Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 43 (29.10.1936)
- Date
- 1936-10-29
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2450909-2450951--82501-2540459- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
29. Oktober 1936 I s r a e 1 i t Nr. 43 Seite 5 Über 'dein. Böden der wahren Tatsachen erhebenden Ka/binettstückchen heute auszugraben und in der schönen Schockenausgabe unter die Leute, vor den Augen der großen Welt, zu bringen, lag gewiß kein Grund vor. Viele, viele Gründe, nicht allein literarischer und künstlerischer Natur, sprachen dagegen. Diese «Kritik erfolgt gerade aus der hohen Achtung und Anerkennung für die Schocken- Bücherei, die uns in kurzem Zeitraum so viel Schönes und Bedeutsames geschenkt hat. Die jüdische Schule wie sie nicht ist, und wie sie ist. Von Dir. Dr. Elias in Frankfurt a. M. Sorgen um die Existenz und den äußeren Lebensweg unserer Jugend beherrschen unsere Eltern z. Zt. stärker, als die Fragen um ihren inneren Werdegang und ihre geistig-seelische Formung. Die Erfahrung — so meint man resigniert — hätte gelehrt, daß auch die beste Bildung den Menschen nicht vor dem Zusammen-' •bruch bewahre, wenn die eiserne Faust der Not ihn bedrohe, und 'daß alle innere Entwicklung ihre Kraft erst dann bewähre, wenn des Lebeas Notdurft gesichert sei. Jüdisches Bewußtsein hat sich stets gegen eine solche Bagatellisierung des Geistigen gewehrt. Und es kann nicht rühmend genug hervorgehoben werden, daß sich die Orthodoxie in Deutschland anch in dieser schweren Zeit mit aller Kraft dafür einsetzt, Zufluchtsstätten des Geistes für die jüdische Jugend zu errichten und zu erhalten, in der Ueberzeugung, daß nicht allein vom Brote der Mensch lebt. Wir dürfen uns aber der Erkenntnis nicht verschließen, daß auch von dem ßrote viel abhängt, den Kräften, die gegen [Recht und 'Richtung des Geistigen wirken, ernst ins Auge 7U sehen, uns mit ihnen auseinandersetzen und sie bei unserer Arbeit in Rechnung stellen. Erst wenn wir den Ernst der äußeren Situation erkannt haben und die gegen geistige Bildungsarbeit und Formung andrängenden Widerstände richtig einschätzen, können wir hoffen, frei von Schlagworten und Radikalismen zur Klärung zu kommen und zu befriedigender Lösung beizutragen. Jedem Einsichtigen wird es klar sein, daß an einer solchen Klärung und Lösung in erster Linie die Schule beteiligt werden muß. Eine Diskussion über Ziel und Form geistiger Erziehungsarbeit darf an ihr nicht vorübergehen, darf sie weder karrikieren, man verzeihe das häßliche Wort für eine häßliche Sache, noch totschweigen, muß von ihrem unvergleichlichen und unersetzbaren Werte ausgehen und zur Erfüllung ihres Sinnes führen. I. Ein Beispiel mag veranschaulichen, wie die Schule nicht gesehen werden darf, soll sie nicht als Karrikatur erscheinen. Vor mir liegt ein vor einigen Monaten in diesen Blättern abgedruckter Artikel mit dem klingenden Namen: „Um unsere Jugend", der schon längst eine Erwiderung aus dem Leserkreise gefordert und wohl auch gefunden hätte, wenn nicht unsere Eltern „andere Sorgen" hätten. In diesem Artikel beschäftigt sich ein Herr Kr. zunächst mit der Erziehung aller Zeiten. Er macht ganze Arbeit. „Die Gemeinschaft, so stellt er für Altertum, Mittelalter und Neuzeit fest, hat nie tätigen Anteil genommen an der Art, wie ihre Jugend erzogen wurde." Wer die Geschichte der Pädagogik kennt, findet diese summarische Aburteilung etwas kühn. Was soll aber erst der Kenner jüdischer Erziehungsgescbichte, die von Kerschensteiner als Muster hingestellt wurde, sagen, wenn er liest: „Auch bei uns war man praktisch nie imstande, den Forderungen der Zeit in der Erziehung zu entsprechen." Nie imstande! Ein großes Wort. Einigermaßen im Gegensatz hierzu stellt er zwar fest: „Die jüdische Schule hatte als Ziel den mit möglichst viel jüdischem und allgemeinem Wissen ausgestatteten, für eine