Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 43 (29.10.1936)
- Date
- 1936-10-29
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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■^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^ 'S&MSfjtäSS&ftii&ST: 29, Oktober 1936 Der 1 s r a e 1 i t Nr, 43 Seite 7 lichkeite'n für weitere Wirksamkeit. Auf der aiidereji Seite tüt der Rückblick 'die ganze Armut an materiellen Mitteln dar und die ganze Unzxdänglichkeit der Hilfe, die die Charedim in Erez Israel von den Gesinnungsgenossen in der Golah erhalten- Wir scheiden von dem abgelaufenen Jahr mit" der festen Hoffnung, daß ,L?nfl •"mDim na» Einführung in die jüdische Geschichte. Von Dr. Ph. Biberield. * iL Zur Chronologie. Ein richtiges Verständnis der jüdischen Geschichte hat zur Voraussetzung, daß die Ereignisse auch zeitlich richtig eingeordnet werden können. Nur auf diese Weise läßt sich auch der Zusammenhang mit der allgemeinen Weltgeschichte klarstellen. Unter Zugrundelegung der traditionellen Weltschöpfaingsaera (vergl. hierüber Nachlath Zwi 1935 S. 314, 1936 S. 79) lassen sich die Ereignisse bis zum Tode Josephs ohne weiteres an Hand der chronologischen Angaben der Thora fixieren. Es würden danach fallen: Die Sintflut in das Jahr 2104 vor,, die Geburt Abrahams in das Jahr 1812 vor, die Geburt Isaks in das Jahr 1712 vor, Jakobs. Leben in die Zeit 1652—1505 vor, Josephs Tod in das Jahr 1451 vor. Der Aufenthalt in Aegypten währte vom Jahre 1522 (dem 130., Lebensjahre Jakobs vergl. 1. B. M. 47, 9) bis 1312 vor, also insgesamt 210 Jahre. Die Angaben der Thora 1. B. M. 15, 13; 2. B. M. 12, 40), daß der Aufenthalt 400 bezw. 430 Jahre gewährt habe, sind dahin zu verstehen, daß hierbei die Vorgeschichte seit der Geburt Isaks oder dem Bunde mit Abraham einbegriffen ist. (Vergl. Raschi a, a. O.) Der Aufenthalt selbst kann mit Hinblick auf das Lebensalter, welches die dort lebenden Generationen zusammen erreicht haben, keinesfalls 400 Jahre gedauert haben. Demnach ist als Datum des Auszuges das Jahr 1312 v. anzunehmen. Hiermit stimmt es üb er ein, daß die älteste außerbiblische Nachricht von dem - Vorhandensein des Volkes Israel in Palästina, die1 sogenannte Israelstelle, aus dem Jahre 1220 v. stammt {Sellin, Geschichte des israelitischen jüd. Volkes S. 24). „Wenn nun, so: führt Sellin aus, bis zum Jahre 1358 in den El . Amarna Tafeln Israel noch nicht erwähnt wird, 1220 aber in Palästina ist, so scheint zunächst der Schluß am nächsten liegend zu sein, daß es zwischen diesen beiden Terminen* dort eingewandert ist, und mit dieser Möglichkeit wird auch, bis wir weitere historische Nachrichten erhalten, immer zu rechnen sein." Den nächsten Anhaltspunkt für die jüdische Chronologie geben uns die 480 Jahre, welche (1. Kge. 6, 1) zwischen dem Auszuge aus Aegypten und dem Beginn des Tempelbaus im vierten Jahre der. Regierung des Königs Salomo verflossen sind. Die Chronologie des Seder Olam legt nun diese Zahl ihrem einfachen . Wortlaut entsprechend der ganzen weiteren Berechnung, zu Grunde. Danach ergibt sich folgendes. Vom Auszug, im Jahre 1312 bis . zur., zweiten Zerstörung im Jahre .70 n.. stehen insgesamt 1380. Jahre zur Verfügung; .Wenn hiervon 4.80 Jahre vom Auszuge bis zum Bau des...salomonischen Tempels verstrichen sind, dann - verbleiben; für : d^e Zeit des: ersten und zweiten Tempels und das babylonische Exil zusaminen noch . $QQ Jahre. Nach Abzug der 70 Jahre für das babylonische Exil ergibt sich daraus nach dem Seder Olam für den ersten Tempel ein Zeitraum von 410 und für den zweiten Tempel ein 'solcher von 420 Jahren. Nach den sonstigen Quellen hat der Bau des zweiten Tempels i. J. 516 y. stattgefunden, so daß er j bis zur Zerstörung im Jähre 70 n. ungefähr 586 Jahre geständen -hat. Die sich hieraus . ergebende Differenz von' ca. 166 Jähren (586 gegen 420) hat zur Fplj*e, da$fimSed'er'Olam die Zeit der Perserkönige^auij ca.. 40Jahre zusammengedrängt' ' werden1; muß. Die 'Könige. 