Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 41 (15.10.1936)
- Date
- 1936-10-15
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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?r^f^S^^^3&^.-,: Seite 8 Nf. 41 D Israelit 15. Oktober 1936 Ohne ragend ein Amt zu besitzen, hat er rasch einen Freundes- und Bekanntenkreds um sich gesammelt und «ich ein Betätigungsfeld geschaffen. Selten wohl ist es einer Persönlichkeit gelungen, in so kurzer Zeit im Lande mit allen Kreisen des Jischuws in Fühlung zu kommen. Alte Palästinenser, Jemeniten, Juden aus Ost- und Westeuropa, aus Afrika und Amerika, stehen in gleicher Weise erschüttert an der Bahre dieses seltenen Manne®. Sie alle waren von seiner aufrichtigen Menschlichkeit erfaßt. Mit besonderer Liebe widmete er sich der Ar beit für die neue schöne Synagoge in Ramat-Gan, und große Freude bereitete es ihm, daß zu Rosch Haschana erstmals in dieser Synagoge gebetet wer den konnte. Eine Weihestunde war es für die Ke hila, daß Raw Carlebaoh am Rosch Haschana und Jomkippur zu ihr sprach, wobei sein gewandtes und flüssiges Hebräisch besonders hervorgehoben sei Seine Worte werden wohl allen Beteiligten unvergeßlich bleiben. Die letzten Gespräche, die ich mit dem Verstor benen hatte, betrafen dieses G'tteshaus und das' Programm einer offiziellen Finweihungsfeier. Nun wird' wohl statt dessen der Hesped um den Verstorbenen in der Synagoge stattfinden, Sein letzter Gang war auch <zum Beth Haknesset. Dort befiel ihn während des1 Morgengebetes das Unwohlsein, und um Mitternacht verließ er uns für immer. Die Lücke wird, bei tiefem Mitgefühl für die schwergeprüfte Familie, in Ramat-Gan und im ganzen Jischuw stark empfunden werden. Sein Andenken aber wird weiterleben, (Eine eingehende Wür digtug erfolgt in nächster Nummer.) H. E. Einigung in der Gemeinde Köln. Köln, 4. Okt. Die im Sommer ds. Js. unterbrochenen Verhandlungen über die Vermeidung eines Wahlkampfes in der Synagogengemeinde Köln haben jetzt zu einer Einigung geführt. Es wind eine Einheitsliste für die Repräsentantenversammlung aufgestellt. Die Liberale Fraktion erhält 8, die Jüdische Volkspartei 9, die Konservativen 3 und die Mittelpartei 1 Sitz. Im Vorstand erhält die Liberale Partei 3, die Jüdische Volkspartei 3 und die Konservative Partei einen Sitz. Außerdem bekommen jede der drei Fraktionen einen Stellvertretersitz. Die Liberalen und die Jüdische Volkspartei sind berechtigt, abwechselnd sowohl dsn Vorsitz des Vorstandes als den der Repräsentanz zu besetzen. Den Konservativen ist der Vorsitz wich* tiger Kommissionen, insbesondere der Religions* schulkommission, zugestanden worden. Oesterreich. Eine überparteiliche Liste bei den bevorstehenden Kultuswahlen in Wien. Wien, 6. Okt. Eine Gruppe von Intellektuellen und Kaufleuten hat zu der am 9. November stattfindenden Neuwahl der Vertretung der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde eine überparteiliche Liste bekannter jüdischer Persönlichkeiten aufgestellt. Im übrigen haben sich die Allgemeinen Zionisten, die Judenstaatler und die radikalen Zionisten auf eine gemeinsame Liste geeinigt. Die Revisionisten haben sich mit der thoratreuen Vereinigung „Achdut Jisrael" zum „National-religiösen Block" zusammengeschlossen. Die „Union österreichischer Juden" geht selbständig :n den Wahlkampf, der „Bund jüdischer Frontsoldaten" stellt keine eigene Liste auf. {ITA.) Ungarn. Zum Tode des ungarischen Ministerpräsidenten Gömbös. Budapest, 7. Okt. Anläßlich des Ablebens des ungarischen Regierungschefs Julius v, Gömbös sandten die Vorsteher der Pester. Israelitischen Religionsgemeinde (Präsident Samuel Stern, Generalsekretär Alexander Eppl«r)i, und die Kongreßorganißatdon der Israelitischen Glaubensgemeinschaft (Israelitische Landeskanzlei; Präsident Stern und Vizepräsident Szanto) an den Die Woche. schule eröffnet