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Der Israelit · 1936-10-29 · Heft 43 (29.10.1936) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 43 (29.10.1936)
Date
1936-10-29
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 Nr. 43 Li e r Israelit 29. Oktober 1936 Die KEREN HATORAH-S am meld OSe gehört in jedes jüdische Haus! Sie gibt jedem die Möglichkeit, durch kleine tägliche Spenden die Arbeit des Keren Hatorah zu fördern. Bitte Dosen anfordern : Keren Hatoräh, Hamburg 13, Heinrich Ba rth straße 21 \^%\ lf> ^w^V IxnuHAnnut stellers stammt. Es kommt hier keineswegs auf den jüdischen oder Kunstwert des Stückes und seiner Aufführung an, es kommt lediglich darauf an, daß dabei Theater gespielt wird, Theater in einem heiligen Räume, der sonst unseren heiligsten Ernst, die Konzentration aller Sinne und Gefühle beansprucht. Und es wird ge •. wiß nicht bei diesem einen Theaterstück bleiben. Wenn die Bima (Almemorj einmal zur Bühne wird, dann ist es aus mit dem G'tteshauscharakter. Dann müßte, auch bei höchster Kunstleistung, jener Tiefstand eintreten, den die Weisen im ■»jv *ibt an Stätten der Lehre und des Gebetes erblicken. Wir werden nicht umhin können, in diesen theatralischen Aufführungen einen gesteigerten Grad von Verweltlichung jüdischer G'tteshäuser zu sehen, wiesie in milderer Form schon voriges Jahr eingesetzt hat. Wiederum eine Bestätigung der rabbinischen Spruchwedsheit: nillJ PlT^y -m'asr Widersprüche in Polen und Rumänien. Mitten in der kritischen Lage der Weltjudenheit stehen Polen und Rumänien als besonderes Fragezeichen da. In Polen wird eine neue Verfassung vorbereitet, und trotz gegenseitiger Versicherungen von maßgebender Seite verstummen nicht die Gerüchte, daß in dieser neuen Verfassung Bestimmungen enthalten sein werden, die auf eine teilweise Entrechtung der Juden hinausgehen. Der von Polen aufgegriffene ■ Jabotinsky-Plan zur Abschiebung der „überschüssigen" Million juden nach Palästina oder anderswohin, ist, wie unseren Lesern genugsam (bekannt, auch nicht aus eitel Liebe geboren. In Warschau gibt es wieder schwere Hochschulunruhen und in Lemberg wurde die Universität wegen judenfeindlicher Ausschreitungen geschlossen. In Rumänien ist es immer noch die cuzistische Partei, die die Straße beherrscht, in manchen Gegenden dermaßen, daß die Juden sich noch kaum aus dem Hause wagen. Mit gleicher Post gehen uns aus Bukarest zwei Berichte zu: Eine Abordnung des Verbandes der rumänischen Juden in Amerika wurde in Bukarest" vom Ministerpräsidenten Tartarescu empfangen. Der Ministerpräsident erklärte den Herren, es gäbe zwar eine judenfeindliche Bewegung in Rumänien, die aber von der Mehrheit der Bevölkerung nicht unterstützt- und von der Regierung in genügendem Maße in die Schranken gewiesen werde. Die Regierung werde sich den Schutz der jüdischen Bürger und ihrer Interessen angelegen sein lassen. Andere rumänische Staatsmänner äußerten sich in ähnlicher Weise. Und zur gleichen Zeit wird uns berichtet, daß eine Massenkundgebung der christlich-nationalen Partei in Bukarest, bei der man mit 250 000 Teilnehmern rechnet, für den 8. November in Bukarest freigegeben sei. Der Innenminister, so heißt es, hat sich dabei ausbehalten, daß es zu judenfeindlichen Ausschreitungen nicht komme. Als ob der Minister und als ob die Führer hoffen dürften, die einmal auf die Straße geschickten 250 0€f) Menschen noch in der Hand behalten zu können. Vielleicht — wir wollen es hoffen — geht die Sache besser aus als befürchtet wird. Daß aber die Tatsache der Demonstration, die erwartete Massenbeteiligung und die Freigabe der Straße für diesen Zweck nicht ganz mit den Versicherungen der Regierung an die Herren aus