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Der Israelit · 1936-09-30 · Heft 40 (30.9.1936) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 40 (30.9.1936)
Date
1936-09-30
Page
– (sequence 9)
Language
German
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30. September 1936 D r Israelit Nr. 40 Seite 9 England. Die Abwehraktion der eagliscken Judenheit. - Avkvi des Board o! Deputies. L o n d o n, 24. Sept. Das vom Board of Deputies eingesetzte Koordinierungskomite© für Abwehrarbeit hat einen Aufruf erlassen, in dem es heißt: „Aufgabe des 'Koordinierungskomitees ist es, in Wort und Schrift und mit allen geeigneten undi ge setzmäßigen Mitteln es zu ermöglichen, daß durch weiteste Verbreitung der wahren Tatsachen den von judenfeindlichen Organisationen und Gruppen in skrupelloser Weise gegen die Juden gerichteten Verleumdungen und falschen Beschuldigungen entgegengetreten und dadurch der gute Name und Ruf der Juden als treue und dem Gesetz ergebene Bürger gewährt werde. Dieses Ziel kann nur erreicht wer ■den, wenn der vom Board geschaffenen Organisation entsprechende finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt werden. Bisher ist nur ein geringer Teil von dem in Aussicht genommenen Betrag von 10.000 Pfund aufgebracht worden, obwohl, wie. besonders betont werden muß, dieser Betrag nur ein Minimum zur Deckung sofortiger Bedürfnisse darstellt. Das Koordinationskomitee ist, da es seine Aufgabe als äußerst, dringend ansieht, alle finanziellen Verpflichtungen einigegangen, die erfahrungsgemäß für die erfolgreiche Fortsetzung deT Arbeit erforderlich sind. Es hat diesi ohne Aufschub und Zögern getan, weil seine Mitglieder und die ehrenamtlichen Funktionäre des Board, die dieses Schreiben unterzeichnen, überzeugt sind, daß die jüdische Oeffentlichkeit ihre Pflichten erkannt hat und sie großzügig und schnell erfüllen wird." Die Erklärung ist unterzeichnet von dem Präsidenten 'des Board of Deputies, Neyille Laski, dem Präsidenten der -Anglo Jewish Association, Leoard G. Montefiore, dem Vizepräsidenten Sir Qsmond Elim d'Avigdor Goldsmid, ferner von Sir 'Robert Waley Cohen, Lionel L. Cohen, M. Gordon Liverman, Perey Cohen, Bertram Jacobs, Barnett Janner, P. Horiwitz und Harry Samuels. . Rumänien. Cuzistenexzesse in Rumänien. Bukarest, 15. Sept. Aus verschiedenen Teilen des Lande® werden schwere Ausschreitungen der cuzistischen „Blauhemden", die sich, der von der Regierung anbefohlenen Auflösung widersetzen, gemeldet. In Balotina bei Beiz in Beßarabien wurden 38 jüdische Häuser von Mitgliedern der cuzistischen Sturmabteilungen demoliert und alle ihnen .in den Weg kommenden Juden schwer mißhandelt. Die Bande verschwand) vor Eintreffen der Gendarmerie, In Cajutz bei Bacau wurde die- Synagoge schwer beschädigt und die Beter mißhandelt. In Tetzcan Wurden die Marktstände aller jüdischen Händler und die ausgelegten Waren vernichtet. Für 'die Lage in Rumänien ist es bezeichnend, daß trotz der Zusicherungen der Regierung solche Exzesse geduldet werden, während andererseits An dem ••unter' staatlicher Kontrolle istehenden Rundfunk regelmäßig judenfeinidliche Propaganda getrieben wird. Griechenland. Der griechische Kronprinz über die Beziehungen der Königsfami/ie zu den Juden, Saloniki, 20. Sept. Kronprinz Paul von Griechenland hat. den Oberrabbiner von Saloniki, Dr. Zwi Koretz, an Bord des Kriegsschiffes ,-,Veroff" in halbstündiger Audienz empfangen. Der Kronprinz bekundete lebhaftes Interesse für die Lage der jüdischen Bevölkerung von Said* hiki und erklärte, eis gereiche ihm zur Freude, daß zwischen der Königsfamilie und1 den Juden von Saloniki die freundlichsten Beziehungen bestehen. Oberrabbiner Köretz wurden beim Betreten und Verlas* sen des Kriegsschiffes militärische Ehren erwiesen. Pro9elyteaatach«r«i im Griocfcealand