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Der Israelit · 1936-09-24 · Heft 39 (24.9.1936) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 39 (24.9.1936)
Date
1936-09-24
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 Nr. 39 Der Israelit 24.. September 1936 Westmauer. Die Holztüre an der linken Ecke wurde entfernt und an deren Stelle eine eiserne Türe mit arabischer Aufschrift eingesetzt. Der Waad Leumi fordert die Regierung auf, gegen diesen Ueb ergriff einzutreten. Im Norden von Tel Awiw wurde der Grundstein zur Anlegung eine« neuen jüdischen Arbeiterviertels gelegt, wo 144 Familien Platz finden sollen. Dieses Bauunternehmen, für das eine Summe von 110.000 Lst. vorgesehen ist, zeugt von dem ungebrochenen Mute des Jischuw. Colonel K i s c h , der zur Aufrechterhaltung der Verbindung zwischen dem Jischuw und den Militärs behörden nach Jerusalem berufen wurde, ist hier emgetroifen und hat seine Funktionen übernommen. Eine neue Siedlung bei Chedera. Jerusalem, 10. Sept. Der Jüdische Nationalfonds hat in der Nähe von Chedera einer landwirtschaftlichen Genossenschaft ein Gebiet von 350 Dunam zur Bewirtschaftung übergeben. Es werden jetzt dort über 200 Häuser errichtet. Die neue Siedlung wird nach dem vor zwei Jahren ermordeten Dr. Chaim Arlosoroff den Namen Newe Chajim tragen. Die ersten 33 Häuser sind bereits gebaut und der Bau von weiteren 40 Häusern wird jetzt in Angriff genommen. Jedes Haus erhält ein Grundstück zur Anlage eines Gemüsegartens für eigenen Verbrauch und Verkauf. Eine traurige Jahresbilanz. Jerusalem, 10. Sept. Eine Bilanz der nun seit 23 Wochen andauernden Unruhen in Palästina ergibt ein erschreckendes Bild des durch arabischen Terror und Vandalismus verursachten Verlustes an Menschenleben und der Vernichtung von Werten. Es wurden in dieser Zeit 34 Engländer, 82 Juden und 225 Araber getötet. Verwundet wurden 144 Engländer, 276 Juden und 640 Araber. 250.000 Bäume wurden ausgerodet, in 280 Fällen Brandstiftungen verübt, 48 Brücken gesprengt, in 300 Fällen Telefonleitungen durchschnitten, 32 Zugentgleisungen herbeigeführt und 130 Sabotageakte anderer Art verübt. Die Verluste der Regierung werden auf 450.000 Pfund geschätzt. In 28 Fällen wurden Kollektivs strafen verhängt, die eine Ge&amthöhe von 18.000 Pfund erreichten. Die der jüdischen Siedlung Achusa Herbert Samuel auferlegte Strafe ist hierbei nicht eingerechnet. In elf Ortschaften wurde der Ausnahmezustand verkündet. Die Versicherungsgesellschaften schätzen den Schaden, den die Juden unmittelbar und mittelbar durch die Unruhen erlitten haben, auf l]/2 Millionen Pfund, den der Araber auf 800.000 Pfund. 420 Araber wurden in Konzentrationslager gebracht, 2000 verhaftet. Von 'diesen wurden 40 Proz. auf Grund der Notverordnungen abgeurteilt. 130 Bombe» sind zur Explosion gebracht worden,, 400, darunter 'die zum Versand nach Tel Awiw bestimmten Höllenmaschinen, wurden beschlagnahmt. Ferner sind bei Arabern 35 Tonnen Gewehre, Revolver, Munition und Sprengstoff gefunden worden. Schwere Erkrankung dcs Bürgermeisters Dizengoil Tel Awiw, 20. Sept. Bürgermeister Meir Dizengoff ist an einer schweren Lungenentzündung erkrankt. Sein Zustand wird von den Aerzten als ernst bezeichnet. Am Sonntag wurde über das Befinden Dizengoffs ein Bulletin ausgegeben, in dem erklärt wird, es sei keine Verschlechterung seines Zustande« eingetreten. Die Entzündung der linken Lunge ist noch nicht zurückgegangen, die große physische Widerstandsfähigkeit des Patienten berechtige jedoch zu 'der Hoifnurag, daß er die Krankheit überstehen wird. Das Hau© des erkrankten Bürgermeisters ist von einer tausendköpfigen Menschenmenge umlagert, die auf letzte Nachrichten vom Krankenlager wartet. High Com