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Der Israelit · 1936-09-30 · Heft 40 (30.9.1936) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 40 (30.9.1936)
Date
1936-09-30
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Nr. 40 D er Israeli t 30.: September 1936 letzten jüdischen Raste konserviert, so dürfte doch, historisch gesehen, die Orgel ausgespielt haben und nun ruhig verstummen. Parteiideologisch: Man bekam es in den letzten Jahren auf allen Parteitagen in Berlin und London zu hören, daß der religiöse Liberalismus ein Maximum an. Religion" fordere. Der Reformg'ttesdienst mit Orgel und Frauenchor und deutschem Gebete sei nötig, weil die Jugend die alte Schul mit ihrer veralteten Liturgie meide. Nun aber, da sich gerade unter der Jugend, wie im Rundschreiben zugegeben wird, ein Drang Das Jahr 5696 verschwand in einem dichten Nebel, was aus dem Nebel für das nächste Jahr sich entwickelt, ist nicht vonaiusizuis'eihen. Das Jahr begann in Erez Israel mit einer Prosperität ohnegleichen, es endet mit einer Krisis, die alle Grundlagen des Aufbaus erschüttert, mit Gefahren für Leben und Eigentum der ruhigen Bürger, mit düsteren Wolken am Horizonte des Jischuw. Noch selten empfanden wir so den altbekannten Wunsch beim Jahreswechsel.TjTi^pl nJtP nVsiV es gehe zu Ende das Jahr mit seinen Schickungen und n'JTD^ai ^Tin. ©s beginne ein neues Jahr mit seinen Segnungen, wie diesmal. Die blutigen Ereignisse, die uns in Erez Israel bereits 86 Menschenopfer und immense Summen an jüdischem Gut gekostet haben, alle die Erschütterungen, unter denen wir einen langen Sommer litten, hätten noclh ihr Gutes haben können, wie oft nach dem biblischen Worte sich ,,aus dem Herben das Süße entwickelt" — wenn wir das Gebot der Stunde verstanden hätten. Die Lage ist klar üibersiöhtliclh. Es wohnen in Erez Israel zwei Nationen, Araber und Juden. Innerhalb des Arabertums gibt es Zwistigkeiten und Spaltungen, die auf persönliche und familiäre Eifersüchteleien zurückzuführen sind. Auch unter den Juden herrscht Uneinigkeit, die aber mehr auf Differenzen lebensanschaulicher Art beruht. Und nun wurde Erez Israel vor eine schwere Probe gestellt. Die Araber sammelten sich zu einem schweren Kampfe gegen die Juden und fanden sich dabei in einer Front, die bis auf den heutigen Tag von bewundernswerter Geschlossenheit ist. Jedenfalls zeigt die Front nach Die höheren Gäste unserer Festhütte. In den meisten jüdischen Gemeinden, sofern sie incht aus bestimmten geschichtlichen Gründen kabbalistische Bräuche ausschalteten, kennt man am Sukkausieste die Uschpisin, die täglichen Festgäste der Laubhütte. Namen und Reihenfolge der Gäste differieren. Wir nennen sie chronologisch Abraham, Isaak, Jakob, Joseph, Moses, Ahron und David. Es gibt auch alte Urkunden, die an Stelle von Joseph, Salonion haben, Lurja (Ari) rubriziert Joseph nach Ahron. Die alten Frommen pflegten in der Festwoche täglich je sieben arme Gäste einzuladen, die die sie* ben Uschpisin symbolisierten. In manchen Sukkaus prangen die Uschpisin auf umkränzten Tafeln an den Wänden. In vielen kabbalistischen Schriften, so auch im Scheloh, werden die sieben Namen mit den sieben von den zehn höheren Sphären in Zusammen? hang gebracht, die da heißen nnhür tio» >nn »nxa »niRBn /nnaa »ion nämlich so, daß jeder der Uschpisin Träger einer der Sphären ist. Der Brauch hat seine Quelle im Sohar zu Emor 103—104. Dort ist ungefähr zu lesen: „Sitzt der? Mensch- (Jehudi) in der heiligen Wohnung (Hütte), zur Rückkehr, eine Hinwendung zum konservativen Gebetbuch und den alten Bräuchen der Religion und des G'ttesdienstes bemerkbar macht, sollte eben die Vereinigung für religiösliberales Judentum logischerweise von der Abschaffung der