Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 42 (22.10.1936)
- Date
- 1936-10-22
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Nr. 42 ■ a e I i t 22. ^Oktober 1936 vereint alle in echter Brüderlichkeit, In allem aber war Ephraim Carlebach der wahre Mittel punkt, der Anreger und Repräsentant der Gesamtheit. Diese gewaltige Arbeitsleistung, die nicht genügend gerühmt werden kann, vermochte d< Rabbiner nur deshalb zu vollbringen, weil ihm ein hohes Glück zuteil geworden war, -das Glück einer selbstlosen, hochsinnigen Gattin und Lebensgefährtin, einer Esches Chajil im wahrsten Sinne, einer Esches Neurim ,der Liebe seiner Jugend, Frau Gertrud Carlebach geb. Jakob: Sie schuf ihm neben dem Frieden und der Ruhe der täglichen Arbeit ein R a b b i n e r h a u s voll werbender Kraft, ein Haus der Gastlichkeit und der Zdoko, eine Zuflucht für Arme und Unglück liehe, eine Stätte des Glücks und der Freude für die gesamte Schülerschaft und Jugend der Stadt. Wenn sie jetzt in herbem Schmerze mit ihren begabten Kindern zusammen den- Gatten beweinen und betrauern muß, so mag es ihr als ein Bewußtsein der Erhebung und des Trostes sein, daß sie einen Hauptanteil an der fruchtbaren, umfassenden Tätigkeit des Dahingegangenen besitzt. Diese R«?bbezin hat ein Denkmal im Herzen aller Leipziger; soviel Tränen hat sie getrocknet, soviel Leid und Not ihrer Gemeinde kinder in ihrem Innern mitgetragen und helfend abgestellt. Sie und die Kinder des teuren Mannes haben den Dahingegangenen früh verlieren müssen, erst 57 Jahre alt, weil diese Arbeitslast, Rabbinat und Schuldirektorat und alles andere, die Kräfte eines Einzelnen übersteigen. Ephraim Carlebach hat Ungeheures geschaffen. Das darf ihr Stolz sein. Sein Leben war ausgefüllt. Sein Ideal hat er verwirklicht. Größeres kann Erdenkindern nicht zuteil werden. Nach 36jähriger Tätigkeit, nach manchem Leid, durch das G'tt ihn geprüft, suchte Ephraim Carlebach um seine Pensionierung nach. Ehrenvoll ward sie ihm gewährt. Der Dank und die Liebe der Leipziger zu ihrem Raw fand in vielen Kundgebungen begeisterten, rührenden Ausdruck. Jetzt am Ende seines Schaffens gab es niemand mehr, der den Segen seines Wirkens nicht dankbar bekannte. Sein Abschied von Leipzig, war ein Triumph. Alle empfanden, daß die Ruhe in Erez Jisroel ihm als Lohn treuer Arbeit gebührte. Von den Wünschen aller geleitet, siedelte er sich in Ramath Gan an. Aber er hatte seine Kräfte als Opfer seinem G'tte gegeben. Erez ward ihm nur das Tor des Himmels, der Eingang zum Jenseits. Dort. mag dieser fromme, keusche, reine Mensch, dieser echte Talmid Chochom und Raw, gegeben von der Palästina=Zentrale der Agudas Jisrael, Frankfurt a. M., erschienen, und zwar in der Form des Juniheftes der Publikationen der genannten Körperschaft. Man darf hoffen, daß .die weiteren Briefe recht bald folgen, denn diese überaus wertvollen Dokumente müssen der Vergessenheit entrissen werden. Zu der Palästina-Literatur dürfen wir auch den künstlerisch schön ausgestatteten Palästina-Kalender, herausgegeben von der Zionistischen Vereinigung Deutschlands, (Verlag Jüdische Rundschau GmbH., Berlin) zählen. Ein Bericht des Beth Sefer Choreb in Jerusalem, der von der Palästinazentrale der Agudä® Jisroel herausgegeben ist, wird allgemein höchstes Interesse für das altneue Schulwesen der Agudas Jisroel in Palästina erwecken. Wochenkalender. Vom 24. — 31. Oktober 1936 I Vom 8. — 15. March eschwan 5697 'Bl' ip DT73T 3 Samstag 24 8 Sonntag 25 