Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1936-10-22 · Heft 42 (22.10.1936) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 42 (22.10.1936)
Date
1936-10-22
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2450909-2450950--82479-2540436
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 2 Nr. 42 Der Israelit 22. Oktober 1936 des Staates, die vor der Gründung des Staates und sogar noch im erneuerten Polen zahllose Auswanderer gestellt haben. In Anbetracht der historischen Rolle des j ü - d i s c h e n H a n d e 1 s s t a n d e s in Polen, der ein Pionier des polnischen Handels und Exports war und in großem Maße heute noch ist, stellt das jüdische Wirtschaftskomitee fest, daß die negative Einschätzung der jüdischen Handelsunternehmungen für den jüdischen Kaufmannsstand ein schweres Unrecht und einen durchaus unverdienten Vorwurf bedeutet. Tel Awiw, 21. Oktober. Der Stadtrat von Tel Awiw hat in seiner am 20. Oktober abgehaltenen Sitzung den Stadtverordneten Mosche Chelouche als Nachfolger Mehr Dizengoffs zum Bürgermeister von Tel Awiw gewählt. Bei den letzten Wahlen zum Stadtrat kandidierte Chelouche auf der Liste der persönlichen Freunde Meir Dizengoffs. Er ist aber nicht gleich im ersten Wahlgang am 15. Dezember 1935 in den Stadtrat gelangt. Erst eine spätere Wahlüberprüfung führte dazu, daß das Mandat des Industriellenvertreters Shatzow annulliert und der Dizengoff-Liste ein zweites Mandat zugesprochen wurde, das nunmehr Chelouche zufiel. Der neue Bürgermeister, der auch das Amt eines bulgarischen Konsuls in Tel Awiw bekleidet, hat sich um die wirtschaftlichen Interessen von Tel Awiw und des ganzen jüdischen Palästina sehr verdient gemacht. Zwecks Organisierung des Absatzes von Palästinaprodukten hat er wiederholt mit Erfolg Verhandlungen in Jerusal e'm , 19. Oktober. High Commissioner Sir Arthur W a u c h o p e und der Ob erkommandierende der englischen Truppen in Palästina, Generalleutnant Dill, haben dem Emir von Transjordanien in Amman einen Besuch abgestattet. Bei einem Frühstück wurden Probleme der arabischen Bevölkerung Palästinas besprochen. König Ihn Saud von Zentrslarahien und Jerusalem, 19. Oktober. Die gesamte arabische Presse wendet sich in scharfen Artikeln gegen das Bestehen eines Hafens in Tel Awiw. Es wird erklärt, daß das Vorhandensein einer Anlegestelle in Tel Awiw den Anlaß zu künftigen Unruhen bilden wird. Die Empörung der arabischen Zeitungen ist offenbar darauf zurückzuführen, daß im Hafen von Tel Awiw ein lebhafter Verkehr sich entwickelt, während der Hafen von Jaffa auch nach Beendigung der Unruhen ziemlich tot ist. Besonders wild gebärdet sich „El Liwaa", das Or- Jerusalem, 14. Oktober. Die ITA. wollte erfahren haben, daß die Palästinaregierung sich bereit erklärt 'habe, eine Einwanderungsschedule von 8000 Zertifikaten zu bewilligen, jedoch nur unter der Bedingung, daß Jerusalem, 5. Oktober. Die Frankenabwertung und die in ihrem Gefolge stattgefundenen anderen Abwertungen werden auch auf die Handelsbeziehungen Palästinas Einfluß haben. Dieser Einfluß wird sich im Verhältnis Palästinas zur Tschechoslovakei, das bisher an einem weitgehenden Ausbau der Handelsbeziehungen mit Palästina interessiert Angesichts der Krise in Polen und der großen Aufgaben, die dem Staate in einem Augenblick großer historischer Verantwortung bevorstehen, kann nicht eine Teilung der Bürger in verschiedene Kategorien und nicht die geplante Losung, einen Teil der Bevölkerung auf Kosten des anderen gesund zu machen, sondern einzig und allein die Konsolidierung und gemeinsame Anstrengung aller Teile der Bevölkerung 'imstande sein, dem Staate wirtschaftlichen Aufstieg und Macht zu sichern." verschiedenen europäischen Ländern, insbesondere in Bulgarien und anderen osteuropäischen Staaten geführt. Die Wahl des neuen Bürgermeisters erfolgte mit 8 Simmen der Arbeiterpartei und des Fortschrittlichen Blocks gegen 7 Stimmen 'des Zentrumblocks. Die Sitzung verlief ziemlich stürmisch. Nachdem die Vertreter der einzelnen Parteden Erklärungen abgegeben hatten, schloß Vizebürgermeister Israel Rokeach auf Verlangen des Zentrumblooks die Sitzung, bevor die Versammlung sich über den Text des Schreibens geeinigt hatte, in dem das Ergebnis der Bürgermeistsrwahl dem High Commissioner Sir Arthur Wauchope mitgeteilt werden sollte. Die Vertreter der Arbeiterpartei und des Fortschrittlichen Blocks erhoben Einspruch gegen diese Maßnahme. Der der Arbeiterpartei angehörende Vizebärgermeister D o v Hos eröffnete die Sitzung noch einmal und es wurde in Abwesenheit der .Mitglieder des Zentrumblocks die von den Arbeiterparteilern und Fortschrittlern vorgeschlagene Fassung des Briefes genehmigt. König G a s i vom Irak haben das Oberste Arabische K o m