spezielle Berufsausbildung reifen Menschen." Aber dieses wahrlich nicht gering einzuschätzende Ziel hatte nach ihm ein großes Loch: es wurde durchgeführt, „ohne zu einer weltanschaulich bedingten Stellungnahme und Wertung zu zwingen." „So geht unsere Schule am Wesen der Jugend und an der Aufgabe einer zeilgemäßen wirklich jüdischen Erziehung vorbei." Unsere Schule war und ist also nicht zeitgemäß, weltanschaulich stumm und dem Wesen der Jugend fremd. Um zu solch vernichtenden Urteil zu kommen, muß 'einer schon ein sehr eingehendes Studium an den bestehenden jüdischen Schulen — es wird ja keine ausgenommen — gemacht haben. Wie weit 'dies bei Herrn Kr. zutrifft, ist schwer zu beurteilen. Wichtiger ist, ob er ein sicheres, auf klaren pädagogischen Vorstellungen 'beruhendes Wissen von dem hat, was nun eigentlich an Stelle der gänzlich unbrauchbaren Schule treten soll. Von diesem Wissen wird uns in dem genannten Artikel ein sehr instruktives Beispiel gegeben. Als Hauptübel sieht Kr. 'die Bindung an irgendwelche Formen außerjüdischen schulischen Lebens an. Man versteht nicht recht, warum er nicht souverän auch über die jüdischen hinweggehen will, da es doch, wie er meinte, auch wir nie verstanden haben, die richtige Erziehungsform zu geben. Die Frage Hegt um so näher, als er schließlich als die ideale Erziehungsform das Landheim fordert. Wie weit ein solches je die Schule der jüdischen Jugend werden kann, mag dahingestellt bleiben, aber so viel ist doch sicher, daß diese Form der Erziehung mit ihrer Loslösung vom Haus nicht auf jüdischem Boden gewachsen ist. Dazu kommt die zweite Forderung, daß „die Talmidim in keiner Weise irgend einem Beruf zugeführt werden sollen. Wie soll ein solches, vom Leben der Gesellschaft und der Berufe losgelöstes Idyll nun 'die zeitgemäße Erziehung bringen? Herr Kr. scheint zu^ »vergessen, daß zur Zeitgemäßheit doch auch Lebensnähe gehört. Er schwebt in hohen Regionen. Ihm kommt es darauf an, „in verhältnismäßig kurzer Zeit Menschen heranzubilden, die befähigt sind, kraft der ihnen übermittelten, besonders aber der jüdischweltanschaulichen Schulung, jeder der an Klal Israel herantretenden Aufgabe gerecht zu werden, sei es in der Gola oder in Erez Israel." Wir sind einigermaßen verblüfft. Dazu brauchen wir im allgemeinen ein halbes Leben mit all seinen Erfahrungen des Glückes und des Leids. Herr Kr. erreicht das in viel kürzerer Zeit, in einem Zeitraum von — sage und schreibe — drei Jahren bringt er jungen Menschen von 13—14 Jahren bei, „was allgemeine Kultur, vor allem aber, was jüdische Kultur und Weltanschauung, umgesetzt in Lebens Wirklichkeit heißt." Das nenne ich Weltanschauung schnell gelernt. Dieser Fixigkeit entspricht denn auch die Stoffverteilung: Ein ganzes Jahr wird fast nur dem Jüdischen gewidmet. Nur so nebenbei auch eine Fremdsprache, die eine Hälfte der Mathematik, Grundzüge der Biologie und übersichtlich aufgebaute Geographie. Nach so „gründlicher" Vorbereitung tritt im zweiten Jahr das Jüdische etwas zurück. Dafür tritt Geschichte, allgemeine Literatur, zweiter Teil der Mathematik, Physik und Chemie ein. Wie viel da noch für das Jüdische übrig bleibt, kann man sich denken. Die Fremdsprache ist, offenbar von Anfang bis zu Ende, im Lemjahr Schriftdeutungen zu K*VV Mitgeteilt von S. Speier. Kap. 18. V. 3. nar/i «i ]n 'mxn R3 dr 'vir wi •■pay Vsra Der Wechsel von der Mehrzahl '2*tK zur Einzahl •pas» ia»n ^a>ya veranlaßt die Weisen , 'JiR als G'ttesnamen aufzufassen. Als G'tt Awraham erschienen, sieht dieser die Wanderer und bittet G'tt mit den Worten „"wenn ich doch Gunst in Deinen Augan gefunden habe, so entziehe 'Dich doch nicht Deinem Diener" um Erlaubnis, a>mi8 nwan nisa die Pflicht der Gastfreundschaft ausüben zu dürfen. Nach einer anderen Auffassung wendet sich Awraham mit '"R an die Vorüberziehenden, lastti »3 ^8 wird als. Anrede an den Aeltesten der Gäste erklärt. Weitere Auslegung: Nachdem Awraham die Wanderer gemeinsam mit 'n« „meine Herren" angeredet, tritt er an jeden Einzelnen heran; -pa* bsn «a bs- Die weitere Unterhaltung führt Awraham wieder mit allen gemeinsam. T»n nnn nvvm oa^n ixrni „Waschet eure Füße und ruhet unter dem Baum aus" usw. * * * Kap. 18. V. 21. nSo wv »?