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Der Israelit · 1936-10-22 · Heft 42 (22.10.1936) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 42 (22.10.1936)
Date
1936-10-22
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 Nr. 42 D e r I s r ä e' 1 i t 22." Oktober 1936 Bevölkerung betrachtet werden, die dem allgemein polnischen kulturellen und materiellen Besitz unvergängliche bleibende Werte zugeführt hat und weiter zuführt. Ferner wird gegen den Plan einer politischen jüdischen Massenauswanderunjl aus Polen, der keine Aussicht auf Verwirklichung hat, schärfsten® Stellung genommen. Die Zusammensetzung des neuen Vorstandes der Warschauer Jüdischen Gemeinde. Warschau, 16, Okt. Die neugewählte Repräsentanz der Warschauer Jüdischen Gemeinde hat 'die Wahl eines neuen Gemeindevorstandes vorgenommen. Je 15 Stimmen entfielen auf die Kandidaten des Bund und der Aguda, denen je 5 Vorstandssitze eingeräumt wurden. Von den Zionisten wurden 3 Gemeindevorsteher mit 9 Stimmen gewählt. Auf die Misrachisten entfielen 5 Stimmen und ein Sitz, auf die Poale Zion 3 Stimmen und ebenfalls 1 Sitz im Gemeindevorstand. Die drei Hauptfraktionen sind somit im neuen Gemeindevorstand gleich stark. Zwecks Schaffung einer arbeitsfähigen Mehrheit wird ein Abkommen zwischen zwei dieser Gruppen erforderlich sein. Polen—Palästina in anderthalb Tagen. Warschau, 18. Okt. Wie der ITA. mitgeteilt wird, ist auf Initiative der Polnisch-Palästinensischen Handelskammer ein regelmäßiger Passagierluftverkehr zwischen Polen und Palästina eingerichtet worden. Die polnische Fluggesellschaft „Lot" hat beschlossen, die bisher von ihren Aeroplanen beflogenen Linien Warschau-Saloniki und Warschau-Athen bis nach Palästina zu verlängern. Der Flugweg ist folgender: Warschau-Lems berg-Bukarest-Athen-Rhodos-Haifa. Das erste Flug* zeug fliegt von Warschau am Dienstag, den 27. Oktober, früh ab und trifft in Haifa am Mittwoch, den 28. Oktober, mittags ein. Es werden technische Probeflüge im Verlauf des Winters .durchgeführt werden, um zu erkunden, ob es möglich sein wird, in Zukunft den Flug WarsekauJiaifa in einem TajS durchzuführen. England. Maßnahmen gegen die judenfeindliche Propaganda in England. London, 16. Okt. Wie die ITA. erfährt, ist von dem englischen Ministerrat eine Unterkommission eingesetzt worden, die über Maßnahmen zur Bekämpfung der judenfeindlichen Propaganda der englischen Faschisten beraten soll. Die Vorfälle im Londoner East End vor dem Board of Deputies. London, 18. Okt. Der Board of Deputies of British Jews, die offizielle Vertretung des englischen Judentums, befaßte sich in seiner am Sonntag, den 17. Oktober, abgehaltenen Sitzung eingehend mit den Vorfällen '.va Londoner East End, In scharfer Weise wurde gegen die Bemühungen protestiert, in der Vorstellung der Oeffentlichkeit den Eindruck zu erwecken, daß die Juden mit einer politischen Gruppe oder Richtung identisch seien. An die jüdische Bevölkrung des East End wurd der Appell gerichtet, sich den Unruhen fernzuhalten und es dadurch zu verhindern, daß die Taktik der Unruhestifter ihnen den gewünschten Erfolg bringe. Dem Antrag der Kommission für Rechtsangelegenheiten und parlamentarische Fragen gemäß wurde iestgestellt, daß der Board keine politischen Bindungen besitzt, noch besitzen kann. Seine Abwehrmaßnahmen seien ausschließlich gegen den Antisemitismus und die Versuche gerichtet, die Vorstellung von der Identität der jüdischen Gemeinschaft mit irgend einer politischen Körperschaft zu erwecken. (Siehe Wochenrundschau.) Englische Pressestimmen zur neUen Lage in Palästina. London, 15. Okt. . „Times", „Daily Mail" und „Daily Telegraph" widmen der Streikbeendigung