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Der Israelit · 1936-10-29 · Heft 43 (29.10.1936) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 43 (29.10.1936)
Date
1936-10-29
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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29. Oktober 1936 Der Israelit Nr. 43 Seite 9 legt ist, wind 'die Lage dieser Menschern, je länger der Krieg dauert, immer gefährdeter. Wenn-sich auch einzeln© zusammengetan .haben, um ihren Etat zu senken, wenn man auch einander hilft, so gut man kann, wenn es auch schließlich einem Mittellosen gelingt, ein Dach über dem Kopf zu finden, wovon soll er sein Leben fristen, wenn .die. Freunde endlich auch nichts mehr besitzen .werden? Alle diejenigen aber, die in Spanien ein größeres oder kleineres Vermögen haben, sind auch nicht viel besser dran Eine Auswanderung kommt kaum in Frage, denn die Summen, welche man mit herausnehmen darf, sind verschwindend gering. Der Wert der Peseta ist lim etwa 50 Proz. gegenüber dem vor Beginn des Bür gerkrieges gesunken, Fahrkarten sind nur bis zur Grenzstation erhältlich. Die zur Ausfuhr ins Ausland bewilligten Beträge — von ,1000 Pesetas ist die zu lässige Summe jüngst auf 400 Pesetas herabgesetzt worden — reichen gerade, um sich mit dem notwendigsten Gepäck unter Zurücklassung der Möbel usw nach einem nicht allzu entfernten Ort im nichtspanischen Ausland zu begeben. Was soll man alsdann ohne Geld in einem fremden Lande beginnen, dessen Sprache man oft nicht beherrscht, dessen Mentalität man nicht kennt? Wie soll man durchhalten, bis man sich selbst mit seiner Hände Arbeit wieder wird in einer Welt ernähren können, in der mittellose Ausländer unerwünschte Elemente sind? Es bleibt ihnen meistens nichts anderes übrig, als abzuwarten, wie sich die Ereignisse weiter entwickeln werden. Sie sind unfreiwillig auf Gedeih und Verderb mit dem Geschick der Spanier verbunden. Sie laufen Gefahr, alle Schrecken des Krieges zu spüren, welche Spanien heute in zwei Teile zersplittert hat, ohne daß sie als Ausländer am Kriege beteiligt sind. Durch den Bürgerkrieg in Spanien sind viele deutsche Juden, welche bisher keinerlei Unterstützung benötigten, in eine Lage gekommen, welche die jüdischen Kreise außerhalb Spaniens beschäftigen wird. Der Zweck diese® Berichtes ist, auf die bestehenden Tatsachen hinzuweisen. Die Probleme, die der Lösung harren, lassen sich heute, wo alle Dinge noch so im Flusse sind, in ihrem vollen Umfange vorläufig noch nicht übersehen. E. S. Palästina. Briei aus Erez Israel. Zentrale Synagoge in Jerusalem. — Der Metzgerstreit in Tel Awiw. — Die Hintermänner in der Histadruth. Jerusalem, 23. Okt. Es wäre verspätet, jetzt noch über den Abbruch des Streikes und die allmählich eintretende Beruhigung der Gemüter zu berichten. Die Leser des „Israelit" sind darüber genügend orientiert. Eine Frage, die nach Eintritt der Beruhigung aktuell wird, sei hier berührt. Man muß sich, bei allen Bemühungen zu Gunsten der Altstadt, leider mit der Tatsache abfinden, daß das jüdische Zentrum nicht mehr in 'die Altstadt zurückverlegt werden kann. Mit der Uebersiedlung der meisten Juden nach der Innenstadt wird aber die Frage der Schaffung einer zentralen großen Gemeindesynagoge im Stadtzentrum hochaktuell. Doppelt aktuell ist diese Frage für die Charedim der heiligen Stadt. Der Mangel einer großen Synagoge als Sammelpunkt für alle Gesetzestreuen macht sich empfindlich bemerkbar. Gewiß, 'die Alts Stadt besitzt prachtvolle Synagogen, an ihrer Spitze die sogenannte Churba des Rabbi Jehuda und die Chassidim-Schul des Rabbi Nissim Beck. Diese großen Synagogen wie 'die kleineren sind samt und sonders Denkmäler jüdischer Philantropen im Auslände, die Jerusalem diese geweihten Bauten 'geschenkt haben. So müßte jetzt ebenfalls die Gola es als Ehrenaufgabe ansehen, zusammen mit den Palästinensern eine große Schul in Jerusalem da zu schaffen, wo sie nach der Verschiebung der Bevölkerung am nötigsten ist. Wie man hört, wird 'die Errichtung einer' neuen Synagoge besonders in den Kreisen der Einwanderer aus Deutschland bereits eifrig