missioner Sir Arthur Wauchope hat .im Hause des Bürgermeisters einen Besuch abgestattet. Italien. Das italienische Regime in Abessinien und die Falaschas, Addis Abeba, 7. Sept. Der Vizekönig von Abessinien, General Graz i a n i , empfing in längerer Audienz den Delegierten des Verbandes jüdischer Gemeinden Italiens, Adv. Carlo V i t e r b o , der nach Abessinien kam, um die jüdischen Gemeinden in Addis Abeba und in Dire= Daua zu organisieren und Maßnahmen zur Verbesserung der Lage der schwarzen Juden Abessiniens, der Falaschas, deren es nach letzten Schätzungen 100.000 geben soll, die in der Gegend des Tana-Sees leben, zu treffen. Der Vizekönig versprach Viteribo, daß die abessinische Regierung gern die arbeitsame und friedliche Falascha=Bevölkerung materiell und geistig fördern wolle. Amerika. Außenminister Hull nimmt den Protest von zwei Millionen amerikanischer Juden entgegen. New York, 10. Sept. Zwanzig jüdische Organisationen, unter ihnen der American Jewish Congress> die B'nai B'rith und die Hadassa, haben als Vertreter von zwei Millionen amerikanischen Juden dem amerikanischen Außenminister Cordell Hull einen Protest gegen die englische Politik in Palästina überreicht. In der Protestkundgebung der großen amerikanisch-jüdischen Verbände wird der englischen Regierung der Vorwurf gemacht, daß sie an der Fortdauer der Unruhen in Palästina schuld sei. Der Ordenspräsident der. B'nai B'rith, A. M. Cohen, hat eine Erklärung veröffentlicht, in der vor einer etwaigen Einstellung der jüdischen Einwanderung nach Palästina als einem äußerst verhängnisvollen Schritt gewarnt wird. Ein besonderes Gebet in Amerika zum Gedächtnis der in Palästina gefallenen Opfer. New York, 10. Sept. Der amerikanische Kantorenverband hat ein eigenes Gebet zum Gedächtnis der in Palästina gefallenen Opfer verfassen lassen, das in der ersten Selichotnacht am 12, September in den Synagogen rezitiert wurde. Die Gebete werden im Zusammenhang mit der gleichzeitig beginnenden großen Aktion zur Pflanzung von 100.000 neuen Bäumen an Stelle der während der Unruhen vernichteten gesprochen. Präsidentschaftskandidat Landon warnt vor Rassenkampf in Amerika. New York, 7. Sept. Gouverneur Alf M. Landon, der republikanische Gegenkandidat Roosevelts in der gegenwärtigen Präsidentschaftswahlkampagne, hat zum erstenmal im Laufe dieses Wahlkampfs zm der Rassenfrage Stellung genommen, die gelegentlich in diese Kampagne hineingetragen wird. In einer Ansprache, die er in Wichita im Staate Kansas vor einer Versammlung der Amerikanischen Legion hielt, trat er entschieden für Duldsamkeit und gegen Judenfein dschaft in Amerika ein. Er forderte die ehemaligen Frontkämpfer zum Kampf gegen diese Strömung auf, die er als gefährlich bezeichnete. Die Aufpeitschung nationaler Leidenschaften, erklärte er, hat bei uns noch nicht ernste Formen angenommen. Es wäre tragisch, wenn sie ernst werden sollte. Man nimmt an, daß Landon mit dieser Rede der Behauptung einiger Blätter, er sei Antisemit, entgegentreten wollte. Jüdische Einwanderung in Amerika. ■New York, 7. Sept. In den ersten sechs Monaten dieses Jahre« sind 6803 Juden in .die Vereinigten Staaten gekommen. In einem Bericht der Auswandererhilfsgesellschaft HIAS (Hebrew Sheltering and Immigrant Aid Society of America) wird bekannt gegeben, 'daß bis Ende Juni Einwanderer von 282 Schiffen durch Vertreter de®, Verbandes aufgenommen und betreut wurden. Von den angekommenen Juden waren 3943 klassifizierte Einwanderer, 2869 Nichteinwanderer. In dem gleichen Zeitabschnitt des vorangegangenen, Jahres sind 2136 Juden als Quoteneinwanderer und 1819 als Nichteinwanderer nach Amerika gekommen. Siedlungsaktion des ORT für Juden aus Polen. New York, 20. Sept. Der von einer