Amerika übereinstimmen, diese Gewißheit werden sie mit nach Hause nehmen, Unangebrachte Bücher. Es ist die alte Frage, ob auch die Kunst Grenzen anerkennen und sich, soweit sie von Juden für Juden produziert wird, von Hemmungen unter jüdischen Gesichtspunkten bestimmen lassen soll. Wir sagen j a , und meinen, daß es für uns so wenig eine hemmungslose Kunst gibt, wie eine voraussetzungslose Wissenschaft. Gleichwohl: Mag auch der Künstler den aus dem Innersten seiner Seele treibenden Strom über die Ufer schießen lassen, der Kunst- und Literatarvermittler, also der Verlag, hat aber zweifelsohne die Verpflichtung, die Grenzen des Möglichen und Gegebenen zu kennen und anzuerkennen und bei der Vertreibung von Literaturerzeugnissen mit den Zeitverhältnissen und den Empfindungen der Leser zu rechnen. Um so mehr muß es schmerzen, daß ein Unternehmen vom Range des Sc hock e n - Verlags diese von den Notwendigkeiten der Zeit gezogene Grenze nicht immer einhält.- Unter vielen überaus wertvollen Veröffentlichungen legte uns dieser Tage der Verlag zwei Novellenbüchlein von Jizchak Leib Perez und Micha Josef Berdyzcewski auf den Tisch. Die Perez-Erzählungen, wie „Wenn nicht noch höher" usw. sind allen bekannt, überbekannt, in allen möglichen Uebersetzungen und Ausgaben verbredtet, und bilden einen beliebten Lesestoff für jüdische Vortragsabende. Dazwischen ist aber hier eine weniger bekannte kleine Novelle, betitelt ,,Berl der Schneider", zu lesen, die besser unveröffentlicht geblieben wäre. Abgesehen von dem an Blasphemie grenzenden Verhalten des. Helden gegen den „Herrn der Welt", das noch vom Rabbi — was ist nicht alles diesem Rabbi Levi Jizchak an Toleranz angedichtet worden? — geduldet und gefördert wind, haben wir hier eine Geschichte, die gemeinen Diebstahl, — wiederum mit Genehmigung des Rabbi, — durch Gebet zudecken läßt. Unsere Kinder werden wir mit solcher Lektüre verschonen müssen, aber wer schützt uns vor denen, die solche Ausflüsse krankhafter Phantasie in die Hand bekommen und danach das Judentum bewerten? Berdyczewski wiederum schildert in seiner „Judenstadt", u. a. die Tragik einer „roten Kuh". Wiehier der Schächtakt und der Charakter und die Taktiken eines ganzen Standes im Städtchen geschildert werden, ist alles andere eher, denn apologetisches Material für den in vielen Län-* dem noch vor sich gehenden Kampf um die jüdische Schechita. Mehr möchten <wir hier darüber nicht sagen. Man wird uns auch so verstehen . . . Perez und Berdyczewski sind Dichter, — wir wollen ihnen die Dichterkrone nicht rauben — aus der hemmungslosen Zeit der Haskala. Diese Skizzen und Novellen sind vor vielen Jahrzehnten in ruhigen Zeiten in (hebräischer und jiddischer Sprache geschrieben worden, wirkten nicht sonderlich erzieherisch nach Innen, blieben aber von der Außenwelt unbeachtet. Diese in ihrer dichterischen Freiheit sich gar zu hoch f t^mi^^^f' LT- K'WZi'W '•' v ^tor . Bemerkungen zu Talmudstellen. Von Rabbiner Dr, S«ck«l Bamberger V"XT* (Zur zweiten Jahrzeit des, Kissinger Raws "^"ST am 15. Cheschwan.) In Kethuboth 28a wird der Traktat toi ta* einer der sogenannten „kleinen Traktate" erwähnt, der eine Zusammenstellung der Trauervorschriften enthält. Raschi erklärt: „Dies ist ein Traktat, man nennt ihn auch xiin»B7 und seine erste' Mischnah spricht von dem im Todeskampf Liegenden, der in allen Beziehungen noch als lebend. betrachtet wird." Es ist auffallend, daß Raschi die erste Mischnah dieses Traktats anführt, die in keinem Zusammenhang mit der dortigen Talmuddiskussion steht. Nun finden sich aber bei uns am Anfang des Traktats t»3K .vm noch ein kurzer agadischer Abschnitt, der mit den Worten nb'Vn 'xna vm beginnt. Raschi will wohl