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Der Israelit · 1936-10-15 · Heft 41 (15.10.1936) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 41 (15.10.1936)
Date
1936-10-15
Page
– (sequence 7)
Language
German
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15. Oktober 1936 D e r I s r a e 1 i t Nr. 41 Seite 7 der Mitte des vorigen Jahrhunderts ausgegraben wurden. (Vergl. A. Marcus, Barsilai S. 335). Was nützen angesichts dieser Tatsache alle von dem Wunsche der Letignung ig'ttlicher Prophetie geleiteten Versuche, den Jesa/ja in noch soviele Deutrojesajas aufzuspalten, wenn durch sie allein klargelegt wird, was es /bedeutet, daß „nicht Ahnung bedarfs in Jaikab des Zaubers nicht in Israel. Zu jeder Zeit wird Jaikab und Israel verkündet, was G'tt wirken wird." (4. B. M. 23, 23 vergl, Ibn Esra z. St.). Schicksal der Menschheitsstämme, der Völker und Städte wird uns auf Jahrtausende hinaus in unmißverständlicher Weise, nachprüfbar für unsere Erfahrung vorausgesagt. Welchen Sinn hat demgegenüber noch eine auf angeblichen Erfahrungsmangel gestützte Skepsis. Durch das, was unserer Erfahrung unzweifelhaft zugänglich ist, sind wir gezwungen, die Wahrheit und das Wunderbare g'ttlicher Verkündungen anzuerkennen. Dann entfällt aber auch jedes aus der Erfahrung ableitbare Argument gegen solche Erscheinungen und Verkündunigen, die aus zeitlichen Gründen nicht in ähnlicher Weise Gegenstand unserer Erfahrung sein können. Hinzu tritt aber weiter die ebenso aus der Erfahrung ableitbare unverbrüchliche Ueberzeugung von der unibedingten Zuverlässigkeit der Quellen unserer Geschichte. Allgemein gilt, daß den heiligen Schriften eine menschlichen Gesohichtswerken unerreichbare Objektivität gegenüber Menschen und Ereignissen durchweg zu eigen ist. Wo findet die Geschichtsschreibung ihresgleichen, die die Fehler und Fehltritte der Nationalheroen so klar schildert und perhorresziert, wie dieses etwa dem König David oder dem König Salomo gegenüber geschieht! Die Geschichtsschreibung keines an- Korrespondenzen. Deutsches Reich. Jüdische Schulen und Schulklassen. Frankfurt a. M„ 6. Okt. Im bayerischen Regierungsbezirk Pfalz wurde zum 1. September in vier Städten jüdische Sonderklassen an allgemeinen Volksschulen errichtet, und zwar zwei Klassen in Ludwigshafen und je eine in Kaiserslautern, in Landau und Neustadt. Außerdem bestehen noch seit früher jüdische Schulen in Speyer,. Pirmasens und Rodalben, In ihrem Verwaltungsbericht für 1935 berichtet laut „Landeszeitung" Wiesbaden die Stadt Frankfurt a. M. über Maßnahmen gegenüber den jüdischen Schülern. Aus den Grunds oh ulklassen seien die jüdischen Schüler herausgenommen und zu rein jüdischen Klassen zusammengezogen worden. In diesen Klassen unterrichten noch im städtischen Dienst verbliebene Lehrer. Auch die jüdischen Schüler der kaufmännischen Berufsschule habe man in jüdischen Sonderklassen untergebracht. Die Grundschulklassen der städtischen Volksschulen, mit Ausnahme einiger Vorortschulen seien jetzt judenfrei. Durch das ailmähliche Aufsteigen der Klassen erstrecke sich diese Maßnahme mit der Zeit auch auf die Oberstufe der Volksschulen. Die Eröffnung der Jüdischen Winterhilfe in Berlin. Berlin, 13. Okt. Mit einer großen Kundgebung und unter Beteiligung aller zentralen jüdischen Körperschaften wurde am Sonntag, den 11. Oktober,, die Jüdische Winterhilfe in der Synagoge. Prinzregentenstraße für Berlin feierlich eröffnet. Nach. Musikstücken des Jüdischen Kulturbundes hielt Rabbiner Dr. Leo Baeck eine Ansprache und wies darauf hin,, daß von den '410 000 Junen in Deutschland im vorigen Jahre 83 671, durch die' Winterhilfe unterstützt worden sind. Er deren Volkes hat Berichte über eigene Niederlagen und Tributzahlungen an fremde