Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1936-09-30 · Heft 40 (30.9.1936) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 40 (30.9.1936)
Date
1936-09-30
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2450909-2450948--82441-2540396
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Zur Abgäbe einer längeren Erklärung ergriff sodann .der englische Außenminister Anthony Eden das Wort. Er gab einen Uebenblick über die Lage in Palästina, die er als eine unglückliche bezeichnete, und versicherte, daß die Regierung es für ihre erste Pflicht halte, Ruhe und Ordnung in dem Land /wiederherzustellen. Erst wenn dies geschehen sei, werde die K g 1. Kommission nach Palästina entsandt werden. Die englische Regierung habe nicht erwartet, daß die Unruhen in Palästina sich so lange Zeit hinziehen würden. Sie hätte der Mandatskommission ihre Arbeit gewiß gern erleichtert, aber bei der 'jetzigen Lage der Dinge bestehe nicht die Aussicht, daß die englische Regierung in der Lage sein werde, der (Mandatskommission den gewünschten Bericht anläßlich ihrer nächsten Tagung vorzulegen. Die englische Regierung könne ihre Meinung ülber die Lage nicht äußern, bevor ihr nicht das Urteil und die Empfehlungen der Kgl. Kommission' vorliegen. In Uebereinstinwnung mit der Erklärung des Kolonienmmisters Ormsby-Gore vom 19. Juni wende die englische Politik in Palästina keinerlei Aenderun.g unterzogen werden, bevor nicht der Bericht der Kgl. Kommission geprüft sein wird. Die Erklärung Edens fand im Völkerbundsrat eine äußerst kühle Aufnahme. Der stellvertretende Vorsitzende der Mandatskommission, der Bellgier Orts, erklärte, die Mandatskommission werde in Anbetracht der jetzt geschaffenen Lage genötigt sein, einige Bemerkungen in, Bezug auf Palästina zu imiachen, weil sie landernfalls nicht vor Frühling 1937 zur Behandlung der Palästinafrage komimen könnte. Der' englische Außenminister erwiderte hierauf, er beidaure es sehr, daß die .Mandatskommission so viele Ungelegenheiten in dieser Sache habe, er müsse ijedoch wiederholen, daß er mit Rücksicht auf die schwere Verantwortung, die die englische Regierung in diesem Fall zu tragen habe, der Mandatskommission keine Erklärung vor Beendigung der von der Kgl. Kommission durchzuführenden Untersuchung versprechen könne. Das Problem der Auswandererfürsorge vor dem Völkerbund, G e n f , 25. September. Die sechste (politische) Kommission der Völkerbundsversammlung hat eine Unterkommission für Probleme der Aus w a n d e r e rfürsorge unter dem Vorsitz des schweizerischen Bundesrates M o 11 a eingesetzt, Der Präsident des Verwaltungsrats des Nansenamtes, Hansson, und der Obenkonimissar für Auswandererfürsorge, Sir Neill Malcolm, legten •der Komimission Berichte über die Arbeit ihrer Aemter vor. Die Unterkornmission hat die provisorischen Maßnahmen für die Neuregelung der Auswandererfürsorge, die auf Veranlassung des Völkerbundsrates getroffen worden sind, zur Kenntnis genommen und die Ergebnisse der zwischenstaatlichen 'Regierungskonferenz vom Juli .dieses Jahres, die sich auf die Festlegung des Rechtsstatus Ausgewanderter beziehen, erörtert. Der französische Delegierte in der Konferenz, Grumbach, gab bekannt, daß die französische Regierung durch eine Verordnung drei bedeutsame Maßnahmen zur Regelung des Rechtsstatus der in Frankreich leibenden Ausgewanderten getroffen habe; ihre Rechtslage wurde geordnet, eine gemischte beratende Kommission zur Behandlung der übrigen Auswandererprobleme wurde eingesetzt und die Ausgabe von Arbeitskarten an Personen, die aus politischen Gründen ausgewandert sind, beschlossen. Parallel mit diesen Beratungen fand auch eine Konferenz von Vertretern verschiedener Privatorganisationen für Auswandererfürsorge statt. Die Konferenz war von dem Council for German Jewry einberufen. Es wurden Vorschläge über eine Reorganisation des Oberkommissariats für Auswandererfürsorge unterbreitet. In allen Punkten wurde Uebereinstimmung erzielt. Ein dreigliedriges Komitee wurde bevollmächtigt, die Beschlüsse der Konferenz in einer Denkschrift zusammenzufassen. Diese Denkschrift soll dem Oberikommissar für Auswanderefürsorge Sir Neill Malcolm und der zuständigen Unterkommission der politischen Kommission der Völkenbundsversammlung vorgelegt werden. Der Genfer Korrespondent des „Prager Tagblatt" hebt die Tatsache hervor, daß der englische Generalsekretär des Nansenamtes Johnson, der bisher die Ausdehnung der Fürsorge des Amtes auch auf Auswanderer aus Deutschland verhindert halbe, gestürzt wurde. Der Präsident des Amtes, der Norweger Hansson, trete für die Eingliederung der (Fürsorge für Auswanderer aus Deutschland in »dar. Nansenamt ein. Sollte dies geschehen, so würden die Auswanderer aus Deutschland Nansenpässe bekommen'. Es seien noch Widerstände von britischer Seite zu überwinden, aber die Aussichten für die Verwirtklichurig