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Der Israelit · 1936-10-22 · Heft 42 (22.10.1936) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 42 (22.10.1936)
Date
1936-10-22
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Ein Centraiorgan für das orthodoxe Judentum / Begründet von Dr. Lehmann in Mainz Frankfurt a. M. 22. Oktober 19& 6. Marcheschwan 5697 I Nummer 42 Die polnische Judenheil lehnt die Evakuierungspläne der Regierang ab. Warschau, 13. Oktober. Iii einem Artikel, der in der „Polska Sbrojna" erschienen ist, einem Blatte, das als Sprachrohr des polnischen Genera||ysimus Rydz-Smigly gilt, wird an die Juden Porens, insbesondere an die jüdische Presse, der Appell gerichtet, einzusehen, daß die Forderung ^^r f poliaischen Regierung nach einer internationalen Aktion zugunsten der Schaffung von Auswanqerurigsmöglichkeiten für die Juden Polens ibereejitigt sei. In dem Artikel, der auch im polnischen Rundfunk wiedergegeben w'prde, wird unumwunden erklärt, es gebe zu viefe Juden in Polen. Dieser Ueberschuß hänge am Halse Polens wie ein Mühlstein und beeinflusse in verhängnisvoller Weise die wirtschaftliq-lje Entwicklung des Landes. Es sei einfach uhmö|lich, ein starkes, also wirtschaftlich gesund gegliedertes Polen zu schaffen. Wenn das Problem der jüdischen Auswanderung eines der brennendsten des Tages geworden sei, so sei dies nicht auf irgendwelche antisemitische Gründe zurückzuführen, sondern die Folge der ungesunden "^irtschaftsstruktur der jüdischen Bevölkerung und der gegenwärtig unter den polnischen Bauern, herrschenden Krise. Es wird sodann auf die jüngsten Erklärungen Jabotinskys hingewiesen. Jabotinsky, so wird in dem Artikel ausgeführt, der unermüdliche Kämpfer für ein jüdisches Land und jüdische Rechte, habe offen erklärt, daß 1% Millionen Juden aus Polen auswandern müßten. Auch Dr. Tartakower habe auf dem Jüdischen Weltkongreß die Tatsache festgestellt, daß die Juden aus ihren Wirtschaftspositionen nicht nur infolge antisemitischer Propaganda, sondern infolge der Wirtschaftsverhältnisse ihres Landes verdrängt werden. Es sei unmöglich, die Absichten dieser jüdischen Persönlichkeiten zu verdächtigen. * * Inzwischen hat in Warschau das Jüdische Wi r t s c haf t s k o m it e e , in dem alle prominenten jüdischen Persönlichkeiten und jüdischen Wirtschaftsführer in Polen vertreten sind, getagt und eine Entschließung gefaßt, die u. a. folgendes besagt: nDieauf polnischer Erde geborenen, ihre Bürgerpflichten durch Entrichtung an Steuern von Blut und Vermögen wie alle anderen Bürger Polens erfüllenden Juden in Polen haben gleichen Anspruch auf Hilfe und Schutz durch den Staat, als Bürger gleichen Ranges, auf gleichen Genuß der Güter des Bodens und gleiches Recht auf allen Gebieten des Staätslebens. Die. wirtschaftliche Lage der'jüdischen Bevölkerung ist eng verknüpft mit der wirtschaftlicheil tage und der Wirtschaftspolitik des Staates; Hebung der wirtschaftlichen Lage der jüdischen Bevölkerung ist eines seiner innerem Probleme. Die utopische Anregung, den Boden, auf dem «ie seit 1€00 - Jahren lebt und an dessen wirtschaftlicher und kultureller Entwicklung sie generationenlang mit ganzer schöpferischer Kraft mitgewirkt hat, mit dem sie gleich allen anderen Einwohnern verknüpft und auf dem sie gleichberechtigt ist, zu verlassen, um anderen Platz zu machen, kann von der jüdischen Bevölkerung nicht beachtet werden.1 Ohne zu verkennen, daß ein E m i g r a - t i o n s b e d ü r f n i s — übrigens auch in einer ganzen Reihe, anderer Länder, sogar solcher, m denen der Prozentsatz der Juden ein minimaler ist — besteht, und