erörtert, und ist zu hoffen, daß der Plan auch in absehbarer Zeit zur Ausführung gelangt. Fast ist zu befürchten, daß die-Unruhen nun von inneren Zwistigkeiteri abgelöst werden, wenn man den Metzgerstreit in Tel Awiw betrachtet. Der , Streit vollzieht sich auf folgendem Hintergrund: Von jeher ist es .der Wunsch der Charedim in Tel Awiw, . daß das Trefafleisch nach der Schechita verbrannt wird und nicht, wie bisher, in die jüdischen Metz* gerläden wandert, wo es vorwiegend an Juden verkauft wird. Die Metzger unterschrieben nach langer Weigerung endlich ein Abkommen, wonach sie bereit seien, das trefa gewordene Fleisch zu verbrennen. All die Zwischenstadien, die Schwierigkeiten der Verhandlungen und die Rückfälle wollen wir hier . verschweigen, es sei nur gesagt, daß das Gros der Metzger auf diese Bedingung einging, mit Ausnahme von sechs Fleischermeistern, die unter keinen Umständen darauf verzichten wollten, auch Trefafleisch zu verkaufen. Der Kampf mit diesen Unentwegten nahm scharfe Formen an. Und als sich die Sache so zuspitzte, daß die Schächter bei ihnen nicht mehr fungieren durften, nahmen sie die Schlachtungen ohne Schechita vor und verkauften das Fleisch öffentlich in ihren Läden an Juden. Diese Vorgänge in einer hundertprozentig jüdischen Stadt erregten alle Gemüter; nicht allein die Auflehnung der Metzger, sondern noch mehr die Tatsache, daß diese in der rein jüdischen Stadt auf Kunden und Konsumenten rechnen konnten, wirkte so betrübend. Alle religiösen Instanzen verbanden sich nun zum Kampfe gegen dieses unerhörte Vorgehen der Metzger, und aus den Kreisen der Jugend wurden sogar Posten an ihre Läden gestellt, die die Kunden vom Kaufe des Trefaflei&ches abhalten wollten. Und trotz allem konnten die Metzger ihr Handwerk weiter fortsetzen und fanden auch Kundschaft. Endlich mußte auch die I r i j a, die den öffent liehen Schlachthof in Regie hat, dem Druck der religiösen Bevölkerung nachgeben, und sie verbot den Metzgern die Schlachtung ihres Viehs im öffentlichen Schlachthof, Die sechs Fleischer strengten Klage gegen die Irija an. Als ein jüdischer Anwalt nach der» ersten Phasen des Prozesses seine Hand davon ließ, nahmen die Herren die Dienste eines arabischen Anwalts in Anspruch, der den Schichten der nationalen Judenfeinde angehört. Damit hatten sie bald auch den Zorn Vieler auf sich geladen, die es mit den rituellen Dingen nicht so haargenau nehmen. Es ist für uns nicht erhebend konstatieren zu müssen, daß die „nationale Sünde" der Metzger schwerer wog, als ihr religiöses Vergehen. Aber Tatsache "st, daß dieser „Verrat an der jüdischen Ehre" dem Faß den Boden ausschlug und die gesamte öffentliche Meinung so mobil machte, daß nun die letzten Secis sich fügten und unterschrieben, fernerhin kein Trefafleisch mehr zu verkaufen. Damit kann es aber für uns noch nicht sein Bewenden haben. Man hat iniwischen ganz genau erfahren, wer die Männer sind, die hinter den Trefametzgern standen, ihnen den Rücke stärkten und in die Hand arbeiteten. Keine anderen als die Man nen der Histadruth, der zionistischen Arbeiterorganisation. In einem Aufruf der Histadruth, in dem im allgemeinen gegen Verteuerung der Lebensmittel protestiert wird, heißt es zum Schluß: „Und nun sind wir Zeugen eines Hexentanzes>, der sich noch religiös nationalen Charakter gibt. Man verbrennt unter dem Deckmantel der Religion Fleisch in einer Zeit, da Tausende nicht in der Lage sind, sich ein Stückchen Fleisch zu kaufen. Man verfolgt Frauen und Männer und wird gegen sie tätlich, wenn sie in den Läden ein Stückchen Fleisch um einen für sie gangbaren Preis erwerben." Der Rest des Aufrufes ergeht sich in Beleidigungen des Rabbinates und der hinter ihm stehenden religiösen Kreise, Diesem Aufruf ist höchstens noch hinzuzufügen, daß diese gleichen Männer der Histadruth heute an der Spitze der .zionistischen Bewegung und ihrer Institute, des Waad Leumi wi« der Kenesses Israel, stehen. Die Histadruthleute proklamieren einerseits! die „Heiligkeit der jüdischen Arbeit" und beanspruchen für sich auch höhere Arbeitslöhne, auf der anderen Seite unterstützen sie