itee in Jerusalem telegraphisch zu der Beseitigung von Streik und Terror in Palästina beglückwünscht und dabei ihr Versprechen erneuert, sich auch in Zukunft um die Interessen der Araber in Palästina zu kümmern. Die Telegramme der arabischen Herrscher stellen die Antwort auf die Mitteilung des Komitees dar, daß der Streik beendet sei. gan des Großmufti, die an die Regierung die Forderung richtet, den weiteren Ausbau des Hafens in Tel Awiw nicht zuzulassen und die Beseitigung der bestehenden Anlagen anzuordnen. Eine ungehemmte Hetze wird von der arabischen Presse auch im Zusammenhang mit dem bedauernswerten Zwischenfall in Tel Awiw entfaltet. „El Liwak" versteigt sich dabei zu der Behauptung, daß der Plan zu dem Attentat in Tel Awiw auf der kürzlich in Jerusalem abgehaltenen Sitzung des Kleinen Aktions-Komitees gefaßt worden sei. (Siehe Korrespondenz S. 10.) die Einwanderer noch im Laufe des Monats November nach Palästina kommen. Die Jewxsh Agency soll diese Bedingung als unerfüllbar abgelehnt haben. Nun wird aber mitgeteilt, daß die Nachricht in all ihren Teilen verf rüht ist. war, auswirken. Er wird aber besonders im Hinblick auf die Beziehungen Palästinas zu Syrien zu spüren sein. Palästina war bisher der beste Kunde von Syrien-Libanon. Die Abwertung des Franken wird nun nocb mehr wie bisher eine einschneidende Verminderung der Ausfuhr von Palästina nach Syrien herbeiführen. Auf der anderen Seite kann .die Abwertung Veranlassung CARSCH-FRANKFURT Das Spe2ialhau.s ersten Ranges für Herrenu. Knaben -Kleidung und Herren-Artikel Ausrüstungen für Palästina und Übersee dafür sein, daß sich die syrische. Ausfuhr nach Palästina in einem Maße erhöht, daß die syrische Konkurrenz sich in Palästina schädigend be- . merkbar macht. Eine. Rückwirkung der Abwertung auf die Zitrusausfuhr, deren Saison soeben begonnen hat, ist noch nicht abzusehen; Bedeutend wäre nur die Veränderung der Währungslage in Bezug auf Holland, das größere Mengen Zitrusfrüchte bisher abgenommen hat. Auch inwieweit die gesamte übrige Ausfuhr Palästinas von den Veränderungen der Währungen betroffen sein wird, steht dahin. Wann geht die Kgl. Kommission nach Palästina ab? London, 16. Oktober. In London werden Vorbereitungen zur Abreise der Kgl. Untersuohungskommdssion nach Palästina getroffen. Man stützt sich hierbei auf das letzte Communique der Palästinaregierung, in dem die Ruhe als wiederhergestellt bezeichnet wird. Diese Feststellung wird so aufgefaßt, daß der High Commissioner damit erklären wollte, der Zeitpunkt für die Entsendung der Kommission sei bereits gekommen. Ein' festes Datum für die Abreise der Untersuchungskommission ist allerdings, wie der ITA. mitgeteilt wird, noch nicht festgesetzt worden. Man rechnet aber damit, daß die Abreise Anfang November erfolgen wird. Jugendalija-Zertifikate, Berlin, 20. Oktober, Die Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendalija teilt mit: Die Ludwig Tietz-Handwerkerschule bei Jagur, an deren Gründüng sich der Zentralausschuß für Hilfe und Aufbau, der Jüdische Centrai-Verein, der Hilfsverein und private Stellen beteiligten, hat in diesen Tagen ihre Anerkennung durch die englische Regierung erhalten. Gleichzeitig hat die Regierung 60 Sonderzertifikate bewilligt, Die Jugendlichen, die in Jagur eine dreijährige Ausbildung in verschiedenen handwerklichen Berufen erfahren, werden von der Jugendhilfe fachgemäß ausgewählt. Am Montag, den 19. Oktober, hat die Arbeitsgemeinschaft für Kinder und Jugendalija eine Gruppe von 31 Jungen und Mädchen nach Palästina abgefertigt. Die Jugendlichen werden in die landwirtschaftliche Schule Ben Schemen gehen. Sie wurden von dem kürzlich in Berlin weilenden Vertreter Ben Schemens, Akiba| Wonchozger, ausgewählt. Sie kommen zu einem Teil von den „Werkleuten", zum anderen Teil von den „Habonim". Bis jetzt waren in Ben Schemen nur die Werkleute zu einer Gruppe zusammengefaßt. Nunmehr werden auch .die Habonim mit den neu hinzukommenden Bonim eine; Gruppe bilden. Die Vorfälle im Londoner East End und die Maßnahmen der Regierung. London, 20. Oktober. Innenminister Sir John Simon empfing am 20. Oktober eine Abordnung der Labour Party von London und nahm ihre Vorschläge im Zusammenhang mit den Vorfällen im Londoner East End entgegen. Er erklärte, die Abordnung könne sicher sein, daß die Regierung diesen schwierigen Problemen sofort sorgsame Erwägung schenke. Er könne jedoch der Bekanntgabe der Absichten der Regierung, die im Parlament erfolgen soll, nicht vorgreifen. Der neue Bürgermeister von Tel Awiw. Die arabischen Fürsten sind zufrieden. Sturm gegen den Hafen von Tel Awiw. Um die Palästina-Zertifikate. Die Auswirkung der Abwertungen auf Palästina.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.