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Der Israelit · 1936-09-30 · Heft 40 (30.9.1936) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 40 (30.9.1936)
Date
1936-09-30
Page
– (sequence 13)
Language
German
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30, September 1936 f Der Israelit Nr. 40 Seite 13 Machne Israel in der Abwehr Nach einer Schilderung' von Benjamin Minz in Jerusalem. Noch ist .unser Menschengiut in Machne Israel nicht groß; die Siedlung zählt im Ganzen fünfzehn Seelen, darunter drei ^Frauen und ein Kind, und ist der Ort weit ahgelegeii vom jüdischen Zentrum. Es fehlt ein Steinbaü .für das Vach, alle Pläne sind noch im Stadium des Wunschtraumes, Und trotzdem fehlt es den Siedlern nicht an, Mut. Ihre 'Energie und ihr Ausharrungsvermögen.. sä,nd. unzerstörbar. Ein Wohnhaus wurde: aus dem Boden gezaubert, ^die Felder um die Ortschaft zeigen sattes Grün. Kojmmen keine Zwischenfälle, dann , wird; der , Ernteertrag das Brot für das. Jahr liefern.. Und dm^Uebrige^— ma#"kann auf die Hilfe der Freunde in der GoIah rechnen. Ein glutheißer Täg, drei Ghawerim sind ins Feld hinanis, drei s<ehen in dar Siedlung nach dem Rechten, fünf, Mitglieder 'arbeiten draußen beim Elektrizitätswerk^ die'Frauen Sind mit denJHausarbeiten beschäftigt', und das einzige Kind 'd&f £fae derlassung schlummert f^dj^dh in der Sonne unter einem Zelttuch, ilas/; es. vor den .Flieden! schützt. Stille des Mit« tags. vFinsaPC ^d''..^itlegjen "steht. die Siedlung am Rande des'EImek. Gegen Abend kehren die Chawerim von .der' ÄuBe^rbeit'.nach Hause. Böse; Nach* richten bringen sie \xüff:. Unruhe, Blutvergießen, Unsicherheit der Wegje.' Sie können morgen nicht zur Arbeit gehen. .'.'.Man beschließt, noch am gleichen Tage die; drei Frauen iind das' 'Kind; nach Afüleh zu schaffen, . Die Firauen Weizern sich, sie wollen die Gefahr ^mit ' den Mannen teilen; aber die Männer bestehen darauf,' Frauen und Kind aus der Gefahrenzone zu bringen. ' -•::.>.■ Nun sitzen 'die elf Chawerim im einsamen Hause und schweigen gemeinsam in die Nacht hinein. Eine Stunde der Prüfung, der Bewährung ist angebröchen, auch für 'die orthodoxen Chaluzim, Aber sie werden ihren* Posten nicht verlassen, sie werden mit ihrem Mut hinter den Anderen .nicht; zurückbleiben. Es ist dies der gemeinsame Beschluß, » der ohne ein Wort zu reden gefaßt wird..... Um Mitternacht werden :'die ' Aufgäben verteilt. Eine kleine ÄbteüiMg wird im Zimmer,^das für den G'ttesdienst .dient,' wachen; man wird die Zeit mit Lernen und JBet.en vertreiben. 'Eine andere Abteilung hält .Wache am Ha^eingang und drei Mitglieder steigen zum Wasserturm hinauf. Augen und Ohren sind ins, Dunkel gespitzt. Was geht' dort vor? Verdächtige Qeräusche?, In einiger Entfernung steigen Rauchwolken auf, Flammen züngeln, jüdische Arbeit wird' /vernichtet. Man möchte zu Hilfe eilen, aber muß man nicht das eigene .,Heim, und Feld' von ähnlichem.; Geschick ^schützen? . So .geht;'es;iNacht' für Nacht, ohne Rast, ohne Schlafman ist aufgewühlt und von Angst vor dem Kommenden geschüttelt. .'