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Der Israelit · 1936-09-24 · Heft 39 (24.9.1936) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 39 (24.9.1936)
Date
1936-09-24
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
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t^f^WISßf^S^Cg^i^^. Seite 10 Nr, 39 D Israel i t 24. •September.^1936 Der jüdische „Sherlock Holmes" von Czernowitz, Ein Einbruchsdiebstahl am Jomkippur vom Tempel aus aufgeklärt, M. L., Czernowitz. Noch heute, nachdem „Pan Löbl" schon seit langen Jahren eine wohlverdiente Pension verzehrt, erfreut sich der jüdische Inspektor in weitesten Kreisen des höchsten Ansehens. Nicht nur von dem anständigen Bürger wird der ehrfurchtgebietende, mächtig große Mann freundlich gegrüßt, wenn er durch die Straßen seiner Heimatstadt geht. Auch die „Gegenseite", also die Herren von der Zunft der Diebe, Räuber und sonstigen Uebeltäter, respektieren in Nathan Löbl den stets ritterlichen Gegner, der sich in seiner langjährigen Dienstzeit keinen einzigen Uebergriff zu Schulden hat kommen lassen. Nathan Löbl darf den gewiß noch wenig erreich^ ten Rekord für sich in Anspruch nehmen, niemals den ominösen Satz ausgesprochen zu haben: „Im Namen des Gesetzes sind Sie verhaftet!" Der Inspektor ist immer' viel gemütlicher vorgegangen, hat die Verdächtigen jeweils nur höflich gebeten, mit ihm auf die Polizei zu kommen, weil was gegen Sie vorliegt! Der „Sherlock Holmes" von Czernowitz, der seinen Namen wahrlich nicht ohne Grund erhalten hat, konnte allerdings auch recht ungemütlich werden und unter Einsatz seines Lebens, mutig, höchst energisch und nie erlahmend einschreiten, wenn die Not dies gebot. Eine ganze Serie von schweren Diebstählen, Raub= Überfällen und Morden hat Inspektor Löbl aufgeklärt, an welchen sich schon manche Kriminalisten die Zähne ausgebissen hatten. An Hand eines Fetzens eines Hemdes gelang es Löbl so u. a. einen bestialischen Raubmord an einem Gastwirt und seiner Frau aufzudecken. Weil er sich den Rockkragen schmutzig gemacht hatte, wurde der Chef einer gefährlichen Bande von Kasseneinbrechern, die lange Zeit hindurch ganz' Europa unsicher gemacht hatte, von Löbl in flagranti ertappt und den Behörden eingeliefert. Die Bedeutung dieser Leistungen wird aber erst dann ganz klar, wenn wir bedenken, daß damals der Kriminalpolizei kaum ein Bruchteil jener Hilfsmittel zur Verfügung standen, wie sie heute die Behörden besitzen. So erzählt Nathan Löbl besonders gern davon, daß er als erster in der Bukowina — auf eigene Kosten! — die festgenommenen Verbrecher photographierte und ein „Verbrecheralbum" anlegte. Wenn diese Arbeit für den Ausbau des Sicherheitswesens der Bukowina einstmals auch von enormer Bedeutung werden sollte, so macht« Löbl persönlich von diesem „Album" höchst faktischen Gebrauch. Der Inspektor betrachtete die Bildersammlung quasi als eine Spielerei, da er ja die ganze Karthotek aller lichtscheuen Elemente auswendig beherrschte! Sein einfach phänomenales Gedächtnis verhalf dem jüdischen Agenten-Inspektor auch dazu, einen Diebstahl, der am — Jomkippur ausgeführt worden war, restlos aufzuklären, ohne die Synagoge verlassen zu haben. Wohl wissend, daß der gefürchtete Kriminalbeamte an diesem Tag das G'tteshaus nicht verlassen würde — Löbl war immer ein glaubenstreuer