Palästinas ganze Leitartikel, in denen sie mit Genugtuung die Wieder kehr geordneter Verhältnisse begrüßen und Ausblicke über die Gestaltung der künftigen Geschicke Pa lästinas unter dem Gesichtspunkte bieten, daß beiden Nationalitäten volle Gerechtigkeit widerfahren muß Ein Teil ihrer Ausführungen sind den Arbeiten der Kgl. Kommission gewidmet, die, ihrer Ansicht nach, schon demnächst beiginnen werden. Von dieser Tendenz sticht der Tenor eines Ar tikels in der konservativen Wochenschrift „Specta tor" ab. Es wird dort gesagt, daß da® Streben der Juden nach einer Majorität im Lande dem Frieden hindernd im Wege stehe. So werde es Aufgabe der Kommission sein, die Aspirationen der Juden zu dämpfen, und das Endziel der jüdischen Aufbauarbeit unzweideutig lest zu legen. Die Tatsache, daß die Araber durch"1 die jüdische Einwanderung profitiert haben, erkennt das Blatt nicht an. Man habe im Kriege den Arabern und Juden einander widersprechende Zusagen gemacht, so müsse jetzt der Ausgleich geschaffen werden Freilich müsse das Mandat auch von der Kgl. Kommission geachtet werden. Es gehe nicht darum, ob, sondern wie das Mandat durchgeführt werde. Es sei schon crihtig, daß sich England während der Unruhen das Einwanderungsverbot nicht abtrotzen ließ, die Kgl. Kommission werde sich aber ernstlich mit dem Einwanderungsproblem befassen müssen. Es müsse Rücksicht auf die Araber innerhalb und außerhalb Palästinas genommen werden. Palästina. Die Lage in Palästina nach dem Streikabbruch. Jerusalem, 19. Okt. Die in die Welt hinausgesandten Berichte, wonach seit Montag mittag in iganz Palästina vollkommene Ruhe herrsche, sind mindestens etwas verfrüht, denn schon in der Nacht zum Freitag, den 16. Oktober, wurde von Banden ein heftiger Angriff auf Kfar Chassidim im Emek unternommen, den die Siedler mit Hilfe der herbeigeeilten Truppen abwehren konnten. Verluste waren nicht zu beklagen. Bei Haifa wurde ein Araberdorf von arabischen Banditen überfallen. Es gab einen Kampf zwischen Arabern und Arabern, wobei die angreifende Bande festgenommen wurde. Am Freitagabend wurde auch eine Abteilung englischer Soldaten bei Akko beschossen. Die Banditen konnten entkommen. Trotz dieser kleinen Zwischenfälle, die zum Teile ein Abklingen der Unruhen anzeigen, zum Teile einfache Kriminalfälle, Schandtaten lichtscheuen Gesindels, wie sie überall in der Welt vorkommen, darstellen, hält die Palästinaregierung die Unruhen für beendet und gibt dieser Ansicht in einem am 16. veröffentlichten Communique Ausdruck. Es heißt darin, 'das vorliegende Communique werde das Letzte seiner Art sein, da „die Ordnung wieder hergestellt ist und die Gewalttaten nicht mehr vorkommen." Man glaubt, daß die Regierung damit die Entsendung der Königl. Kommission beschleunigen will. Daß man in den Kreisen der Rebellen nicht überall dieser Meinung ist, beweist eine Proklamation des Bandenführers F a u z i e 1 K a u k a d y i , in der er seine Anhänger auffordert, sich nicht zu zerstreuen und die Waffen nicht niederzulegen und in Bereitschaft zu bleiben, bis die jüdische Einwanderung verboten werde. Es kann auch nicht als Symptom vollkommener Beruhigung angesehen werdsn, daß die hebräische Tageszeitung „Haboker" wiederum für drei Tage verboten wurde. Ob sich die Nachricht der ITA., wonach der Streikführer Hassan By Sidky Dajany und seine Freunde, die sich noch im Konzentrationslager befinden, des Landes verwiesen werden, bestätigt, bleibt abzuwarten. Es wird bekanntgegeben, daß mit Rücksicht auf die Dürre im Kreise B e e r S c.h e w a der High Commissioner den dortigen Beduinen rückständige Zehnt-] abgaben in Höhe von Lst. 6170— erlassen hat. Ob auch jüdische