.Die. Frauen und das Kind kommen zurück, -es kommen noch einige-. Freunde von Tel Äwiw, vom. Hilfsdienst, um uns an der exponierten Ecke beizustehen! _ :'\J" Der Sommer ist 'fortgeschritten.;Der Weizen. reift. Er muß b al d geschnitten werden,-denn wer weiß, ob es morgen noch möglich" sein wird? Eine, herrliche Tamüs-Nacht. Und plötzlich ein Knistern,. Feuerzungen lodern auf. Wir sind alle auf den Beinen, die Frauen und das Kind werden in den Wasserturm gebracht. Die Scmomrim und der einzige jüdische Polizist schießen in die Seh'warze Luft. Nichts regt: .sich in der Siedlung. Selbst das fünf Monate-:aj£e; Kind, gibt keinen Ton von sieh", ein kluges.'Erez „ Israel- Kind, ahnt die Gefahr." ©ie-~A n.g reife r . s i n d vertrieben-, aber dieAufregung weicht; bis,;zum Anbruch/ des Morgans nicht. ,; : ~ -;> , Ein •' paar 'J$&h\ief 'äp&feir. Der Posten auf dem Wasserturm, alarmiert:;,,Feuer. Feuer!" Ein! Ackerstück ' von .'. 50Öf;'.D^airi':'-!«töhtin Brand, gut ein Kilometer vom HauseK entfernt. Alles brennt, "wie uns scheint, das 'Gehirn, das" Herz, .idie Welt, unsere kleine; .grpßV Welt;',steht im Brand. " Unsere Schomrim und «der Polizist schießen auf unbekannte Ziele. Wir Anderen laufen im Eilschritt mit nassen Säcken zur Brandstätte, ungeachtet der uns umsausenden Kugeln. Man sieht "und empfindet nichts, nichts von Gefahr und Angst. Nur weiter, so rasch uns die Füße tragen, um unser Gut, unser Brot , für , d^; kommende . Jahr zu retten. Der Raucht benimmt um" de'ifc! At^;F;e^erfu^esn . sprühensengend/.'aufs;. Gesicht, abervorwärts, dem Semael^denkJSatan; entgegen.; : <! „ Und 'eiri Wunder ist' geschehen^ Die dunkle Rotte, die wohl unsere geringe Zähl und Kraft nicht 'kannte, e r g rXf f*!'xl'Jfl4:"F 1 *ch VJ Die 1 Schusse verhallten, auch daW'Feuer'sehfcte : sich immer tiefer und tiefer.; Im •ge^M6i«^iiefi-'-^'ii^e-':- gjefoea;;%ir--- Elf zurück, mit FreudS^im^erVeaJ^^an-J^uf•td«tt:./Lappen:---'.;. jr,<: t&%^''t>*hi&o^!Qii, für d^'.große Rettungsr wunder!";]^iu'r zwei''Düäani'sind yer^rännt. Das Brot ist uns nicht genommen. Die F^cn;t : steht gut und der Schaden wird ausgeglichen/ Nach Stunden erst sauste ein Kraftwagen" voller Polizisten in die Siedlung. Von den 'Brandstiftern fehlt natürlich jede Spur. Auch Chawerim und Cha luzim aus naheliegenden Kolonien kommen, um uns zu helfen, sie kommen zu spät. Und alle schauen sie voller Bewunderung zum Häuflein der jungen" Chassdiim hin, die in. der Nacht eine Heldentat ersten Ranges vollzogen haben; Junge Menschen, die mit .G'tt im Herzen hergekommen sind, um die heilige Erde zu bebauen, kennen nur . eine Furcht, die G ' 11 e s f u r c h t. Kiriderecke. Besinnliche Geschichten der Alten. Gewählt tind berichtet. ,r Von Schalom Ben-Chorin in Jerusalem. 