Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 39 (24.9.1936)
- Date
- 1936-09-24
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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24." September. 1936 Der1 Israelit Nr.. 39 Seite 7 Oesterreich. Geiallenen-Gedcnkfcier in Wien. Wien, 20. Sept. Der Bund jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs veranstaltete am Sonntag, den 20, September, einen Grabgang zu .den. jüdischen Heldengräbern auf dem Wiener Zentralfriedhof, wo in feierlicher Weise der jüdischen Gefallenen gedacht wurde. Polen. Wieder pogromartige Ausschreitungen in Polen. — 50 Juden, in Wysokie Mazowiecki verwundet. Warschau, 15, Sept. In einer Reihe polnischer Kleinstädte isf es zu schweren judenfeindlichen) Unruhen gekommen, bei denen zahlreiche jüdische Händler von nationaldeimo* kratischen Exzedenten verwindet'wurden. In Wysokie Mazowiecki nahmen die Ausschreitungen pogromartigen Charakter an. Anläßlich des Markttages wurden die jüdischen Händler überfallen, die Läden geplündert und die Waren vernichtet. Später durchzogen Exzedenten die Straßen, zertrümmerten die Fenster der jüdischen Geschäfte und Häuser und griffen die jüdischen Passanten an. Im Verlaufe' der Ausschreitungen, die bis in 'die spä» ten Abendstunden andauerten, wurden über fünfzig Juden verwundet. Sechs von ihnen, Mösche Oldak und Chaim Brukarz, zwei jüdische Kaufleute aus Lomza und Nehemia Friedmann aus Radzymin wurden in schwerverletztem Zustand ins Krankenhaus gebracht. Die gesamte jüdische Bevölkerung des Städtchens ist von schwerster Panik erfaßt. Alle jüdischen Geschäfte sind geschlossen, die jüdischen Einwohner wagen nicht; sich auf der Straße zu zeigen. Man befürchtet weitere Ausschreitungen, weil in dem Nachbarstädtchen Sokoly zu dem dortigen Markttag viele hunderte Bauern versammelt sind, die infolge nationaldemokratischer Verhetzung sich in einem Zustand hoher Erregung, befinden. Das Hilfskomitee der Warschauer jüdischen Gemeinde hat nach Wysokie, Mazowiecki -eine Abordnung entsandt,, um die Lage zu.untersuchen und Bericht über die notwendigen Hilfsmaßnahmen -zu er2 statten. Auch der Jüdische Parlamentsklub hat die Entsendung einer Kömmission beschlossen. In einem amtldchen>.Bericht .aus B.i a 1 y s t o k wird bestätigt, daß die Ausschreitungen in Wysokie Mazowiecki zu den schwersten der letzten Zeit gehörten. Schuldig an den Ausschreitungen ist nach diesem Bericht -eine Gruppe junger Bauern, die der Nationaldemokratischen Partei angehören. Diese Bande begann um 4.50 Uhr Nachmittag gleichzeitig von verschiedenen Stellen der Stadt aus ihre Angriffe gegen die Juden. Ueber 300 Fensterscheiben wurden zertrümmert, vier Juden gehörige Marktstände vernichtet, vier Juden und ein Priester wurden durch Steinwürfe verwundet. Um 6.30 Uhr abends traf Polizei ein, die den Unruhen ein Ende machte. Sechs jugendliche Nationaldempkrat^en wurden verhaftet. Auch in P u 11 u s k haben die Nationaldemokraten den Markttag dazu benutzt, jüdenfeindliche Unruhen? hervorzurufen. Neun. Juden wurden mißhandelt, meh-' rer'e wurden gezwungen, ihre,' Läden zu schließ eh. Eine Abordnung der Jüdischen Gemeinde hat die Entsendung stärkerer Polizeiabteilürigen in die Sfadt verlangt. In Przytyk wurden in der Nacht die Fenster vieler jüdischer Häuser eingeworfen. Die Behörden haben die Abhaltung von Märkten in Przytyk für die nächsten,. Wo eben verböten. ( Judenfeindliche Exzesse ereigneten sich auch in W i I n a. Die Fenster vieler jüdischer Häuser und Geschäfte wurden zertrümmert, ein jüdischer'j^assant, Abraham Kahan, "wurde verwundet. In Lodjz wird von den Nktdonaldemokräteri an* läßlich der letzten•" Gemeinde wahleil eine erbitterte an tos emi tische Kampagne geführt. Vor das Büro der WIZO-Ortsgruppe, das sich in" demselben Hau^ wie. ein Parteilokal