Orgel eine Rückkehr zum vollen Judentum nicht befürchten, sondern erhoffen. Aus diesen Erwägungen glauben wir nicht, daß die neueste Botschaft des Verbandes für religiös-liberales Judentum einen sonderlichen Eindruck auf die Denkenden und besonders die Jugend in der eigenen Partei machen könnte. Außen eine lückenlose Einigkeit, unbeschadet der inneren Meinungsverschiedenheit. Die Araber bestanden nach dieser Richtung die Probe vollkommen. Und die Juden? Die Juden sammelten sich zur Abwehr, zur Verteidigung ihrer heiligen Güter im Lande ihrer Väter und im Lande ihrer Arbeit. Man wußte auch im jüdischen Kreise ganz gut, daß die Einheit und Einigkeit erste Voraussetzung für ein Gelingen der Verteidigung ist. Allein, es glückte dem Satan wieder, dazwischen zu treten. Und was die Araber spielend fertigbrachten, brachten die Juden nicht zuwege. Im Guten ahmten wir ihnen nicht nach. Wir bestanden diese Probe weniger gut. In den ersten Tagen nach Ausbruch der Katastrophe sohlen es beinahe so, als würden die Umstände auch alle Teile der Judenheit zu einem Blocke zusammenschweißen. Die Agudas 'Jisroel, dUe vielverschrieene Organisation des „Separatismus", war die erste, die zur Einheit rief, und es war uns, als würde die Parole überall gehört und beachtet. Ein Jubel brach im Lager aus bei der Kunde, daß nunmehr eine Interessengemeinschaft über alle Parteien hinweg geschaffen wird. Leider mußte man schon nach wenigen Tagen erfahren, daß gerade diejenigen, die stets Einheit und Einigkeit im Munde führen, die Einheit zerbrachen. Und so stand der Jischuw in Erez Israel, wieder durch Verschulden seiner Führer, des Waiald Leutmi, der Jewish Agency, brüchig und gespalten, somit wehrlos da. Man schlug in die von der Agudas Jisroel dargebotene Hand nicht ein, die Revisionisten verstand man nicht heranzuziehen. Der V e r - darüber die g'ttliche Majestät ihre Fittige ausbreitet, so erscheint am ersten Abend Abraham In Begleitung der fünf anderen Frommen und des Königs David usw. Der alte Raw Hamnunah pflegte, wenn er die Sukkah betrat, in voller Freude die Worte zu sprechen: „So wollen wir die Uschpisin einladen usw." Findet Abraham die jüdische Hütte im Glanz der Festlichter prangen, so spracht er dm Kreise seiner Begleiter den Segen aus. Fehlt es aber an der jüdischen Liebe in der Hütte, so spricht er einen , Fluch aus und verläßt in Begleitung der Anderen die Hütte ..." Es ist so gedacht, daß Abraham den ersten, Isaak den zweiten, Jakob .den dritten Festtag usw. beherrscht; in der Weise, daß der Patron, des Tages in den Mittelpunkt rückt und die Anderen, die stets mit dabei sind, zu seinem Anhang gehören. So kommt es denn, daß man in der Nacht zum letzten Sukkaustage, zu Hoschana-Rabba, der von König David beherrscht wird, ihm zu Ehren alle seine Psalmen betet. Es gibt Gegenden, in denen man an jedem Abend gewisse Gebete zu Ehren des hohen Tagesgastes und seiner Begleiter, im Zusammenhang mit vielen Ver* sen aus Thora und anderen Teilen der Bibel, verrichtet. Ein Mussadbuch deutet den Satz . nwoa w»» VRir'a mran 5>a a»a> wa» taiwi jvooa etwa in dem Sinn: Ihr sollt in der Sukkah so wohnen und weilen, daß auch der mn*/ d. h. A b,r a - h am. an -der Spitze der höheren Gäste, der wiederholt als 'n-ttR bezeichnet wird, daijn weilen, und sich wohlfühlen kann. In Frankfurt und anderen Gegenden Süddeutschlands wurden, nach -den Verarrungen zur Zeit des; Pseudomessias Sabbatai Zwi, mit vielen anderenein der L a n d wir t e blieb außerhalb der politischen Arbeit. Und nun, nach fünf oder sechs Monaten Verteidigungskampf, befindet sich der Jischuw in hiMloseim Zustand. Wias Wunder, daß die politische Arbeit der Angegriffenen nicht von Erfolg gekrönt sein konnte? Der Jiscihuw