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Der Israelit · 1936-10-22 · Heft 42 (22.10.1936) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 42 (22.10.1936)
Date
1936-10-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
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22. Oktober 1936 _ De r Isra e 1 i t Adolf Frankl V'st- (Fortsetzüng von Seite 1.) So wurde denn schon früh die jüdische Oeffentlichkeit auf diese Führerpersönlichkeit aufmerksam. Kaum ein Dreißiger, wurde er 1888 zum Vorsteher des ungarischen K o 1 e 1 in Palästina gewählt, und die Liebe zu Erez Israel verließ ihn- bis zuletzt nicht mehr. 1905 wurde er aber ari die oberste Stelle des orthodoxen Judentums in Ungarn mit der Ernennung zum Präsidenten der Orthodoxen Israelitischen L an d e s k an z 1 ei gestellt. Es war die höchste Ehre, die das ungarische Judentum zu vergeben hatte, aber er faßte sie als Dienst auf,; Dienst am Volke, Dienst an der Thora, den er'.mit. einzig dastehender Treue dreißig Jahre lang ununterbrochen, bis 1934 versah. Es gab in dieser Zeit schwere Kämpfe für die jüdische Sache in Ungarn. Frankl führte sie mit dem Elan des jungen Helden und mit der Vornehmheit des; Grandseigneurs. Seine sachlichen Gegner waren oft seine glühendsten persönlichen Verehrer. Es begann damit eine neue Epoche für die 500 000 .Seelen umfassende gesetzestreue Judenheit dieses Landes. Der Dahingeschiedene, der buchstäblich jede Nacht bis gegen 2 Uhr intensiv 1 e r nte , und am Tage sich seinem Bankgeschäft widmete, stand den (umfangreichen Amtsgeschäften, in der Kanzlei (die auch in seinem Hause ihre Stätte gefunden hatte}- mit einer Sachkenntnis und Gründlichkeit. ■vor, die Zeugnis .davon ablegte, mit welcher Virtuosität Adolf Frankl Zeit und Verhältnisse wertvoll auszunutzen verstand. Erst 1934 entschloß sich Frankl, der. 76Jährige, mit schwerem Herzen, das verantwortungsvolle Amt in die Hand eines Anderen zu legen. Es war freilich «in Berufener, sein Schwiegersohn Samuel Kahan-Frankl, der durch die Schule des großen Schwiegervaters gegangen ist und dessen Name dafür bürgte, daß die oberste Behörde der orthodoxen Judenheit in gleichem Geiste weitergeführt werde. Die orthodoxe Judenheit ließ es sich aber nicht nehmen, den Altpräsidenten zum Ehrenpräsidenten zu wählen, als welcher er mit dem Oberrabbinertitel die jüdischen Belange im Oberhause vertrat. Mit 78 Jahren scheidet er von uns, eine Lücke hinterlassend, die in absehbarer Zeit nicht ausgefüllt werden kann. Wenn gesagt wird, das thoratreue ungarische Judentum stehe verwaist an der Bahre seines Vaters und Führers, so ist es in diesem Falle keine aus dem Schmerze des Augenblickes geborene Phrase, sondern die Konstatierung einer erschütternden Tatsache, die in der nächsten Zukunft jeden Tag von neuem ihre Bestätigung finden wird. Die eigene Konstruktion der organisierten jüdischen Orthodoxie in Ungarn machte es, wie man dort glaubt, nicht möglich, daß sich der Präsident der Landeskanzlei führend in der Agudas Jisroel betätigte. Sein Herz und seine Seele gehörten der orthodoxen Weltorganisa-, tion, ihren Idealen und ihren Bestrebungen vollkommen, und er verfolgte ihren Werdegang und ihre Entwicklung mit größtem Interesse. Die Landeskanzlei als solche galt und gilt als Mitglied der Agudas Jisroel-Weltorganisation, und die J i s c h u w - E r e z - I s r a e 1-B e w e g u n g in Ungarn, die ideologisch, wenn auch nicht organisatorisch, Geist vom Geiste der Palästina- Zentrale der Agudas Jisroel ist, hatte in Adolf Frankl den eifrigsten Freund und Förderer. Es ist noch in guter Erinnerung, wie Adolf Frankl 1919 auf der Züricher Tagung der Agudas Jisroel sich mit einem Feuereifer und einer alle hinreißenden Leidenschaft für die J e s c h i - w o t h im heute dezimierten Ungarn einsetzte. So war denn der heimgegangene Führer der ungarischen Orthodoxie, wie mit der Palästinaarbeit, auch mit der: Keren Hathora-Arbeit der Agudas Jisroel seelisch aufs engste verknüpft, Aus seiner Parlamentszeit ist als besonders bemerkenswert hervorzuheben eine Rede gegen antisemitische Angriffe am 23. Juni 1933. Diese in einem klassischen Ungarisch; vorgetragene Rede — Frankl beherrschte außerdem noch einige Sprachen perfekt in Wort und Schrift, — machte einen ungeheuren Eindruck auf alle Parlamentarier und löste im ganzen Lande eine ungeahnte Wirkung aus. Wiederholt wurde er vom zuständigen Minister empfangen, um die Interessen der Gesetzestreuen in jeder Beziehung würdig zu vertreten. Adolf Frankl b"iii- Es mag durch diese Schilderung der Lebensarbeit Frankls wohl hinreichend'bewiesen sein, daß jeder Tag seines Hierseins ausgefüllt war durch den Dienst für G'tt und seine Tauroh. Es ist um so verwunderlicher, daß dieser große Kämpfer für Tauroh und Awaudoh noch die Konzentration besaß, den engeren Aufgaben eines j ü d i s c h e n Zibburs