11 " Das Tagewerk des Allseienden. Zwölf Stunden hat der Tag: während der ersten drei liegt der Alls ei ende dem Studium der Lehre ob. Im zweiten Dreigestünd richtet Er seine Welt; aber Tag um Tag erkennt er, daß alles Geschaffene der Verdammnis verfallen wäre, legte man den Maßstab der Gerechtigkeit an. .Darum verläßt der Herr der Welt in der sechsten Stunde den Thron des Rechts, -um sich auf; den des Erbarmens zu setzen. Nach abermals drei Stunden erhebt Er sich, um allem Lebenden Speise zu reichen, 'Den Rest des Tages aber verbringt der Herr ruhend und im Spiele mit dem Leviathan, denn es < steht geschrieben: „Den Leviathan hast Du erschaffen Dir zur Lust." Du und Adam. ....... Iii seiner letzten Stunde, so erzählt der Sohar, das heilige Buch „vom Strahlen" des Rabbi Schimon bar Joebai, sieht jedweder Mensch unseren Urvater Adam. .. . ...; „Warum mußt Du gehen?"' fragt' der. Erste. Antwortet ihm der Sterbende: „Um Deinetwillen!", so gibt ihm der Urvater zurück: „Siehe, um eines. einzigen Ungehorsams willeil bin ich vertrieben worden — gehe hin und zähle Deine Schuld." ■ . Vom Nadelöhr und dem, Tore, das größer ist, %denn'fae,% ganze Welt. •, ■......... ■ Einmal saß Rabbi-Jehuda, der Fürst, über die Thora G'ttes gebeugt und beschäftigte sich mit der, Prophezeiung unseres Lehrers Mtiscfie, die vom Ende der -Leidenszeit Israels, spricht.; „Alle die Leiden, von denen die Schrift spricht, sind über uns gekommen,'' klagte der Rabbi. „Wo aber bleibt die Umkehr und das Enden in Herrlichkeit?" Da er noch sann und (weinte, trat Elijahu, der Künder, zu ihm ins Gemach und redete ihn also an: „Rabbi, was lernst Du?" „Ich lerne," entgegnete dieser, „den Abschnitt von der Umkehr im Buche der Weisungen." Und der Prophet antwortete ihm: „Mit eben diesem Abschnitte beschäftigte sieh am heutigen Tage der A^lgegeniw'ärtig.e. Und Er berief den Fürispreüh und den Widersacher. ' Der Fürsprech5Stützte sioh auf den Vers der Schrift:; t&exm. E$ Dein- G'tt,-'-ist ein G'tt des Efbiarmens.1' : j: i . i . j Aber der Ankläger schleuderte einen Vers aus Mqr;' muttd^ch'&h,. Biehre entgegen: „Unter Edoms Gfewälte schmachte Israel, bis rein es steht vor Ihm, seinem G'tte,?,'' ./ "'-Da trat der Allseiende, zwischen den Thron des Rechts und den Thron des Erbarmens und gelobte bei Seinem heiligen Namen: „Wenn mein Volk Israel sich der Umkehr öffnet, wie ein Nadelöhr, will Ich ihm ein Tor auftun; größer denn die ganze Welt!" Die Stadt der Demüt. Im vierten Tore des Buches „Chovoth Haleva;vöth", das heißt: i,Die Bindungen des Herzens", dessen Verfasser der Rabbi Bechaji ben Josef ist, <wird folgende Legende erzählt: Einer der Einsiedler fuhr in die Welt, um die Menschensöhne in der Furcht des Herrn zu unterweisen. Einst kam er an eine Stadt, deren Bewohner einerlei Gewandung und einerlei Zierrat trugen. r Diö, Gräber ihrer . Toten waren nicht, wie es bei uns Brauch und Fug ist, an einem Orte, sondern jeder begrub, seine Toten vor seines Hauses Pforte. Der Einsiedler war über dieses seltsame Gebahren höchst verwundert und fr.ug die Bürger nach ihrer Sitte. Sinn. Die Männer der seltsamen Stadt antworteten' ihm: „Einerlei Gewandung und Zierrat tragen wir, damit sich keiner über „ den andern erhebe; und keiner sich geringer dünke, denn sein Bruder. Unsere Toten, alber begraben wir vor unseren Häusern, damit wir stets eingedenk sind, daß: das Ende