Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 40 (30.9.1936)
- Date
- 1936-09-30
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 10 Nr. 40. ,D er Israelit .30. September 1$36 mit Namen Jizchak Slutzki, er wurde aus dem Hinterhalte 'angeschossen ,und schwer verletzt. Iii der Nähe desi Hauptgefängnisses zu Jerusalem-tötete eine zur Explosion, gelangte Bombe einen Araber und zwei Knaben. Vier Personen wurden zum Teil» schwer verwundet. Angesichts der, wenn auch im kleineren Maßstabe immer noch fortdauernden Terrorakte erwartet man, trotz der letzten Versuch« und Verband* hingen, die Verkündung des Kriegszustandes für die nächsten Tage. Dabei macht sich die S t r e i k m ü d i g k e i t im friedlichen Teile der Araber immer mehr bemerkbar. „Haarez" weiß zu berichten, daß die arabischen Orangenpflanzer an das Oberste arabische Komitee, ein Ultimatum richteten, in dem sie den sofortigen Abbruch des Streikes fordern. In großen Teilen der arabischen Bevölkerung wird mit Ungeduld auf einen Aufruf der arabischen Könige zum Abbruch des Streikes gewartet. Aber weder ist dieser Aufruf bis jetzt ergangen, noch konnte das Oberste arabische Komitee eine endgültige Entscheidung treffen. Zum ersten Male schließt der Rechenschaftsbericht der Palästinaverwaltung mit einem Defizit, entstanden in der Hauptsache durch eine Mehrausgabe für Polizei, Gefängnisse und Landesverteidigung. Die nächste Bilanz der Paläs-tinaregierung dürfte mit einem Defizit von mindestens 50.000 List, abschließen. Gewaltigen Eindruck machte eine Kundgebung von Oberrabbiner Duschinski, die zu Rosch Haschanah in den Zeitungen erschienen ist und auch in die Häuser verschickt wurde. Nach Schilderung der derzeitigen Lage in Palästina weist der Oberrab biner auf die doppelte Notwendigkeit der Einkehr und Rückkehr an den heiligen Tagen dieses Jahres hin. Auch die Thoratreuen hätten in sich zu schauen und insbsondere auf die Erziehung ihrer Kinder ihr Augenmerk zu lenken. Jeder habe die Pflicht, neue Seelen für die Thora zu gewinnen, und die Führer unM Lehrer in Stadt und Land die besondere Pflicht, der Thora und den jüdischen Lehren die Bahn in die jüdischen Herzen zu ebnen. Die Heiligung von Sabbat und Feiertagen, die Beachtung der Reinheits Vorschriften und der Speistegesetze werden insbesondere allen, als Antwort auf den Ruf G'ttes, ans Herz gelegt. Der Aufruf wendet sich zuletzt an den gesamten Jischuw, insbesondere die Jugend, die erkoren sei, die Trümmer des heiligen Landes aufzubauen, nicht wiederum ihrerseits jüdische Heilig* fümer in Trümmer zu schlagen. Der Appell schließt mit der Hoffnung, daß bald dem G'ttestande und G'ttesvolke die Ruhe und der ersehnte Friede werden; Ein Jude vertritt den Staat Irak im Völkerbund. Jerusalem, 21. Sept. Wie „Feiestin" aus Bagdad meldet, hat die Regierung des Irak den bekannten jüdischen Advokaten Joseph Alkabir in Bagdad zu ihrem Vertreter in der Kommission des Völkerbundes., die über eine Reform des Völkerbundsstatuts berät, ernannt. Alkabir hat sich bereit« nach Genf begeben. Sanierung und Kolonisation des Huleh-Gebiets sollen in Angriff genommen werden. Jerusalem, 20. Sept. Wie die ITA. erfährt, finden zur Zeit Verhandlungen zwischen der Gesellschaft „Hachscharat Ha« jischuw" einerseits und der PICA und dem Keren Kajemeth andererseits mit dem Ziele statt, daß PICA und Keren Kajemeth die von „Hachscharat Haiischuw" erworbene Hulehkonzession übernehmen. Sobald die Verhandlungen zu einem befriedigenden Ab* schluß gelangen, sollen die igenannten Stellen sofort mit der Trockenlegung des Hulehgebiets beginnen, um eine Kolonisationstätigkeit großen Stils zu ermöglichen. Jüdische Baubewegung in Palästina. . Jerusal em , 20. Sept. In den Monaten Juli und August wurde in