aber diejenigen, die mittels^ nichtjüdischer Kräfte unrituelles Fleisch produzieren und außerdem sich arabischer judenfeindlicher Ans walte bedienen, um zu „ihrem Rechte" zu gelangen. Es ist überdies wohl bekannt, daß die Küchen der Histadruth sogar direkt von arabischen Metzgern beliefert werden. Wo es um ein paar Münzen geht, hört auch die „Heiligkeit der Awodah Iwrith" auf. Das religiöse Element hat zunächst in diesem häßlichen Kampf den Sieg errungen. Mit gleicher Energie und gleicher Vereinigung der Kräfte könnte aber in Tel Awiw noch viel mehr erreicht werden. Vielleicht bietet die Schechitaaffäre Antrieb und Ansporn dafür. Mn. G. P. . Nachbeben in Palästina. Jerusalem. 23. Oktober. Der Streik ist beendet, die Unruhen wirken noch ein wenig fort, ohne ein Gesamtbild zu zeigen. Die Mitteilung des „Dawar", daß sich die Terrorbanden unter Oberleitung des Obersten Arabischen Komitees auf einen „Winterfeldzug" vorbereiten, ist gewiß übertrieben, aber Angriffe gibt es in größerem und kleinerem Umfange genug. Kleine Siedlungen zwischen Tel Awiw und Petach Tikwah wurden in der Nacht zum Mittwoch wieder beschossen. Auch Autobusse auf der Landstraße bei Bne Brak waren Zielscheibe arabischer Revolverschüsse. Arabische Vandalen vernichteten die von König Georg V. gestiftete Zypresse. Die Zypresse war bekanntlich das Schmuckstück des König Georg=JubiIäums=WaIdes in Palästina und stammte aus dem Schloßpark Windsor. Wo Terrorakte nicht stattfinden, wird von arabischen Führern zu einem scharfen Boykott der jüdischen Geschäftsunternehmen aufgerufen, was aber von den arabischen Massen kaum beachtet wird. Vier Mitglieder der arabischen Banden, die seinerzeit den jüdischen Polizeisergeanten Mosche Rosenfeld und den englischen Polizisten Mott ermordet haben, sind zu 14 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Ein Araber, der am 20. April in der Tel Awiwer Vorstadt Hatikwah die Juden Selig Lewü Sohn und Schlomo Morrisohn ermordet hat, wurde zum Tode verurteilt. Das palästinensische Be* rufungsgericht hat die über zwei Araber am 15. September wegen eines Angriffs auf englische Truppen bei Nablus verhängte Todesstrafe bestätigt. Es wird wohl noch eine Zeitlang vergehen, bis das Nachzittern aufhört und die schweren Unruhen von einem halben Jahre gänzlich liquidiert sind. Der bereits gemeldete Anschlag in Tel Awiw hat selbstverständlich neues Wasser für die arabischen Hetzmühlen geliefert. Der Fall bleibt nach wie vor schleierhaft. Die verhafteten Mitglieder des Brith Trumpeldor sind alle bis auf zwei wieder aus der Haft entlassen worden. Der Verdacht richtet sich neuerdings gegen einen arabischen Angestellten des Tel Awiwer Schlachthauses, der kurz vor der Tat an der Ueberfallstelle auf dem Rade gesehen worden ist. Als Symptom der Beruhigung sind zu verzeich- . nen: die Wiedereröffnung der für längere Zeit geschlossenen Eisenbahnstationen in Ramleh und die Freigabe des Straßenverkehrs in Jerusalem bis Mitternacht. Man hofft, daß der Ausnahmezustand bald gänzlich aufgehoben wird. Der bisherige Oberste Richter von Palästina, Sir Macdonald, der in den Ruhestand tritt, hat sich dieser Tage am Obersten Gerichtshof von Jerusalem verabschiedet. Es sprachen arabische und jüdische Rechtsanwälte, erstere schildern ihn als Araberfreund,! letztere als einen Mann von korrekter Gerechtigkeit gegen Juden wie gegen Araber. Es verlautet, daß der syrische Bandenführer Fauzi el Kaukadyi -sich immer noch in Palästina befindet und all die kleinen Ueberfälle ihm zur Last fallen. Eine militärische Aktion zur Säuberung des Operationsgebietes dieses Terrorhäuptlings zwischen Nablus und Dschenin ist ergebnislos verlaufen. Es sind nur bei dieser Gelegenheit bei Wadi Sarar einige Araber festgenommen worden. Ein englischer Soldat wurde getötet. Die arabische Presse, sowie das Oberste Arabische Komitee laufen immer noch Sturm gegen den Hafen in Tel Awiw. Es soll vom Obersten Komitee beschlossen sein, eine arabische Untersuchungskommis-. sion ZU bilden, die parallel mit der Kgl. Kommission arbeiten will.

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