Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1936-10-22 · Heft 42 (22.10.1936) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 42 (22.10.1936)
Date
1936-10-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2450909-2450950--82482-2540439
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

22. Oktober 1936 Ü e i Israelit Nr. 42 Seite 5 Arbeit sich selbst verschlang, N^ch frühem Abiturium hat dieser vierte Sohn des Lübecker Zaddik Rabb, Dr. S. Carlebach s. A. schon mit 20 Jahren seine öffentliche Tätigkeit in Leipzig begonnen. Bereits vom frommen Vater in die talmudische Welt eingeführt, war er dann Schüler Rabb. Dr. Ehrmarms 'T't in Baden und Prof. David Hoffmanns ^"T am Rabbinerseminar in Berlin. Gleichzeitig unterrichtete er an der von Meier Hildesheimer ^"T geleiteten Religionsschule der Adas Jisroel-Gemeinde. Hier entwickelte er eine erstaunliche naturgewachsene pädagogische Begabung. Die Schüler standen förmlich unter seinem Banne; sie erfuhren innerlich eine völlige Verwandlung. Bis in die Nacht scharten sie sich um ihn, mit ihm Gemoro zu lernen, zu schwärmen, sich zu begeistern. Als daher ein kleiner Kreis von Jereim aus Leipzig beim Rabbinerseminar anfragte, ob man nicht für die dort arg vernachlässigte Jugendbildung einen rechten Erzieher vorschlagen könnte, empfahl ihnen Hoffmann H^'T seinen jugendlichen Lieblingsschüler, den Studenten Ephraim Carlebach. Aus dem Elternhause halte der Jüngling eines in engstem Zusammenhang mit dem Gedanken der Renaissance des sinaitischen Judentums in sich aufgenommen: eine glühende Verehrung von S. R. Hirsch. Aus der Lebensgeschichte dieses Großen hatte ihm der Vater hunderte Male erzählt, wie eine kleine Schar von Frommen, ein letzter Rest von Gesetzestreuen, ihn nach Frankfurt berufen und er, der geniale Meister, mit seinem Zauberstabe die damals führende Gemeinde der Orthodoxie aus dem Boden gestampft hatte. Das wirkte in Ephraim Carlebachs Gemüt nach. Als an ihn das Angebot aus Leipzig kam, da sah er im Geiste eine ähnliche Situation wie jene in Frankfurts Vergangenheit vor sich, und mit dem sicheren Instinkt eines schöpferischen Menschen griff er zu, fragte nicht nach Vollendung der Ausbildung, nach Möglichkeiten und Schwierigkeiten, sondern ging nach der Pleißestadt, das Programm der Hirschischen Gemeindegründung im Geiste tragend. Dieses Programm hat er in sechsunddreißigjähriger, zäher, zielbewußter, Unerschrockener und unermüdlicher Arbeit Punkt um Punkt bis aufs letzte verwirklicht. Er schuf eine herrliche Realschule für Knaben und Mädchen, zwei große Synagogen, deren eine in der Otto Schill-Straße zu den schönsten Deutschlands gehört. Unter ihm erhielt Leipzig alle Institutionen im frommen Geiste: Krankenhaus, Altenhaus, u. v. m. Aus einem kleinen Häufchen von den liberalen Ju- Der König von Sedom hatte zunächst nicht den Mut, an Awram eine Forderung zu stellen. Erst als er gesehen, daß Awram dem Priester des höchsten G'ttes den Zehnten seiner Habe übergeben, hofft auch er, aus der Fraigiebigkeit des Siegera Nutzen zu ziehen, wdjh 'V ]n d-ok b& btö -jb» ">»k,'v D a sprach der König von Sedom zu Awram: Gib mir die Seelen. Kap. 15. V. 4. OK "b nt i«n" vb -VMi vbm 'n *m mni yt>i» Hirt T?aa ss' "ups» Siehe, das Wort G'ttes erging an ihn: Nicht wird dieser dich beerben, sondern der aus deinen Eingeweiden hervorgehen wird, er wird dich beerben, nan leitet die Schilderung einer unerwartet eingetretenen Begebenheit ein. Kaum hatte Awram die Worte jnr nnm rV »i» ]n „siehe, mir hast du keinen Samen gegeben" gesprochen, vb& 'n im nam siehe, das Wort G'ttes ergeht an ihn. Kap. 15. V. 6. npis ib mewi 'na p»nv Raschi bezieht nawm auf G'tt. G'tt rechnet Awram das Vertrauen auf Ihn als Verdienst an. Diese Auslegung bedarf der Erklärung. Aus welchem <Grunde sollte Awram der Verheißung G'ttes nicht Glauiben schenken? Diese Schwierigkeit veranlaßt einige Kommentatore, den Vers in folgender Weise zu deuten: Awram sieht die ihm von G'tt zuteil gewordene Verheißung nicht als Belohnung