'Kbresch, Darjawusch''und ÄrfächschacW mit' Rücksicht hierauf für identisch erklärt Werden. .Demgegenüber weist R. Serachja von Lunel ((Baal Häm,oäur, Rosch Haschana 2) darauf hin,' daß diese Auffassung dem felareni Wörtlaut des Triach nicht gerecht werde, da danach diese Perserkönige verschiedene Personen ge-? •Wesen sind. (Vergl. hierzu, A. Marcus Chronologie S. 13, Barsilai Teil I S. 317, Teil II S. 22.) Zur Lösung dieser Schwierigkeiten nimmt A. Marcus (a. a. O.) im Anschluß an die Forschungen des Aegyptologen Lepsius an, daß es sich bei den 480 Jahren des Buches der Könige um . eine ägyptischen Gepflogenheiten entsprechende symbolische Zahl handle, von welcher die sich für die spätere Zeit ergebende Differenz abzuziehen wäre. Es wären nach dieser Auffassung ^zwischen Auszug (1312 v.) und Salomonischem Tempelbau in Wirklichkeit nur 325 Jahre verflossen. Hiergegen ist mit Recht eingewandt worden (vergl. Nachlath Zwi, 1935 S. 276, S. 313; 1936 S. 79), daß sich die Annahme einer derartigen symbolischen Zahl gegenüber einem mit iPTrptt nn geschriebenen Buch kaum rechtfertigen läßt. Indessen besteht absolut keine Notwendigkeit für eine solche Annahme, da die Thora selbst uns einen denkbar einfachen Weg zum Verständnis der Zahl 480 weist. Die Geschichte des Aufenthalts in Aegypten enthält nämlich eine scharfe Zäsur, mit welcher eine neue Geschichtsepoche einsetzt. Das ist der Tod Josephs. Mit diesem endet die Vorgeschichte des jüdischen Volkes, die Patriarchengeseluchte, und beginnt die eigentliche Volksgeschichte! In der Thora schließt das erste Buch mit dem Tode Josephs. Das zweite Buch, Exodus, das Buch des 'Auszuges beginnt, damit: (Kap. 1, 6);,JJnd es starb Joseph und alle seine Brüder"! Dieses, Ereignis bildet also den Anfang der Vorgeschichte des Auszuges. Die Epoche des. Auszuges hebt damit a n! Daher ist es durchaus begründet, wenn man . die Aera des Auszugesmit dem , Tode Josephs beginnen läßt. Der Tod Josephs fällt nach den Daten der Thora in das Jahr 1451 y. Rechnet man die 480 Jahre von diesem Zeitpunkt ab, so kommt man auf das Jahr 971 v. als Jahr des Tempelbaubeginnes und das vierte Jahr der Regierung des Königs Salomo. Das stimmt nun völlig mit dem mit Hilfe der assyrischen Daten errechneten Jahr der Reichsspaltung über ein. Die Angaben hierüber schwanken von 931—936,- wonach das erste Regierungsjahr des Königs Salomo, weN eher 40 Jahre regierte, in das Jahr 974 fallen würde. Diese Uebereinstimmung ist in Anbetracht des großen Zeitraumes von 480 Jahren geradezu überraschend. Es besteht demnach die Zeitangabe des Buches der Könige völlig zu Recht, daß der Tempelbau im 4 8 0. Jahre der Äuszu g s a e.r'a (anhebend mit. dem Tode Josephs und dem Thorabuche des Auszuges) begonnen habe. Der Annahme, einer Entlehnung ägyptischer Zahlen von symbolischer Bedeutung bedarf es danach nicht. Nach der Tradition ist, bei den 400 bezw. 430 Jahren des Aufenthalts in Aegypten die Vorgeschichte in diesen Zeitraum einbezogen. "Genau so beginnt die Auszugsaera mit der Vorgeschichte des Auszuges, welche mit dem Tode Josephs Und der damit einsetzenden Bedrückung anhebt. Damit sind die' 'Haüptschiwierigkeiten der Chronologie beseitigt.'Von den insgesamt 1380 Jahren,! von derii^traditionellen Auszügsdatum 1312 v. |dis;'zum t'r'aditibnellen Datum der zweiten Zerstörung stehen rund\ 1040 Jahre für die Zeit des ersten 'und zweiten Tempels zur Verfügung. Bis zum ersten