immer vor der Tür steht." / Da der Einsiedler solches hörte, segnete er die Stadt der Demut und pries sie glücklicher, als alle Städte der Welt. Die heiligen Gäste in der Sukka. Von Mendel Lewkowitz in Regensburg. Am' Sukkausfeste war es. Der alte Rabbi saß in seiner Hütte und lernte. Tief war er über seinen. Folianten gebeugt und dieser Welt entrückt ... Ab undzu sah er durch die Decke der Sukka zum Hun* mel auf, als wollte er dem Weltenschöpfer füV seine Liebe danken. Jedes Mal blieb dann einer - Zeitlang sein Blick an den schöngeschmückten Wänden der Hütte hängen. Wie herrlich sah es auch in ihr aus! Bunte .Tücher zierten die Wände, unerfedndurchwirkte Teppiche bedeckten den Boden/^An der Mitte hing die blitzende Sabbatlampe, AleTen Lämpchen leise knisterten. Das saftige Tannengrün, das das ^S'chaen^'' bildete, strömte saftigen ^schen Geruch aus. Ueberall glänzten die Glaskugeln und verherrlichten damit den Anblick der Sukka. „ Jjer Rabbi lernte wieder. Eben war er an ein« is^hwierige Stelle der Gemara gelangt, die seine .ganze Konzentration erforderte. Er vergaß alles uin sich, er lebte in einer höheren Welt. .Plötzlich wurde die Türe seiner Sukka geöffnet. Sieben Männer, die wie Engel aussahen, traten ein und sahen sich zunächst die herrliche Laubhütte an. „Wir sind die sieben Gäste, die Du jeden-A'bend und zu jeder Mahlzeit willkommen heißest", hub der eine an und seine Stimme klang so süß ... 4^eJ?v Rajibbi, der ganz verzückt dasaß, sprach: „O, Friede und Segen mit Euch, Ihr heiligen Gäste. Setzet Euch, •Ihr heiligen Gestalten, und habet innigen Dank, daß 'Ihr mich , aufgesucht habt." —• Die Gäste nahmen Platz und jetzt ernannte sie auch der Rabbi. Da saßen die drei Erzväter, Abraham, Isaak und Jakob, neben ihnen Josef. Auf der anderen Seite des. Tisches war Moses mit dem Hirtenstabe, der Hohepriester Ahron mit den Urim und 'Tumim, daneben der königliche Sänger David, mit der Harfe. Von allen strahlte ein heiliger Schein aus, so daß der Rabbi seinen Blick von den Engelsgestalten oft abwenden mußte. Auf einmal nahm David sein Instrument, igriff in die Saiten und spielte. Sofort fielen die übrigen Gäste mit Gesang ein und sangen ein Loblied zu Ehren G'ttes. So etwas hatte der Rabbi noch nie gehört. Es war ein himmlisches Jauchzen und Singen, das wie aus höheren Sphären kommend,. klang. Als sie geendet hatten, erhobsich der Friedensfürst Ahron und sprach mit eherner Stimmet; „Mögest Du, o himmlischer Vater, dieses Haus und all seine Bewohner segnen. Breite Deinen Frieden über Dein geliebtes Volk Israel aus, schütze sie mit Deinen Fittichen und gib Ihnen 'ein gesegnetes .und", heilvolles Jahr". — „Amen" sprachen sie alle: wie aus einem Munde. ■Dum . . . Dum ... Die ersten Regentropfen fielen auf das Dach der Laubhütte und weckten den Rabbi aus seinem Traume .Schon ließ der Donner sein nahendes Grollen vernehmen. ' Schnell machte sich der Rabbi auf, nahm seine geliebte Gemara und verließ mit einem verzückten Lächeln um seine Lippen 'die S».ikka.

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