>r n»an nnpyxan nmtti kj mix •njnK vb dki Ich will doch hinabsteigen und sehen, ob gleich dem Wehegeschrei über sie, das zu mir gekommen, sie getan: Vernichtung. Wenn aber nicht, werde ich wissen. bedeutet nach Raschi: Ich werde wissen, was ich tun werde, sie mit Leiden zu strafen; vernichten werde ich sie aber nicht. Weitere Auslegung: a>pbx rrn in Schemot 2, 25 heißt: G'tt erbarmte sich, nahm Sich Swines Volkes Jisrael an. Demnach ist der Sinn von njns R^> osi: Wenn ihre Handlungen dem zu mir gelangten Wehegeschrei nicht entsprechen, so werde ich verschonen. * * * Kap. 20. V. 16. nan ynab t)oa t\bx 'nna run m« htoVi •nnaai ^>a jiri ins *wr bsb w>x>v moa \b Rin Nach der Auffassung Raschis suchte Abimelech Sara zu beschwichtigen, indem er ihrem Gatten tausend Silberstücke überreicht. Es ist fraglich, ob Abimelech diese Summe den in Vers 14 erwähnten Dienstboten und Tieren hinzufügte, oder unter «pa *]Vr der Geldeswert der Schafe und Rinder, Knechte und Mägde zu begreifen ist. Auffallend ist jedoch, daß Abimelech bei diesem Anlaß weiterhin Awraham als den Bruder von Sara bezeichnet. Der Bräutigam hatte die Gewohnheit, den für seine Frau zu zahlenden Betrag dem Vater und den Brüdern der Braut auszuhändigen. So sagt Schechem zu Jaakow und den Brüdern Dinas: „Leget mir Sehr viel Ehegut und .Geschenke auf, ich will es geben, wie ihr mir sagen werdet, und gebet mir das Mädchen zur Frau (Bereschit 34, 12)." Der Knecht Awrahams gibt dem Bruder und der Mutter Riwkas Früchte (Bereschit 24, 53). Und unmittelbar nachdem die Tora uns berichtet, daß Sarai in Pharaos Haus gebracht wurde, wird uns mitgeteilt: n"nasa a'B'n tnaR^ ■wbm'i mnRi nnswi onayi D'-inni ipai *|RS iV'wi „Und Awram hatte er 'Wohlwollen um ihretwillen erwiesen, es waren ihm Schaf und Rind, Sklaven und Mägde, Eselinnen und . Kamele geworden" (Bereschit 12, 16). Wir dürfen daher annehmen, daß Abimelech „dem Bruder SaraV' die tausend Silberstücke gab, bevor er Sara zu sich ins Haus genommen hatte. In Anbetracht dieses Kaufpreises war nach der Auffassung Abimelechs der Ruf Saras nie gefährdet, da sie ja auf ehrbare, rechtmäßige Weise in sein Haus gekommen war. „Und zu Sara sagte er: Siehe, 'ch hatte tausend Silberstücke deinem Bruder gegeben, siehe, das dient dir zum Augenschutz für alle deine Umgebung." Abimelech bezeichnet Awraham als den Bruder Saras, weil er bei der Uebergabe des Geldes ihn für ihren Bruder hielt. * * . * Kap. 22. V. 2. "i»n fyt bat f> i*>v Und geh hin in das Land Morija: In Diwre=ha-Jomim II 3, 1 wird die nähere Bezeichnung für Morija angegeben: Es heißt dort: •'»nuan ina ttfwiTa 'n n^a m maaV nnto bvn Schelomo begann das Haus G'ttes zu bauen in Jerusalem, auf dem Berge Morija. Ueber die Bedeutung des Namens Morija bestehen Meinungsverschiedenheiten a) Morija hängt mit dem Zeitwort miniehren zusammen und deutet auf die Lehre hin, die von dort einst für Jisrael ausgehen wird, b) 'mn ist mit «ns Ehrfurcht verwandt: die Stätte der Ehrfurcht, c) ''llö wird mit nnw» dem Emori, identifiziert; unter 'nnn p» ist das Land des Emori zu verstehen. Der Buchstabe i« fällt ausi; ähnlich dem von dem Hauptwort ^nR/ Zelt abgeleiteten Zeitwort ^n': Dtf brv r!>i Nicht wird der Araber dort sein Zelt aufschlagen (Jeschajahu 13, 20). d) ""»» hängt mit "»in Myrrhe zusammen. Auslegung einiger Kommentatore: Die Stätte, auf der das Räucherwerk dargebracht wurde. Weitere Wertung: Auf dem Berg Morija wächst die Myrrhe. Vergl. Schir-ha-Schirim 4, 6: um in ^>R ->b "l^K „Ich will hingehen auf den Berg der Myrrhe." * * *