Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 40 (30.9.1936)
- Date
- 1936-09-30
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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^fliSeptember 1936 _ dringend -benötigten Erholungsurlaub. Zweifellos haben die. schweren Anstrengungen und Aufregungen der letzten Zeit die Widerstandskraft des greisen Bürgermeisters stark vermindert. - Als Kind der Odessaer Aufklärungszeit blieb Dizengoff sein Lebtag der an. Religion und reli-. giösen (Dingen völlige d'esiinteressierte kommunale Füihrer. *• Sein Verhalten 'in Friaigedu religiöser Natur war auch außerhalb der Irijä, in der Stadtverwaltung ' selbst : 'igeihöirte er nicht zu den Förderern religiöser Interessen, besonders nicht des religiösem Schulwerks — nicht immer .glücklich und taktvoll. Worte, die er beispielsweise bei der Eröffnung der (Messe und des Museums sprach, gaben Anlaß zu berechtigter Kritik. Aber man wußte: Dizengöff war kein Ideologe, aiuch kein Politiker 'im eigentlichen ,D .e r- 1 s*:r a e 1 i Sinne, sondern ein Täte n m e n s c h., und gelegentliche rednerische Entgleisungen , konnten seine Lebensarbeit nidht verdunkeln. ,yRiclhtet Euch, n'aöh seinen Taten und nicht »ach seinen Worten!" sagten wir einmal dn B&mg auf den Bürgermeister von Tel Awirvv^ ... Auf der anderen Seite hat er sich -durch gelegentliches Eintreten^ für / den Sabbat irii öffentlichen Leiben und (gegen ' die allzu skandalösen Exzesse der Sabbatentweiher bis zu einem gewissen Grade auch die Sympathien des gesetzestreuen Elementes in Tel Awiw, das die Fähigkeiten und Verdienste des ersten Bürgermeisters rückhaltlos anerkannte, erworben, — Sympathien, die noch kein Vertrauen' waren, aber ein Zusammenarbeiten auf Grund gegenseitiger Achtung ermöglichten. :- ' ' Nr. 40 Seite 7 .im Gefühlsleben verankerten Lebensanschauung gelangen können. Hinzu kommt aber weiterhin der große Satz unserer Weisen (ü" '3 niDS): „Wisse, was Du einem Gesetzesverächter zu erwidern hast,'* welcher heute von ganz besonde- .. rer Bedeutung, ist. Ist, doch ein großer Teil unserer Jugend durch die Verhältnisse der Gegen- ,;wart dazu, ge^wunigeh,. in eitf areiigiös orientiertes jüdisches Wirtschaftsleben'; einzutreten, wo es gilt, niöht nur die eigene Ueberzeugung zu behaupten, sondern auch kämpfend dafür zu wirken: Es .muß also eine Plattform gefunden werden, von der aus es gelingt, den ü'0np,SK wirklich überzeugend zu antworten und ihnen die Hohlheit und Nichtigkeit ihrer Anschauungen klarzumachen., Eine solche ist offenbar dann vorhanden, wenn nichts vorausgesetzt wird, wenn es gelingt, sie1 von ihrem eigenen Standpunkt aus ad absurdum zu führen. Von grundlegender Bedeutung ist hierbei die kläre Erkenntnis, daß wahrhafte Voraussetzungslosigkeit gegenüber Erscheinungen, die unserer Erfahrung'nicht zu entsprechen scheinen, bedeutet, d a ß man d i e' M ö g 1 i c h k e i t d i e s e r Erscheinungen zugilbt. Entgegen steht : dem ja nur der als falsch erkannte Satz, daß nur dasjenige anerkannt werden könne, was der! menschlichen Erfahrung entspricht. Genau so i wie wir den Weltenraum als existent annehmen : niüssen, 'obwohl er sich in seiner Erscheinung unserem Vorstellungs vermögen und unserer Erfahrungswelt entzieht, genau so müssen wir als wirklich voraussetzungslos Denkende diejenigen Erscheinungen der jüdischen Geschichte, die der menschlichen Erfahrung nicht zu entsprechen scheinen, wie Offenbarung, Wunder und Prophetie, zunächst als möglich zugeben. Wenn wir von diesem einzig möglichen Ausgangspunkt an die. Dinge herantreten, dann werden diese selbst durch ihre innere Wahrhaftigkeit Zeugnis dafür ablegen und davon überzeugen, daß es sich nicht nur um Möglichkeiten, sondern um volle Wahrheit handelt. Auffallend wenig Beachtung wird in den üblichen Werken über die Geschichte des jüdischen Volkes, dem Charakter dieses Volkes ge- ' schenkt. Dieser aber ist als eine relativ bleibende Erscheinung der Erfahrung zugänglich