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Der Israelit · 1936-10-29 · Heft 43 (29.10.1936) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 43 (29.10.1936)
Date
1936-10-29
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 Nr. 43 Der Israelit 29. Oktober 1936 Korrespondenzen* Deutsches Reich. lieber die Einheitsliste bei den Wahlen für die Repräsentanten-Versammlung der Berliner Gemeinde. Berlin, 23. Okt. Im Zusammenhang mit der durch Ablauf ihrer Amtszeit notwendigen Wahl der Repräsentantenversammlung der Berliner Gemeinde hatten Vorstand und Repräsentantenversammlung beschlossen, daß zur Einreichung eines Wahlvorschlages Unterschriften von mindestens 2000 Wahlberechtigten erforderlich sein sollen. Die staatliche Aufsichtsbehörde knüpft, wie im „Gemeindeblatt" mitgeteilt wird,, an ihre Genehmigung hierzu die Bedingung, daß zu den Wahlen eine vom Vorstand aufgestellte Einheitsliste vorgelegt wird, zu der alle Richtungen in der Gemeinde ihre Zustimmung geben. Der Vorstand wird damit betraut, eine Einheitsliste aufzustellen und' die? jüdischen Richtungen bei der Aufstellung der Kandidaten zu berücksichtigen. Kennzeichnung der arischen Geschäfte in Berlin. Berlin, 20. Okt. Auf einer Sitzung der Ortsgruppen-, Kreis- und Gauamtsleiter in Berlin teilte, wie der „Angriff" berichtet, Gauorganisationsleiter Schach mit, daß in Berlin die Kenntlichmachung: der arischen Geschäfte fortgesetzt werde in Form eines Schildes der DAF- Mitglieder, die hur arische Geschäfte erhalten. Dadurch werde auf diesem Gebiete eine dringend notwendige Klärung geschaffen. Schweiz. Ständige Mandatskommission trat am Dienstag zusammen. Genf, 28. Okt. Am Dienstag, den 27. Oktober, begann in Genf die 13. Tagung der Ständigen Ma n d a t s k o m m i ss io n des Völkerbundes. Obwohl auch Fragen der Verwaltung de® Palästina m an dats auf der Tagesordnung stehen, ist eine eingehendere Aussprache über palästinensische Angelegenheiten nicht ZU erwarten. Es heißt, daß der Vertreter der englischen Mandatarmacht ©ich damit begnügen wird, das Datum bekannt zu geben, an welchem die Kgl. Kommission ihre Arbeiten in Palästina aufnehmen soll, jedoch keinerlei weitere Erklärungen abgeben wird. Die Mandatskommission wird jedoch einige Petitionen zu prüfen haben, die von Einwohnern Palästinas und verschiedenen Organisationen an das Völkerbundssekretariat gesandt worden sind. England. Londoner Kirchenkonferenz gegen Judenhaß. London, 26. Okt. Mit Genehmigung des Bischof® von London haben auf der am 26. Oktober in London stattgehabten Diözesankonferenz der Vikar von St. Thomas, M. W. Cuthbert, und der Vikar der Christ Church, St. J, B. Großer, folgende Entschließung zur Abstimmung vorgelegt: „Im vollen Bewußtsein der Schwierigkeiten, die das Vorhandensein einer zahlreichen Bevölkerung an* deren Glaubens und anderer gesellschaftlicher Gewohnheiten in bestimmten Distrikten hervorrufen muß, stellt die Konferenz fest, daß die Juden und die Christen in gleicher Weise Kinder G'ttes sind; sie fordert daher alle Christen auf, jedem Versuch, An» tisemitismus zu politischen oder sonstigen Zwecken hervorzurufen, mit Festigkeit entgegenzutreten." Die Resolution wurde einstimmig angenommen. Die Woche- Berlin, Das Jüdische Museum Berlin ver* anstaltet in. Verbindung mit der Gesellschaft für jüdische Familienforschung und dem ■Gesamtarchiv der Juden in Deutschland eine Ausstellung unter dem Titel „Unsere Ahnen", deren Vorbereitungen seit Monaten im Gange sind. Das Material für diese Ausstellung aus dem Besitz des Jüdischen Museums und aus Privatbesitz ist so zahlreich zusammengekommen, ■daß die Eröffnung nicht vor dem 9. November