Reise durch die Gebiete jüdischer Massensiedlung in Osteuropa nach Amerika zurückgekehrte Präsident der Amalgamated Bank in New York, Adolf Held, ,gab bekannt, daß der ORT=Verband in Amerika eine Aktion zur Ansiedlung von tausend osteuropäischen Juden in Biro-Bidschan durchführen wird. Adolf Held hat Biro-Bidschan besucht, um festzustellen, oh es empfehlenswert sei, das dem ORT gemachte Angebot, tausend nichtrus* sische Ostjuden nach Biro-Bidschan einwandern zu lassen,, anzunehmen. Er erklärte, er werde sich in seinem Bericht für die Annahme dieses Angebotes aussprechen. Held stellte fest, daß das Gebiet große Möglichkeiten habe, die Arbeit jedoch dort nur langsam vorwärtsschreitet. Der Gouverneur des Gebietes, M. Lieberberg, habe selbst erklärt, es sei schwer, ein ganzes Land auf einmal aufzubauen. Die jüdische Bevölkerung von Biro-Bidschan betrage jetzt 15.003 Seelen. Es bestehe die Möglichkeit, 5—10.000 Mensehen jährlich aufzunehmen. In diesem Jahre würden rund 1000 Juden aus Polen nach Biro-Bidschan auswandern. Ein schwierige® Problem bilde die Beschaffung von Unterkünften. Das Bauwesen sei rückständig. Immerhin seien die Leute zufrieden, die Schulen gut, 'die Regierung freundlich gesinnt und die natürlichen Hilfsquellen reich. Agudas Jisroel- Bewegung. Von der Berliner Agudagruppe. In der Woche vor Rausch=haschono hatten die Berliner Agudo - Gruppen zu einem Vortragsabend über „die großen Probleme des Jahres; 5696" eingeladen. Das Referat hatte dankenswerter Weise Herr Dr. S. Ehr mann aus Frankfurt a. M. übernommen. Der Redner, der erst kürzlich hier über die Verhältnisse in Erez Jisroel gesprochen hat, verstand es, dieses- Mal die Zuhörer durch die lebendige Darstellung der Problematik in den Gesamtaufgaben der Agudas Jisroel zu fesseln. Unter Hinweis auf die in der Sidroh betonte Zusammengehörigkeit der drei verschiedenen rvnerya zeigte der Redner, daß der jüdische Volks- und Staatsbegriff untrennbar ist von der durch jwm yn symbolisierten Unterordnung unter die Tauroh. Mit der Erfüllung der beiden anderen nnipya/ die die soziale und die allgemeine kulturelle Aufgabe aufzeigen, haben wir unserer Pflicht nicht Genüge fgetan. Daraus ergibt sich, konsequent, daß wir mit jüdischen Organisationen, die nicht auf dem Boden der Tauroh stehen, nur soweit zusammenarbeiten können, wie es sich nicht um weltanschauliche Fragen handelt. Die Bereitwillgikeit dazu hat die Agudoh durch ihre Stellung zur Jewish Agency, zum Council for German Jewry, zum Weitkongreß und auch zur Ica deutlich bewiesen. Andererseits ergibt sich, daß in den Fragen der Religion nur der Stimme der Agudas Jisroel maßgeblich Gehör geschenkt werden darf, wofür insbesondere der High Commissioner igroßes Verständnis zeige. Tn diesem Zusammenhang erwähnte der Redner die Bemühungen der Agudoh um die Kaschruth-Bedürfnisse der orthodoxen Familien, 'die in Argentinien angesiedelt werden. Er wies die Berechtigung der unabhängigen Agudo-Politik in Polen nach, die durch das Wahlergebnis erhärtet werde, welches nicht de» polemisierenden Zionisten, sondern dem beiderseitigen Gegner, den Bundisten, den Sieg gebracht hat. In dieser Situation müssen wir die bewährte Mitarbeit des schwer erkrankten R. Chajim Oser Grodzenski vermissen, dem mit dem Jahresanfang eine mnbv 'D*i zuteil werden möge. Mit der eindringlichen Mahnung, daß jeder Aguddst sicli^ in diesen Tagen der Pflicht des n^yn *m in Anwendung auf den persönlichen Einsatz jedes Einzelnen für diß volle Verwirklichung des agudistischen Gedanken« bewußt werde und die vielen Suchenden auf den richtigen Weg leite, schloß Herr Dr. Ehrmann seine mit starker Begeisterung aufgenommenen Ausführungen.

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