Haifa mit der Errichtung von 94 dreistöckigen Neubauten begonnen. Hierbei sind' etwa 3000 Arbeiter beschäftigt. In Tel Awiw sind zurzeit 64 zweistöckige Häuser im Bau. 20Q0 Arbeiter führen diese Bauarbeiten aus.. Die Regierung hat 150.000. Pfund für den Bau neuer Straßen, hauptsächlich solcher, die jüdische Siedlungen miteinander verbinden; bewilligt. Von besonderer Bedeutung ist idie Chaussee Tel Awiw-Haifa, die nur durch jüdische® .Gebiet geführt wird. Außerdem wird jetzt eine Chaussee durch, den Emek gebaut, so daß eine Verbindung mit Haifa ohne" Berührung von Nazareth ermöglicht wird. Von der Jewish Agency werden Verhandlungen mit der Regierung über den Bau von Seitenstraßen mit einem Kostenaufwand von 100,000 Pfund geführt. Von der Regierung wird verlangt, daß sie .sich an den Baukosten mit 50 bis. 70 Prozent beteilige. In einigen Siedlungen werden jetzt große Lagerhäuser für Zitrusfrüchte errichtet. Die Baukosten betragen etwa 100.000 Pfund. Das Budget der Palästinaregierung. J erusalem, 20. Sept. Laut dem Bericht der Palästinaregierung über das letzte Finanzjahr bis zum. 31. März 1936 betrugen die allgemeinen Einkünfte 5,770,546 Pfund (davon 2,751-214 Pfund aus Zolleingängen), die Ausgaben 4,286.201 Pfund, davon 3,315.330 Pfund für laufende Ausgaben. Der .Verwaltungsüberschuß betrug Ende März 6,267.810 Pfund. Der Geldumlauf Palästinas Ende August betrug 6,041.134 Pfund. Amerika. Amerika und Palästina. — Anklagen der aus Palästina zurückgekehrten Senatoren gegen England. New York, 20. Sept. Die Senatoren Copeland und Austin sind von ihrer im privaten Auftrag unternommenen Informationsreise aus Palästina zurückgekehrt. Ueber ihre Beobachtungen befragt, richteten sie gegen England die Beschuldigung, daß es seine Pflicht, Ruhe und Ordnung aufrecht zu erhalten, nicht erfüllt habe. Wir haben, sagten sie, Palästina in einem Zustand des Terrors gefunden, in dem Mord eine Alltäglichkeit geworden ist. Ueber 100Ö Menschenleben sind hierbei zu Grunde gegangen. Die Senatoren fügten hinzu, sie seien der Ansicht, daß die Vereinigten Staaten die Pflicht hätten, von Amts wegen eine Untersuchung der Art durchzuführen, wie sie selbst sie gemacht hätten. Pflicht der Bürger der Vereinigten Staaten sei es, sich dafür zu interessieren, „was das Jüdische Nationalheim in Palästina hätte werden sollen." Felix M. Warburg für die Kandidatur des . Gouverneurs Landon. New York, 21. Sept. Der bekannte amerikanische Finanzier und Philanthrop Felix M. Warburg hat eine Erklärung veröffentlicht, in der' er sich für die Präsidentschaft*»' kandidatur des von der Republikanischen Partei aufgestellten Gouverneurs Alfred M. Landon einsetzt. In seiner Erklärung weist Warburg darauf hin, daß Landon für die Grundsätze der Religionsfreiheit eintrete. Die Erklärung Warburgs wird allgemein als Ant-. wort auf 'die vielverbreitete Behauptung aufgefaßt, daß der republikanische Kandidat Landon Antisemit sei. Hilfsarbeit des Joint Distribution Committee in Osteuropa, New York, 20. Sept.' Aus dem von dem Exekutivedirektor Joseph C. Hyman veröffentlichten Jahresbericht de® American Jewish Joint Distribution Committee geht hervor, daß durch den Joint und die ihm angeschlossene American Joint Reconstruction Foundation im letzten ahr 1,040.000 Dollar für Hilfe an Juden in Polen und anderen osteuropäischen Ländern aufgewendet worden sind. Insgesamt hat der Joint seit 1914 für Juden in Osteuropa über 27 Millionen Dollar ausgegeben. Die American Joint Reconstruction Foundation hat im letzten. Jahre den von ihr in Osteuropaerhaltenen Darlehenskassen , 266.000 Dollar neu zugeführt. Die vom Joint 1924 gemeinsam ".mit der "Jewish (Kolonisation Associationzwecks Stärkung der;;■ - . ■—■. ■ -■■fi^- ■ ■■ y vom Joint eingeleiteten