des Planes seien nicht ungünstig. Araber gegen Araber. — Typhus in Hebron. Am Montag fiel ein Araberführer als Opfer seiner eigenen Genossen, Der Vorsitzende des moslemitischen Rates in Haifa, Khalil T a h a , ein bedeutender arabischer Industrieller, wurde von arabischen Terroristen angegriffen und erschossen. Der Ermordete galt als Anhänger des Großmufti; man nimmt an, daß diese Tat der Jungnationalen abschreckend auf die Führer wirken sollte. Wiederholt spielen sich in den Dörfern kleine Schlachten ab zwischen Terrorbanden und arabischen Bauern, denen man Kontributionen erpressen will. Es gibt dabei stets Tote und Verwundete. Zahlreiche Araber wenden sich an das Streikkomitee mit der Bitte um Schutz vor Ueberfällen und Erpressungen. : Nach Meldungen aus arabischer Quelle wurde auch Fauzi e 1 KauJcadyi, der bekannte syrische Führer der Terrorbanden in Palästina, bei der Beschießung eines arabischen Dorfes durch englische Truppen verwundet. In der Stadt Hebron. ist eine Typhuse p i d e m i e ausgebrochen, die sich immer mehr ausbreitet. Nach „Feiestin" weigern sich die Aerzte, die Kranken zu besuchen und zu behandeln, wenn nicht das Honorar im voraus bezahlt wird. Jüdische Aerzte gibt es in Hebron nicht. Das Blatt gibt die Schuld an der Ausbreitung der Krankheit der Stadtverwaltung von Hebron, die die nötigen sanitären Einrichtungen nicht treffe. (Weitere Berichte auf Seite 9 und 10.) Die Stadtratwahlen in Lodz und die Juden. Bei den Wahlen zum Stadtrat von Lodz, der größten Industriestadt von Polen, haben die antisemitischen Nationaldemokraten, die die politische Entrechtung der Juden auf ihr Wahlprogramm geschrieben hatten, eine schwere Niederlage erlitten. Während sie im früheren Stadtrat 39 Sitze und die Mehrheit hatten, konnten sie •diesmal nur 25 Mandate er- CARSCH-FRANKFURT Das Spezialhaus ersten Ranges für Herren - u. Knaben-Kleidung und Herren-Artikel Ausrüstungen für Palästina und Ubersee langen. Die polnischen Sozialisten haben 32, die Bundisten und linken Pöale Zion 6 Mandate errungen, Die vereinigte Linke besitzt somit die absolute Mehrheit der insgesamt 72 Mandate. Auf Agudisten und Jüdische Volkspartei sind vier, auf die Zionisten zwei Mandate entfallen. Drei Mandate sind noch strittig. Der Regierungsblocik geht leer aus. Das Wahlresultat wird als symptomatisch für die politische Situation im Lande angesehen. Die Nationaldemokraten hatten gerade auf diese Wahl große Hoffnungen gesetzt. Zur Frage der Arbeitsveimittlung. Berlin, 29. September. Die „Frankfurter Zeitung" vom 23. 9. 1936, Nr. 487—488, bringt folgende Mitteilung:; Auch die Arbeitsvermittlung kirchlicher Verbände ist untersagt. Wie aus einem Schreiiben des Präsidenten der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslos enversicherung an den „Zentralausschuß für Innere -Mission" hervorgeht, ist den konfessionellen Verbänden, die als einzige Träger der nicht gewerbsmäßigen Arbeitsvermittlung außerhalb der Reichsanstalt noch übrig geblieben waren, die Vermittlung vollarbeitsfähiger Personen verboten worden. (Die Tatsache war früher schon für den ,(Deutschen Caritasverband" mitgeteilt worden). Den von der Ablehnung betroffenen Einrichtungen wird jedoch zur ordnungsmäßigen Abwicklung ihrer Geschäfte eine Frist bis zum 31. Dezember 1936 gewährt. Innerhalb dieser Frist dürfen Arbeitsgesuche volleinsatzfähiger Personen, die den Einrichtungen bis zum 31. Juli 1936 zugegangen sind, erledigt werden. Den Anträgen auf Erteilung von Aufträgen zur Arbeitsvermittlung, Berufsberatung und Lehrstellenvermittlung für nicht vollarbeitseinsatzfähige Personen, für die sie als gesetzliche Vertreter oder Eriziehungsbeauftragte bestellt sind, wird vorläufig bis zum 31. Dezember 1936 stattgegeben werden. Zu der Notiz teilt die Presseabteilung der Reichs Vertretung der Juden in Deutschland folgendes mit: Diese Regelung findet grundsätzlich auch auf die bisher bestehenden jüdischen Arbeit s n a c h w eise Anwendung. Jedoch ist. auch den jüdischen Arbeitsnachweisen eine Auslaufsfrist gewährt worden, innerhalb deren offene Stellen wie bisher entgegengenommen und die eingetragenen Arbeitsuchenden vermittelt werden dürfen. Die Einzelheiten der künftigen Regelung werden sobald als möglich bekanntgegeben werden, Zehn Thorarollen in einer Synagoge in Altona verbrannt. Altona, 27. September. In der Synagoge Adolphstraße in Altona, die von aus dem Osten stammenden Juden besucht wird, brach in der Nacht zu Jomkippur ein Schadenfeuer aus. Es waren in der Synagoge nach herkömmlichem Brauch Kerzen aufgestellt worden, von denen eine das Vorbeterpult entzündete. Das Feuer, das auch den Tfaoraschrein ergriffen hatte, konnte von der Feuerwehr auf seinen Herd beschränkt werden. Der Thoraschrein mit insgesamt zehn Thorarollen und Schmuck brannte vollständig aus. (ITA.)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.