Jude! — stattete ein Einbrecher einem Großkaufmann einen ungebetenen Besuch ab. Da der Hausherr zur gleichen Zeit auch im Tempel war, konnte der Gauner in aller Ruhe alles irgendwie Wertvolle wegschleppen ... Ein Wachmann brachte Löbl die wenig erfreu* liehe Meldung in die Synagoge. Zum Erstaunen des Beamten ließ sich der sonst so pflichtgetreue Inspektor aus seiner Andacht nicht im Geringsten stören. In der Pause vor dem Neidlo-Gebet hatte Nathan Löbl später nur eine kurze Unterredung mit einem Stellenvermittler. Ein Tempeldiener brachte sodann einen Befehl zur nächsten Wachstube und . . . der Dieb wurde mit seiner Geliebten in dem Augenblick verhaftet, als die beiden mit der ganzen Beute den Zug nach Lemberg besteigen wollten. Sein Personengedächtnis hatte Löbl rasch klar werden lassen, daß nur ein Mensch, der die Oertlichkeit ganz genau kannte, den Diebstahl ausgeführt oder angestiftet haben konnte. Die Rückfrage bei dem Stellenvermittler, der übrigens auch beim G'ttesdienst anwesend war, ergab, daß der Bestohlene in der letzten Zeit mehrere Dienstmädchen beschäf« tigt hatte. Darunter war auch eine Frau, die sich bereits anderer Diebstähle zu Schulden hatte kommen lassen. Löbl ließ aufs Geradewohl zupacken und — hatte Erfolg. Nathan Löbl, der heute schon über 75 Jahre alt ist, zählt mit zu den geachtetsten Bürgern von Czernowitz, WO jedermann zu schätzen weiß, daß der Inspektor in einem Beruf zu hohen Ehren kam, der wahrlich für einen gläubigen Juden kein üblicher ist. Kinder ecke; Vergib! Von Heini Isaak. Im Gebet versunken, ins Tallith gehüllt, Das Auge gesenkt, die Träne. noch quillt. Und ein Flehen sich über die Lippen zwingt, Ein Laut, der zitternd in mir klintft: Vergib'/ Leichengewänder, Posaunentöne — ergreifendes Bild. Und G'tt steht darüber, herrlich und mild. Das Volk schreitet vorüber, den Tod im Angesicht, Und wie ein Mann es spricht: Vergib'! In dämmernder Stunde — die Sonne sinkt — Sie beten noch, Erhörung, Vergebung ihnen winkt. Und noch einmal aus Herzenstiefe ein Ruf An ihn, der Mensch und Sünde schuf: Vergib'.' Und immer höher, höher steigen die Gebetesworte, Höher bis zur Himmelspforte, Durchbrechen der Hasser Ränkewall — Horch — weich, mild und doch donnernder Schall: Vergeben! Der Segen der Eltern. Von Saly Geis, II. Ihr Mädchen, auch ihr sollt einst als Mütter den Jakobssegen euren Söhnen geben; wenn ihr ihn nicht selber empfanget, so geschieht es wegen der Hervorhebung von Aufgaben, die euch vorzüglich anvertraut sind. „G'tt mache dich wie Sarah, Riwkah, Rachel und Leah", lautet der für euch bestimmte Segen. Die Stammväter hatten ihnen ebenbürtige Frauen, Ohne diese Frauen wären sie in dem Streben nach der Verwirklichung ihrer großen Ziele gehemmt gewesen, G'tt hatte nicht nur für Abraham, sondern auch für Sarah eine Abänderung des Namens bestimmt. Der neue Name Abraham sollte lehren, daß von der G'tteserkenntnis Abrahams bis zu den fernen Zeiten der G'tteserkenntnis der Völker der Weg von ihm und seinen ihm gledchdenkenden Nachkommen führt. Der Name Sarah weist auf feines Gefühl hin. Sarah empfindet, was das Rechte und was das Sittliche ist. Die Thora gibt zwei Beispiele hierfür. Als Abraham erregt über die Forderung Sarah®, Hagar und Ismael wegzuschicken war, befiehlt ihm G'tt: „Tue, was Sarah dir sagt." Während Abraham Gäste