9 K3 Montag Okt. 26 10 33 ■>3B7 rpwri Dienstag 27 jiipma 11 13 Mittwoch 28 12 "TS Donnerstag 29 13 na ■wan .rpayn Freitag 30 14 13 Samstag 31 15 t3 K-Pl dieser große Kinderfreünd und Kindeslehrer den Lohn, den ihm vorbehaltenen, finden. JT'nsan Die Bestattung. (Aus einem Privatbriefe.) Ganz Ramath Gan trauerte und ging im Trauerzuge mit. Ueberall waren an Häusern, Elektrizitätsmasten, Telefonstangeh Anzeigen über die Zeit der Beerdigung angeklebt. Ebenso auch in Tel Awiw. Der Zug hielt zunächst an der neuen Synagoge an, wo ein „El Mole Rachamim" gesprochen wurde. Hespedim durften nicht gehalten werden. Dann ging es bis zur Grenz& weiter zu Fuß. Man stieg in bereitstehende Autos und Omnibusse, machte am Anfang der Allenbystraße in Tel Awiw halt und begleitete wieder die Bahre zu Fuß. Hier schlössen sich die Tel Awiwer an. Der Zug schwoll auf dem langen Wege über Mograbi zum alten Friedhof in der Pinskerstraße immer mehr an, so daß der ganze Verkehr eingestellt wurde. Nur Militär fuhr von Zeit zu Zeit vorbei. Ah der großen Schul von Tel Awiw wurde1 wieder angehalten und „El Mole Rachamim" rezitiert, ebenso weiter am Altenhaus. Auf dem alten Friedhofe kam der Leipziger Raw zur letzten Ruhe in der Rabbonim R eih e. Die Gemeinde Tel^ Awiw hatte gleich bekanntgegeben, daß sie,darauf bestehe, daß der Raw auf ihrem alten Friedhofe, der nur noch für besondere Ehrengräber reserviert ist, beerdigt werde. Beide Oberrabbiner, Rabbi A m i © 1 und Chacham U s i e 1, waren anwesend, ebenso Hunderte von Schülern des Toten aus dem ganzen Lande, vollzählig hatten sich aber die Leipziger, Hamburger und Lübecker eingefunden. Rührend war die Anhänglichkeit und Liebe, die sich bei der Bestattung bekundete. Am Grabe sprach nur ein paar Dankesworte ein Schüler. Er nannte den Dahingegangenen den Dizengoff des jüdischen Leipzig. Dann senkte man die Gebeine des Frommen trauernd in die Gruft, wo er an der Seite des. Raw Ahronson S'i von Tel Awiw ruht. a'axin Unsere Schuld.... Aus einem bemerkenswerten Aufsatz des bekannten Jeschiwaleiters in Montreux, Rabbi Elijahu Botschko, in dem der Autor mit Rücksicht auf die jüdische Notlage in der Welt und die Ereignisse in Erez Israel die Judenheit zur Tschuwah aufruft, entnehmen wir folgenden Teil, der gerade zu Semesterbeginn von Bedeutung ist. Talmud lehrt uns psps iwan tpsps'» y>va pio* tnx nun ük mm ^032 ntor KS» x^i- „Stürmen Leiden auf den Menschen ein, so untersuche er seinen Lebenswandel. Fand er aber in seinem Tun nichts Unrechtes, so führe er die Strafe auf die Vernachlässigung der T h o r a zurück." Man sucht heute in jüdischen Kreisen vielfach nach dem Grunde der Leiden, sucht und findet nicht, obwohl das Nichtfinden nicht recht vereinbar ist mit dem bekannten Satz ■xvn'> xbi aio vera pxa pnx „Keiner ist so gerecht auf Erden, daß er nur Gutes getan und nie eine Sünde begangen hätte". Allein das min ^imn nVlV gibt uns heute mehr denn je Antwort auf alle Fragen nach dem Wieso und Warum. Wer sich von der heiligen Lehre entfernt hat, dem fehlt auch der Maßstab für das religiöse und jüdische Gut und Böse. Wer nicht im Lichte der Thora wandelt, kann bei der Revision seines Lebenswandels nichts finden. So wie wir in dunkler Nacht, bei ausgelöschten Lichtern, nicht unterscheiden können zwischen schwarz und weiß. Wie sollte man etwas finden, wenn man den Schlüssel zu den Kammern, wo etwas zu finden ist, vermißt? Das ist wohl der tiefere Sinn des Talmudsatzes: Er sucht und findet nicht? Dann