und daher wertvolle Erkenntnisquelle für die Beurteilung zurückliegender Epochen. Der hervorstechendste Zug dieses Volkscharakters ist die unbeugsame Hartnäckigkeit;(*)nj;' nwp)' auf welche an zahlreichen Stelr len im Tnach immer wieder hingewiesen wird. Gepaart ist diese mit einer scharfen Geistigkeit und Ironie, welch' letztere beispielsweise in der Wendung (2. B. M. 14, 11): „Ists wohl aus Mangel, daß'ikeine Gräber in Mizrajim sind, daß Du uns hierher genommen, um in der Wüste zu sterben?" zum Ausdruck kommt. Angesichts des heranrückenden mächtigen Pharaonenheeres spielt das Volk mit spitzer Ironie darauf an, daß Aegypten als Land der riesigön.^Pharaonengräiber, an- Gräbern döch wahrlich keinen Mangel jgelitfen 'habe ((vergl.( rt. pirsch z.. St.). Auf diese; Eigenart des jüdischen Nationalöharakters weist auch die nO'-fl^«^'^' mpf .131 WTTÖ a^S .hin. Israel', so heißt >s-^ortt'ijsi;'%sl':hari-'' häckigirte. \iv) älleij! Völker^ / lAuph^ im Aiisiand nenne man Israel die^ halsstarrige: Nation. GiaiK «]1W »Ifp bv) In der Tat heißt es auch bei Tazitus (Historien V. 13) gelegentlich der Belagerung Jerusalems: „Männer und Frauen erweisen sich gleich hartnäckig.,und fürchteten..sieb mehr Vor dem Leben, falls'"man' sie' zut Auswanderung würde zwingen wollen, als vor dem'Tode/'"Nur, dieser Hartnäckigkeit ...des' jüdischen' Yplkes. ist fcs zu danken,, daß jes sich .den mächtigen';Einf ' flüssetn des HeUeiu^mus', djem fast alle; Völker Yorderasiensi, erlegen; sind, hat entziehen, können. . Nur mit',- dieser, eisernen Hartnäckigkeit ist es f erklären, ^daß das jüdische Volk in der .zwei«* i tausendjährige^' Geschichte iläulbliölisteri. Qpfern , imt ein^f' Öingalj.e sondergleichen der Th,ora die Treue hat bewahren, können. (Fortsetzung folgt.) Einführung in die jüdische Geschichte. Von Br. Pb. Biberfeld, ,;; : I. •' Gftiindf':ri$j*&snw,' ••"' / -V-V Bei unvoreingenommener Betrachtung des Fehltritts des Königs-; Lüavid wäre darüber folgendes zu sagen. Derartige Fehltritte und noch1 viel schlimmere;. sind, von den Herrschern des Altertums und der Nepzeit, des Orients und des Okzidents stets begangen worden. Die Besonderheit im Falle des Königs David liegt nur darin, daß einerseits ihm ein Prophet entgegentrat der ihm schonungslos sein Verbrechen vorwarf, und andererseits der König sich diese Vorwürfe zu flerzen nahm und seinen Fehltritt bereut und gebüßt hat. Hierzu findet sich in der sonstigen Menschheitsgeschichte kaum ein Gegenstück* Diese selbstverständlichen Dinge kann man freilich nicht berücksichtigen, 'wenn man)in antisemitischen Vorstellungen -befangen nach Charakterzügen des Volkes sucht, die: sich angeblich in der Jakobserzählung spiegein. > Was berechtigt zudem,;von; .iizüigelloser orientalischer Sinnlichkeit',' zu sprechen, wenn sich: diese „Wenigstens" einmal in dem Raub der Bathseba' offenbart. Auf Grund der antisemitischen Verstellung wird, aus dem einmaligen Fehltritt zunächst eine orientalische; Sinnlichkeit erschlossen,1 die' sich alsdann in, demselben. Fehltritt ..wieder offenbart. -. ,. Die dritte Voraussetzung, von 'welcher namentlich die theologisch orientierten Gesc^chts-. forscher "entscheidend beeinflußt'sind, ..-ergibt' ..sjlchaus der dogmatischen 'Vbrs^llüng, daß das Judentum gewissermaßen eine -Vbfst^e''des''C|iristeritums seih sollte. ' 'Auf Grund' dieser Anschauung muß das gesamte auf' Esra zürückgefuhrte. sogen. Gesetzesjudehtum als ein Verfall der prophetischen Religion dargestellt werden, die durch das Christentum erst wieder hergestellt und weitergeführt' wird. .; ' . ■ ( Jede einzelne der' -im Vorstehenden geschil- * derten V0*aitts^eteui^ett',-d zungslösen Wissenschaft wurde:; schön 4ür sich genügen,!;das;. Bild der.jjüdischen^ Gäschiöhte!