empfängt und bewirtet, weilt Sarah abseits im Zelte, denn Zurückhaltung geziemt .der Frau. Sarah ist auch die einzige Frau, von der die Thora das Lebensalter angibt und zwar in einer anderen Form, als sonst die Lebensjahre angeführt werden. Diese Aenderung wird in der Weise erklärt, daß sie sagen will: Sarah war mit 20 Jahren so schön wie ein Kind von 7 Jahren und mit 100 Jahren so schuldlos wie ein Mädchen von 20 Jahren. Das bedeutet wahrlich das höchste Lob. Auch Riwkah darf das Muster für jedes jüdische Mädchen sein. Sie war ein Mensch von großer Schönheit, doch ihre Sittsamkeit ließ jeden ehrfurchtsvolle Scheu ihr gegenüber-beobachten. .Sie war aber keineswegs stolz, vielmehr eine fleißige Arbeiterin in ihrer Familie und stets, auch gegen Fremde zu menschenfreundlicher Hilfe bereit. Riwkah steht an der Quelle, um ihren Krug mit Wasser zu füllen. Da .erscheint eine Karawane. Der Führer des Zuges — es ist Elieser, der Hausverwalter Abrahams — tritt auf Riwkah zu und erbittet etwas Wasser. Sie reicht ihm den Krug und erbietet sich, die Kamele zu tränken. Es dauert lange, bis durstige Kamele befriedigt sind — und ihnen Wasser zu bringen, ist für einen kräftigen Mann eine mühe* voll© Arbeit, um wieviel unehr für ein Mädchen. Riwkah wird Isaaks" Frau. Ihr klarer Blick sieht } die Unterschiede zwischen ihren, beiden Söhnen sowie auch die Vorliebe des Vaters für seinen Aeltesten, dessen Wünsche nicht sind, Weiterträger des Elternhauses zu sein, sondern draußen herumzuschweifen, der aber den Vater zu täuschen versteht.;| Die Jahre vergehen. Isaak erblindet. Wieder vergehen Jahre. Der .alte; blinde, Isaak will nun seinen; Erstgeborenen in dem . Irrtum, : auch er werde den ,j Abrahamsgedst pflegen,"Segnen. Riwkah' sieht den Augenblick-gekommen,- daß sie nicht, mehr '. zögern darf, ihren Mann von seiner -fälschen Auffassung zu |' heilen. Ihr Plan gelingt. Riwkah hat also die große Lebensaufgabe des von Abraham abstammenden Hauses erkannt. Erkennet darum auch ihr, Mädchen,, diese große Aufgabe! Von Rachel und Leah erzählt unsere Thora, mehrere Male, daß ihnen ihre Kinder Gaben G'ttes bedeuteten und von Rachel überdies, wie sie die Götzen ihres Vaters wegnahm. G'tt stets über sich zu wissen und — wo es möglich ist —- aus der Umgebung wegzuschaffen, was G'tt zuwider sein muß, — dies könnt ihr von Rachel und Leah lernen. Möget ihr werden wie Sarah, Riwkah, Rachel und Leah, — dann habt ihr auch für die Zukunft euer Haus eingeschrieben in das Buch des Lebens des Abrahamsvolkes! Vermischtes. JeScMwa in Mannheim. Mannheim, 14. Sept. Die in Mannheim seit zwei Jahren bestehende J eschiwa (Thoralehranstalt) ist das Werk privater, vorbildlicher Initiative und Finanzierung. Sie -st an die Claus- Stiftung angegliedert, führt deren Tradition weiter und wird von deren Rabbinat mit Rat und Tat eifrig gefördert. An ihr wirken nit großem Geschick Rabbiner Dr. A. Roth und Dozent A. Straßberg, und wenn auch vieles noch im Werden und die Zahl der Bachurim noch nicht sehr groß ist, so scheint doch die Gewähr gegeben zu sein, daß die jungen Menschen, die bereits hier gelernt haben, Wertvolles mit auf ihren neuen Lebensweg genommen haben. Und die, die erst kommen werden, werden unter kundiger Hand, die auch den Neulingen die richtigen Wege weist, hingeführt zu den Quellen jüdischen