stattfinden kann. — Im 66. Lebensjahre ist am 20. Oktober der bekannte jüdische Bildhauer Jacob Plessner in Berlin gestorben. Jacob Plessner war ein Enkel des berühmten Posener Kanzelredners Rabbiner Salomon Plessner. Nürnberg. Die „Allgemeine Rundschau" in Nürnberg berichtet, daß der Kreis Suzb ach- Rose n b e r g j u d e n f r e i ist, nachdem der letzte Jude, ein Viehhändler, nach Amerika ausgewandert ist. Mannheim. Der Synago* genrat in Mannheim gibt bekannt, daß die Wählerliste für die im November stattfindenden Wahlen zum Synagogenrat und zur Gemeindevertretung öffentlich ausgelegt werden. Wien. Am Sonntag hätte in Wien ein Vortrag von Wladimir Jabotinsky über das Thema „In zwölfter Stunde" stattfinden sollen. Im letzten Augen* blick wurde die Veranstaltung jedoch unter Berufung auf das allgemeine Versammlungsverbot untersagt. Budapest. In dem '. Preisausschreiben, das der Verlag James B. Pinker u. Son in London gemeinsam mit dem Verlag Eric Pinker u. Morrison in New York für den besten Roman der Welt veranstaltet hat, ist die ungarische Jüdin Jolanda F ö 1 d e s mit ihrem Roman. „Die Gasse der fischenden Katze" siegreich geblieben. — Anläßlich des in Budapest abgehaltenen Landfrontkämpfertages sprach eine Abordnung jüdischer Angehöriger des ungarischen Landesfrontkämpferbundes beim Präsidium der Pester Chewra Kadischa vor und ersuchte, daß das Heldendenkmal für die 10.000 ungarischjüdischen Kriegsgefallenen, dessen Errichtung von der Generalversammlung der Chewra Kadischa bereits beschlossen wurde, möglichst bald aufgestellt werde. Prag. Die Antrittsvorlesung des bekannten Völkerrechtlers Prof. Hans Kelsen, der früher in Wien und Frankfurt a. M. lehrte, ist am Donnerstag durch antisemitische Kundge* bungen verhindert worden. Prof. Kelsen ist jüdischer Abstammung, gehört aber dem Judentum nicht mehr an. — Der Verlag Nekudah (Munkacevo) beginnt mit der Ausgäbe einer deutschen Uebersetzung und Bearbeitung der palästinensischen Gesetzgebung, die unter der Redaktion von Dr. J. Sußmann in Tel Awiw stehen wird. Als erstes Heft erscheint das Wechsel- und Scheckrecht Palästinas. Warschau. Einer in Warschau erschienenen Zeitungsmeldung zufolge, ist der bekannte jüdische Essayist und Kritiker Max E r y k in Kiew, wo er vor kurzem von der Sowjet=Polizei (GPU) verhaftet wurde, erschossen worden. London. An dem Gebäude der Jewi&h Lads Brigade in London wurde eine bronzene Gedenktafel für Lord R e a d i n g , der für ".die Erziehungsarbeit dieses jüdischen Pfadfinderbundes stets besonderes Interesse bekundet hatte, durch die Witwe des großen englischjüdischen Staatsmannes feierlich enthüllt. Sodann nahm Lady Reading die Verteilung der Jahrespreise vor. Jerusalem. Auf dem Skopus-Berg in Jerusalem wurde mit der Errichtung der Gebäude für die neue Universitätsklinik begonnen. Aus diesem Anlaß fand eine kleine eindrucksvolle Feier statt, an der der amerikanische Generalkonsul George Wadsworth und einige andere hervorragende Persönlichkeiten teilnahmen. — Das Hauptbüro des Keren Kajemeth hat beschlossen, einen Wald zur Erinnerung an Meir Dizengoff zu pflanzen. Die Sammlungen für diesen Zweck sollen in der ganzen Welt durchgeführt werden. — Vom 15. Januar 1937 an wird der jetzige erste Offizier des Dampfers „Tel Awiw", A. .Rosesthal, die Führung des Schiffes übernehmen, da® bisher unter dem Kommando eines nächtjüdischen Kapitäns stand. Die Beratungen des Englischen Kabinetts über die fttdeniemdUehe Propaganda. London, 22. Okt. Wie die ITA. erfährt, sind in der am Mittwoch abgehaltenen Sitzung des englischen Kabinetts noch keine endgültigen Beschlüsse im Zusammenhang mit der judenfeindlichen