mit der Inhaltsangabe der ersten Mischnah betonen, daß der erwähnte agadische Abschnitt nicht zum Traktat selbst gehört, sondern eine spätere Hinzu* fügung ist, die als Einleitung dienen soll. Der Lehrer, in dessen Namen diese Agada berichtet wird, ist auch tatsächlich ein Amoräer, Rabbi Jocharian. (Vielleicht ergibt sich daraus, daß dieser Traktat in der uns vorliegenden Form frühestens in der Zeit von Rabbi Jochanan aus dem vorhandenen, alten Traditionsgut redigiert wurde.) In Maued Koton 28a werden nacheinander zwei Aussprüche gebracht, die beide das Gleiche beweisen. R. Ami sagt: „Warum steht der Bericht vom Tode Mirjams (IV 20, 1 )direkt nach dem Gesetz über die „rote Kuh"? Um zu sagen 'msaa nnns ms nn msa» D>pnx bv fnirn t]K, wie die rote Kuh sühnend wirkt (siehe Tos. zur Stelle}, so auch der Tod der Ge* rechten." Im nachfolgenden Ausspruch des R. Elasar wird dasselbe bewiesen aus> der Stelle IV 20, 26, wo der Tod Arons in Verbindung mit den „sühnenden" Priestergewändern erwähnt wird: nnsan a'pns bv inrpn t^.ansa» naina ^na n» (siehe hierzu Tos. z. St. und Talmud Sebacbim 88b). Man muß wohl annehmen, daß der später lebende R. Ami eine Weiterführung des Gedankens von R. Elasar beabsichtigt. Das Neue in R. Amis Belegstelle ist wohl darin zu finden, daß nicht nur der Tod frommer Männer (Aron), sondern auch der frommer Frauen sühnende Kraft ausübt. (Wie in den Aufzeichnungen des Verstorbenen erwähnt, wurde diese Erklärung nachträglich bestätigt durch den Kommentar de® Rabbenu Chananel z. St.) — Wenn in unserer Talmudstelle der Ausspruch von R. Ami vor dem des R. Elasar angeführt ist — man hätte es nach dem Obengesagten und aus chronologischen Gründen umgekehrt erwartet — so erklärt sich das aus dem übrigen Zusammenhang der dortigen Talmudstelle. Maued Koton 3, 5 (Talmud 19a)i. Die Mischnah sagt: npoa» ru'Ki nVw na», der Sabbat wird als ein Tag der Trauerwoche gezählt (weil die öffentlich nicht in Erscheinung tretenden Trauerbe=; Stimmungen auch am Sabbat vorgeschrieben sind) ' und die nyaip wird durch den in sie fallenden Sabbat nicht beendet. Zu den 'Worten nbrj.nsv bemerkt Raschi: „nyaw p»t> n^y i^as 'wa raw sn'K'wenn ein Sabbat in die Trauerwoche fällt, wird er bei der Zählung der sieben Trauertage mitgerechnet." Diese Erklärung ist schwierig, weil notwendigerweise immer ein Sabbat zu den sieben Trauertagen gehört. (Siehe jedoch Raschi zum Rif.) Es werden aber in Maued koton 27b die drei ersten Tage der Trauer als1 besonders bitter bezeichnet,^ab D'!^ nvbvrdie drei Tage des Weinens, woraus sich verschiedene erschwerende Vorschriften für die drei ersten Tage der r\V2V ergeben. Wenn Raschi sagen will/ daß der Sabbat seihst dann als ein Tag der nyat? gerechnet wird, wenn er in die drei ersten Trauertage fällt, dann erklärt sich seine hypothetische Ausdrucksweise (vergl. hierzu den Anfang der Mischnah inbezug auf u*v und Raschi dortselbst). Schewuoth 30b. Es wird dort berichtet, daß die Frau des R. Huna in einer Streitsache vor R. Nachman, der als Richter fungierte, erschien. Raschi erklärt, daß dies nach dem Todevon R. Huna war, und das Gleiche bemerken Tosefoth zur Stelle s. v. Ittsnv Es fragt sich, woher Raschi und Tos. wissen, daß R. Huna damals nicht mehr lebte. Nun gibt es eine Ansicht von Geonim, die in Tur Chauschen Mischpot Kap. 96 erwähnt wird, daß in Streitsachen gegen eine Frau auch deren Mann bei Gericht zu erscheinen hat. Wir nehmen an, daß Raschi und Tosj der gleichen Ansicht wie diese D'anun naiiWi sind und daher daraus, daß in der oben zitierten Talmudstelle nur die Frau des R. Huna erwähnt ist, schließen, daß R. Huna damals nicht mehr gelebt hat.

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