strafbar, Athen, 22. Sept. In dem neuen Gesetz Zum Schutz der Staatsord nung und 'gegen den Kommunismus wird neben der Propaganda gegen die bestehende Ordnung, separatistischen und autonomistischen Bestrebungen auch Pros elytenm acherei verboten und unter Strafe gasteilt. Es ist hierfür dreimonatiges Gefäng nis und Verbannung von sechs bis zu vierundzwanzig Monaten vorgesehen. Als strafverschärfend wird die Zugehörigkeit des Täters zu einer öffentlichen Orga nisafion oder Gruppe angesehen. (ITA.)1 Die Woche. Berlin. Die „Zevener Zeitung" berichtet, daß auf dem September-Markt in Osterholz- Scharmbeck jüdische Händler in diesem Jahre nicht vertreten gewesen sind und wohl auch dem Oktober-Markt fernbleiben werden. Wi«a. Beim Bnucker Altsoldaten* treffen war auch der Bund jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs mit einer Ehrenkompanie und der Bundesfahne angetreten. Außerdem waren zahlreiche Funktionäre de® Bundes unter Führung von Oberleutnant Stiassny erschienen. Bundes* kanzler Dr. Kurt von S c h u s c h n i g g zeichnete den Kommandanten der Ehrenkompanie, Leutnant Heinrich B e r o n, durch eine Ansprache aus. Warschau. Ministerpräsident General Slavoj-Skladk o w s k y hat den jugendlichen Hillel Süßkind au® Sosnowitz, der sein Leben aufs Spiel gesetzt hat, um zwei christliche Jungen vor dem Ertrinken zu retten, durch Verleihung einer Medaille ausgezeichnet. Lemberg. Einer Meldung der ukrainischen Tageszeitung ,JJylo" zufolge sind in R o w n o (Wolhynien) 200 ukrainische Bauern unter der Beschuldigung, an judenfeindlichen Ausschreitungen teilgenommen und Häuser von Juden angezündet zu haben, verhaftet worden. Kowno. Laut amtlicher Feststellung hat sich die Bevölkerung der litauischen Hauptstadt Kowno in der Nachriegsizeit verdoppelt; sie zählt heute 135.000 Einwohner, davon 60,3 Proz. Litauer, 26,1 Proz. (35.000) Juden, 4,1 Proz. Polen, 3,4 Proz. Deutsche, 6,1 Proz. andere Nationalitäten. Saloniki. Unter der Führung des Obersten Guido Mo<Jiano , der Jude ist, sind ö i eb en Juden aus Saloniki und eine Anzahl von Juden aus Istambul und anderen Städten im Orient nach Saloniki aus dem Feldzug in Abessinien, an dem sie als Freiwillige auf italienischer Seite teilgenommen haiben, zurückgekehrt. Jerusalem. In einigen Wochen wird in Rischon le Zion eine Fabrik für Streichhölzer errichtet. Bisher gibt es in Palästina nur eine einzige derartige Fabrik in Akko. Palästina. Trauer um Bürgermeister Dizengofi. Die Bestattung. Tel A w i w, 25. Sept. Tel Awiw steht im Zeichen der Trauer um seinen Erbauer und ersten Bürgermeister, An den öffentlichen Gebäuden hängen Trauerfahnen auf Halb* mast. Schön in aller Frühe am Donnerstag umringten ungeheure Menschenmasseu. das Trauerhaus, die sich dann dem Trauerzuge anschlössen. Alle Theatervorstellungen, Konzerte und sonstige gesellschaftlichen Veranstaltungen ■wurden seit Mittwoch abend abgesagt. Von 10 Uhr morgen® am Donnerstag bis zum Schluß der Beendigung waren alle Geschäfte in der Stadt geschlossen und ruhte jede Arbeit. Trotz der Unsicherheit der Wege trafen Abordnungen und Teilnehmer au® allen Teilen des Lande® ein. Auch die staatlichen Behörden, so da® Gericht, hatten am Donnerstag geschlossen. Ein männliches. Kind, das als,erste® nach dem Tode des Bürgermeister® in Tel Awiw zur Welt kam, erhielt den Namen Meir. Die Beisetzung am .Donnerstag vormittag 10 Uhr gestaltete sich zu der größten Trauerkundgebung, jdie Tel Awiw bis jefzt erlebt hat. Zu der gesamten Bevölkerung Tel ,Awiw®. kamen Zehntausende aus andern Städten und Niederlassungen. Die Straßen, die zum Friedhof führten, waren von Tausenden umsäumt. Der;;Zug dauerte viele- Stunden, (Reden wurden auf letztwillig« Anordnung des Bürgermeister® nicht gehalten. Es wurd» nur das ,,E' mole rachamim" rezitiert. Di» deutsche Nachbarkolonie