Siedlungen, die im letzten Sommer unter den Unruhen so schwer gelitten haben, solche Erlasse gewährt werden, wird nicht mitgeteilt. Ein „Schächtkonflikt" in jTel Awiw. Tel Awiw, 19. Okt. Das Oberrabbinat von Tel Awiw hat-über sechs Metzger, die einen Prozeß gegen die, Stadtverwaltung angestrengt hatten, weil diese nichtrituelle Schiachs hingen im Stadtgebiet nicht zulassen wollte, den Cherem verhängt. Ein Attentat in TeluAwiw. Tel Awiw, 20. Okt. Am Samstag verbreitete sich ' in Tel Awiw das Gerücht, daß im Süden der Stadt arabische Pässanten von Radfahrern beschossen wurden, wobei e I n Araber schwer und ein anderer leicht verwundet wurde. Man ist davon überzeugt, daß die Tat von Provokateuren ausging, die dem Jischuw schaden wollen. In einer sofort einberufenen Sitzung des Stadtrates erließ die Stadtverwaltung von Tel Awiw,im Namen der gesamten Bevölkerung einen scharfen Protest gegen die provokatorische Tat und gab der Hoffnung Ausdruck, daß es der Behörde bald gelingen möge, die schändlichen Verbrecher, woher sie auch kämen, zu entdecken und der verdienten Strafe zuzuführen. Der Waad leiumi schloß sicti dem Proteste an. Es wurden im Zusammenhang mit dieser Tat etwa 80 Verhaftungen vorgenommen, von denen die Hälfte nach der ersten Vernehmung wieder aufgehoben wurde. Da neben Kommunisten auch viele >,Betarim" in Haft kamen, veröffentlicht die Betar-Zentrale einen Protest gegen diese Maßnahmen, indem sie jede Mitschuld und jede« Mitwiäsen ihrer Mitglieder an dem Attentat bestreitet. Zu gleicher Zeit mit den Verhaftungen in Tel Awiw und Petach Tikwah sind 30 Araber aus dem Konzentrationslager in Sarafend entlas sen worden. Es zeigen sich auch schon Anzeichen dafür, daß infolge des Abbruches des Araberstreikes arabische Arbeiter wieder die Arbeitsstellungen von Juden einnehmen. Im Steinbruch „Giwath Schaul" bei Jerusalem wurden sieben jüdische Arbeiter entlassen und an ihrer Stelle arabische Arbeiter eingestellt. Amtlich wird bekanntgegeben, daß mit Rücksicht auf die eingetretene Beruhigung, Eskorten für Reisen zwischen Jerusalem und Tel Awiw und nach den Emek-Kolonien nicht mehr gestellt werden. Die Einschränkungen im Aus'landst ele graphenverkeir wurden am Montag aufgehoben. SprechsaaL Ein letztes Wort zum „Duchan des Rabbi Jose". Herr Dr. Dünner hat vollkommen recht, daß ich seine Ausführungen zu der Erklärung des Herrn Rabb. Dr. Kaätz nur bestätigt habe, auch darin, daß ich auf die Erwiderung desselben nicht eingegangen bin. Da meine Einsendung auf den Artikel des Herrn Rabb. Dr. K, bereits wenige Tage nach dem Erscheinen in Händen der Redaktion war, war ein Eingehen auf dessen drei Wochen später erschienene Erwiderung nicht gut möglich. Und daß der Anfang meiner Erwiderung eine Widerlegung des Herrn Rabb. Dr. D. scheint, ist nicht meine 'Schuld, sondern auf ein Versehen der Redaktion zurückzuführen, die den ersten Satz meiner Ausführung, die sich nur auf Herrn Dr. K. beziehen konnte, (da mir bei der Niederschrift die Erwiderung des Herrn Dr. D. noch nicht bekannt war), so abfaßte, daß sie sich auf alle Einsender zu beziehen schien. X. Y. Briefkästen. S. Sp. T'el Awiw kommt zum ersten Male in Jecheskel Kap. 3, 15 vor und ist der Name einer Stadt am Euphrat, also nicht in '"S- Vor 27 Jahren wählten die Begründer des jüdischen Viertels bei Jaffa diesen Namen, der heute Name der ersten jüdischen Großstadt in Palästina ist. In „Rischon le Zion" und „Petach Tikwah" drückt sich die Hoffnung der Bilukolonisten aus, die vor mehr als 50 Jahren diese ersten Kolonien gegründet haben. ]vtb ppsn kommt in Jesajas 41, 27, nipn nr>B in Hosea 2, 15 vor. Besten Gruß!

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