steht oihirue Kraft; ohne Fühnunig, oihn'e Einigkeit all den Gefahren gegenüber. Wenn wir von der Einigkeit sprechen, so denken wir dabei natürlich auch an eine innere Einigkeit, Einigkeit im Gesetzesgehorsam, zu der diese furchtbaren und zugleich wunderreichen Tage gebieterisch gemaihinten). Es hätte aus diesem Zusammenschluß eine innere Sammlung werden können, zu der die Zeitungen, nicht allein die gesetzestreuen, tagtäglich riefen. Denn was wir in diesen Tagen im heiligen Lande und in der heiligen Stadt an Zeichen und Wundern erlebten, übersteigt all das, was unsere Altvorderen hier gesehen haben. Jeder Tag zeitigte neue Wunder. Jede Bombe, die nicht platzte, jeder Schuß, der sein Ziel verfehlte, jeder Plan der Feinde, der vereitelt wurde, war ein Wunder für sich, vollführt von dem Schöpfer der Erde und dem Lenker der Geschicke, gegen den letzten Endes 'die Auflehnung gedacht ist. Der Hüter Israels schläft und schlummert nicht, auch wenn Israels Söhne schlafen, Ihm Ohr und Herz verschließen. Wohl selten zu einer anderen Zeit, wunden wir so sehr dessen inne, wie wenig unsere Kraft bedeutet, wie brüchig alle Stützen sind, auf die wir uns verlassen, und daß uns am Ende nur eine Stütze, „der Vater im Himmel", bleibt. D'DWUW U'3K bJT K^K JSWitf U1? Wie viel hörten wir nicht in letzterer Zeit von der Kraft des Jischuw, seine Interessen zu verteidigen, von dem Willen der Mächtigen der Erde, unsere Rechte zu schützen, von den Grundlagen für ein Zusammenarbeiten mit den Arabern, die die jüdischen Rechte auf Palästina angeblich anerkennen. Und die Zeit des rapiden Aufbaus und der Prosperität steigerte all diese Hoffnungen und Erwartungen ins Unermeßliche. 'Man glaubte an sich, man vertraute auf die Menschen .'. . Und an & tt <n .e m * o h ö n e a T a g e — es kam wie ein Blitz aus 'beitereimi Himmel — waren alle Erwartungen und Voraussetzungen zunichte, alle Stützen lagen in Trümmern. Keine innere Kraft und keine Prosperität mehr. Der Selbstschutz konnte nicht verhindern, daß nahezu neunzig Opfer hingemetzelt wurden. Die Kluft zwischen den Nationalitäten vertiefte und erweiterte sich. Und der Schutzwall der Regierung erwies sich leider als schwach und brüchig. So kabbalistischen Bräuchen auch. die Uschpisin abgeschafft. v ' Wem die dem Brauche innewohnenden kabbalistischen Geheimnisse nicht hegen, mag immerhin in den Uschpisin die Träger ethischer Prinzipien sehen, die mit zu den Grundlagen des Judentums gehören und deren Pflege uns die Festtage besonders nahelegen. Abraham ist die Liebe und die Gastfreundschaft,. Isaak zeigt den Opfermut, Jakob die Vollkommenheit, Joseph die Bewährung im außerjüdischen Kreise, Moses ist der Name für den Gesetzesg eh o r s a m , Ahron für Heiligtum und Altar (heute in unserem: Hause) und David kündet in 150 Liedern den G'tt ©STuhm. Erklärungen des Ramban zu Bereschit. Kap. 1, Vers 5. nn»' or> ipa vn a-ij;w\ Es ward Abend, es ward Morgen: Ein Tag. Weshalb heißt! es nicht JWR*i ai»» ein erster Tag? Die Ordnungszahl der Erste weist auf das Vorhandensein eines Zweiten hin. Der Tag, an dem -G'tt schied zwischen Licht und .Finsternis, hatte-noch keinen Gefährten, noch gab es keinen weiteren Tag.' Es ward Abend, es ward Morgen: "m* av Ein Tag. - Kap. 1, Vers 29—30. p*n So >jd bv '-wk jhi jni a'ra ür aaV »nna nan a»j?>« i»Rn p*n n*n >ah :nVa*£ m!> jnrjr*'X9'***,'^'XV1 ***** vss yv Va n« ri'h vai "u- "w* j^vim V* «rnn o'twnsy« ^tft '■ -nVairt;■ Nach der Ansicht Raschis z. St. und zu Sanhedrin 59b Stichwort "Win wi> sind die Nahrungsmittel des . Menschen die gleichen . wie die der Tiefe: Samen Zwischen den Jahren. Eine Erez Israel-Bilanz. Von Rabbi Mosche Blau in Jerusalem.

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