Sarona ließ einen großen Kranz am Grabe niederlegen. Ein gro-. ßee Polizei- und Militäraufgebot war da, um über die Ordnung zu wachen, die aber in keiner Weise gestört wurde. Der High Commissioner hat ein Beileidstelegramm an die Irijah gerichtet, in dem er u. a. schreibt, er habe in Dizengoff auch einen persön* liehen Freund verloren, Tel Awiw werde ein Denkmal seiner hohen Fähigkeiten bleiben. Aehnliche Beileidstelegramme gingen vom High Commissioner, wie von anderen hohen Beamten an Waad Leumi und andere leitende Instanzen. Weitere Trauerkundgebungen werden aus London, au® Polen, aus Deutschland und Amerika gemeldet. (Siehe Artikel auf Seite 6.) Militärgewalt tmd Terror in Palästina. Jerusalem, 28. Sept. Die Lage ist nun so, daß einige Punkte im Lande, so auch gewisse Viertel in Jerusalem, wie Militärs lager anmuten; daß ferner, nach der neuesten Taktik des Generals Dill, man nicht in der Defensive abwartet, bis e® den Arabern beliebt, anzugreifen, sondern nach dem bekannten Wort: „Die beste Parade ist der Hieb", schon gleich bei der Ansammlung der Rotten mit Gewehrfeuer dreinschlägt. So hatten die Araber am Freitag bei solch einem Gefecht vor Jenin über 40 Todesopfer zu beklagen, während die Engländer drei Tote und vier Verletzte zählten. Diese letzten wilden Gefechte zwischen Militär und Rebellen berühren zumeist Juden nicht, und dennoch sind leider in den letzten Tagen auch wieder jüdische Todesopfer zu verzeichnen, In den Spitälern sind inzwischen auch einige Juden ihren Verletzungen, die sie sich ,bei früheren Angriffen zugezogen haben, erlegen. Das letzte — wir wollen hoffen, das letzte in jedem Sinne — Opfer dieser Art ist Viktor Dwak, ein Einwanderer* au® Mesopotamien, der im Hadassahkrankenhaus am Jörn Kippur seinen Verletzungen erlegen ist. Am 22. September starb in Jerusalem Jakob Kafermiann, der vor einigen Monaten verwundet wurde. Die ITA .gibt unter dem Titel „Jiskor" eine Liste von 85 jüdischen Märtyrern heraus, die alle nach Namen, Alter, Abstammung und mit Datum ihrer Ermordung aufgeführt sind. Das erste Opfer, das am 15. April gefallen ist, heißt Israel Cohen, 27 Jahre alt, aus Griechenland. Als letztes Opfer ist auf der Liste angeführt Chajim Dehan, 34 Jahre* alt, in Palästina gebürtig. Die Namen der deutschen Opfer sind: Dr. Karl Feldberg, 38 Jahre alt, ermordet am 2. Mai; Franz Borchardt, 59 Jahre alt, ermordet am 31. Mai; Elieser Lieser, ermordet am 20. Juni; Julius Wagschal, 25 Jahre alt, ermordet am 16. August (Julius Wagschal stammte aus Dieburg bei Darmstadt i. Hessen, von wo er vor wenigen Jahren nach Palästina ausgewandert ist); Hans Grünwald, 23 Jahre, ermordet am 20. August. > In der Liste ist auch die ganze Familie U n g e r, Vater und drei Kinder im Alter von 5—9 Jahren, angeführt, die am 14. August in Safed getötet wurden. Der obengenannte Dworak ist in der Liste noch nicht aufgeführt. Dehan, der als 85stes Opfer in der Liste genannt ist, war Wächter auf einer Niederlassung der P. J. K. bei Tiberias. Er wurde, als er von seinem Dienst nicht zurückkam, gesucht und ermordet aufgefunden. Die Oelleitung der Irak-Petroleumgesellschaff wurde am 24. September abermals beschä* digt. Unter den Opfern der Brände in letzterer Zeit befindet sich auch der jüdische Holzlagerplatz in Abu Kabir bei Jaffa. Der Schaden wird auf 10.000 Lst. geschätzt. Amtlich wird bekanntgegeben, daß seit Beginn der Unruhen 1646 Araber und 218 Juden verurteilt wwden, 287 Araber und 57 Juden sehen noch ihrer Aburteilung entgegen. Bei den Juden handelt es sich zumeist um Vergehen gegen dieBestimmungen des Ausnahmezustände®, (weil sie in der Nacht nach der Polizeistunde auf der Straße angetroffen wurden). Zu den Verwundeten der letzten Tage zählt ein bald 60jähriger Kolonist aus Ekfön,

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