-: von' Grund. aufi umzugestalltehiüBs ist 'dafc'er^ulischwer ' einz;usehenii!welche (iWir.küng die^se-drei 'Voraus— s e tziumgemr \ zusianxmei*: atisülbeö ■ niüsseri 1-?Sie: -skid die irrationiaien^;- iEienieaite der l!:l/rtensbildtui£i : auf welchen fast alle Einiz-elthesen utid! Behaup'- v tungen 'beruhen. Ein auch nur im Entferntesten der Waihrilieit nahekommendes. iBild wäard durch, sie zu einer glatten UnmögUchikeit; Was mit ihrer Hälfe an jüdischer Gesclbicihte geboten' werden kann,pdstrnichts iandiereis* alsder1 Hferrfeii eigener Geist,'; Diei .wi%urlML' sibii^il^et^a^^e^^iVoräits-?J setzuäijgeffi'ifiü:g;ett-t den ,.Gesohiefats:s;tjöfi zu.e&üe'm11 eigeriartigen/Zerrfoilde.' '^usalöinieni,> w/elöfees> "nJit' dein fMirlbilde zsca' we^ntlicihe'fi"- Zügen; kaum r'3JÖ,ch etwiasirgemeiin foiaO^i--^ ■ ilU?.: -. V"• ,;hr -•*.iK:»ij/-.Vi*3»**/! n .• j . " Ztu* vy^s^0j^ai^-^h^gs. niöige^c ,,'d^e % fäd^iii fölf gende^i JBeis^ele,vdfenen. >Jos.e^buvis j^bt. d^e; tyr^--n sohej^r ^nmalg^,, wiedeyJDwj^che0ifEe, .^pLe^im^^^ des I^oniigs. .j^r«um. -zum, .Könf^g.; .S^.^Oo^'^bjejr^ einstimmung mif den Kachridhten der Bibel erwähnen. Hienzu ibemeilkt Sdhnader (Keilinschr. u. A. T. S. 235 ff.), daß man zwar den Angaben der Amnalen üiber Hiram iglauben könne, die Nachrichten über Salomo jhihigeigen . unizuverlässig seien. Sie entstammen e^st einer viel späteren Zeit, „als das nachexilische Judentum sich in Tyrus Ibreit machte" /und den Verfasser der Anmalen im jüdischen Sinne beieinflußte. Prokop, der Sekretär des Beiisar, berichtet ■ (de hello Vandal. II. 10, 22) von einer phönizisöhen Inschrift, welche in Numidien auf zwei Steinsäulen gestanden habe und lautete: „Wir sind, die vor dem Räuber Josua, Sohn Naiue, flolhen." Diese Inschrift deckt sich völlig mit der im Talmud Jerusohalmi Traktat Schiwiith erhaltenen Ueperlieferung, daß ein Teil der kananäischen Bevölkerung vor denn. Einfall Jostins nach Afrika . geflüchtet ist. Der Wissenschaft aber paßt diese /Inschrift niclht, weil sie vor allem: zur Anerskennung der GescWchtlicIhkeit : der Person Josiuas nötigt. Man 'kann zwar nicht i bestreiten, daß Prokop, also ein zuverlässiger Zeuge, sie selbst gelesen hat. Aber da zu dieser iZeit der Fremdenverkehr in jenen Gegenden ,bl-ti!hte, wird angenommen,, daß die Inschrift der I Sucht von Reiseführern, Altertümer zu erfinden, die Entstehung verdankt.; (Kittel, Gesch. des Volkes Israel I, S. 423, Anm. 6). Zweifellos habein diese Reiseführer:, sich 'zuvor mit dein Talmud JerusChalmi Traktat Schwiith eingehend ^vertraut gemacht. Eine Kritik erübrigt sich. (Derart argumentieren alsö 'ernsthafte! Forscher, .wenn sie in ihren Vorstellungen befiangen an die (jüdische Geschichte herantreten. > ■ .- . ■ ' ' ' > Leider ist: festzustellen, 'daß auch jüdische Geschichtsschreiber dem Banne dieser sogen. Wisserischaft verfallen.-sind und-ideren Ergebnisse unerachtet der ' sie tragenden Voraussetzungen sklavisch, iliren jüdischen Lesern darbieten. Während andere - Völker ihren berechtigten Stolz darein sfetzen, aus Tonscherben die föültür ihrer jVorzeit in vollem .Glanz wieder Erstellen z.u las-r, sen, bemü!hen(,sich judische forscher, die in* allen - Einzelheiten erschließbare Schönheit uhd Höhe unserer Vergangenheit, die so überreich ist an überwältigenden Zeugnissen sittlichen Adels und sittjjcfrerwjj^^ in^rüsaT» merhaufen zu verwandeln. )? 1 , ■;- Nachdem sich somit idie Unizuläniglichkeit der üblicheni wissensdhaftlichen Methoidik ihinsichtlich der jüdischen Geschichte ergeben hat, erhebt sich erneut die Frage nach der richtigen Methodik. Gibt es für unsfR eine voraussetzungslose Wissenschaft;.vund , WjeTched Sinn und Zweck, könnte fdiiei&e ihaiben? iJVllan konnte |a denken, , daß «js' völlig ausreicht, wenn yt\x dasiim Tnach, uns; uberlieferte Geschi'chJ^p^p|hinne|;meri :;und, ui^s,,; djäin^., bßgnü^enKrjms f mit, -tiiesem vertrauf. zu .; macne$. . t>em steht ij^dödh^'die Forderung. derr Taurolir:(5^iB. M. 4« 39); ienjtgegeiirj; ZjVtl pSH"?- ^33^? |x J\aS^l1,f daß wir dir^lGnin^iatsacheii.^?,, Tauröhf; söSvfeitudäs in unseren Kräften steht-, zunäclisV verstandest haben und nur auf diesem Wege zu einer wirklich fest auch