Eroberer mit einer solchen Treue überliefert wie die Quellen unserer Geschichte. „Die ägyptischen Historiographen vermeiden ängstlich, Ereignisse, , die für Aegypten demütigend sind, zu berichten," Auch bei den relativ genaueren assyrischen Annalen liegt es nicht viel anders. (Jeremias, das A. T. im Lichte" des alten Orients, 1930, S. 392.) Bis in die Gegenwart ist ein grundsätzlicher Wandel in dieser Hinsicht nicht festzustellen. In dem Bericht über den Zug Abrahams nach Aegypten (1. B. M. 12, 16) heißt es: „Und Abram hatte er schon Wohlwollen um ihretwillen erwiesen, es waren ihm Schafe, Rind, Esel, Sklaven und Mägde, Eselinnen und Kamele geworden." Auffallend ist, daß dasjenige Tier nicht erwähnt wird, welches man in Aegypten an erster Stelle erwartet hätte: das Pferd. Aegypten ist in der Thora selbst (5, B. M. 17, 16) bis in die Zeit der Könige (1. Kge. 10, 27) das klassische Land der Pferde gewesen. Gleichwohl erhält Abraham als Geschenk dort alle anderen Tiere, aber keine Pferde. Des Rätsels Lösung liegt aber darin, daß es zur Zeit Abrahams, wie die neuesten Forschungen gezeigt haben, in Aegypten noch keine Pferde gegeben hat. Diese sind erst in der Hyksoszeit, also nach 1700 v., nach Aegypten gebracht worden. Abrahams Zug hat vor dieser Zeit stattgefunden. Daher konnte er dort keine Pferde erhalten. Belanglos mag es erscheinen, welche Geschenke dem Abraham in Aegypten gemacht wurden. Die Thora überliefert auch diese scheinbare Belanglosigkeit mit peinlichster Genauigkeit und beleuchtet damit eine längst vergessene Epoche der ägyptischen Geschichte. (Fortsetzung folgt.) schilderte dann Wesen und Art der Winterhilfe, wie sie von uns an anderer Stelle der heutigen Nummer gezeichnet sind und appellierte mit wirkungsvollen Worten zur Mitarbeit. Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Direktor Heinrich Stahl, ergänzte die Ausführungen Dr. Baecks. „Unsere Bedürftigen und Armen," sagte der Redner, „sollen wissen und empfinden, daß sie gleichberechtigt mit den Spendern und Gebern sind, und daß der Gemein* schaftssinn in unserer Religion sich gerade im Ge= ■denken an diejenigen, die es nötig haben, in besonderem Maße zeigen muß." Mit Schlußgesängen von Beethoven klang die Feierstunde, an der sich Gebende und Empfangende beteiligten, aus. Jüdische Kinder aus Kleingemeinden in jüdischen Großgemeinden. B erlin,, 4. Okt. Entsprechend der Aufforderung der jüdischen Gemeindeorganisationen, insbesondere des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden, waren wie im vergangenen Jahre an den ersten Sukkottagen jüdische Kinder aus Klein- und Kleinstgemeinden; die kein jüdisches Leben mehr haben, in die benachbarten größeren Gemeinden eingeladen worden. Nach Berlin kamen viele Kinder aus den umliegenden Gemeinden der Provinz Brandenburg. Der Verband der Synagogengemeinden für die Provinz Niederschlesien hatte Kinder nach Breslau eingeladen. In diesen wie in anderen Großgemeinden hatten die Kinder Gelegenheit, am jüdischen Gemeinschafts» leben, insbesondere am G'ttesdienst, teilzunehmen und Sehenswürdigkeiten zu besuchen. Ueberall wurde ihnen ein herzlicher Empfang zuteil. Die Ergebnisse der Hochschullehrertagung über das Judentum in der Rechtswissenschaft. Berlin, 6. Okt. Am Schluß der Hochschullehrertagung über „Das Judentum in der Rechtswissenschaft" bezeichnete, wie das „Berliner Tageblatt" berichtet, der Leiter, Staatsrat Prof. Carl Schmitt, in einer Zusammenfassung die Tagung als. ersten Beitrag der deutschen Rechtslehrer zur Untersuchung des jüdischen Einf lusses auf das. Kultur- und Geistesleben. Die Tagungsergebndsse seien gewesen: die Erkenntnis einer notwendigen Vertiefung der rechtshistorischen Arbeit über das Judentum, einer Durchforschung des jüdischen