für seine Handlungen an, sondern erblickt in ihr ein Zeichen g'ttlicher Huld. Nach dieser Auslegung werden die beiden Satzteile unseres Verses von ein und demselben Subjekt, Awram, getragein. Kap. 16. V. 11. T\*ipi p fii^i mn *pn 'n ■jitfn rf? n»«n Tay "ij vnv '3 bxyaw nsv- Da sprach G'ttes Engel zu ihr: Siehe, du wirst Mutter und gebierst einen Sohn; du sollst ihn Jischmaei nennen, denn G'tt hat auf dein Leid hingehört. V. 15. •b*.yw nan rrr?' nw* ow Dias k-ij»i p cmsS» -an ibm den (gering geachteter, wegen ihrer Heimat sogar aus der Gemeinde und vom Wahlrecht ausgeschlossener Frommen ist eine führende orthodoxe Gemeinde geworden, ächtunggebietend und anerkannt innerhalb der Leipziger Gesamtgemeinde, innerhalb Sachsens und der gesamten jüdischen Welt, Es wird noch die Aufgabe einer speziellen Geschichte und Biographie sein müssen, das Wunder dieser großen Leistung in ihren Einzeletappen, ihren Kämpfen und Erfolgen darzustellen. Was dieser Gemeindeschöpfung und Ausgestaltung ihr besonderes Gepräge, ihre für alle Zeiten vorbildliche Bedeutung gibt, das ist grade der Umstand, daß es sich hier hauptsächlich um eine Gemeinde handelte, die sich aus ostjüdischen Brüdern rekrutierte. Dieser junge Rabbiner hat mit seiner Gemeinde zum ersten Male der Welt bewiesen, daß auch hier die Synthese von Thora und Derech Erez gelingen kann, oder grade hier eine ganz eigenartige und einzigartige Blüte tragen konnte. Ephraim Carlebach erkannte die ganz großen seelischen und geistigen Kräfte, die in dieser Welt schlummern. Er verstand mit Feingefühl und zartem Takt, sie zu gewinnen und richtig zu nehmen. Mit sanfter Ueberredung überzeugte er sie, welche religiöse Bedeutung, welchen Kiddusch Haschern in dieser der Thora verlorenen Messestadt eine vornehme, in Schönheit und Ordnung sich vollziehende Mizwahübung, ein eindrucksvoll frommer G'ttesdienst ausmachen würde, wie nur auf diesem Wege die Jugend für die Dauer dem Judentum erhalten bleiben könne. Der junge Führer, der erst mitten in der öffentlichen Tätigkeit seine Examina vollenden, den Doktorgrad und den Hetter Hauroo erwerben konnte, der ohne die Autorität eines Fertigen sich durchsetzen, gegen andere Versuche einer Könkurrenzgründung standhalten mußte, er siegte und gewann die Herzen der Fernen und Nahen, der Gemeindegewaltigen und der Geldgeber, sowie der staatlichen Behörden bis in die höchsten Stellen. Seine Waffe, die ihm den Sieg verschaffte, war letztlich doch seine erzieherische Kunst. lieber die Jugend, die er faszinierte, hinriß und mitriß, die nach langer Vernachlässigung und Aschenbrödelrolle ihm zujubelte, der seine Schule Heimat, Kraft und Zukunft bedeutete, gewann er die Widerstrebenden, die ängstlichen oder feindlichen Alten. Weil die Jugend ihm lauschte, gewöhnte sich das Alter an die moderne deutsche Predigt, an die gewählte Form der Diktion, die ihm eigen war. Weil die Jugend für das ihr geschenkte Glück ihm dankbar war, Hagar gebar dem Awram einen Sohn. Awram nannte | seinen Sohn, 'den Hagar geboren hatte, Jischmael. Hagar hatte nicht den Mut, dem Sohn ihres Herren einen Namen zu geben. Sie teilt Awram die Worte des Engels mit, der 'dem Befehl G'ttes entsprechend den Knaben Jischmael nennt. Kap. 17. V. 1. "ip J>j?'JK r>bR nns'i: "W hängt mit dem Zeitwort tte? erobern, überwinden (Jirmejahu 5, 6) zusammen, "w bedeutet: Der alles Ueberwindende, der Allmächtige. Kleines Feuilleton, Josef Löwy; Das Erbe. Autorisierte Uebertragung aus dem Jiddischen von Sch. Bem-Chorin. In mein Herz versiegefit ist meines Vaters Sehnen, — Meines Vaters, des heiligen g'ttlichen Knechts — Und es spiegeln sich dort da® Weh und die Tränen Eines im Leiden erstarkten Geschlechts: Ich höre den Schmerz tief in mir ertönen In einsamer Tage und Nächte Geächz. Es sind gefallen zwei heilige Zähren, Wenn an der Wiege die Mutter mir sang Von ihrem Elend, (dem grauen, dem schweren, Davon ihre Seele schauernd erklang. Und oft, wenn ich singe von Lust und Begehren Spüre ich selig der Mutter Herzgang. darum festigte sich