Lernens, Lebens und Handelns. Noch ist die Jeschiwa private Gründung. Es bleibt zu hoffen, daß in der Gemeinde ihr wahrer Sinn und ihre Bedeutung erkannt und ihr die Förderung zuteil wird, die einer Lehrstätte der Thora inmitten einer jüdischen Gemeinde gebührt. Die Lernmöglichkeiten, die kostenlos zur Verfügung stehen, erstrecken sich auf Talmud, Mischna, Gemara, Kizzur Schulchan Aruch und Tenach. Die Clausigemeinde ist stolz darauf, daß durch das Vorhandensein der Jeschiwa ein neues „Lehrhaus" in der Mannheimer jüdischen Gemeinde entstanden ist, das die wirkliche und notwendige Ergänzung jenes großen „Jüdischen Lehr* hause«" bildet. Wenn die beiden Einrichtungen auch vollständig unabhängig voneinander sind, so wird gewiß die Jeschiwa ketana in Mannheim nicht ohne geistige Ausstrahlung bleiben zu jenem Lehrhaus hin, zur Gemeinde und über Mannheim hinaus. Sie beginnt ihre neue Semestertätigkeit am 2. Marcheschwan (18. Oktober) und Anmeldungen nimmt Herr Rabbiner Dr. Lauer, Mannheim, F. 1. 11 entgegen. Berlin, 14. Sept. Die „Berliner Nachtausgabe" berichtet von einer Verhandlung vor dem Schöffengericht Berlin, das einen Angeklagten wegen schwerer Urkundenfälschung zu vier Monaten Gefängnis verurteilt hat. Der Angeklagte, der Hauswart :st, hatte Streitigkeiten mit zwei älteren Damen gehabt, die eine gemeinsame Wohnung inne hatten. Die beiden Mieterinnen, die Schwestern sind, sind rein arisch. Der Hauswart verbreitete aber im Hause das Gerücht, die beiden seien jüdisch. Er berief sich hierbei .darauf, daß sie sich als mosaisch in die Haushaltungsliste eingetragen hätten. Bei der Reichstagswahl im März mußten die beiden Sehw&steYri feststellen, daß ihre Namen in der Wahlkartei nicht verzeichnet waren. Als man der Sache nachging, stellte sich heraus, daß die Haushaltungslisten tatsächlich den Vermerk mosaisch trugen. In der Liste von' 1935 war aus dem „ev." 'durch Darüberschreiben ein ,mos." gemacht worden. Der Verdacht richtete sich gegen den Hauswart, der jedoch die Tat bestritt. Er wurde aber durch einen Schriftsachverständigen überführt. Berlin, 20. Sept. Wie die „Frankfurter Zeitung" mitteilt, haben Landgericht und Oberlandesgericht Bräunschweig 'einer seit 1920 mit einem Juden verheirateten Frau, die unter Berufung auf die Nürnberger Gesetze die Anfechtung -ihrer Ehe versucht hatte, das Ärmenrecht für die Klage versagt. In den Gründen des Öberlandesgerichtsbeschlusses wird gesagt, es möge zwar sein, daß manchem Volksgenossen erst durch die Nürnberger Gesetze die schwerwiegende Bedeutung der Reinhaltung der deutschen Rasse zum Bewußtsein gekommen sei, es könne aber nicht angenommen werden, daß die Antragstellerin, •die die Ehefrau eane& Nationalökonomien und Dr.. phil. sei, bis zum Erlaß der Nürnberger Geseke indem Wahn befangen gewesen wäre, ihr Ehemann gehöre nur einer anderen Religion, nicht auch einer anderen Rasse an. Köln, 14i Sept. Die Synagogengemeinde Adaß Jeschurun in Köln teilt zu dem" Aufsatz von Herrn Dr. Hermann Weil in Nr. 37 de&'„Israelit" mit, daß das Reformrealgymnasium Jawne ni c h t als Schulwetfk" der Adaß: Jeschurun; .anzusprechen; ist/ sondern -eine selbsiähdigeEinrichtung ist, die heute von b g 3* d en K ö.lne r G em e ind en und ybii der Reichsvertretung "gestützt wird. \iL

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