den o->»-dw» und den b^ism zu gehören. Mit äußerster Pflichttreue und minutiöser Genauigkeit war er bestrebt, rniXB' wo sie sich ihm darboten, nachzukommen. Charakteristisch war es z. B., wie er darauf bedacht war, jedes Zeitungsblatt, auf dem sich ein »Tip db? befand, der nr»:a zuzuführen. Unablässige und emsige Beschäftigung mit dem G'ttesworte bis ins höchste Alter hinein, nnd sei es sogar mit Hilfe der Lupe, füllte seine Zeit aus. In liebendster Fürsorge und nach wohldurchdachtem Plane erzog er seine Kinder in Gemeinschaft mit seiner ebenbürtigen Gattin, die selbst eine Dan v»^>n na ist, nicht nur für ihren künftigen Broterwerb, sondern führte sie, wobei ihm kein Opfer zu groß erschien, der Tauroh zu. Er durfte allerdings auch den Lohn seiner Mühen sehen und in den Häusern seiner Kinder — sein Sohn ist nicht nur geschätzt als tüchtiger Arzt, sondern nimmt auch tätigsten Anteil an der Führung und dem Geschick unserer Kehilo — all das in schönster Blüte wiederzufinden, was er und seine mit ihm in über 54 Jahren glücklicher Ehe verbundene Gattin gepflanzt hatten. Aber auch Kummer blieb ihm nicht erspart: der Weltkrieg hat auch ihm einen hoffnungsvollen Sohn in der Blüte der Jahre entrissen. In solcher Situation bewährte sich an ihm das Tinea» von dem er stets erfüllt war. Im Anschluß an die Beisetzung hielt Herr Rabbiner Dr. Breslauer im Trauerhause einen ison» in dem er den zahlreich Anwesenden noch einmal die hervorragenden niTö des Verstorbenen vor Augen führte. Auch die Herren Stud.-Rat M. Münk, Frankfurt a. M. und Leo Münk, Köln, ergriffen in zu Herzen gehenden Ansprachen als Anverwandte das Wort, rrasan. Fulda, 20. Okt. Nach schwerem Krankenlager wurde Frau Therese Linz dem Kreise ihrer Lieben und der sie hochschätzenden Gemeinde mit kaum 59 Jahren entrissen. Einer Zwerggemeinde in Thüringen entstammend, gelang es ihr in jahrzehntelanger Arbeit, sich und ihre Familie mit festem Willen zur Gestaltung eines echt jüdischen Lebens orthodoxer Prägung hinaufzuführen. In aller Stille übte sie unter großer persönlicher Opferbereitschaft "ton ntb^üi und leitete die Erziehung ihrer Kinder zu min und msa mit begeisterter Hingabe. In einem tiefgefühlten ison hob Herr Prov.=Rabb. Dr. L. C a h n ihr vorbildlich jüdisches Wirken in der Gemeinde hervor. In ergreifenden Worten zeichnete ihr Sohn, Max Linz, Lehrer in Burgpreppach, ihr Lebensbild als das einer wahrhaften npix, welche in der Vervollkommnung ihr größtes Glück empfand. Das Andenken der Hinterbliebenen wird uns zum Segen gereichen, rraxin- Briefkasten. L. P, 109. 1. nms und yawn kann auch den Sinn haben: „Du Öffnest", „Du sättigst". — 2. 'n ist ffi?» D'aia durch die Wunder, die er täglich vollführt. K. L. in B. Nachrufe müssen kurz gehalten sein.. Uebertreibungen dienen nicht dem nnn Yiaa- Wenig geschmackvoll finden wir eä, schlicht frommen Leuten alle Eigenschaften der Erzväter wie von Mosche und Ahron anzudichten. | K; K, in F. Der Geburtstag ist am 8. Dezember, der Barmizwohtag wi 'S Aap. , i Dr. M. L. B. Wir konnten den Todestag leider nicht genau feststellen. Gruß.

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