im Gefühl voller Dankbarkeit für das auf Unterstützung der Bemühungen für eine. Erneuerung des jüdischen Volkes in Palästina abzielende Wirken der jüdischen Vertreter, muß festgestellt werden, daß das Auswanderungsproiblem, was Polen angeht, allgemein d e m o g r ap hi s chen und nicht a u s s c h 1 i e ß 1L ch jüdisch en C h a r akter trägt; es betrifft alle Teile der Bevölkerung (Fortsetzung siehe Seite 2.) Aus dem Inhalt: Die. neue Lage in Palästina . . Seite 2, 3 u. 10 Der Kampf um London-Ost . . Seite 4 u. 10 Rabbiner Dr. Ephraim Carlebach y*T. Seite 4 Unsere Schuld. Von Rabb. E. Botschko Seite 6 Einführung in die jüdische Geschichte. Von Dr. Ph. Biberfeld.....Seite 6 Brief aus Ungarn..........Seite 9 Der neue Vorstand der Warschauer jüdischen Gemeinde ... . . .Seite 10 Ein Attentat in Tel Awiw ..... Seit© 10 Beilage, der „Kleine Israelit". Adolf Frankl Vs? ^inwn Qvn bsti ^Vttl niP« Ein Fürst und ein Großer in Israel ist uns genommen worden. Es fällt schwer, ein Epitheton für diesen Namen zu finden. Adolf Frankl war höchster Titel, ein Programm, das klare Programm für das orthodoxe Judentum im früher ungeteilten wie später geteilten Ungarn. Eine der letzten Gestalten vielleicht, der man die Doppelkrone zusprechen durfte:, im Dlpöl n^TOl miJV Er war ein Gaon in Thora. Das attestierten ihm einmütig die orthodoxen ungarischen Rabbiner mit der Erteilung der Oberrabbin e rwürde, als es, nach dem Ableben von Kopel R e i c h y'XT' darum ging, einen Vertreter der jüdischen Orthodoxie in das ungarische Oberhaus zu entsenden und sich alle darüber einig wären, daß die einzige Persönlichkeit, die für dieses hohe Ehrenamt in . Betracht kam, Adolf Frankl war. Nach dem Gesetze mußte es ein Geistlicher sein, und die Erlangung des Oberrabbinercharakters war für diese Thorakapazität nur eine Formalität, die leicht vollzogen werden konnte. Die nf?Vn von Adolf Frankl V'XT lag im Zauber seiner Persönlichkeit, in seinen ausgesprochenen Führerqualitäten, in seiner profunden Bildung auf allen Gebieten des Weltwissens, in seiner warmen MenschKchkeit als Meister des 10n m5?''»* im Großen wie im Kleinen und nicht zuletzt in seiner gehobenen sozialen Stellung, die ihn befähigte, an höchsten Regierungsstellen und vor Fürstlichkeiten die- Interessen der Judenheit und des Thorajudentums zu vertreten. Von 'der Lebensgeschichte Adolf Frankls ist nicht viel zu berichten. Menschen dieser Art pflegten selten den gegebenen Weg zurückzulegen. Einmal stehen sie auf der Höhe, sind sie in ihre Stellung hineingewachsen, und man weiß nicht wie. Es sind innere Kräfte, die sie zur Höhe treiben. Wohl ihnen und wohl uns, wenn sie, wie Adolf Frankl b'"XX> auf geistiger, sittlicher und sozialer Höhe angelangt, ihre ganze eminente Kraft ihrer Gemeinschaft und der Thora weihen, von der sie ausgegangen sind. Adolf Frankl wurde in Debreczen 1858 geboren, empfing als Sohn wohlhabender, frommer Eltern seine erste Ausbildung in Großw a r d e i n und ging dann nach Preßburg, WO er sich ZU Füßen der dortigen großen Meister die Qualifikation und den Titel eines Rabbiners erwarb. Da er aber nicht daran dachte, die Thora als m *Tlfln^ DTTlj?' zur Axt des Broterwerbes zu machen, widmete er sich der kaufmännischen Betätigung und suchte vom Laienstande aus, der Thora und ihren Belangen zu dienen. Seine Abhandlungen und seine Responsen über halachische Zeitfragen in verschiedenen Zeitschriften erregten bald größte Aufmerksamkeit. Seine flammenden Reden gewannen jüdische Seelen für das Judentum der Thora. (Fortsetzung siehe Seite 3.)

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