führe er es — nicht die Leiden, sondern das Nichtfinden — auf seine Entfernung von der Thora zurück. Wir alle, nicht allein die liberalen Juden, müßten uns auf die Brust schlagen und uns der Sünde der min ^lül zeihen. Generationen hindurch haben wir unsere alte heilige Thora für eine neue Lehre hergegeben, "wir verließen das Beshamidrasch und hingen uns an das schöne Gewand der Bildung, hüteten alle Weinberge,, nur den eigenen nicht, dem doch, unserem jüdischen Berufe nach, „die Gedanken des Tages und der Nacht" gehören sollten. Unsere akademische Jugend kannte sich glänzend a/uf den verschlungenen Wegen aller Weltwissenschaften aus, nur nicht in den Gedankengängen von Abbaje und Rawa. Die Sprache der Thora wurde einem großen Teile der westlichen Judenheit zu einer Fremdsprache, die Thora selbst zu einem Buche mit sieben Siegeln, dessen Studium man als Ballast den bildungsbeflissenen Söhnen nicht mehr zumuten konnte. Wer noch in die Hallen des Talmud trat, mußte, so glaubte man, notwendig aus den Hallen der Kultur austreten und wurde als weltfremder Idealist 'betrachtet. Nun aber, da man uns von außen die Pforten der Kultur zugeschlagen hat, wäre es dochan der Zeit, daß wir unsere Schuld bekennen, Schuld und Schicksal: Die Vernachlässigung des Thorastudiums und das Unvermögen, unser Leben nach jüdischen Gesichtspunkten einzurichten infolge unserer Thoraentf r e m d u n g. Die Schuld einsehen,, heißt sie tilge n. Tilgen können wir nur die Schuld durch Rückkehr in di e Hallen der Thora, durch Entfachung einer r e 1 igiösen Bewegung für Thora und Mussar. Und gerade die Gesetzestreuen, die früher schon Thoraluft atmeten, haben heute die dringende Pflicht, denjenigen den Rettungsanker der Thora zu reichen, die zwischen zwei Kulturen im Dunklen nach einem Auswege verzweifelt tappen. Es gilt, der Erkenntnis zum Siege zu verhelfen, daß ohne Thora kein Judentum, ohne Studium der Thora an der Quelle kein Judesein ht Leben, Tat und Denken. Und rüstet man sich gar für ein künftiges Leben in Erez Israel,, <?o muß der Umwandlung eine geistige Hachscharah; für yian Wnp> vorangehen. Diese geistige Rüstung kann aber einzig und al 1 ein in der Jeschiwa gewonnen werden, deren ganze Zeit und ganzes. Programm von Thora und Mussar beherrscht werden. Einführung in die jüdische Geschichte. Von Dr. Ph. Biberield. Ueber den Fall Samarias heißt es (2. Kge. 19, 9): „Im vierten Regierungsjahre des Königs Hiskija, das ist das siebente Jahr Hoseas, Königs von Israel, zog Salmanassar, König von Assyrien, gegen Samaria und belagerte es. Und s i e nahmen es ein GTp^'l) im Verlauf von drei Jahren." Die Massöra überliefert hier durch die Interpunktion, daß das Wort FTD^'i nicht bedeutet ,ier nahm es ein", sondern „sie nahmen es ein", obwohl dieses im Zusammenhang mit dem vorhergehenden Satz unverständlich erscheint. Dort ist doch von Salmanassar als Eroberer die Rede. Auch hier haben die Ausgrabungen die erforderliche Aufklärung gebracht und zugleich die unvergleichliche Treue der Berichte der Heiligen Schrift in das richtige Licht gerückt. Es hat sich ergeben, daß Salmanassar selbst die Belagerung nicht zu Ende geführt, vielmehr während der Belagerung um das Leben gekommen ist. Mithin hat nicht er, sondern das Heer der j Assyrer, also sie, die Stadt erobert. Für die jüdische Geschichte ist diese Einzelheit ohne Bedeutung. Gleichwohl wird sie festgehalten, damit nichts Unrichtiges tradiert wird (vergißhierzu A. Marcus, Barsilai S. 90).