KooperativKreditbewfe^ung gegründete Foundation, hat den Kqoperätivbapkejä 1935 neue Mittel zugeführt Diese Kassen haben etwa 16 Millionen Dollar zu niedrigem Zinsfuß' an fast 213.000 Juden, hauptsachlich Handwerker, Klein: händfer und Bauern, ausgeliehen. Neben/dieser Kredithilfe für .Kleingewerbetreibende. fördert, die Foun= Hatiön . dauernd . Arbeiter-Konsumigenosäsenschaften, Handwerker-Produktionsgenossenschaften und die Arbeit jüdischer Landwirte in Osteuropa, Aktion für Kolonisation in Biro-Bidschan. New York, 25. Sept. Das amerikanische Bäro-Bidschan-Komitee hat eine Aktion zur Aufbringung von 100.000 Dollar für die Ansiedlung von osteuropäischen Juden in Biro-Bidschan eingeleitet. Mit Hälfe 'dieses Fonds sollen 1500 Familien angesiedelt werden. Die Redner in der Kon* ferenz, die diese Aktion beschloß, wiesen auf die Bedeutung einer Kolonisation Biro Bidschans auch mit nichtrussischen jüdischen Elementen angesichts der wachsenden Judennot in Osteuropa hin. Es wurde eine Resolution gefaßt, in der betont wird, daß die Biro-Bidschansiedlung in keiner Weise ein Konkurrenzunternehmen zu dem. jüdischen Aufbauwerk in Palästina sein soll. Brasilien. Zur Einwanderung nach Sao Paulo. Sao Paulo, 11. Sept. Folgender Privatbrief aus Sao Paulo wird uns zur Verfügung gestellt: . . . Der Bericht aus Sao Paulo ist irreführend, was ich dem Verfasser, der mich vor einiger Zeit aufgesucht hat, offen erklärt habe. Es' geht nicht an, in einem Lande, in dem man Milreis verdient, umzurechnen, was alles in Mark kostet, man müßte dann auch die Einkünfte umrechnen. Die Zahl der Juden stimmt. Es stimmt nicht, daß hier kein Antisemitismus herrscht. Ford-Bücher werden hier viel gelesen und richten Unheil an. Die Zahl der in letzter Zeit hier eingewanderten Juden beträgt mindestens 1500, nicht vierhundert. Sie haben sich nicht eingelebt, denn ein großer Teil ist noch ohne Arbeit, ein anderer vegetiert bloß, da er kaum sein Auskommen verdient. Wirklich eingeordnet haben sich nur wenige. Die beiden „Rabbi* ner", die hier amtieren, beide Beßarabier, sind ohne rabbinische Autorität. Vor acht Tagen ist der ehemalige Bezirksrabbiner Dr. P. hierhergekommen, ein junger Mensch von 31 Jahren, sehr liberal, ohne große Kenntnisse, ich glaube kaum, daß er hier viel wird ausrichten können. Man kann vielfach wohl rituell leben, aber es 'ist reine Vertrauenssache, die ganze Aufsicht taugt nicht viel, sie ist käuflich. Geschäftlich sind 'die Verhältnisse hier ganz gut, aber immerhin beginnt es immer schwerer zu werden, die Einwanderer hier unterzubringen, weil viele Firmen meistens Juden nicht nehmen. Außer* dem besteht ein Gesetz, wonach jede Firma mindestens zwei Drittel ihrer Angestellten und Arbeiter aus Inländern zusammensetzen muß. Das Klima ist ganz gut, aber da es am Tage bald heiß, bald kühl ist, bat es seine Klippen, und es gibt sehr viele, die aus der Erkältung nicht herauskommen. Aber andererseits braucht das Klima keinen iHinderungsgrund zu bilden. Der Angestellte wird sehr schlecht bezahlt, vorwärts kommt nur der, der sich selbständig machen kann. Nötig ist Kenntnis der Landessprache und einer anderen fremden Sprache. Dagegen helfen gute technische Kenntnisse (Handwerk) oder sehr gute Branchenkenntnisse, einerlei welcher Art, häufig zu guten Positionen. , Brasilianer kann man erst werden, wenn man fünf Jahre hier wohnt, selbst dann ist es für Juden schwer, die Einbürgerung zu erlangen. Erleichtert wird die Sache, wenn, man Grundbesitz erwirbt, Kinder hier bekommt, 'die automatisch Brasilianer werden, oderl . ■!' i eine Brasilianerin heiratet. . ~ Die Adrease des hiesigen .Hilfskomitees ist; Com-I ■ttMiSsao de Assistencia aos Refügiados israefitas Alle3 mäes Sao Paulo, 'Ruä 11 de Agosto. 66—6,o Andar.