Schulung Frankfurt a. M. Das Landgericht Berlin hat laut „Frankfurter Zeitung" entschieden, daß ein der NSDAP, angehörender Rechts* anwalt einer jüdischen Partei nicht als Pflicht- oder Armenanwalt beigeordnet wenden darf und daß eine Beiordnung, -die trotzdem erfolgt ist, auf Antrag des Anwaltes aufzuheben ist. — Nach einem Berichte des „Frankfurter Volksblattes" befindet sich, in Durchführung des Gesetzes über die Verpachtung und Verwaltung öffentlicher Apotheken, seit dem 1. Oktober keine einzige Apotheke der Stadt mehr in nichtarischem Besitze. Berlin. Anfang November wird die neue Sprach e n - der Berliner Jüdischen Gemeinde werden, die eine systematische junger Menschen im Alter von 17—20 Jahren in der englischen und spanischen Sprache vorsieht. — Im Jüdischen Kulturbund wird im November eine Aufführung des Sabbatai Zwi Dramas von Nathan B i s t r i t z k i vor sich gehen. Das Stück wurde vor einigen Monaten in hebräischer Sprache in Tel Awiw aufgeführt. Hamburg. Der Allgemeine deutsche Kantorenverband beanstandet in einem Offenen Brief an den R e> i c h s v e r b a n d der jüdischen Kulturbünde, daß auf der Kulturtagung, die das Musikpreisausschreiben erlassen hat, Kantoren nicht zur Mitarbeit herangezogen wurden. Hannover. Der Israelitische Frauenverein in Hannover veranstaltet eine Ausstellung, die der Neube- lebung und Ausgestaltung des häuslichen Teiles der Sabbats und Feiertage dient. Breslau, Die Synagogengemeinde S t r { - gau (Schlesien) wurde am 1. Oktober aufgelöst. Der Hauptteil der Kultgegenstände wurde vom Verband der Synagogengemeinde für die Provinz Niederschlesien in Obhut genommen. Wien. Bei den kürzlich durchgeführten Musterungen wurden von den Stellungspflichtigen Juden fast 80 Proz. als tauglich befunden. Der Prozentsatz der Juden in der neuen österreichischen Wehrmacht ist relativ hoch. — Prof. Samuel Krauß ist anstelle de® Verstorbenen Hofrat Schwarz zum Rektor der jüdisch=theologischen Lehranstalt ernannt worden. Genf. Zum Berichterstatter in der UnterkommiS^ sion zum Studium der Probleme der aus Deutschland Ausgewanderten wurde Lord Granbourne einstimmig gewählt. Warschau. Nach 'einer Meldung des „Hajnt" werden von der Jewish Agency für das Halbjahr Oktober/März 10 000 Arbeiterzertifikate gefordert. — Im September 1936 haben 1200 jüdische Palästina-Auswanderer Polen verlassen, Lodz. In das Lodzer Krankenhaus ist Jechiel Sterenz, Sohn eines Kantors, völlig erblindet eingeliefert worden. Das eine Auge verlor er 1920 im Kampfe für das polnische Vaterland gegen die Bolschewisten, das andere Auge wurde ihm dieser Tage bei den Wahlkämpfen von antisemitischen Banden ausgeschlagen. Wilna. Das Wilnaer Berufungsgericht hat zwei wegen Veritbung von Sprengstoffanschlägen gegen Juden angeklagte Nationaldemokraten zu drei Jahren, zwei weitere Angeklagte zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Als der Verleidiger versuchte, eine großangelegte antisemitische Propagandarede >zu halten, wurde ihm die Redezeit auf zehn Minuten beschränkt. Prag. Im vergangenen Jahre sind aus der Tschec'hoslovakei 487 jüdische Seelen ausgewandert, davon 304 nach Palästina. Paris, Während des Jörn Kippur- G'ttesdienstes wurden in sämtlichen Synagogen Frankreichs Gebete für die in Spanien getöteten katholischen Priester gesprochen. London. Bei einer D i z e n g o f f- Gedenkfeier in Lbndon am 30. September sprachen Weizmann, Brodetzky und Lord Melchett. — Mit Major Coningsby Ralph D i s r a e 1 i, der dieser Tage im Alter von 69 Jahren gestorben .ist, ist der letzte männliche Angehörige der Familie D i s r a e 1 i aus der Welt geschieden. — Zum Andenken an den jüdischen General Sir John M o n a s h, den Ehrenkommanidierenden der australischen Gruppen im Kriege, ist innerhalb der British Legion eine General-Monash-Abteilung gegründet worden. Zum Vizepräsidenten wurde