sich zu widmen. So zählte Wochenrundschau. Zwischen Frieden und Ruhe in Palästina. Wie schon berichtet, erfüllt der Friedensschluß in Palästina die jüdische Bevölkerung mit neuen Sorgen für die nächste Zukunft — angesichts der Tatsache, daß die Araber und deren Führer den Frieden nur als „Waffenstillstand" erklärt haben, als eine Art Vorschußzahlung für ihnen in mehr oder weniger bestimmter Form versprochene Konzessionen auf Kosten des jüdischen Aufbaus. Ucber das Verhalten des jüdischen Jischuw nach dem Streike, seine Erwartungen und Forderungen äußerte sich der Vorsitzende der Exekutive der Jewish Agency, David b e n G u r i o n , in der Sitzung des Kleinen A. C. in Jerusalem wie folgt: ,,Wir wurden nicht in Schrecken gejagt, als der Streik proklamiert wurde, und wir brechen jetzt, da er beendet worden ist, nicht in Jubel aus. Der Streik hat mit einer vollständigen Niederlage seiner Organisatoren geendet. Sie haben kein einziges der von ihnen aufgestellten Ziele erreicht. Dagegen 'hat der mißlungene Streik der ganzen Welt bewiesen — falls ein solcher Beweis noch nötig war — daß Palästina, schon heute kein rein arabisches Land mehr ist. Es ist dem _■ _Nr. 42 Seite 3 er zu den Mitbegründern der Budapester orthodoxen nian 0"lP' wie er auch ein unvergleichlicher Lehrer seinen Enkeln war. Schon vor zwei Jahren hatte eine schwere Krankheit ihn aufs Lager geworfen, jedoch erholte er sich überraschend schnell. Zwei Tage vor Rauschhasohonoh erkrankte Frankl leicht. Vor Jaum Hakippurim stellten sich bronchitische Beschwerden ein, trotzdem war es dem Kranken möglich, zu fasten. In der ersten Hälfte des Freudenfestes trat dann eine Verschlimmerung ein, und eine Lungenentzündung brachte nach den Festtagen der Oeffentliohkeit Klarheit darüber, daß das Schlimmste zu befürchten sei. Am Montag Abend voriger Woche wurde der Kranke bewußtlos. Am Dienstag um 21.10 Uhr hauchte dieser Große in Israel in Anwesenheit seiner Frau, Tochter und fünfzig ihm nahestehender Persönlichkeiten seine reine Seele aus. Die sterbliche Hülle wurde in seinem Bes Hamidrasch aufgebahrt. In einer letzten Verfügung hat Adolf Frankl sich jede Trauerrede verbeten, wie er auch alles Außergewöhnliche bei .der mi3p' die am Donnerstag in Ofen stattfand, sich verbeten bat. In seiner ftiCfZ ersuchte er das Rabbinat, an seiner flu»} zu verlesen, daß er Allen, die ihm vielleicht weh getan haben könnten, vollauf verzeihe, und daß er Alle bitte, ihm zu verzeihen für Kränkungen, die er ihnen zugefügt haben könnte. Er verlangt von seinen Freunden, daß sie während der zwölf Trauermonate lernen. Die Bahre wurde vor die Synagoge geführt, wo man einen Moment Halt machte. An der ""fr nahmen von der Regierung teil: Graf K an als Sektionsrat im Kultusministerium *md Dr. Glücksthal als jüdischer Abgeordneter des Oberhauses. Auf dem ü'Tiri rPa verlas Rabbiner S u ß - mann die letzte Verfügung des Verstorbenen. In einer Trauersitzung der Gemeinde würdigte deren Präsident, Herr von Freudiger, Frankls überragende Größe und seine unvergeßlichen Verdienste. Für die C'hewroh Kadischoh sprach Herr Dr. F r i e d m a n n und für die Schaß-Ghewroh Herr Markus Klein. Ein Fürst und ein Großer ist aus Israels Mitte geschieden. 3T">t Streik nicht gelungen, das Leben Palästinas lahmzulegen. Er hat nicht einmal das gesamte arabische Gebiet erfaßt, nicht Haifa und auch eine Reihe arabischer Dörfer nicht. Die arabischen Hafenarbeiter in Haifa, die arabischen Postbeamten und Eisenbahnarbeiter haben nicht gestreikt. Auch diejenigen, die gestreikt haben, sind dazu durch die fortgesetzte Einwirkung der Terroristen gezwungen worden; die Terroristen haben ununterbrochen versucht, die friedliebende arabische Bevölkerung einzuschüchtern. Was den Jischuw betrifft, so ist er durch den Streik nicht betroffen worden. Im Gegenteil: der Streik hat gezeigt, daß die jüdische Wirtschaft von der a r a b i s c ihe n unabhängig ist. Indirekt hat der Streik die jüdische Wirtschaft konsolidiert. Er hat dazu geführt, daß die jüdische Arbeit in der Landwirtschaft, in der Seeschiffahrt und bei öffentlichen Unternehmungen festen Fuß gefaßt hat. Während des Streiks ist der jüdische Hafen in Tel Awiw entstanden. Der Araberstreik hat die jüdische Bevölkerung Palästinas in keiner Weise eingeschüchtert; sie hat ihre Arbeit ohne Unterbrechung fortgeführt, den Verkehr im Lande aufrecht erhalten und eine neue große Einwanderung aufgenommen." Ben Gurion betonte weiter, daß die für Streik und Terror verantwortlichen Führer in Palästina jetzt werden beweisen müssen, daß sie d e n Terror nicht nur entfesseln konnten, sondern daß sie ihn auch b e e n d e n k ö n n e n. Die arabischen Führer hätten ihr Ansehen nur durch den Aufruf der arabischen Herrscher, die zur Beendigung des Streiks aufforderten, retten können.

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