di^r Näßonaldemokraien befolget,! ist eine Bombe gelegt' worden, die von der Polizei ''rechtzeitig* 'enifemi'Verden/'konmte.'' i Polnisches Allerlei, Warschau, 16. Sept. ■ In Lemberg wurde eine Konferenz der jüd sehen Landwirtschaftsgesellschaft eröffnet^ Ueber 100 Delegierte aus achtzig Ortschaften nehmen an den Beratungen teil. Aus den Berichten ist zu ersehen daß .die mit der ICA arbeitende Gesellschaft zur Zeit rund 3500 Mitglieder in sieben Wojwodschaften zählt. Der Gesellschaft sind auch zahlreiche land wirtschaftliche. Kooperativen angeschlossen, die sich s'ehr gut entwickeln. -'• 1 Das Gericht in Rädom hat einen gewissen Ro man Lencki, der in Przytyk die jüdischen Ein , »-/ohner . Abraham Ackermann und Abraham Zucker überfallen und mißhandelt hatte, zu einem Monat Gefängnis verurteilt. Wladislaw Kara czynski wurde wegen Zertrümmerung ..von Grabsteinen auf dem jüdischen Friedhof in Przytyk zu 14 Tagen Gefängnis verurteilt. Da in letzter Zeit in Warschau wiederholt anti semitische und staatsfeindliche Lieder durch Hof- und Sjraßensänger gesungen wurden, ist eine Verordnung erlassen worden, demzufolge Straßensänger; die künftig solche Lieder singen sollten, zu verhaften sind. Es dürfen nur solche Lieder gesungen werden, die die Zensur passiert haben. Auf den Warschauer Hauptstraßen N o w y S; z w i a t und Ale je U j a g d o p s k i e versuchten Gruppen von Nationaldemokraten, judenfeindljche. Kundgebungen zu veranstalten. Mehrere jüdische Passanten wurden mißhandelt. Polizei griff ein und verhaftete dreißig Nationaldemokraten. Die pölizei* liehe Untersuchung wurde gegen sie eingeleitet.: Mit einer Gruppe von 200 Palästinaaus Wanderern gehen demnächst die b-eiden Töchter des in Przytyk ermordeten Ehepaares Minkowski, Mindel Lea und Teme Rachel, auf Grund der ihnen vom Zentralen Palästinaamt erteilten Zertifikate nach Erez Israel. Vor einiger Zeit wurde die Dorfhändlerin Beile R,b s e n b e r g , als sie mit ihrem Warenpack von einem Dorf bei Minsk-Mazowieck in die Stadt ging, von einem Mann angefallen und schwer mißhandelt. Eshandelte sich um ein durch Beteiligung an Ju- ■denexze.ss.en 'berüchtigtes Individuum. In der Gerichtsverhandlung erklärte der Staatsanwalt, der Täter verdiene eine schwere Strafe, da durch solche Exzesse der gute Ruf Polens im Ausland leide. Nach kurzer Beratung verurteilte der Gerichtshof den Angeklagten zu drei Jahren G e f ä n g n i s und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte für sechs Jahre. England, Ein Blutbeschuldigungsprozeß in England, London, 21. Sept. Am Freitag,' den zweiten Rosch-Haschanatag, begann vor dem Hauptstrafgericht der Prozeß gegen den Herausgeber der Zeitung „The Fascist", Arnold Spencer Leese und seine Genossen wegen aufrührerischer Verleumdungen, begangen durch Veröffentlichung;• in denen u. a. auch die Blutbeschul dirgung gegen Juden erhöben wird. Es ist zum ersten Male, daß in England von Amtswegen öffentliche Anklage wegen Verbreitung der Blutbeschuldigung erhoben wird.4 'In der Anklageschrift werden sechs Beschüldigungspurikte angeführt: 1. Veröffentlichung einer verleumderischen Erklärung gegen die Untertanen jüdischen Glaubens Sr. Majestät mit der Absicht, bösen Willen zwischen ihnen und denjenigen, die nicht jüdischen Glaubens sind, hervorzurufen; 2. dasselbe mit Ausnähme der Absicht, Gefühle der Feindselig* keit hervorzurufen; 3. mit der Absicht, Unzufriedenheit hervorzurufen; 4. Abneigung hervorzurufen; 5. gemeinsame Verabredung 'in der Absicht, den „Fäscist" mit einem, Inhalt" verschied'ej^r/^aidftlö&er .und verleumderischer Behauptungen zu. drucken und, .zu veröffentlichen; 6. - Druck -des' „Fascist"/ am 4. duli und damit' Förderung öffentlichen LJhheils. Die beiden Angeklagten lehnten., die Vertretung durch einen Anwalt ab: und erklärten, sich selbst verteidigen zu wölleri;;" - .