Sir Isaac I s a a c s gewählt. stellvertretenden Ministerpräsidenten, Koloman v. Daranyi, Beileidstelegramme. „Pester Lloyd" erinnert daran, daß Gömbös zu Beginn seiner politischen Karriere einen rassenschützlerisch-antisemitischen Kurs verfolgte, seinen Standpunkt jedoch später revidierte, da, wie er betonte, das Land aller aufbauwilligen Energien ohne Unterschied der Rasse und der Religion benötige. Als Honved-Minister wollte er allerdings von der Aufnahme jüdischer Kriegshelden in den Heldenorden nichts hören; dem Orden gehört auch heute noch kein einziger Jude an. Schweiz. Palästina- und Auswanderungsiragen vor der politischen Kommission des Völkerbundes. Genf, 6. Okt. In der sechsten (politischen) Kommission der Völkerbundsversammlung kamen am Dienstag, den 6. Oktober, Fragen der Palästina pol itik und der jüdischen Auswanderung aus Mittel- und Osteuropa zur Sprache. Der norwegische Delegierte Lunde übte scharfe Kritik an dem Verhalten der Mandatarmacht für Palästina, die es verabsäumt habe, den Unruhen in Pa* lästina schnell ein Ende zu machen. Er sprach sein Bedauern darüber aus, daß die Politik der Errichtung eines Jüdischen Nationalheim® in Palästina nicht verwirklicht wurde, und verlangte, daß in naher Zukunft eine außerordentliche Sitzung der Mandatskommission einberufen werde, die sich ausschließlich mit der Lage in Palästina zu befassen haben würde. Von dem polnischen Delegierten Tytus K o m a rnicpi wurden die schon in der Vollversammlung des Völkerbundes und in der Wirtschaftskommission geäußerten Wünsche Polens im Zusammenhang mit der jüdischen Auswanderung nach Palästina und anderen überseeischen Ländern neuerlich vorgebracht. Komarnicki verlangte, daß der Völkerbund Aufnahmeländer für „die überschüssige jüdische Bevölkerung Mittel- und Osteuropas" erschließe. Die polnische Regierung sei bereit, Vorschläge zur Lös sung des Problems der aus wirtschaftlichen Gründen notwendig gewordenen,Auswanderung von Juden aus Polen zu machen. Was die Lage in Palästina betreffe, so vertraue Polen darauf, daß England eine Gefährdung der Durchführung des Mandats zu verhindern wissen werde. Die Entwicklung des Jüdischen Nationalheims, die von 'der polnischen Regierung mit Sympathie verfolgt werde, dürfe nicht durch eine Unterbrechung der Einwanderung behindert werden. Nachdem der tschechoslowakische Delegierte das Interesse der Länder der kleinen Entente an dem jüdischen Aufbauwerk in Palästina betont hatte, versuchte der türkische Außenminister Rüschtü Aras die Ansprüche der mohammedanischen Staaten auf Beeinflussung der Mandatspolitik dadurch geltend zu machen, daß er den Antrag Polens auf Erweiterung der Mandatskommission aufnahm und die Entsendung von Vertretern der Nachbarländer und der durch Vertragsrechte an dem Mandatsland interessierten Staaten in die Mandatskommission^ empfahl. Den DebattereicLnern antwortete Lord Gran? bourne, Er erklärte, England beabsichtige mit seiner Palästinapolitik die im Mandat vorgesehenen Rechte der Juden und Araber in gleicher Weise zu berücksichtigen. Es sei jedoch der Mandatarmacht, wie dies Außenminister Eden in seiner Ende September ihn Völkerbundsrat abgegebenen Erklärung bereits dargelegt habe, nicht möglich, ihren Stand* punkt zu der Lage in Palästina zu äußern, bevor die Verhältnisse, nicht von der Kgl. Kommission untensucht wurden. Die politisch© Kommission des Völkerbundes hat beschlossen, alle Mitgliedsstaaten zur Ratifizierung der Beschlüsse aufzufordern, die die Zwischenstaatliche Regierungskonferenz für Auswandererfragen am 4. Juli 1936 gefaßt hat. Ferner soll eine zweite Zwi-i schenstaatliche Konferenz einberufen werden, die eine internationale Konvention betreffend die Auswanderer aus Deutschland entwerfen soll. Den Organisationen, die sich mit Auswandererfragen befassen, soll jede Unterstützung gewährt werden. tisai