Propaganda der englischen Faschisten gefaßt worden. Die „Morningpost" weiß in ihrer Nummer vom 22. Oktober allerdings *zu melden, ■daß es bereits zu einer Entscheidung übergesetzliche Maßnahmen gekommen sei. Die zur Behandlung dieser Fragen eingesetzte Unterkommissioa soll in der nächsten Sitzung des Kabinetts bekanntgeben, welcher Art die vorgeschlagenen gesetzlichen Maßnahmen sind. Spanien. Die Lage der deutschen Juden in Spanien. Barcelona, O., Okt. Der spanische Bürgerkrieg hat für die jüdische Bevölkerung spanischer Nationalität — ihre Anzahl ist nicht sehr groß — eine schwierige Situation geschaffen. Schließlich teilen sie aber nur das Los ihrer spanischen Landsleute christlichen Glaubens. Die Nationalen hatten bekanntlich in ihrem am Anfang der Wirren veröffentlichten 'Programm auch die Ausstoßung aller Juden aus dem spanischen Territorium vorgesehen. Im Laufe der Ereignisse sind nun zwar eine ganze Reihe von Dekreten von ihnen erlassen worden, jedoch ist einstweilen keinerlei Be= Stimmung über die jüdische spanische Bevölkerung ergangen. Voraussichtlich dürfte auch vor Beendigung der Kämpfe keine Entscheidung in dieser Hinsicht zu erwarten sein. Auch in den Teilen Spaniens, welche die Regierungen der Volksfront besetzt haben, in den Regionen, die der Zentralregierung in Madrid unterstehen, ebenso wie in den autonomen Provinzen Kataloniens und dem Baskenland bleibt den meistens den bürgerlichen Kreisen zugehörigen spanischen Juden nur übrig, abzuwarten, wie sich die Dinge weiter entwickeln werden, nachdem sie bei der Ausübung ihrer Berufe durch die Ereignisse mit denselben Nöten zu rechnen haben wie alle Welt auf der iberischen Halbinsel. Gesondert muß das Problem der eingewanderten ausländischen Juden behandelt werden. Hier ist es vor allem das Schicksal der deutschen Juden, welches die Aufmerksamkeit auf sich lenkt. Fast alle ausländischen Juden haben sich mit Hilfe ihrer Konsulate in ihre Länder zurück begeben. Die Zahl derer, die in Spanien zurückgeblieben, ist verschwindend klein. Die deutschen Juden in Spanien sind in der gleichen Weise von den deutschen Generalkonsulaten behandelt worden wie ihre arischen Glaubensgenossen. Eine beträchtliche Menge von ihnen hat auf deutschen und italienischen Schiffen Spanien verlas5 sen. Kostenlos sind sie mit ihrem Gepäck nach Deutschland zurücktransportiert worden. Es war den deutschen Juden auch möglich, in einem fremden Hafen an Land zu gehen, in Marseille oder Genua z. B,, sofern die zur Einreise allgemein erforderlichen Formalitäten (Visum usw.) erfüllt worden waren. Den letzteren Weg haben viele gewählt, welche irgend* welche Mittel im nichtspanischen Ausland oder Beziehungen hatten, um in diesen anderen Ländern die verlorene Existenz wieder aufzubauen zu versuchen. Nicht nur auf dem Seewege, sondern auch mit dar Eisenbahn — vereinzelte mit dem Flugzeug — ist eine gewisse Zahl ausgewandert. Wir wollen uns aber mit denen vor allem beschäftigen, die noch in Spanien geblieben sind. Ihre Situation ist reichlich schwierig, ihre Zukunft einstw?i" len noch ganz dunkel. (Es sind Menschen, die keine Möglichkeit mehr haben, nach der Heimat zurückzukehren, nachdem sie einmal definitiv ausgewandert sind. Es sind fast durchweg Familien oder Einzel1 personen, die nach meist jahrelangen Bemühung0 eine bescheidene Existenz gefunden hatten, die heute ernsthaft bedroht ist. Es sind deutsche Juden, d e vor Beginn des Bürgerkrieges in Spanien gerade ^x Auskommen gefunden hatten und' von der Hand -u den Mund lebten. Da die Geschäftstätigkeit unter den gegenwärtigen Umständen fast vollkommen lahmgc

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