Tempelbau sind von den 1380 Jahren ja hur 340 verstrichen, da die 480 Jahre ypii 1451 ab zu rechnen sind; ' ' Es ergibtsich somit eine* Einteilung' der jüdischen Geschichte 'in die folgenden großen Perioden: '"' ' I. Urgeschichte von der Erschaffung der Welt bis zur Sintflut 21C4 v. (1656) . II. Vorgeschichte von der Sintflut bis zum Tode Josephs 2104 v. —1451 v. III. Die eigentliche Volksgeschichte ab 1451 v. Die Einwanderung in das Land erfolgte 40 Jahre nach dem Auszuge, also im Jahre 1272 v. Die Epoche der Sekenim und Schoftim währt von ca. 1245 bis ca. 1030. Si« umfaßt demnach nur ca. 215 Jahre. Eine Bestätigung hierfür ergibt sich aus der Ruth 4, 18 überlieferten Abstammungsliste des Königs David, welche vier Generationen von der Einwanderung bis zu ihm aufführt: Salmon, Boas, Owed, Jischai. Diese wären etwa wie folgt anzusetzen: Salmon 1290 bis 1200, Boas 1230—1140, Owed 1165—1080, Jischai 1105—1020 und dann David 1045—975. Nimmt man hingegen an, daß die 480 Jahre bis zum Salomonischen Tempelbau vom Auszuge selbst zu rechnen sind, dann müßten diese fünf Generationen einen Zeitraum von 436 Jahren (480 abzüglich .40 Jahre Wüstenwanderung und vier Regierungsjahre Salomos) umfassen. Das würde bedeuten, daß der Abstand dieser Generationen voneinander 91 . Jahre betragen hat. (Vgl. Ibn Esra z. St.) Der Sohn müßte jeweils erst im 91. Lebensjahre seines Vaters geboren worden sein. Das ist indessen höchst unwahrscheinlich, zumal sowohl bei den früheren als auch bei den späteren Gliedern dieser Abstammungsliste ein solcher Abstand nicht bestanden haben kann. König David hat überhaupt nur ein Lebensalter von 70 Jahren erreicht. Die früheren sechs Glieder (Juda, Perez, Chezron, Rom, Aminodow, Nachschon) umfassen nur einen Zeitraum von 290 Jahren. Juda ist ca. 1565 v. gerboren und Nachschon vor der .Einwanderung, also etwa 1275 v. gestorben. Mithin würde der Abstand der Generationen im Durchschnitt nur |40 Jahre betragen haben. Mit der Beschränkung dieser Epoche auf ca. •215 Jähre stimmt es weiterhin überein, daß der Rambam in seiner Einleitung zum Jad Hacha- ■sakä dafür nur drei Generationen von Trädenten der Lehre: Sekenim, Eli und Samuel annimmt. Andrerseits spricht nicht dagegen, daß es bei Jiphtach, welcher nach dieser Berechnung etwa 260 Jahre nach dem Auszuge gewirkt hat, heißt, daß Israel bereits seit 300 Jahren im transjordanischen Gebiet wohne. (Richter 11, 26.) Jiphtach wollte damit zum Ausdruck bringen, da3 der bestehende Besitzstand seit unvordenklicher Zeit von Amon nicht angefochten worden war. Daher wähle er die runde Zahl 300. Außerdem kann hierbei die etwa 50 Jahre betragende Besitzzeit des Sichon, von welchem Israel das Gebiet erobert hatte, eingerechnet sein. Auch ihm gegenüber hätte Amon seine angeblichen Ansprüche geltend machen müssen (vergl. hierzu A. Marcus, Chronologie S. 39; Nachlath Zwi 1935 S. 80). Es folgt die Königszeit. König Saul 1026—1015, König David, 1015—975. König Salomo 975—935 Reichsteilung . . . . ... . .etwa 934 Reich Israel . . . . .... .... . .934-^722 Reich Juda . . . .......... 934—586 Babylonisches Exil ... . . . . 586—536 (516) Zeit der persischen Oberherrschaft . 538—332 Einrichtung,, des Purimfestes 473 (unter Xerxes 1) Die Männer der großen Versammlung 444 Zeit, der griechischen und syrischen Oberherr- » -Schaft 332—167 Seleuzidenaera (Minjari Schtaroth) . 1, . . .312 also 1000 Jahre nach dem Auszug aus Aegyptens Erhebung der Hasmonäer . . .! .. . . . . -167 Die Juden unter eigenen Herrschern 140 v. - 56 n.' Der jüdische Krieg . ,........6fe—70 n. Das ist in großen: Zügen der Rahmen, in welchem die jüdische Geschichte bis zur zweiten Zerstörung sich abgespielt hat. (Fortsetzung folgt.)