Rechts. Alle Referate seien auf die Besonderheit des jüdischen Gesetzesdenkens gestoßen und auf seine Polarität von Chaos und Gesetzlichkeit, die es im positiven Sinn für die völkische Geistigkeit unfruchtbar und steril mache, im negativen Sinne sie aber zersetze, wenn nicht der endgültige Trennungs* strich gezogen werde. Das Judentum habe dem deutschen Recht in der Sache nichts zu sagen, es stehe zu seinem schöpferischen Wesen nur in parasitärer, taktischer, 'händlerischer Beziehung. Staatsrat Prof. Schmitt äußerte sich dann noch zu den Leitsätzen von Reichsminister Dr. Frank. Die Schrifttumsstelle des Reichsrechtsamts habe ein Verzeichnis der jüdischen Autoren in den ersten Anfängen begonnen. Diese bibliographische Aufgabe erfordere höchste Exaktheit, sei schwierig, aber trotzdem zu bewältigen. Auch das Problem der Zitate jüdischer Autoren dürfe nicht als äußerliches, sondern als sehr ernsthaftes Problem für die sichere Führung des Nachwuchses angesehen werden. (ITA.) Die jüdischen Aerzte in Berlin seit 1933. Berlin, 5. Okt. Im Aerzteblatt für Berlin gibt Dr. H. Grote einen Rückblick auf die Berliner ärztliche Organisationsarbeit seit 1933. Dr. Grote, der mit der Leitung der Berliner kassenärztlichen Organisationen betraut ist, teilt mit, daß etwa 70 bis 80 Prozent der Berliner Aerzte vor 1933 Juden gewesen seien. Nach der am 1. Oktober 1933 ermittelten rassischen Zusammensetzung seien in Berlin von insgesamt 6558 Aerzten 3423 oder 52,2 Proz, Juden gewesen; zu diesem Zeitpunkt aber von den 3481 Kassenärzten 2077 oder 59,7 Proz. Juden. Die letzte Zählung der Berliner Aerzte aus dem Jahre 1936 habe eine Gesamtzahl von 6277 ergeben; hiervon seien 2143 oder 34,2 Proz. jüdisch gewesen. Die Zählung der Kassenärzte habe eine Gesamtzahl von 2968, darunter 1153 oder 38,8 Proz. Juden erwiesen. Dr. Grote erwähnt den herrschenden Einfluß des Judentums innerhalb der Leitungen der ärztlichen Organisationen. Aus dieser Tatsache sei es verständlich, wenn die ärztlichen Organisationen keine auf höhere völkische Belange abgestellte produktive Arbeit für die Volksgesundheit, aber auch für die Aerzteschaft haben leisten können. Erwähnt wird u. a. weiterhin die Gründung des Bundes .deutscher Aerzte Berlins als Gegengewicht gegen das jüdische Element. 10.000 jüdische Kriegsopfer in Deutschland. Berlin, 7. Okt. Der Leiter der Kriegsopferabteilung des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten, Oberlandesgerichts* rat a. D. Dr. Ernst Rosenthal, schätzt in einem Aufsatz im „Schild" die Zahl der jüdischen Kriegsopfer in Deutschland auf 10.000. Hierin ist nur die Zahl der versorgungsberechtigten Beschädigten und Hinterbliebenen erfaßt. Die Kriegsbeschädigten mit einer Erwerbsminderung von unter 25 Proz, und die im Sinne der gesetzlichen Vorschriften nicht bedürftigen, aber doch hilfsbedürftigen Kriegereitern sind nicht miteinbegriffen. Statistische Unterlagen für die Anzahl der Juden im Sinne der Nürnberger Gesetze, die nicht der jüdischen Religionsgemeinschaft angehören, fehlen, ebenso die Zahl für die jüdischen Mischlinge. Rabbiner Dr. Ephraim Carlebach b"X1> Leipzig, 7. Okt. Der vor kurzem aus seinem Amt als Gemeinderabbiner geschiedene und nach Palästina ausgewanderte Rabb. Dr. Ephraim Carlebach ist in seiner neuen Heimat plötzlich gestorben. Die Gemeinde Leipzig, in der der Verstorbene lange Jahre ein segensreiches Wirken entfaltet hat, wird am Sonntag, den 18. Oktober, eine Trauerfeier veranstalten. Aus Palästinawird uns weiter geschrieben: Am ' niDiOT a"mn näc verstarb in Ramat-Gan Rabbiner Dr. Efraim Carlebach ^"STder Leipziger Raw. Rabb. Dr. Carlebach kam vor ungefähr einem halben Jahre von Leipzig nach Ramat=Gan.

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