langsam überall seine Stellung und wuchs seine Autorität von Tag zu Tage. Der Segen des Himmels ruhte auf seiner Arbeit; immer fanden sich Helfer zur rechten Zeit, die er sich eroberte. Zuerst war es sein begüterter Bruder, der ihm im Tode voranging, Alexander Carlebach s. A. aus Lübeck, der ihm materielle Mittel zur Verfügung stellte, dann der hochherzige Wohltäter Eitinggon, der großzügig seinen Reichtum der Gemeinde widmete; dann der von ihm begeisterte Rosenfeld und der ehrwürdige Greis Samuel Hodes, endlich seine eigenen Schüler, zu Männern herangewachsen und ihm für ihr Leben verbunden, vor allem die Brüder vom Hause Kroch, die sich unsterbliche Verdienste um die Entwicklung seiner Schöpfungen erwarben. Langsam hat auch die Großgemeinde sein Wirken in der Schule anerkannt; nicht minder als seine Gesinnungsgenossen hat sie am Ende sich für deren Erhaltung eingesetzt und ihm in Dankbarkeit und Verehrung sich restlos ihm angeschlossen. Symbol und Ausdruck der gelungenen Gemeindeschöpfung aber ,wurde die große neue Synagoge, die 1915 hauptsächlich durch Eitinggons Mitwirkung geschaffen wurde. Sie erst zeigte mit ihrer vieltausendköpfigen Beterschar an jedem Sabbat, mit ihrem vorzüglichen Chor und den großen Chasanim Schneider und Wilkomirski, mit ihrer dezent schönen Ausstattung und nicht zuletzt mit der eindrucksvoll tiefen Beredsamkeit des Rabbiners der jüdischen Welt, wie schön sich die Inbrunst östlichen Betens mit der Aesthetik, dem Hiddur Mizwoh vermählt und eine g'ttesdienstliche Stätte großen Formats herausgestellt hatte. Jn neidloser Bewunderung hat die große Rabbinerversammlung im Dezember 1934, deren Eröffnung in dieser Synagoge stattfand, den hohen Rang seiner Kanzel und dieses ganzen Bes Tefillo miterlebt und anerkannt. Gleichzeitig aber empfanden alle bei dem ungewöhnlichen Interesse, mit welchem drei Tage lang alle rabbinischen Erörterungen und Beratungen vom Publikum verfolgt wurden, welches geistige Milieu die Leipziger Khilla auszeichnet, wieviel Lamdonus hier zu Hause ist, wieviel Hörfreudigkeit und Wissensdurst die Menge beherrschen. Ja, es herrscht echtes jüdisches Khillaleben in Leipzig; das Bes Din ist nicht nur eine leere Floskel, sondern Schiedsinstanz überall, Vorträge und Schiurim finden immer ihren reichen Zuspruch, das Kollegium der höheren Schule steigerte das Niveau des jüdisch-geistigen Denkens und eine wunderbare soziale Verantwortlichkeit, ein Gemilus Chessed großen Stils, Dann fall ich so bang von allen verstoßen In meiner Mutter klagenden Schoß, So wie ihn Frühling auf knospende Rosen Ein trüber, ein herbstlicher Tag -sich ergoß: Das Sehnen de® Vaters, des einsamen Großen, Der Mutter Tränen sind mein Genoß. Neue Palästina-Literatur. Briefe junger Menschen schildern Erez Israel. Die Briefe sind gesammelt und herausgegeben von Rudolf Melitz Verlag Atid, Berlin. Jeder hat sein Palästina, jeder sieht es mit den eigenen Augen, erlebt es mit der eigenen Seele. Daher die endlose Zahl von Darstellungen in Wort und Bild, die einander weder ergänzen noch aufheben. In diesem Sammelbuch sehen wir, wie junge Menschen zu Erez Israel stehen, wie sie ihre Eindrücke auf der Fahrt, in den Städten, in den Siedlungen, bei der Arbeit und beim Festefedern wieder* geben. Daß wir uns beispielsweise -dem Urteil über En Charod und andere Kewuzoth nicht rückhaltlos anschließen möchten, muß nicht erst gesagt werden. Das ändert nichts an der Tatsache, daß uns die Briefe interessanten, Einblick in junge jüdische Seelen gewähren. Die J u g e n id a 1 i j a h und wie sie die Jugendlichen selbst empfinden spiegelt sich sehr deutlich auch in den Briefen, die Heft 5 der Zuschrift „Jugenidalijah" veröffentlicht. Auch das Bildermaterial in dein Sämmelheft ist reichhaltig und. recht gut, ■die statistisch&n Angaben übersichtlich und lehrreich. Von den aufsehenerregenden Erez Jisroel« Briefen Dr. Isaac Breuer® im „Nachlath Zwi" und „Israelit" sind die ersten in einem Hefte, heraus-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.