■'■■.< Zu Beginn der Verhandlun'g weist Generalstaaisanwfalt Somervel darauf hin, daß die an sicH'^r= \™4to)#tif^faik^>$8&Hffe% M&^en ^fefc wenn sie in Aufreizung verschiedener Bevölkerangsteile gegeneinander ausarte und Verleumdungen produziere, die den Frieden unter den Bürgern des britischen Reiches stören. Der Generalstaatsanwalt besprach sodann im Einzelnen die Anklagepunkte und verlas die inkriminierten Stellen des Artikels, in denen als Kampfmittel gegen die Juden, Tötung, Sterilisierung und Absonderung empfohlen und ferner behauptet wird, daß die Juden Ritualmord begehen. Die Aufforderung, die Juden auch geschäftlich zu boykottieren, stelle eine direkte Aufreizung und Schädigung eines großen Teiles» der Bevölkerung dar. Die Angeklagten Leese und Whitehead erklärten .sich in Bezug auf alle Punkte der Anklage als nichtschuldig. Die Verhandlung' wurde dann auf Montag, den 21. September, vertagt. * * .* London, 23. Sept, Im Verleumdungsprozeß ' wurde am Montag abend vom Schwurgericht das Urteil gefällt. Der Heraus« •geber der Zeitung und Autor des Artikels, Leese, wurde zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt, der Verleger Whitehead zu einer Geld- Strafe von 20 Pfund. Leese, der sich selber verteidigte, erging sich in weiteren Ausfällen gegen Juden und Judentum und lehnte eine ihm angebotene Geldstrafe ab. Palästina. Terror auch nach Ankunft der neuen Truppen in Palästina. Opfer in Tiberias, — Erste Todesurteile. — Verhandlungen ohne Ende. — Uebergriiie an der Westmauer. Jerusalem, 22. Sept. Es schien so, als sollte mit der Ankunft der neuen Truppen etwas Ruhe eintreten. Auch die Feiertage sind bis auf ganz unwesentliche Zwischenfälle ruhig verlaufen. Kleine Ueberfälle kurz vor den Feiertagen bei Ewen Jakob, Nesziona, Gederah, Kfar Saba und anderen Siedlungen, wo zahlreiche Bäume ausgerodet wurden, zählten kaum mit. Da kam am letzten Samstag nan? 'v der schwere Fall in Tiberias und riß uns wieder aus allen Träumen. Dort wurde in das Haus der jüdischen Familie Turgemann eine Bombe geschleudert. Das fünfjährige Kind der Familie, Elieser, wurde dabei getötet und alle anderen Personen verwundet, unter ihnen die Mutter und der 75jährige Großvater der Familie schwer. Die Tat löste im ganzen Jischuw ungeheure Empörung aus, sie erinnert beinahe an den Familienmord in Safed. Damit noch nicht genug, wurde bei der Bestattung der Opfer nach Sabbatausigang der Trauerzug in der Nähe vom Friedhof von Terroristen beschossen, so daß die Bestattung auf Sonntag verschoben werden mußte. . . Am Sonntag wurden wieder mehrere Kolonien, u. a> Rischonj le Zion, Chederah und Ekron beschossen. . Wiederholt wurden Anschläge auf die Irak-Petroleuinleitung vereitelt. .Einigen Eindruck macht die Tatsache, daß zum ersten Male auch Todesurteile, .gegen Aufruhrer gefällt wurden. Das Geschworenengericht, in Jerusalem verurteilte zwei Araber, 'die englische Truppen bei-.Nablus mit Waffen, angegriffen haben, uzu.m ,, Tode. Bei ,der Explosion einer Bombe an der Grenze zwischen Jaffa und Tel 'Awiw wurden Abraham Biedermann und Elieser Hamsensprung schwer und zwei ändere jüdische Arbeiter leicht verwundet. : ". .' Die Verhandlungen unter den Arabern gehen weis ter, ohne zu einetm * Resultate zu führen. Durch die Beratungen der Lokalausschüsse, 'die die Fortsetzung des Streikes wünschten, hat das Oberste arabische Komit'e e 'neüe'' Autorität erhalten. Dieses zentrale Koinitee''.befindet sich aber in einer; förmlichen Sackgasse, aus; der: es ' keinen Ausgang sieht. . Wie verlautet, will das Oberste Komitee noch einmal die arabischen Könige zur Vermitt* lung anrufen. In einem Communique des Waad Leumi wird Pror test eingelegt gegen das Verhalten der Araber auf dem. zur Zeit von. Juden verlassenen. Platz vor.,der